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Ist Negativwerbung die bessere Werbung?
Werbung ist ein beliebtes und weit verbreitetes
Mittel, um sich Gehör zu verschaffen, aufzufallen und entweder ein
Produkt, eine Dienstleistung oder auch sich selbst zu verkaufen.
Werben kann man aber auf vielen verschiedenen Arten: im Fernsehen,
im Kino, auf Plakatwänden, in Zeitungen, im Internet, auf
Verkehrsmitteln und neuerdings sogar auf dem Handydisplay. Doch
alle diese Möglichkeiten haben einen gemeinsamen Nachteil – sie
kosten Geld.
Was also, wenn man in aller Munde sein möchte,
ohne sich gleich in den finanziellen Ruin zu stürzen?
Eine etwas andere Art Aufmerksamkeit zu
erregen, sind Schlagzeilen. Sie erfüllen zwar eine grundlegend
andere Aufgabe als Werbung. Dennoch haben sie einen ähnlichen
Effekt: über Themen in Schlagzeilen wird geredet. Sie beschäftigen
die Menschen.
Warum sollte man also nicht das Nützliche mit
dem Billigen verbinden, wenn es doch so naheliegend ist? Es ist ja
für viele Menschen gar nicht so schwierig, Schlagzeilen zu machen
und das Interesse der Medien – und damit der Leser-, Hörer- oder
Zuseherschaft auf sich zu ziehen. Ein kleiner Skandal hier, ein
Exzess dort, ein leichtfertig dahingesagter Nebensatz oder ein
privater Ehekrieg, den man medienwirksam inszeniert, all das sind
willkommene Allüren, die Medien gerne lange und ausgiebig der
breiten Öffentlichkeit präsentieren.
Andererseits sind die Berichte willkommene
Publicity für die Leute, die durch sie in den Mittelpunkt des
Alltags vieler Menschen gelangen. Eine Woche lang war der gut
inszinierte Scheidungskrieg des Ex-Ehepaars Fendrich ja das
Thema schlechthin! Kaum ging man nichts ahnend in die Trafik, um
in hoffnungsvoller Erwartung einen Lottoschein abzugeben, fand man
die Trafikantin mit der älteren Dame von nebenan angeregt über das
tragische Leben der Fendrichs debattieren.
Kaum einer hat dabei realisiert, dass nachdem
der große Medienrummel verstummt, die Interviews veröffentlicht
und die beiden geschieden waren, sie einander sodann verziehen
haben und fortan ein freundschaftliches Verhältnis zu einander
pflegen wollen.
Was also brachte der ganze Rummel? Geld! Geld
für Fendrichs, die ihre Interviews sicher nicht umsonst gaben und
nebenbei dafür sorgten, dass man sie so schnell nicht wieder
vergisst; und Geld für die Medien, die ihre Stories sicherlich gut
verkaufen konnten. Denn die Menschen brauchen „Tratsch“ zum Leben,
wie unlängst ein deutscher Psychologe und Sprachwissenschafter
feststellte. Wenn man über das Leben anderer, wichtiger Leute
reden und sich mit anderen über deren Probleme austauschen kann,
werden die eigenen Sorgen eine Zeit lang in den Hintergrund
gedrängt und das eigene Leben erscheint schöner, zufriedener und
man bemitleidet nicht sich, sondern die „armen Reichen“.
Um ein Land zu schockieren bedarf es aber
keines Rosenkrieges. Es reicht auch, bei der meistgesehenen
Sportveranstaltung des Jahres für wenige Augenblicke mehr Haut zu
zeigen, als die sportbegeisterten Zuseher vertragen. Diese
Erfahrung musste kürzlich Janet Jackson machen, nachdem bei der
Übertragung des Superbowl-Finales, dem Höhepunkt der
amerikanischen Football-Saison, für wenige Sekunden ihre rechte
Brust – mehr oder weniger absichtlich – zum Vorschein gelangte.
Landesweite Empörung und Kritik wurden laut und
die als Provokation aufgefasste Tat wurde aufs Schärfste
verurteilt; Amerika war geschockt. Gerade das Land, von dem man
meinen könnte, es wäre das liberalste und weltoffenste Land der
Welt entpuppte sich schnell als prüde Nation.
Fragen wir uns nach der Absicht der
Freizügigkeit von Janet Jackson, liegt auch hier der Verdacht
nahe, dass alles nur eine PR-Aktion war. Nachdem es in letzter
Zeit zunehmend ruhig um die Sängerin geworden ist, musste sie sich
selbst wieder in Erinnerung rufen, was ihr wahrscheinlich besser
gelungen ist, als sie selbst es erwartet hätte.
Es gäbe noch unzählige weitere Fallbeispiele,
die ich erwähnen könnte. Diese waren nur zwei aus den letzten
Tagen. Aber eines haben sie deutlich gezeigt: Negativwerbung fällt
mehr auf und ist somit weit effektiver. Denn hätte Janet Jackson
ihren Auftritt absolviert ohne Amerika – und damit der Welt –
ihren Busen zu offenbaren, hätte wohl niemand ihren Auftritt beim
Superbowl besonders erwähnt.
(C) BalY
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