Daniele und die Mähr von der Wahrhaftigkeit – Frankie Millers Einsichten

„Warum bezahle ich diesem Schweizer Daniele 30 von meinen sauer verdienten Euros, nur um diesen Scheiß zu hören?“

Ich schlich mich durch den siebten Stock unseres Verlagsgebäudes, zu spät kommend zum morgendlichen Redakteursbriefing, immer noch den Vortrag dieses Historiker vom Vorabend im Kopf.

„Na klar, Frankie, weils verdammt unterhaltsam war!“,

sagte ich abschließend zu mir selber, allerdings nicht ohne meine Zweifel an dieser Art Vortrag weiterhin im Kopf zu behalten.
Die anderen fleißigen Lohnschreibknechte sassen schon kopfgebeugt über ihren Terminals. Mein lustloses „Moin“ ging wohl im Klappern der Tastaturen unter.

„Nehmen wir doch einmal WTC 7 zum Beispiel für verräterische Spuren für das Lügen der Medien im Falle elfter September 2001!“
Oh ja, die Twin-Towers in New York, um die sich schon kurz nach deren Vernichtung die wildesten Spekulationen drehten.

„Da stürzt beinahe acht Stunden nach den beiden Türmen ein weiteres Hochhaus, nicht ganz so groß, aber immerhin zu den Riesen der Stadt zählend, wie bei einer Sprengung, in sich zusammen!“

Daniele, sehr symphatisch rüberkommender Enddreißiger mit sehr dezentem Auftreten, Markenjeans, weisses Hemd und legeres Sakko in blau, wendet seinen Blick von uns, seinem Publikum, ab und blinkert mit einem Laserpointer auf die vom Beamer projizierte Fotofolie über Bühne, die seine Kanzel für die nun beginnende zweistündige Predigt bildet.

Während mein Computer hochfährt, sich der Bikdschirm zurück meldet, die Festplatte ihre Willkommens-Melodie spielt, stelle ich ihn mir genauso vor, den Martinus Luther von vor fünf Jahrhunderten.

„Hey, Frankie, wie war der Ganter, Sie wollten sich doch mal um seine Sicht der Dinge auf das wohl größte Ereignis der Gegenwart in Sachen Terrorismus bemühen. Habe gehört, Sie hätten in der Schlange zu seinem Vortrag angestanden!“

Na klar, Herr Editor, das Buschtrommelwerk im Verlag hat noch nie versagt, nur der Ganter ist gar keiner, heisst noch nicht einmal so.

„Ja, sehr überzeugend dieser Schweizer, nur nicht sehr glaubhaft, … glaube ich!“

Einige der im Großraumbüro Versammelten, warfen mir mitleidige Blicke zu. Auch ich wusste was der Blitzüberfall des Herrn Chefredakteur zu bedeuten hatte.
Ich würde mich auch im Sinne dieses „Welterklärers“ mit der Stichhaltigkeit seines vorabendlichen Vortrages beschäftigen müssen und das Ergebnis meiner Wertungen, würden unser gemeinsam zusammengebasteltes Blatt zu erneuter Höhe führen. Verschwörungstheorien brachten Auflage, was die etablierten Autoren dieser Gattung Texte, beinahe regelmäßig zu Jubelrufen veranlasste.

Der elfte im September im Jahre zweitausendeins, als Titel mit oder ohne Fragezeichen auf dicken oder schmalen Buchrücken, hatte wohl schon so manchem unterbeschäftigten Schreiberling das Älterwerden in Richtung Ruhestand vergoldet.
Ja, und dieser Meister der Auslassung, der gestern am Bodensee vor einer Gemeinde von Gläubigen seine Thesen streute, machte darüberhinaus bei jährlich mehr als dreißig Vorträgen, eine ganze Menge an zusätzlicher Beute.
Mensch, Frankie Miller, begib dich auf seine Spurenlegung und du kannst in spätestens sechs Monaten zur Ruhe dich begeben, deine schmerzenden Glieder hochlegen und gemächlich bei einem Gläschen besten Schampus entspannen.

„Als Friedensforscher interessieren einen alle Zusammenhänge eines kriegerischen Aktes, insbesondere die Diskrepanz in der Rückbesinnung, die ja bei den Kriegsparteien stets sehr unterschiedlich ausfallen muss“.

