Hallo, schöne Frau! – Lillys Gedanken zu Schmeicheleinheiten

Hallo, schöne Frau!
Kommt schon vor, dass Frau so angeredet wird.
Immer wieder.
Auch ich bisweilen.
Hallo, schöne Frau!
Ein Spruch, der mir etwas sauer aufstößt.
Er wirkt sehr oberflächlich.
Und aufgesetzt.
Schließlich habe ich einen Namen.
Mit dem ich auch angeredet werden möchte.
Und diese Anrede wirkt zudem berechnend.
Bei mir blinkt die Alarmanlage.
Wenn mir jemand auf diese Weise Aufmerksamkeit schenkt.
Will mich jemand anmachen?
Auf so plumpe Art und Weise?
Oder will jemand etwas von mir?
Etwas, wodurch er einen Vorteil erlangt.
Durch mich.
Kann alles sein.
So oder.
Hallo, schöne Frau!
Weder besonders originell.
Noch ein wirkliches Kompliment.
Man fühlt sich so austauschbar.
Heute bin ich die schöne Frau.
Morgen eine andere.
Und übermorgen eine dritte…
Dabei möchte man doch als einzigartig gelten.
Als etwas Besonderes.
Als Mensch.
Und als Frau.

Ich gebe zu.
Ich bin gewitzigt.
Wenn jemand, mit dem mich nie etwas verband.
Plötzlich oberfreundlich wird.
Und den roten Teppich ausrollt.
Dann werde ich sofort misstrauisch.
Oft mit Recht.
Schließlich bin ich an Erfahrung reicher geworden…
Neulich diskutierte ich mit ein paar Leuten solche Komplimente.
Wie Hallo, schöne Frau!
Ich verwehrte mich dagegen.
Ziemlich heftig.
Sprüche wie diese sprechen nicht für die Kreativität eines Mannes.
Oder seine Originalität.
Eine Bekannte widersprach mir.
Warum kannst du das nicht annehmen?
Lass es doch zu!
Dieses Kompliment.
Manche Männer können nicht anders.
Aber sie meinen es nicht böse…
Ich dachte nach über dieses Argument.
Aber wenn ich ehrlich bin.
Ich möchte kein Kompliment annehmen.
Das nicht ehrlich gemeint ist.
Ich möchte keine Komplimente.
Die mit Hintergedanken verbunden sind.
Und schlichtweg berechnend sind.
Ich möchte keine Aufmerksamkeit.
Die nicht mir selber gilt.
Sondern dem, zu dem man mich überreden möchte.
Vielleicht…

Ich erinnere mich an eine Geschichte.
Mit einem  Bekannten pflegte ich so manchen Streitpunkt.
Wir waren nie Freunde.
Viel zu verschieden.
Und ich zog mich immer mehr zurück von ihm.
Schließlich ergab sich doch wieder Kontakt.
Ich sollte ein Projekt von ihm promoten.
Eine Art Freundschaftsdienst.
Also machte ich ihm einen Vorschlag.
Und der Bekannte reagierte überfreundlich.
Wollte mich sogar zu sich einladen.
Seine Stimme troff vor Honig.
Seine Worte gingen wie Öl hinunter.
Aber mir schwante nichts Gutes.
Ich war plötzlich gewappnet.
Und dann begriff ich schnell:
Der Mann wollte mich nicht nur für den Gefälligkeitsdienst.
Der Mann wollte mich für sein Projekt.
Vorrangig…
Heute gibt es keinen Kontakt mehr.
Ich wollte diese Arbeit nämlich nicht.
Und ich wurde wieder eine Erfahrung reicher…

Fakt ist.
Der Mensch ist berechnend.
Wenn er schmeichelt, will er etwas.
Wenn er eine Schleimspur legt.
Von hier bis zum Äquator.
Dann hat er einen triftigen Grund dazu.
Denn der Mensch tut nichts ohne Grund.
Ob nun primitive Anmache.
À la Hallo, schöne Frau!.
Oder übertriebene Schmeicheleien.
Die ein Stein durchschaut.
Ich bin auf der Hut.
Das ist mein Fazit.
Und ich tue nichts, was ich nicht will.
Und wie gesagt:
Warum sollte ich Komplimente annehmen.
An mich heranlassen.
Wenn sie nicht wirklich ernst gemeint sind?
Komplimente, die meine Kritikfähigkeit ausschalten sollen?
Und meine Vorsicht?
Nein, danke!
So etwas brauche ich nicht!

Vivienne/Lilly

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