Sprung ins Ungewisse – Teil 11

Geli setzte ich im Lokal nieder.
Sie war fahrig.
Ertappte sich immer wieder dabei, Nägel zu beißen.
Obwohl sie vor Jahren damit aufgehört hatte.
Ihre Schwester hatte angerufen.
Gerade eben.
Bevor sie sich mit Manfred treffen hatte wollen.
Ein ungünstiger Zeitpunkt…
Rita hatte herum gedruckst.
Es tut mir Leid.
Gestern im Gespräch mit Robert…
Mit ist heraus gerutscht, wo du jetzt wohnst.
Ich wollte das nicht.
Ehrlich.
Obwohl ich dich nicht verstehe.
Aber ich habe es ihm nicht absichtlich gesagt…
Glaub mir!
Angelika verkrampfte ihre Hände.
Wie auch immer.
Bei Rita wusste man es nie so genau.
Sie war ein Biest.
Aber abgesehen davon…
Robert konnte nun jederzeit auftauchen.
Hier.
Wo sie sich sicher geglaubt hatte…

Ein Stein saß auf ihrer Seele.
Ein riesengroßer.
Die Angst, der Terror könnte von vorne losgehen…
Geli schreckte hoch.
Manfred stand vor ihr.
Sah ihr direkt ins Gesicht.
Ist alles in Ordnung?
Geli starrte auf ihre Hände.
Dann erzählte sie ihm alles.
Manfred dachte nach.
Vor fünf Minuten hatte er noch was anderes geglaubt.
Besser gesagt befürchtet.
Dass ihn Geli nicht mehr sehen wollte.
Dass sie ihm das eröffnen wollte.
Und nun nach Worten rang…
Im Vergleich dazu nahm sich das wahre Problem relativ harmlos aus.
Für ihn zumindest.
Er konnte sich manches schwer vorstellen.
Dieser Robert sollte wegen Geli in die Provinz in Niederösterreich fahren?
Auf Teufel komm heraus?
Obwohl er anscheinend ohnedies wieder mit dieser anderen beisammen war?
Wie hieß sie noch?
Egal.
Geli suchte seinen Blickkontakt.
Immerhin könnte er am Magistrat erfahren wo ich wohne…
Könnte er.
Manfred war skeptisch.
Natürlich kam es darauf an was Geli ihm bedeutete.
Aber normalerweise?
Nein.

Manfred legte seine Hand auf Gelis Unterarm.
Was fürchtest du eigentlich?
Dass du schwach wirst?
Das glaube ich nicht.
Geli rührte in ihrem Kakao.
Ich weiß nicht.
Weißt du…
Zuletzt stand er dauernd vor der Wohnung.
Mit dutzenden Rosen.
In allen Farben.
Und er wurde nicht müde zu läuten.
Einmal hat er über eine halbe Stunde geläutet.
Ich wäre fast verrückt geworden.
Er ließ immer die Rosen vor der Tür liegen.
Wenn er ging.
Teure Blumen.
Und ich habe sie immer weggeworfen.
Die Situation war furchtbar…
Geli fing sich wieder in Manfreds Blick.
Ich traute mich oft nicht einmal hinaus.
Nachschauen, ob er noch da ist…
Aus Angst, er würde draußen warten…
Manfred musterte Gelis Gesicht intensiv.
Ihre Emotionalität fesselte ihn.
Am liebsten hätte er sie in den Arm genommen.
Geborgen bei sich.
Aber er traute sich nicht.
Eine Idee formte sich in seinem Kopf…

Weißt du…
Wenn, dann kommt er sicher am Wochenende.
Dieser Robert.
Er muss ja auch arbeiten.
Und warum verbringst du dieses Wochenende nicht einfach bei mir?
Meine Wohnung ist groß.
Und am Wochenende können wir uns amüsieren.
Ins Grüne fahren.
Essen gehen…
Reden…
Manfred schüttelte über sich selber den Kopf.
Er war ein Idiot!
Wie er da Phrasen zusammenklaubte!
Gleich würde sie ihn auslachen.
Oder einfach ablehnen.
Höflich aber bestimmt.
Wie konnte er nur auf den Gedanken kommen…
Gelis Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.
Meinst du wirklich?
Ja, warum nicht?
Wenn ich es ohne Computer und Chat aushalte.
Sie lächelte.
Nickte Manfred zu.
Und drückte seine Hand.
Manfred setzte sich gerade auf.
Mein Gott sie hat ja gesagt!
Seine Nervosität ließ ihn zittern.
Er griff nach seiner Cola.
Nahm einen großen Schluck.
Fein.
Dann fährst du Freitag nach der Arbeit zu mir.
Oder soll ich dich abholen?
Geli lächelte noch immer.
Danke.
Sie küsste ihn sanft.
Du bist so ein netter Kerl…

© Vivienne

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