Auf der Projektionsfläche für den Beamer war nun das soeben erschienene Buch des Vortragenden erschienen, als er gemächlich die Bühne querend, ins Mikrofon flüsterte. Ja, er flüsterte, von den Zuhörern her kein Laut!

„Tun Sie mir den Gefallen, berichten Sie, Frankie, ich kann‘s ihnen ansehen, der Kerl polarisiert!“

Gefallen, mich zum Zuträger von Hinterlistigem, also Mitwisser machen, ich, Frankie Miller?

„Stimmt, sehr sogar, der Kerl hat schon reichlich Freundschaften zerstört, Ehen zerrüttet, war sogar im Knast für seine Ausführungen, soviel ich weiss, und dabei ist er ein absolut guter Typus von Mensch. Er ist ein echter Strahlemann vom Typ Schwiegersohn der sogar missmutige Schwiegermütter zu Freudenküssen verführen kann. Und doch letztendlich ein ganz gemeiner
Schurke!“

„Giessen Sie es in Blei, Miller! Lassen Sie es raus! Die Welt will wissen was damals passiert ist, und wenn was dran ist, an seinen Theorien, dann raus damit. Wir bringen es ganz bestimmt!“

„Theorien, Herr Chefe, würde ich nicht sagen, eher sehr verklausulierte Andeutungen die lediglich in eine ganz bestimmte Richtung zeigen sollen. Ja, doch, Daniele weiss ganz genau was er den Leuten nahebringt!“

Ich schaute dem Chef auf seinem Weg zu seinem überaus üppig gestalteten Büro nach und überlegte, was sein „… wir bringen es ganz bestimmt!“ eigentlich aussagen sollte. Hatte er auch am Vorabend beim Daniele in der Schlange vor der Kasse gestanden, ich ihn nur nicht ausgemacht?

Ja, da war doch noch diese Sache von dem ehemaligen FAZ-Reporter, von dem Daniele in seinem Vortrag behauptet hatte, das Blatt hätte einmal auf „Befehl von ganz oben“ einen Artikel zurück gehalten und ihm die Weitergabe seines Materials unter Drohungen ausgeredet.
Konnte das sein?
Zu klären dürfte dieser sehr ernste Vorwurf nicht mehr sein, da der Pressemann nicht mehr lebend unter uns weilte.
Seltsam nur, dass Daniele diese alte Klamotte noch anführt,wenn er von bösen Mächten flüstert.

Auf der Leinwand fiel nun, wie in Zeitlupe, geräuschlos das Riesengebäude WTC 7 im Arangement „World Trade Center Plaza“ zsammen und Daniele schien es zu genießen, seine Augen auf die Zuhörer gerichtet, strahlten wie edles Gestein.

Das, im Gegensatz zu den beiden Türmen trotz einer Höhe von mehr als zweihundert Metern für New York eher durchschnittliche Gebäude, schien in sich zusammen zu sinken.
Erst senkte sich die Fassade, dann bekam der Bau von oben einen Knick um sich dann in einer riesigen Staubwolke zu verstecken. Wer es nicht mit eigenen Augen sah, konnte mit Recht an der Schilderung nicht geringe Zweifel hegen.

Nach diesem Ereignis schien über der Metropole zwischen Hudson-Fluss und East-River wieder die Septembersonne ihre gewöhnliche Pracht an wärmenden Strahlen zu verteilen.
Die Halbinsel Manhatten versank in den Wolken der gefallenen Türme und trotzdem schien über der gesamten Szenerie eine friedlich Atmosphäre zu liegen.

„Ich hatte diese Aufnahme des kolabierenden WTC 7 einem befreundeten Sprengmeister gezeigt…“,

Daniele schwenkte die Arme zum Publikum, wie ein General seine Kavallerie befehligte und durch die Menge ging ein Raunen,

„ und sagte nicht was er da sah, und sein erster Eindruck war, das es eine Sprengung sein musste!“

Nicht nur Daniele, auch sein Publikum schien befriedigt bei dieser Auskunft. Und auch, muss ich gestehen, ich hatte diesem ersten Reflex nachgegeben. Wenn ein solcher Bau, bestehend aus einem Skelett feinsten, festesten Baustahls so präzise gesteuert in sich zusammenrauscht, nicht nach links oder rechts strauchelnd, muss doch eine ordnende Hand und nicht etwa nur eine Reihe von Brandherden dafür die Verantwortung tragen.

