Die Geschichte von der Putzfrau Olga Die bunte Welt von Vivienne

Manchmal, da sind Geschehnisse von früher allgegenwärtig, so als wären sie erst gestern passiert oder gerade vor einer Woche. Ein Wind aus der Vergangenheit bringt diese Geschichten ans Tageslicht, so wie der Schnee im Frühjahr, wenn die Sonne wieder stark wird, so manches preisgibt, das man schon vergessen glaubte. Etwa einen alten Schuh, irgendwo am Straßenrand. Manchmal auch einen Ohrring oder einfach ein leeres Einkaufssackerl. So ähnlich ging es mir mit der Erinnerung an Olga, der sehr weiblich proportionierten Putzfrau in jener Großhandelsfirma, in der Albert und ich uns kennen gelernt hatten. Albert selber hatte die üppige Schönheit mit den Glutaugen nie getroffen. Ein paar Monate bevor er Mitglied der EDV-Crew wurde, hatte Rossecker, der Geschäftsführer, alle privaten Putzfrauen entlassen und eine Reinigungsfirma mit dem Aufgabenbereich betraut. Ich glaube ehrlich gesagt, dass Olga damals ganz gern ging – ihre große Zeit hier war vorbei…

Olga muss schon einmal ein ziemlich geiles Luder gewesen sein. Ein paar ältere Kollegen im Lager bekamen noch Jahre nach ihrem Abgang glänzende Augen, wenn die Rede auf sie kam. Olga war eine polnischstämmige Frau Anfang Vierzig, als ich in die Firma kam. Eine lange (und wohl auch schon gefärbte) dunkelbraune Mähne und eine fast atemberaubende Oberweite waren ihr Markenzeichen. Ihre Arbeitsschürze war stets so geknöpft, dass einem viel von dieser Oberweite ins Auge stach. Die Schürzen waren auch eher kurz geschnitten und mancher rätselte, ob die Frau im Sommer überhaupt Unterwäsche darunter trug. Ein paar Männer im Lager wussten über Olgas Bekleidungsmodalitäten sicher genauer Bescheid, aber merkwürdigerweise hielt eine Art Ehrencodex diese Arbeiter davon ab, darüber zu reden. Also brodelte die Gerüchteküche, auch noch eine Weile nach Olgas Abgang…

Als ich in der Firma anfing, hatte Rossecker gerade das Personal ein wenig aufgefrischt. Nicht nur ich kam damals neu ins Büro und in den Verkauf, unter anderem auch im Lager stellte der Geschäftsführer eine ganz neue Truppe zusammen. Olga, eine Sexbombe zweiter Klasse, war im Grunde auch eher bieder gestrickt. Die geschiedene Putzfrau – irgendwo im Waldviertel wusste sie ihre beiden Töchter gut versorgt – suchte nichts anderes als einen Mann, mit dem sie den Lebensabend verbringen wollte. Ganz jung war sie nicht mehr und einen Ausländer, so erzählte sie während ihrer häufigen Putzpausen, wollte sie nicht mehr an sich heranlassen. Die wären alle keine Gentlemen… Ich hätte ihr damals gerne geraten einmal einen Blick in die Kriminalstatistik zu machen damit sie einen Eindruck davon bekam, wie viele Österreicher ihren Frauen und Kinder schlugen. Aber ich tat es nicht, stattdessen beobachtete ich amüsiert, wie das Luder Olga drei Lagerarbeitern den Kopf verdrehte und sie gegeneinander ausspielte…

Auch im Nachhinein noch eine sehr amüsante Episode. Arnold, ein Mittdreißiger ließ seine Freundin für die Olga stehen um dann zu bemerken, wie sich die neue Liebe an Fritz heranmachte. Fritz war der Lagerleiter und bereits geschieden und er verdiente, was nicht uninteressant war, am meisten von den Dreien. Dennoch schenkte die rassige Olga ihre Gunst auch einem weiteren Mann, Erwin, einem von den Neuzugängen im Lager. Er sah auch am besten aus von den Rivalen, ein stattlicher Mann Anfang Vierzig, der nicht nur der polnischen Putzfrau gefiel… Olga genoss die Aufmerksamkeit und die Rivalität der Männer um sie regelrecht und schenkte mal dem einen, dann wieder dem anderen ihre Gunst. Einmal wurde Olga mit einem der Männer im Lager erwischt, in flagranti und in eindeutiger Position. Auch wenn nie herauskam, wer von den dreien es gewesen war: Rossecker tobte damals wie von Sinnen und meinte sinngemäß, wenn hier noch öfter jemand seiner Triebhaftigkeit wegen auf’s Arbeiten vergessen würde, dann würden die betreffenden Personen an die Luft gesetzt. Jeder und jede – das betonte er – sei ersetzbar und keiner solle ihm dann mit Katzenjammer kommen…

Nach dem seine Wut verraucht war, sah Rossecker die Geschichte nicht nur lockerer, er erzählte sie auch gerne in launiger Runde und beredt schilderte er den Koitus der beiden Ertappten, sodass die eifrig Lauschenden Tränen lachten… Der Vorfall hatte aber nur zur Folge, dass Olga und ihre drei Galane vorsichtiger wurden, unterschwellig ging die Rivalität weiter bis auf einmal das Gerücht die Runde machte, dass die Olga noch einen vierten Liebhaber hätte – nämlich einen alten Freund aus Polen, der sich kürzlich in Linz nieder gelassen haben musste. Das war den drei anderen aber dann zu viel. Ob sie sich nun abgesprochen hatten oder nicht: Olga stand plötzlich ohne ihre drei Verehrer da. Arnold kehrte reumütig zu seiner Freundin zurück, Fritz zeigte sich plötzlich mit neuer Lebensgefährtin und kurz zuvor hatte Erwin gekündigt. Pech am Rande für Olga: ihr Landsmann und Freund zog wieder weiter, dem Vernehmen nach nach Wien, wo er bessere berufliche Chancen gesehen haben soll…

Auf einen Schlag war Olga nicht mehr die begehrte Femme fatale zweiter Klasse sondern nur mehr eine in die Jahre gekommene, etwas billige Putzfrau, die jeder in der Firma etwas schal ansah und so wenig wie möglich mit ihr zu tun haben wollte. Da konnte Olga auch längere Arbeitschürzen tragen und ihr Dekollete etwas mehr bedecken. Den halbseidenen Anstrich wurde sie nicht mehr los und darum, so glaube ich, war sie auch froh, als Rossecker sie und die drei Kolleginnen kündigte. Ich bin mir sicher, sie hat ihren Mann für den Lebensabend woanders gefunden. Schließlich sah sie noch immer gut aus und mancher Mann legt bei seiner Gefährtin nicht nur Wert auf Reife sondern auch auf eine üppige Oberweite…

Nach einer wahren Begebenheit

© Vivienne

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