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24.04.2005, © Vivienne

Robbie Williams, Teil 1

Robbie Williams ist für mich ein Phänomen. Ich stehe dazu, seine CD’s zu kaufen und mich von seiner Musik begeistern zu lassen, obwohl ich längst kein Teenager mehr bin. Williams fasziniert und polarisiert, aber er ist für mich auch der größte Entertainer der Jetztzeit. Wenn sich ein Künstler  – so wie er – auf die Bühne stellt und frei heraus fragt, was sich seine Fans wünschen, hat das irgendwie Seltenheitswert. Robbie Williams tut das, obwohl er sich im normalen Leben oft wie eine launige Diva benimmt, die nicht genug Respekt und Aufmerksamkeit für sich erheischen kann.

 

Vielleicht macht gerade das macht Robbie Williams und seine Faszination aus. Sein Song „Let me entertain you“ ist Programm für seine Show und seine Fans lieben ihn dafür. Ich kann dem nur uneingeschränkt zustimmen. Schon zu Take-That-Zeiten war seine Popularität ähnlich, doch dort fungierte er nur als Spaßmacher und spielte die zweite Geige hinter Hauptsänger Gary Barlow, dem Saubermann, dem nach dem Split der Boy-Groupe der große Erfolg prophezeit wurde… Doch irgendwie kam alles anders.

Aber beginnen wir der Reihe nach: Robert Peter Maximillian Williams, geboren am 13. Februar 1974, machte sich von seinem Wohnort in Stoke-on-Trent auf den Weg nach London. Seine Mutter hatte nämlich eine Annonce für ein Casting des Agenten und Managers Nigel Martin-Smith in der Zeitung entdeckt und im Namen ihres Sohnes eine Bewerbung weggeschickt. Robbie hatte unverkennbar das schauspielerische Talent seines Vaters geerbt, der einen lokalen Ruf als Entertainer genoss und wollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Und tatsächlich wurde Robbie eingeladen…

Robbie traf bei diesem Casting seine späteren Kollegen und durfte ein paar Lieder zum Besten geben. Robbie bekam den Job auch, der Rest ist Geschichte. Er durfte in der Band ein wenig tanzen und mutierte zum Spaßmacher der Gruppe. Anfangs war Robbie begeistert über diesen Erfolg: Die Mädels liebten ihn schon damals! Doch Robbie kam mit der Position in der Band nicht mehr wirklich klar, feierte Sauf-, Drogen und Sex-Exzesse und schließlich verließ er am 17. Juli 1995 die Band. Hunderte Mädchenherzen brachen, ein paar Mädels versuchten sich sogar das Leben zu nehmen. Man sollte es nicht für möglich halten, damals ließ mich das noch völlig kalt!

Robbie sehnte sich nach fünf Jahren bei der Boy-Groupe nach einer Karriere, in der er seine Songs und seine Art von Entertainment ausleben konnte, Take That waren ihm zu sauber, zu glatt, zu steril. Aber die Solokarriere Robbies lief eher mäßig an. Williams erkannte zwar, dass er durchaus Talent hatte, gute Songtexte zu verfassen, mit den erarbeiteten Melodien war er jedoch nicht so zufrieden. Dazu kam, dass es ihm der Ruf als Clown und Tänzer von Take That schwierig machte, als Solokünstler ernst genommen zu werden. Williams lebte seinen Selbsthass sukzessive aus und stopfte sich voll mit Kokain  und Alkohol.

Auch mit den Oasisbrüdern, die er als anhänglicher Fan zusehends nervte, überwarf sich Robbie – eine schlimme Schlammschlacht ließ sich nicht vermeiden. Beim ehemaligen Wham-Sänger George Michael weinte er sich wegen seines schlechten Images aus. Das brachte Robbies neues Label Chrysalis auf die Idee, den Michael-Hit „Freedom90“ genau ein Jahr nach Robbies Take-That-Split als Debütsingle für seinen Neuanfang vorzuschlagen. In den Charts konnte der Song bis hinter die erstplatzierten Spice Girls klettern, über Williams‘ Songwriting-Künste verriet die Coverversion trotz des viel sagenden Titels dagegen wenig. Dazu stahl ihm sein Ex-Kollege Gary Barlow (Take That hatten sich endgültig getrennt) mit seiner ersten Solo-Nr.1 („Forever Love“) zusätzlich die Show.

Die folgende Single „Old before I die“, etwas an The Who angelehnt, war nicht so erfolgreich, zeigte aber die musikalische Richtung an, in die Williams gehen wollte. Auch der Oasis-Einfluss war in diesem Song unverkennbar, was manche Kritiker nicht ohne etwas Spott vermerkten. Wie überhaupt sein mittlerweile großes Übergewicht mehr Schlagzeilen machte als seine Musikkarriere. Paparazzis lauerten überall darauf, ihn bei seinen Sauftouren aufzuspüren. Robbies damalige Freundin Jacquie Hamilton-Smith, selber ein ausgesprochenes Party-Girl, konnte ihm nicht aus dem Dilemma helfen.

Vivienne

Hier geht’s weiter: Robbie Williams, Teil 2
 

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