„Wie kann es sein, dass inmitten einer mit Wolkenkratzern vollgepackten Stadt, wie New York City, ein solches Gebäude mit äußerster Präzision gefällt wird, ohne dass andere Gebäude dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden?“,nahm Daniele meine Gedanken auf.

Ja,stimmt, wie kann das sein?

„Hören Sie mir bitte sehr genau zu! Ich behaupte nicht, dass Sie ab heute Abend mit der Gewissheit leben, über alle Wahrheiten des elften September im Jahre zweitausendeins zu verfügen. Ich bitte Sie nur, selber ihre Schlüsse zu ziehen über alle diese rätselhaften Fragen, die zu stellen, ein Jeder von uns aufgefordert ist. Nein, nicht Feuer oder Sprengung wartet der Auflösung, sondern eine nicht weiter zu verbergende Wahrheit.“

Daniele fuhr fort, dabei äußerst sportlich die Bühne querend, ich konnte seine Fitness nur neidisch zur Kenntnis nehmen.

„Die erste Frage die ich mir stellte, war, warum nun auch noch dieses Gebäude?“

Daniele war stehen geblieben, die etwa achthundert Augenpaare fest im Blick.

„ Regierungsgebäude!“

Er hatte das Wort seiner Erklärung, beinahe wie ein Schweinsknochen vor Hütehunde, seiner Zuhörerschaft vor die Füße geworfen.
Dieser Begriff hatte schon längst seine eigene Schärfe gewonnen, als er zu den hinteren Reihen vorgedrungen war, was das Raunen und Stöhnen der um mich herum Sitzenden klar zu bestätigen schien.

„Dort waren zahlreiche Abteilungen und Organisationen der Stadt, des Staates und der Vereinigten Staaten untergebracht. Machen Sie sich bitte selber ihre Vorstellungen, welch abgefeimte Lügen nun der Öffentlichkeit zugemutet werden!“

Verspreche ich dir, Daniele, sobald ich wieder zuhause bin, werde ich dieser Frage nachgehen. Einer solchen Aufforderung muss unbedingt gefolgt werden.

Na gut, ich kann keinen Hehl mehr daraus machen, was mich in diese obskure, ja doch das war sie zweifellos, Veranstaltung trieb.
Nein, nicht dieser smarte Sonnyboy mit der Glaubwürdigkeit einer in der Sonne schmelzenden Margarine hatte mich hergelockt. Dieser Vortrag fiel genau in mein Beuteschema.

Und die Gelegenheit, diesen Schweizer mal in voller Montur auf seine treueste Zuhörerschaft losgelassen zu sehen, konnte ich mir doch nach mehr als sechs Monaten Beschäftigung mit Mohammed Atta und seiner Mörderbande nicht entgehen lassen.

WTC 7 hatte auch mich zm Nachdenken gebracht. Seltsam, da waren drei Flugzeuge mitsamt Besatzung und Passagiern in Gebäude gekracht, ein viertes in eine Wiese hineingesteuert. Und dann erst bricht ein weiteres Gebäude nach Stunden wie ein Kartenhaus zusammen? Wie konnte das sein?

Ja, ich hatte sie mir angeschaut, dank google, die Vita dieses Kartenhauses WTC-Plaza 7.
Und alles was ich fand, war, dass Daniele in einem Punkt recht hatte. Das Gebäude brach beinhe wie gut und lange vorbereitet, in sich zusammen.
Nur, wer hatte hier unbemerkt vorbereitet? Und konnte es denn wohl sein, dass irgendjemand die Ereignisse von Neineleven schon vorher kannte? Könnte dann das offizielle Ergebnis präziser Untersuchung keinerlei Fragen mehr offen lassen?
Wurde die weltweite Öffentlichkeit womöglich über Hintergründe dieser Katastrophe getäuscht, wie Daniele seinen Fans, zu denen ich ganz zuletzt gehören kann, wohl einzureden versuchte?

Ja und WTC 7 hatte eine sehr interessante Vita. War nach den Twintowers erst 1987 eröffnet. Wechselte mehrfach den Besitzer, was in New York nicht unüblich ist,wurde zuletzt für mehrere Zehn-Millonen umgebaut, war Sitz verschiedener Behörden, zum Zeitpunkt des Kolapps noch voller Hypothekenschulden, von der halben Milliarde nach Zahlung der Versicherung, blieb nach Löschung der Grundschuld kaum ewas übrig.
Alles in Allem, wenn gut geplant, dann im Ergebnis ein finanzieller Flop!

