Robbie Williams in concert – Rock- und Pop-Lexikon

Robbie Williams ist fraglos einer der größten Entertainer dieser Zeit. Wobei die Faszination seiner Person nicht unbedingt in seinen gesanglichen Qualitäten oder in übergroßer Attraktivität zu finden ist sondern in seinem Charme und in der Art und Weise wie er sein Publikum fasziniert und in seine Shows einbezieht. Die Fans, speziell die Mädels jeden Alters, lieben ihn trotz aller Unkenrufe, sein Stern wäre im Sinken und bei aller harten Kritik an seiner neuen Single. Im Zuge seiner „Intensive Care“- Tour füllte Robbie zweimal das Ernst-Happel-Stadion und ich hatte das Glück, eine der begehrten Karten für das Samstagkonzert zu ergattern…

Ein Trip nach Wien, der sich lohnen sollte, obwohl sich dadurch im Vorfeld soviel Chaos für mich dadurch ergeben hatte. Mit zwei Kolleginnen erreichte ich Samstag gegen 18:45 Uhr das Stadion, wo wir das Glück hatten, recht schnell in den abgesonderten Bereich direkt neben der Bühne zu gelangen. Mit einem Stempel versehen, konnten wir immer wieder nach draußen um uns mit Getränken zu versorgen. In der Zwischenzeit startete der Opening Act „Basement Jaxx“, eine schrille Truppe um drei eher korpulente wie sangeskräftige Frauen, die in farbenprächtigen Kostümen auftraten. Der Sound war ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber durchaus tanzbar.

Punkt 21:00 Uhr startete Robbie Williams pünktlich das zweite Wienkonzert, das via Ö3 in Radiostationen um die halbe Welt übertragen wurde. Robbie wirkte anfangs ziemlich fertig auf mich, er soll auch nicht ganz fit gewesen sein, was er gleich zu anfangs nutzte um – wie gehabt – die Hosen fallen zu lassen. Der Arzt soll ihn nämlich an der Kehrseite gespritzt haben. Spöttische Bemerkungen zu seiner ausgeprägten Zellulitis entbehren einer tieferen Grundlage – Robbies Hintern ist nach vor sehr erfreulich anzusehen. Robbie, wie gesagt angeschlagen, steigerte sich aber im Laufe des zweistündigen Konzerts, schöpfte Kraft aus der Zustimmung der begeisterten Fans und der Hilfe seines Freundes John, mit dem er einen Ausflug ins Swing-Lager, aber auch in Sachen Bee Gees unternahm und ein Wettkicken veranstaltete.

Robbie ist ein Phänomen, und für seine Fans tut er alles, das konnte man auch Samstag sehen. Er trank während des Konzerts Unmengen Wasser und einmal war auch in Großaufnahme zu erkennen, dass er einen Asthma-Spray benutzte. Ich habe ihn speziell in den Großaufnahmen beobachtet und seine Pupillen waren definitiv nicht erweitet. Von Drogen also keine Spur, ein leichtes Doppelkinn ließ aber erkennen, dass er momentan einige Kilos zu viel herumschleppt. Robbie hat eine bewunderungswürdige Gabe seine Fans in seine Show einzubeziehen. Beim Bad in der Menge wurde ein Mädel von ihm geküsst, das ihm glich die Zunge in den Mund steckte. Robbie wischte sich danach übrigens den Mund ab…

Auch die Transparentträger hob Robbie hervor, unter anderem wurden ihm ein Jodelkurs und ein unmoralisches Angebot in Sachen flotter Dreier gemacht. Einem wirklich herzigen Mädel, einer gewisse Christine, widmete er den Song von Take That, „Back for Good“, der in der Hitliste des Abends eben so wenig fehlen durfte wie ein Ansatz zu „Rock Me Amadeus“. Robbie sparte in seiner Show nicht mit Anzüglichkeiten, nackter Haut und leicht obszönen Gesten, die ihm durch die Offenherzigkeit seiner Jeans an bestimmten Zonen (gewollt?) leicht gemacht wurden. Robbie ist ein Vollblutentertainer, mehr als er je Popstar sein wird, nur findet zur Zeit seine schöpferische Kraft darin Ausdruck. Ich habe noch nie bei einem derartigen Event beobachtet, wie ein Künstler seine Fans so im Griff hatte.

Robbie bedankte sich bei seinem Publikum auch für die breite Begeisterung, streute den österreichischen Fans Rosen und verabschiedete sich in einer sehenswerten Zugabe von Österreich: Mit „Let me entertain you“ eröffnete er das Finale im weißen Trainingsanzug, danach verströmte er Gänsehaut pur mit „Angels“ und zum Schluss einfach hinreißend romantisch: „She’s the One“, a capella mit den Fans angestimmt. Ich kann nur von meiner Warte sagen, dass ich danach streichfähig war und ein wenig von dem göttlichen Genius zu begreifen begann, der offenbar in Robbie Williams schlummert…

Vivienne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.