Jesus, falsche Heilige und andere Mysterien unter der nahöstlichen Sonne! – Frankie Millers Einsichten

„Happy Kadaver, Frankie! Miller“,
schoss es mir in die Ohren. Ach ja, die Frühschicht trat ihren Heimweg an.

„Frohe Ostern, ihr Bären. Fallt nicht von den Leitern beim Ostereierpflücken!“

Mehr fiel mir auf die Schnelle nicht ein.
Wenn ich mich nicht irre, hing dieser Satz auch schon länger über der Heizung, um auf Neuverwendung zu warten. Schön, doch immer wieder, wenn man helfen kann, in der Tat.

Die Kollegen hatten die Platte geräumt, nur mich den stark in Gedanken Versunkenen, in dieser heimeligen Atmosphäre eines mit nüchternem Mobiliar ausgestatteten Großraumbüros zurückgelassen.
Tief in mein religiöses Ich versunken hatte ich die Absetzbewegungen meiner Mitschreibsklaven scheinbar gar nicht mitbekommen.

Ja, doch, selbst als ehemaliger Ministrant, Klosterschüler, mit sechs Semestern Theologie Gestrafter, mit Dreißig der Kirchensteuer Entkommener, kann man, nein muss man dennoch so etwas wie eine religiöse Identität Zeit seines Lebens mit sich herumschleppen, ganz bestimmt.

Jesus also! Unser Herr und Christ hat für das Wohl der ganzen Welt, sein mit dreiunddreißig doch noch so junges Leben hingegeben, am Marterpfahl ausgehaucht. Und wofür das Alles?
War es wirklich Gottes Wille, ihn so sterben zu sehen? Wenn es denn eines Gottes bedurfte, der seine Heiligkeit über das von ihm selber geschaffene Volk von Gläubigen und ebenso Ungläubigen auszuschütten bereit war, warum musste denn dann erst ein Einzelner so sehr darunter leiden?

Na gut, die Maler der Renaissance hatten Ihn in ihren Darstellungen immer in die Mitte eines Triptichons plaziert, ihm damit die Hoheit über die ihn bedauerd Erblickenden zugestanden. Also konnte er sich in seiner misslichen Lage zumindest nicht allein gelassen fühlen.

Ob ihm das allerdings so etwas wie Erleichterung bescherte, darf ruhig mal dahingestellt bleiben.

Nur was war es, was uns die Kirchenoberen und nun auch schon wieder der Papst so stringent an die Herzerln gelegt haben? Gottes Sohn sei für uns alle hier seinen Leidensweg gegangen?
Gott höchstselber in dem Leib seines Sohnes am Kreuz gestorben.
Gott hatte also erst im Jahre dreiunddreißig unserer Zeitrechnung, seine Meinung geändert, uns Menschengewürm von einst, den Frevel mit der Verbotenen Frucht verziehen?

Seltsam das Alles.
Ja ich war ein treuer Gefolgsmann unseres Jesus. Streng in die höchsten Weihen der Frühkindlichen Dotierung gezwungen von einer unbeirrbaren Großmutter. Diese, die ihre ganze Pein mit einem ganzen Stall von sich beinahe jährlich vergrößernden Kinderschaar bestraft, in der Hinführung ihres Enkels zu den Erlösung versprechenden Altären der Christenheit, wohl ihre Erlösung sah.

Nur, was ließ mich auf der Endgeraden, kurz vor dem Empfang der Bichöflichen Weihen, an eben dieser Erlösung fürs Großmütterchen zweifeln, was ihr dann beinahe den Lebenswillen rauben musste?

Es muss doch so etwas wie Neugierde, nicht etwa Gläubigkeit gewesen sein,was mich die Mönche im Seminar und später diesen Kardinal beim Studium aushalten ließ.

Hier gab es irgendwo, weiter südlich der Alpen einen sich ziemlich verschlossen gebenden Kirchenstaat mit einem Volk von Klerikern, die sich scheinbar ein wenig von Jesus weg und dafür einem flotten Leben zugehörig fühlten.

So, zumindest schon aus den, wohl privat geführten, doch für mich wohl meiner ausgeprägten Segelohren wegen, dennoch gut verständlichen Gesprächsfetzen bei allerlei Gegebenheiten.

In Vatikan schien es scheinbar sehr hoch herzugehen. Lustvolles Leben, weit entfernt von alltäglich Verantwortlichem, durch gut gehütet Geheimnisvolles dem Glaubenden verborgen.

Dass das Ganze auf einem kollossalen Irrtum meinerseits beruhte, war mir dann est in besagter Endgeraden wahrlich aufgegangen.
Dass dann auch noch Liane, einer badenden Venus gleich, aus den Gewässern des Tiber genau vor meiner Wolldecke im Sand auftauchte, dürfte eines der eher selten gewordenen Wunder in der Christenheit gewesen sein.

Jesus oder Liane hies sie, die Allesendscheidende für mich! Frage, meine ich.

Wir Aspiranten einer weihevollen Einführung in unser selbstgewähltes Martyrium der Ehelosigkeit, hatten beinahe geschlossen die Gelegenheit genutzt, uns im Heiligen Rom und natürlich im Vatikan, dem einzigen „Gottestaat“ auf Erden, mal so richtig umzusehen.
Ich, eher inmich gezogen, hatte den ewiglichen Sonnenschein genutzt um meiner meist gelblichen Haut einen zuerst rötlichen, in der Folge dann braunen Charakter zu verpassen.

Und dann Liane!