Was hatte Daniele eigentlich zum Besten gegeben? Vermutungen, nur?

Nein noch nicht einmal das! Er hat „Perlen vor die Säue“ geworfen! „Vogel friss oder stirb!“ „Wers glaubt wird selig!“

Wie hatte mein guter Freund Rüdiger neulich zu mir gesagt, mich damit erst auf Daniele aufmerksam machend?

„Daniele hat mir die Augen geöffnet, mich zum Nachdenken gebracht! Mich nicht jeder Lüge der offiziellen Nachrichten auszuliefern. Kritischer als sonst schon nach Wahrheiten und seien sie noch so unbequem, zu suchen. Was immer in meiner Macht steht, neue Impulse und Erkenntnisse in mich aufzunehmen. Mich vom Mainstream nicht fortspülen zu lassen. Neue Gedanken zuzulassen.“

Hat er, lieber Rüdiger, er hat, Daniele hat mir in diesen zwei Stunden beigebracht, was ich als alter Zeilenknecht allerdings schon immer sehr gut verinnerlicht hatte.

Schlechte Nachrichten verkaufen, vages hält die Leserschaft, Vermutungen zwingen zur Nachfolge, man möchte die Auflösung nicht verpassen, nur nicht zu konkret werden, möglichst überall ein Schlupfloch lassen wenn mal Fragen kommen, tun sie nur nie bei solchen Anlässen.
Ja doch, im Krieg, nicht im Frieden wird reiche Beute gemacht!

Was war da eigentlich von Daniele rübergekommen, außer vagen Vermutungen, unbewiesenen Behauptungen, lächerlichen Rückschlüssen?

Nichts, absolut nichts Berichtenswertes! Keinerlei Wahrheiten oder Nachvollziebares.
Aber all dieses Nichts sehr gut in die Köpfe seiner Gemeinde hineingewaschen. Beinahe wie in einem Gottesdienst einer sehr obskuren Sekte von Verführten.

Kein Wort zu den weiteren 120 zerstörten oder teilzerstörten Gebäuden im Süden von Manhattan. Nichts zu dem weiteren 200 Meter-Bau, etwas abseits vom WTC-Ensemble, namens „Liberty-Plaza-Building“, welches nur zur Hälfte in sich zusammenkrachte, nachdem es von Fassaden-Teilen der Twin-Towers getroffen wurde.

Kein Hinweis auf die Berichte der dort eingesetzten Polizisten und Feuerwehrleute, die um weitere Schäden zu verhindern, sich auf die weniger in Mitleidenschaft gezogenen Gebäude konzentrierten, nachdem die PWTC-Plaza-Gebäude als unrettbar erkannt wurden.

All die Szenerie hatte sich der „Historiker“ und „Friedensforscher“ Daniele vorsichtshalber gespart, hätten diese Fakten sein Geschäftsprinzip doch sehr unwirtlich aussehen lassen.

Na gut, Herr Editor, ich lasse es aus meiner Feder fließen.

Dort, wo vor Jahren noch die Größte kriegerische Handlung stattfand, ohne Krieg, stehen heute neue Bauten und das geschäftige New York ist zur neuen Normalität zurück gekehrt.
Die Toten sind begraben ohne schon ganz vergessen zu sein.
Doch, Börse und Handel in der Stadt lechtzen nach Barem und Touristen erschauern vor den Mahntafeln mit den Namen der Getöteten und in den Ausstellungen und Museen der Stadt läuft der Handel mit Devotionalien.
Und Daniel wird wohl bald seiner „Bewegung“ seinen Heiligenschein verpassen um endlich als Religion wirklich anerkannt zu werden.

Nur, was sage ich meinem guten Freund Rüdiger, ich ungläubiger Thomas ich? Ja, Freundschaften sind gebrochen, Ehen gescheitert, Arbeitsverträge beendigt an den Wahrheiten dieses Gurus der offensichtlichen Verwirrungen im Internet.
Ja,Daniel, du machst dein Ding gut, nur eben nicht im Sinn der ewiglichen Wahrheitsfindung. Im ganzen Gegenteil dazu sogar!

Martin, ja Luther, auch der Wahrhaftigkeit auf der Spur, war da aber ein ganz anderes Kaliber!

© chefschlumpf im Jahre 2018 im Wonnemonat Mai

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