Sprung ins Ungewisse – Teil 25

Dr. Schießer hörte Meier ruhig zu.
Nach außen hin.
Die Finger seiner Hand trommelten auf den Schreibtisch.
Sein rechtes Auge zuckte.
Meier war auf der Hut.
Er kannte seinen Chef.
Und er wusste, wenn er wütend war.
Sehr wütend.
Was gedenken Sie zu tun?
Schießers Stimme füllte eine längere Pause.
Meier räusperte.
Ich dachte an eine Rundmail.
An alle Mitarbeiter.
Wer etwas beobachtet hat.
Oder Wem etwas aufgefallen ist.
Soll sich melden.
Das hat zwei Wirkungen.
Der oder die Täter könnten sich selber verraten.
Aus Nervosität.
Oder sie könnten aufgedeckt werden.
Weil jemand aufmerksam war…

Meier war angespannt.
Er erwartete ein Donnerwetter des Geschäftsführers.
Schon die ganze Zeit.
Aber Dr. Schießer polterte nicht.
Was sagt Frau Steyrer?
Meier schluckte.
Sie ist verunsichert.
Sie versteht die Aktion nicht.
Zu mir hat sie wortwörtlich gesagt.
Ich bin nicht so besonders beliebt hier.
Schließlich verhielt ich mich immer ziemlich unnahbar.
Aber das sieht nach mehr aus als nur…
…wie ein dummer Streich.
Schießer nickte.
Wird sie zur Arbeiterklammer gehen?
Meier schüttelte den Kopf.
Nein.
Davon hat sie nichts gesagt.
Nicht das Geringste.
Sie ist keine von der Sorte, die sofort…
Er unterbrach sich.
Ich glaube nicht, dass sie sich da Sorgen machen müssen.
Das passt nicht zu ihr.
Sie möchte nur, dass die Sache geklärt wird.
Und nichts auf ihr hängen bliebt…

Schießer stand auf.
Trat zum Fenster.
Niemand verdächtigt sie.
Die Sendezeit der ersten Mail allein entlastet sie.
Außerdem.
Eine intelligente Person schreibt so was nicht von einer Firmenadresse aus.
Niemals!
Sondern privat.
Am besten von einer Hotmailadresse.
Irgend so was.
Jemand wollte Frau Steyrer mobben.
Wollte erreichen, dass sie entlassen wird.
Auf eine stümperische Art und Weise.
Und wer tut das?
Dr. Schießer drehte sich unvermittelt wieder um.
Wer tut das?
Meier holte tief Luft.
Sein Mund war trocken.
Und unvermittelt musste er an Hannes denken.
Und seinen offensichtlichen Hass auf Angelika.
Unerwiderte Liebe?
Er riss sich zusammen.
Verrückt, was er da dachte.
Mehr als verrückt.
Aber war das nicht die einzige Erklärung?
Die einzige Erklärung, die logisch war?

Meier hatte die Rundmail an alle verschickt.
Aber in Gedanken war er bei Hannes.
Und er zermarterte sich das Gehirn.
Hatte er den Kollegen einmal an Gelis Computer gesehen?
Allein?
Oder besser gesagt:
Dienstag vor zwei Wochen.
Dienstagvormittag.
Er schickte Geli eine Email.
Komm bitte kurz vor Dienstschluss in mein Büro.
Bitte.
Meier seufzte.
Die Theorie war gewagt.
Das gab er zu.
Aber wenn er so überlegte…
Es gab wenige Leute.
Die Geli so offen ablehnten.
Genau genommen nur Hannes.
Sah man von Alexa ab.
Alexa und deren Eifersucht.
Meier sah auf die Uhr.
Er wollte wissen, was Geli dazu sagte.
Bevor er mehr unternehmen konnte.
Wollte…

Dr. Schießer schenkte sich eine Tasse Kaffee ein.
Schwarz und ohne Zucker.
Der Vorfall war ungeheuerlich.
Nie zuvor hatte es etwas Derartiges in der Firma gegeben.
Gehässigkeiten.
Bissigkeit.
Ja, auch Neid.
Wo gab es das nicht?
Aber jemandem etwas unterschieben?
Schießer ballte die Faust.
Der Fall musste geklärt werden.
Ein Exempel statuiert.
Aber würde das Frau Steyrer genügen?
Als Wiedergutmachung?
Würde sie nicht vielmehr trotzdem gehen?
Sich einen anderen Arbeitsplatz suchen?

© Vivienne

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