Tut Internet weh? – Toni’s O-Ton

Tut Internet weh? Schlumpfenland ist überall!

Nö, ich glaube nur, dass das Internet, einer Kranheit gleich, an meinem Verstand nagt!

Wie ich dazu komme, einer technischen Inovation, „der“ technischen Inovation des ausgehenden 20ten Jahrhunderts, so etwas wie Schadenshäufigkeit, ja, einen Angriff auf meine zweifellos angriffswerte Intelligenz zuzuschreiben?
Na gut, mal ganz kurz ausgeholt!

Mein alter Kumpel A. gehört ganz zweifelsfrei zum Stamme der Weltverschwörer.
Bloss, wer verschwört und gegen wen verschwört wird, konnte ich von ihm noch nicht zweifelsfrei in Erkundung bringen.
So einige Wortschöpfungen und sogar Namen sind in unseren Telefonaten gefallen. Irgendwas mit Angela Merkel, die Nochkanzlerin wenn auch nur im Wartestand.

Weiterhin fielen die Namen Rothschild,George Sorros, die Zionisten und natürlich die geheimbündlerischen Freimaurer, die Illuminaten und sonstige verschwörerische Verbindungen aus längstens vergangenen Tagen.

Nein, dieser alte Kumpel ist beileibe kein Dummkopf, wenn nun der geneigte Leser dieser Zeilen, im weiteren Verlauf möglicherweise doch einen solchen Eindruck bekommen könnte.

A. ist Künstler, eigentlich Musiker und nicht nur in und auf Tönen unterwegs.

Na gut, möglicherweise einigen seiner Vorbilder zum Abbild, er ist nie richtig dazu in der Lage gewesen, seinen Unterhalt mit eigenerArbeit zu gewähren.
Nach erfolgreicher Lehre wurde ihm die stete Beschäftigung mit fremdbestimmtem Alltag, wohl eher zur Last denn Gewohnheit.
Wozu gibt es schließlich auch die Fürsorge eines Staatsgebildes namens Bundesrepublick, nun, nach der Vereinigung, Deutschland?

Was mich angeht, muss ich diesem Burschen doch ein wenig dankbar sein.

Für mich ist A. der letztendliche Beweis, dass wir alle hier, nicht erst seit der Erfindung der Internet genannten Inovation im Zwischenmenschlichen, seither aber wohl ausausweichlich, in Blasen leben.
Ja, ich gestehe, auch ich bin ein Blasen-Wesen!

A.s Blase dreht sich scheinbar nur um alles was mit Verschwörungen dunkler Mächte und rechtem Gedankengut und der scheinbaren Flüchtlingsproblematik in Europa zu tun hat, oder scheint zu tun zu haben.
Kein Tag vergeht, ohne dass A. mir zahlreiche Links per eMail zuschickt, damit ich mich doch bitte auch seinem Meinungsbild anschließen möge.
In seiner scheinbar sehr gewissenhaft ausgewählten Internet-Blase geht es meist um den in Deutsch verbreiteten Russischen Regierungskanal „RT“, oder inwieweit uns die Neuankömmlinge aus den politischen oder wirtschaftlichen Elendsgebieten der Welt nerven oder, so seine unverholene Angst, bedrohen!

Jeder YouTube-Beitrag der in irgendeiner Weise in diese Richtung ziehlt, wird von A. geliked oder geteilt! Zumindest, der Beitrag kann auch schon älter sein also bislang von A. lediglich übersehen, dient ihm dieser als drohendes Zeichen an der Wand.
Um Bob Dylan zu zitieren, dass der Welt Böses drohe.

Mein eher ironisch hingeworfener Hinweis, dass in Zeiten der Krise ein eilig angeschafftes Reservoir an „gut abgehangenen Ravioli-Dosen vom Aldi“, die letztendliche Rettung vor dem Untergang darstellen könnte, wurde mir breitem Lächeln und „…habe ich doch schon längst…“ gekonntert.

Ja, A. gehört unbedingt zum neuen germanischen Stamme der „Präperer“, also den Präparierten.
Präpariert gegen den letztendlichen, finalen Knall nach dem nur noch Dunkelheit und böse Mächte drohen.

Ich glaube auch, nicht extra darauf hinweisen zu müssen, dass A., wie er mir stolz mal zeigte, auch schon ein sehr ansehnliches Waffen-Arsenal sein Eigen nennt.

Natürlich beschränkt A. sich nicht nur auf handelsübliches Repertoire wie Hammer, Axt oder das in einem Holzklotz steckende Messerset, sondern, seine Hoffnung auf Überlebensfähigkeit baut auf einigen Schreckschuss-Revolvern und dem dazu gehörigen Knallzeugs auf!
Meine anfängliche Verständnislosigkeit konnte dann allerdings nur noch von seiner Verständnislosigkeit über mein Kopfschütteln übertroffen werden.