Liane, da noch Refrendarin bei einem Deutschen Gericht, hatte sich in jenen Ostertagen von ihrer Reisegruppe gelöst, um wie ja dann auch ich, die Nachmittage lieber am Tiber zu verbringen.
Der Rest der Reise war dann wie im Fluge vergangen. Mir, wie auch Liane!

Jesus schon damals. War dieser zweifelsohne bekannteste Justizirrtum der Antike wirklich dazu angetan, Generationen von Folgsamen zu zölitibarem Leben zu verdonnern?

So dann nicht selten die Diskussionsgrundlage zwischen liane und mir. Liese sich das Recht auf Leben und Liebe so dermassen gründlich umkrempeln, wie es uns die Verteidiger des Wahren und Heiligen immer in salbungsvollen Reden einzutrichtern verstanden? Waren die Gefühle zwischen einander Liebenden wirklich nicht Gottgewollt, sozusagen nur Ausreisser in der Schöpfung?

Ich musste wirklich nicht Lianes Rechtskunde bemühen um schließlich mein vergeblich Tun, einen Selbstdarsteller mitten unter rechtschaffend Glaubenden aus mir zu machen, in aller Deutlichkeit zu erkennen.
Das dann noch rein formale Gespräch zwischen dem Bischoff und mir, war von stark unterkühlter Freundlichkeit geprägt.

Jesus, dessen Hinrichtung nun begangen wurde, kann es so gewesen sein,wie Bibel und Glaube über ihn berichten?
Gott ist Jesus und der Heilige Geist, so das Glaubensdogma nicht nur der Katholiken. Luther hatte es nicht geschafft, eine neue Idee in den Mittelpunkt der Christenheit zu rücken. Er hat wohl reformiert, verbessert, neu verputzzt und den Putz geglättet, alte Risse und Schrunden ausgebessert, jedoch die Kirchen insgesamt da stehen lassen wo sie war.

Nur, was soll das alles?

Gericht durch die Römer, ein Schuldspruch durch die Juden, dann das Martyrium mit anschließender Kreuzigung, einer lediglich in Rom üblichen Hinrichtungsart für abtrünnige Sklaven?
War Jesus denn ein Sklave? Wen galt es da abzuschrecken? Nein, in Palästina wurde eher das Schwert und Steinwürfe genommen um Todesstrafen zu bewerkstelligen. Kreuzigungen waren auch von Pontius Pilatus, dem Vertreter des Kaisers in Rom, eher nicht vorgesehen wie man heute weiss.

Dann, wenn schon Opfertod, warum dann Auferstehung von den Toten? Jesus ein Zombie? Ein vorgezogenes „Jüngstes Gericht“, an dessen Ende die Toten „unbeleibt auf Erden“ wandeln?

Ja, Frankie Miller will hier nicht an unumstößlichen Wahrheiten rütteln, aber einige Fragen sollten doch unbedingt nicht weiter unbeantwortet in so manch wachem Geiste schmoren.

Wenn also dieses Opfer einen Sinn machen soll, dann muss es doch auch ein echtes Opfer geben. Und, da Jesus nach drei Tagen wieder unter den Jüngern, wenn auch unerkannt weilte, darf an seiner Opfereigenschaft gezweifelt werden.

Dazu kommt, die Bibel behauptet das jedenfalls, Jesus konnte heilen, Schmerzen vertreiben, Tote auferstehen lassen, Blinde sehend machen,warum also sollte er selber leiden am Kreuz?

Sind dieser Glaube, die Bibel, das Papsttum lediglich Ausdrücke einer sehr erfolgreichen Verschwörungstheorie, ja sogar ein zielgerichtets Unterdrückungswerkzeug um die „Massen“ kontrolieren zu können, jeden Zweifel im Keime zu ersticken?

Sicher ist wohl, Jesus wurde von den Damaligen als Gefahr erkannt. Sein Tod war beschlossene Sache. Er selber wusste das sehr wohl. Daher auch das „Letzte Abenmahl“, sehr schön, aber auch jede Menge Fragen aufwerfend von Leonardo bildlich dargestellt.

Nur, jeder Vegetarier auch die Glaubenden müssen sich doch fragen, warm „Mein Leib, mein Blut!“

Ein verzeihender Gott wird uns mit dem Mysterium des Opfertodes eingeredet.
Warum, wenn Gott seine Geschöpfe liebt, gilt im Grunde nur das Gebot: „Fressen um zu leben und Fressen, um nicht gefressen zu werden!“?

Würde ein gütiger Gott nicht alles tun, damit seine Geschöpfe, auch die Tiere und Pflanzen in Ruhe existieren können?

Ja das Christentum, in seiner ganz realen Klarheit am nahöstlichen Horizont schon seit beinahe zweitausend Jahren aufleuchtend, hat es wohl gewonnen, das Große Rennen um die Welt.
Nur, lässt uns das Christentum in einem beinahe unüberschaubaren Wust von Fragenswertem zurück, ohne auch nur eine einzige Frage zur vollsten Zufriedenheit beantworten zu können.

Wie sagte doch damals der Bischoff in unserer letzten Unterredung in seiner unendlichen Güte?

„Vergesse er nie bei all seinen zukünftigen Entscheidungen, dass es nicht nur der Glaube ist, der uns brüderlich vereint. Nein, es ist in erster Linie die unverbrüchliche Treue im Denken und Handeln! Und die Göttliche Hingabe!“

Dem war zu dieserZeit von meiner Seite nichts mehr Bedeutungsvolles hinzuzufügen.

Daher verlies ich die Residenz stillschweigend.

© chefschlumpf A.S. Ostern 2018

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