Journalisten, bald Sozial-Schmarotzer? – Frankie Millers Einsichten

„Hartz Vier, Miller, Ihr neues Thema?“
Der Editor schmunzelte.
War da nicht bei unserem Schwesterblatt, dem „Spiegel“ in Hamburg was im Busche?
Was will mir der Bengel damit sagen? Dass ich für unser Käseblatt in Zukunft absolut abkömmlich sein sollte? Sollte das wirklich „die“ Nachricht des noch jungen 2017 sein, zumindest für Frankie Miller sein?
Na gut, die bald wohl arbeitslosen Kollegen beim Spiegel fallen sehr weich, nach allem was zu hören war! Weit ab von Hartz Vier also. Was ihnen unbedingt zu wünschen ist!
Wird dieses Hamburger Blatt, oder Wochen-Magazin nicht gerade Siebzig? Hat also jede Menge Grund zum feiern?
„Hartz Vier, Herr Chefredakteur?“
Sein Schmunzeln bekam nun die Ausstrahlung eines fiesen Grinsens.
„Ja, Miller, die Idee vom ollen Schröder und seinem Spannemann Peter Hartz, um der Republik nach dem Anschluss der Ostgebiete wieder auf die noch zitrigen Beine zu helfen!“

Na, Herr Chefredaktor, das hatte ich aber noch ganz anders in der Erinnerung, das mit dem „Aufdiebeinehelfen“, mit sieben Komma fünf Prozente Solidaritätszuschlag und so.
„Wie meinen, Herr Chef?“
„Das was Gerd Schröder da mit Hartz anschob, hatte doch international sofort eine Menge Wirbel gemacht und nicht wenig westliche Regierungen haben davon abgekupfert, oder, Miller?“
Ja, und sich damit auch ne Menge Streiks und Demonstrationen eingehandelt, Herr Doktor, was nicht vergessen werden sollte!
Nur, natürlich, nicht im Mutterland der Obrikeitshörigkeit, mit weit verbreiteter Streikallergie.

„Ich stell mir das so vor, Miller: Sie geben zunächst einen zeitlichen Abriss über 89 und den folgenden Anschluss und dann die daraus resultierende vermählte Wirtschaftskraft im vereinten Deutschland.“
Na ja, Dokterchen, zunächst ist mal festzuhalten, dass die Peter Hartz nun zugeschriebene Gesetzgebung eigentlich bei der Bertelsmann-Stiftung ausgeheckt wurde und nicht in der Schröderschen Komandantura!
„Na, ich sehe schon, Ihre Stirn verräts, sie sind auf der Färte, Miller. Nun, gehen sie`s einfach in der ihnen gemäßen Form an.“
Ja, Herr Chefinstruktor, Miller ist nun auf Elchjagd und kein Schwedischer Kobold, kein somalisches Krokodil oder gar der dritte Weltkrieg können ihn noch von der einmal aufgenommenen Spur abbringen. Na gut, der Weltkrieg vielleicht schon, aber die Aussicht auf Hartz Vier?

Was genau macht Pressefritzen eigentlich zu Vermittlern der wahren, edlen Kunst der Wahrhaftigkeiten, der unverbrüchlichen Wirklichkeit? Ist es etwa nur der Vorsprung im Wissen um das Nachrichtenwesen? Ist es nicht vielmehr so, dass rausgehört was soeben hereingeblasen wurde über die manigfaltigen Verästellungen von Blutbahnen eines übermächtigen Körpers mit dem Namen „Informations-Politik“?
Sind wir alle, die wir von Nachrichten leben, nur die Büttel einer von Interessen geleiteten Branche, die eigentlich jeden morgendlichen Blick in den Rasierspiegel meiden sollten, nur um nicht auch noch den ständig wiederkehrenden Würgereiz unterdrücken zu müssen?

Nun gut, Frankie Miller, mach mal halblang: Es sind doch immer nur die äußeren Umstände, die es zu beachten, manchmal aber auch zu umschiffen gilt. Du bekommst deinen, dir zustehenden Salär und musst nur dafür liefern was gut zu verkaufen ist! Punkt um!

Die Presselandschaft heute gehört allesamt einer Handvoll gut betuchter Clans, die im Grunde alle das gleiche Ziel verfolgen, nämlich eine gute Basis für den an Nachrichten Interessierten zu schaffen.
Wenn wohlmeinende Kritiker darauf herumreiten wollen, dass Konzentration im Presse- und Medienwesen auch zu einer glattgebügelten Meinungsfreiheit führen, sollen sie doch ruhig.
Aber, schon die immer wieder vorgetragene Vorhaltung, eine Liz Mohn und eine Friede Springer würden alleine durch ihren offen zur Schau getragenen Reichtum hier die Richtlinien der Bundespolitik bestimmen, führen in die Irre.
Geld mag Macht bedeuten, wer wüsste das nicht besser als Frankie Miller?
Der aber nur aus der Ferne.
Jedoch sind die wahren Machtverhältnisse in Deutschland schon viel kritischer zu betrachten.

Ein gutes Beispiel bildet der Volkswagenskandal! Da bekommt ein Ex-Manger ein fürstliches Salär von mal eben nur 3.100 EURO,… am Tag!
Ja, Martin Winterkorn hat wohl alles richtig gemacht,… bis jetzt!
VW-Top-Manger a.D. müsste man wohl sein!

