Sprung ins Ungewisse – Teil 5

Geli ging weiter die Straße entlang.
Ein Geschäft mit Modeschmuck tauchte rechts auf.
Geli überlegte kurz.
Dann trat sie ein.
Sie hatte Zeit.
Und im Chat war außerdem erst abends was los.
Sie grüßte.
Begann sich umzusehen.
Lange Ohrgehänge.
Ringe mit großen Steinen.
Schließlich trat sie zum Spiegel.
Um sich zu begutachten.
Ihr Blick drang durch die Auslage.
Nein!
Sie grinste unvermittelt.
Das war ja der Kollege!
Hannes.
Mr. Unwiderstehlich!
Na so ein Glück!
Womöglich hätte sie ihn draußen noch getroffen.
Vor einem Geschäft.
Oder sonst wo.
Nicht auszudenken!

Eine Viertelstunde später verließ sie das Geschäft wieder.
Und ging die Hauptstraße zurück.
Der Kollege war zwar schon vor einer Weile vorbeigelaufen.
Aber sicher war sicher.
Sie wollte ihn nicht treffen.
Weder hier noch sonst wo.
Geli hatte in jenem Geschäft nichts gekauft.
Aber sie würde sich dort wieder umsehen.
Bei Gelegenheit.
Sie war nur nicht in Stimmung gewesen, Schmuck auszusuchen.
Geli seufzte.
Sie wollte nichts auswählen, was ihr nachher nicht gefiel.
Ein heftiger Stoß von der Seite riss sie aus dem Grübeln.
Sie stürzte.
Jemand neben ihr fluchte.
Eine andere Männerstimme war zu hören.
Sehr laut.
Und irgendetwas fiel zu Boden.
Geli richtete sich auf.
Neben ihr lag eine schwarze Männergeldbörse.
Und Schritte näherten sich.
Geli zwang sich aufzustehen.
Ihr war schwindlig.
Ein dunkelhaariger Mann stand neben ihr.
Und fragte etwas.
Sie verstand ihn nicht.

Geli rührte nachdenklich in der Melange.
Der dunkelhaarige Mann saß ihr gegenüber.
Geht es wieder besser?
Sie haben mein Geld gerettet.
Der Kerl hat mir die Börse aus der Hosentasche gezogen.
Als ich aus dem WC kam.
Ich war nicht gefasst darauf.
…aber Sie haben ihn zum Stolpern gebracht.
Und er hat sie wieder verloren…
Geli lächelte.
Ihre Schulter tat noch weh.
Aber der Mann war nett.
War es nicht das erste mal…
Ja, das erste Mal hier mit einem Mann einfach in einem Lokal.
Seltsam.
Früher war sie nicht so kontaktscheu gewesen.
Sie blickte dem Mann ins Gesicht.
Das war reiner Zufall.
Eine Minute früher oder später und der Dieb wäre davongekommen.
Der Dunkelhaarige blickte sie an.
Es gibt keine Zufälle…
Er griff nach seiner Geldbörse.
Holte eine Visitenkarte heraus.Legte sie Geli hin.
Wortlos.
Ich heiße Manfred Diethör.
Und Sie?

Hannes irrte in der Hauptstraße umher.
Zuvor hatte er Geli kurz gesehen.
Aber plötzlich war die Straße fast menschenleer gewesen.
Und seine hübsche Kollegin unauffindbar.
Er blieb abrupt stehen.
Schüttelte den Kopf.
Er war ein Idiot gewesen.
Wahrscheinlich war sie in eines der Geschäfte gegangen.
Dass er daran nicht gedacht hatte!
Nun war die Suche aussichtslos.
Er hatte sie aus den Augen verloren.
Peinlicherweise.
Geli konnte jetzt überall sein.
Vielleicht ein Stück hinter ihm
Oder ganz wo anders.
Hannes griff in seine Jackentasche.
Holte Zigaretten und Feuerzeug heraus.
Zündete sich eine Zigarette an.
Um sich zu beruhigen.
Und um nachzudenken.
Momentan ärgerte er sich nur über sich selbst.
Aber es würde wieder eine Chance geben.
Schließlich arbeitete er mit ihr…
Das wäre doch gelacht!

Geli stand auf.
Danke für den Kaffee.
Und für die nette Einladung.
Vielleicht komme ich darauf zurück.
Ich weiß es noch nicht sicher.
Manfred griff nach ihrer Hand.
Es würde mich ehrlich freuen…
Er grinste leicht ironisch.
Besser als im Chat sitzen.
Wie Sie mir erzählt haben.
Bei mir sind die Menschen nämlich real.
Und verstecken sich nicht hinter Larven…

© Vivienne

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