Ein unvergessliches Osterfest, Teil 2

2 Tage später sollte also der Kontrolltermin im Krankenhaus sein. Mein Mann würde nicht so einfach frei bekommen. Ich hätte schon früher den Hausarzt angerufen, um zu fragen, wie das mit dem Krankentransport ist, weil ich ja nicht mobil bin, aber indem ja Ostermontag auch ein Feiertag war, ging das nicht.

Als ich am Dienstag früh mit der Hausärztin sprach, meinte diese, es gäbe Einsparungen bei der Krankenkasse, und sie glaube nicht, dass die mir einen Krankentransport bewilligen. Wenn ich trotzdem will, und glaube, Glück zu haben, soll ich selber bei der Krankenkasse anrufen! Schließlich telefonierte ich in etwa 1 Stunde insgesamt. Keiner konnte oder wollte mir so gerne Auskunft geben bzw. sich festlegen, ich wurde viel verbunden, musste in einem anderen Bezirk anrufen, um einen Chefarzt zu sprechen. Im Wesentlichen erfuhr ich, man dürfe mir zwar telefonisch nichts versprechen, aber im Grunde läuft es so, wenn Gehunfähigkeit beim Patienten besteht (was offensichtlich ist, da Tina nicht mehr als unbedingt nötig gehen durfte) – dies müsse der Hausarzt bestätigen – wird ein Krankentransport bezahlt. So einfach ist das. Da hätte ich nichts bei der Krankenkasse anzurufen und nachzufragen, das müssten die Ärzte auch wissen, und ist logisch. – Hatte die Hausärztin ein schriftliches Versprechen von einem Krankenkassenmitarbeiter erwartet???

Nun stand ich aber wieder am Anfang, rief erneut die Hausärztin an und erzählte das Erlebte. Da meinte diese, selbst wenn ich glaube, das funktioniert, müsse sie dafür ein Formular zur Krankenkasse faxen, das sie erfahrungsgemäß frühestens am späten Nachmittag zurückbekommt, weshalb ich den Termin gegen Mittag ohnehin nicht wahrnehmen könnte, sondern verschieben müsste. Außerdem könnte ich mich im Krankenhaus (trotz Termin?) auf stundenlanges Warten einrichten, weshalb sie mir vorschlägt – ich solle aber erst im Krankenhaus anrufen und abklären, ob die einverstanden sind – einen Tag länger zu warten und dafür am Abend, wenn mein Mann mit dem Auto zu Hause ist (sie haben 2 x in der Woche Abendordination), bei ihr nachschauen kommen (sie hat mit ihrem Mann eine Gemeinschaftspraxis, ist die Sprechstundenhilfe und nimmt ihm die Babys und (Klein)kinder ab). So machten wir es also.

Ich erfuhr noch, dass an Wochenenden und Feiertagen ohnehin meist nur Turnusärzte im Krankenhaus sind, die mit den Anforderungen gern auf Nummer sicher gehen, während ein ‚alter Hase‘ eher mal sagt, der Hausarzt kann die weitere Kontrolle übernehmen. Nun waren wir also am Mittwoch Abend beim Hausarzt, mussten fast 2 Stunden warten, und als die Ärztin Tinas Wunde ansah, war sie ziemlich schockiert, da diese eiterte und offensichtlich ein starker Zug auf den Nähten war, während die klaffende Stelle keine Anstalten machte, eine heilende Kruste zu bilden! Jegliche unnötige Bewegung wäre ihr absolut verboten, vom Turnen wäre noch Wochen keine Rede, ich dürfe sie diese Woche nicht in die Schule schicken, und die darauf folgende auch nur, wenn ich jemanden hätte, der sie fahren kann und man mir in der Schule versprechen könne, dass sie das Bein hochlagern darf und sich nicht viel bewegen muss.

Wir wurden zu ihrem Mann weitergeschickt, der ein Spezialpflaster auflegen sollte. Und wenn in 2 Tagen bei der nächsten Kontrolle die Wunde nicht schöner ist, hieß es, müsste im Spital ein Gips zur Ruhigstellung des Knöchelgelenkes rauf, weil sonst die Wunde nie heilt. Im übrigen legte sie wert auf die 3-malige Feststellung der Tatsache, dass die Wunde wegen Tinas Übergewicht so derartig klaffen würde und ein senkrechter Schnitt auch nicht so klaffen würde. Letzteres konnte ich mir schwer vorstellen, denn füllt man beispielsweise einen Sack mit Stroh und macht dann einen senkrechten Schnitt in den Sack, wird dieser mindestens genau so stark klaffen, wenn nicht stärker, als ein waagrechter. Aber gut. Ärzte wissen es besser.

2 Tage später waren wir wieder dort, die Wunde war wieder nicht gut verheilt, aber zumindest ansatzweise an den Rändern, die ja nicht so klafften. Die Lage war grenzwertig, und wir mussten nicht gipsen fahren. Tina litt zunehmend an der Bewegungseinschränkung, während sie ja so gut wie keine Schmerzen hatte. In der Folgewoche musste ich meine schwangere Nachbarin bitten, Tina in die Schule zu fahren und zumindest die ersten 3 Tage auch abzuholen. Dann wollte ich langsam anfangen, Tina wieder ans Gehen zu gewöhnen.

Die Religionslehrerin machte mich noch wütend, weil Tina erzählte, sie wären in der Stunde spazieren gegangen, obwohl sie gesagt hätte, der Ärzt hätte es verboten. Die Antwort hatte nur gelautet, ‚Wir gehen eh nicht weit.‘ 1 x die Woche machte der Arzt das Spezialpflaster rauf, für 2 x gab er mir eines mit.

Schließlich kam der Tag, wo eine Kruste die ganze Narbe überzog und die Fäden langsam rauskonnten. Auch turnen ging irgend wann wieder, und trotzdem ist die Narbe schließlich zwar etwas kürzer geworden, weil die Enden schön verheilt sind, aber sie ist dennoch fast einen cm breit. Und tiefrot, aber das sollte mit den Jahren zumindest noch verblassen.

Die Frage, WORAUF Tina gefallen war, wird sich wohl nie beantworten, weil sie ja nicht sofort nachgesehen und die Verletzung nicht wirklich bemerkt hatte. Wir wohnen ja selber neben einem Bach, und von daher weiß ich, dass diese schon eh und je als öffentliche Müllkippen benutzt wurden und nach wie vor werden.

© Sarkastika

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