Fragt sich nur, was der gemeine VW-Werker dazu anzumerken hätte, wenn, was sich nun schon noch milde am Horizont abzeichnet, die Verwerfungen in Wolfsburg noch weiter kumulieren!
Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen lässt sich vernehmen, dass die Qualitätsmobile mit den Schummelmotoren nicht mehr allzu leicht abzusetzen sind. Dem Vernehmen nach lassen sich Neufahrzeugkunden nur noch mit Preisnachlässen von bis zu horrenden Prozenten an den Mann bringen. Was gut nachvollziehbar erscheint, wenn man mal darüber nachdenkt, wie sich da wohl in Zukunft der Gebraucht-VW-Preis bei den Händlern entwickelt.

Aber was, Frankie Miller, hat das nun mit Peter Hartz oder seiner Vier zu tun?

Werden nun bald VW-Werker nach nur einem Jahr Arbeitslosigkeit in die Sozialfalle tappen? Werden bald jede Menge schicke Eigenheime in und um Wolfsburg den Markt für Immobilien überschwemmen weil dort kaum noch Jobs existieren?
Natürlich geht VW nicht in den geregelten Konkurs! Dagegen steht schon alleine das Bundesland Niedersachsen mit seiner Minderheitenbeteiligung an der VW-AG.
Wenn es ganz hart kommt springt der Steuerzahler ein!
Und der, so weiss man ja nicht zuletzt seit der Bankenkriese im Jahre 2008, lässt sich nicht lumpen wenn es um Systemrelevantes geht. Und VW ist relevant, ja nun, nicht für das System, aber für die Politik! Und, so hört man immer wieder, für den Automobilstandort Deutschland.

Räuber Hotzenplotz wurde doch nach drei Jahren Karzer zu Ehren des Fußballs in München auch wieder zum Hauptmann gewählt. Wenn das nicht etwas über die bayerische Seele aussagt, was denn dann?

Wir leben, da sollten wir nicht drüber huschen, in weltbewegten Zeiten! In Zeiten, wo der Tod von 4.600 Menschen alleine im Jahre 2016 als lässlich und fern jeder Sinnhaftigkeit angesehen wird. Und das nur, weil sie mit seeuntauglichem Gerät von Afrika aus in die vermeintliche Paradiesische Freiheit kommen wollten, in Gefilde wo Wein und Honig fließen.
Na gut, Muslime wären wohl eher nur am Honig interessiert. Doch wir, besoffen vor lauter Glück nicht bei der Geburt in einem Afrikanischen Kral das Licht der unumstößlichen Wahrheiten erblickt zu haben, wenden uns mit Grausen ab.
Gott sei Dank erwischt es wohl immer nur die Anderen.

In Zeiten wo jeder sich mittels Internet und das sofort, der ganzen Welt mitteilen kann, Frankie Miller, kommt es nur noch auf die endliche Tiefe eines überaus gut recherchierten Artikels und wohl weniger auf dessen Verbreitung an.
Eine Erkenntnis, seit einem Zeitungsmachers mit Namen Pulitzer beinahe ein Credo, die aber wohl den Spiegel-Kollegen nicht wirklich zu vermitteln war.

Wir ernsthaften, nur der nachhaltigen Wahrhaftigkeit Verpflichteten in den Redaktionen dieses schönen Landes zwischen Flensburg und dem Bodensee, mit seinen prächtigen Mittelgebirgen, wissen es doch besser als der gemeine Pöbel. Ja, wir werfen nicht mit Dreck nach der Speckseite. Unsere Ehre darf schon deshalb nicht angetastet werden, weil uns niemals die Schuld trifft. Da können Polithooligans noch so laut „Lügenpresse halt die Fresse!“ brüllen, es darf uns nichts mehr ausmachen. Und doch, macht es! Sehr sogar.

Nun gut, die Konzentration im Pressewesen macht wirklich Angst. Schreiben als Beruf und nicht etwa nur als soziales Gleichstellungsmerkmal in den gehobenen Kreisen dieser Republik, könnte, und wer danach sucht, findet die Worte an der Wand, bald von Robotern erledigt werden. Themen vorgegeben, einige Daten in den Speicher geladen, schon rattert er los, der blecherne Frankie Miller! Und sollten die Auguren der Schreibenden Zunft nur ein kleines bisserl an die Zukunft glauben, geht der Zug in diese Richtung ohne dass wir Federhalter auch nur die Chance bekommen hätten, hinten aufzuspringen. Wie sagte einst der selige Henry Nannen?
Ach ja, ich erinnere mich: „ Guter Journalismus bleibt immer Menschenwerk!“ Gut gebrüllt, Löwe Henry, nur, wer beschützt uns vor schlechtem Journalismus?

Mensch Frankie, altes Haus, hat dich dein diesjähriger Besuch in Hannover auf der Cebit so ins Bockshorn gejagt?
Nein, nicht wirklich. Nur der Gedanke an Hartz 4!
Aber, hatte da nicht der Neue bei der SPD, dieser Martin Schulz angekündigt, das Rad des Hartzens wieder etwas zurück zu drehen, Ungerechtigkeiten auszumerzen, neue Prämissen einzufordern?

Na gut, solange die Wahlwerbetrommel sich noch dreht, dürften auch Pessimisten wie Frankie Miller ruhig in die nahe Zukunft blicken.
Aber wie war es doch auf der Cebit? Dieser Blechredakteur hatte einen verflucht guten Text aus deinen eilig dahin gerotzten Wörtern und diesen zusammengelogenen Pseudofakten gedrechselt. Nein, nicht ins Bockshorn, aber vielleicht schon übermorgen in die Pampas.

(chefschlumpf, räsonierend über die Neue Presse im Lala-Land, die bald schon vom Kollegen Roboter gewuppt werden könnte)

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