Ach ja, meine Eingangsfrage: „Tut Internet weh?“!
Um es kurz zu machen, nicht weh, nur nicht gut!

Undurchschaubare, seltsame Algorithmen steuern unser Wohl und Wehe und leiten uns scheinbar immer nur zu den Wurzeln unserer Willensfähigkeiten.
Hatte ich einmal nach „Harley Davidson“ gegoogelt, wurden mir andauernd nur noch Seiten mit Motorrädern, mehrheitlich Harley Davidson „aufs Auge gedrückt“!

Durch reihenweises Verlinken mit A.s vorgeschlagenen sehr hinterfragungswürdigen Beweisen für Ungemach in der Zukunft, wurden mir dann alle Spielarten der Volksverhetzer-Szene aus dem Net zugespielt, wobei mir nicht selten der kalte Angsschweiß auf der Stirne stand.
Was, wenn A. nun Recht hätte, diese Welt wirklich schon kurz vor dem Abgrund stände?
Gruselig, in der Tat!

Ja was tun? A. in Zukunft ignorieren?
Ihn zur Umkehr bewegen, seine Ängste zu verstreuen suchen?
Gegensteuern?
Genau, so wäre es logisch! Gegensteuern.

Geplant, getan! Wozu gibt es im Net „Bibis Beauty-Palace“ oder andere „Influenzer“ und „Top-YouTuber“?

Fortan gingen auf A.s Warnmails mit Voodoo-Anklängen nur noch solche von mir auf Reisen, die sich mit Rotkohl, „Bratwurstessen im Stehen“ oder, eben, die Behandlung gegen Fuß- oder hartnäckigen Nagelpilz-Themen, und natürlich „Bibi“!

Ergebnis war, auch ich wurde nun mit allem was mich scheinbar interessierte, zugemüllt!

War ich noch der Meinung, A. endlich kuriert, von seiner Endzeitmanie abgebracht zu haben, musste ich erkennen, dass, den falschen Lippenstift zu nutzen, „bäh“ und gut sitzendes Papier im Schritt, für viele Frauen in gewissen Perioden das absolute Muss sei!

Hatte ich dagegen guten Rat von einem sehr mitteilungsbedürftigen „Medienanwalt“ in Köln eingeholt, wurden mir Seiten mit Rechtsbrüchen oder Bitcoin-Strategien oder, auch sehr seltsam, Rundreisen durch das postkommunistische Nordkorea zugestanden.
Häh, hatte ich durch meine täglichen, mehrstündigen Internet-Konferenzen gar den Zusammenbruch des Kim-Regims verpasst?

Wie mögen solche Weltverbesserer, wie Gruppen-spezifische Algorhytmen funktionieren?
Könnte man sie sich etwa wie einen Albert Schweizer oder einen Mahatma Ghandi vorstellen?
Käme ihnen ein so heher Anspruch wie Albert Einsteins Glaubensatz E= MC 2 zu?
Sind diese Rechenoperationen überhaupt mit Vergangenem zu vergleichen?

Na gut, Verschwörungen und die dazu gehörigen Theorien, man bedenke nur den Tod von JFK, hat es und wird es immer geben.
Nur, ist es wirklich sinnvoll, in einem als frei zu geltenden- so seine Erfinder einst- guten Kommunikations-Mittel, den Leuten nur noch das hinzuhalten was sie möglicherweise gestern aber bestimmt nicht mehr morgen oder in vier Wochen interessiert?

Gilt es als Fortschritt, den Globus auf ein paar tausend Links zu reduzieren, nur weil man mal ein wenig über den Tellerrand schnuppern will? Ja, doch, ein einziger Suchbegriff schafft einige Treffer zutage!
Einige?
Millionen!

Wie kommt eigentlich Google dazu, mir immer nur den gleichen Mist anzudrehen?
Möglicherweise will mir nur Googles Geschäftsidee nicht wirklich einleuchten, aber Tatsache bleibt: Google nervt!

Aber, allen Ängsten entgegen, Internet tut nicht weh, macht nur Angst.
Aber, das Gute ist, man kann es auch einfach mal meiden.

Habe ich A. auch schon mehrfach nahegelegt. Seine Antwort überzeugte mich dann allerdings doch noch:

„Lass es mir doch, ich habe nichts Anderes!“

Nach dem scheinbaren Internet-Motto: „Wohlfühlen in der Blase“ kann man dem Internet eine gewisse Gemütlichkeit nicht wirklich absprechen.
Neros „Brot und Spiele“ mag dem gleichen Zweck gedient haben, war aber von wesentlich blutrünstigerer Natur!

Wie mögen sich doch die Leute, da noch ohne Internet, „fortgebildet“ haben, damals in ihren Blasen?

© A.S. chefschlumpf Februar 2018

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