Börsencrashs! Folgen und Lehren?

Man wird bei den Vorgängen um Lehman-Brothers, Hypo-Real-Estate und so weiter, zwangsläufig an den „Schwarzen Freitag“ 1929 erinnert, sagen die Gescheiten, die zu jeder Börsenkrise irgendetwas zu vermelden haben müssen. Weil sie dafür von den Sendern und Zeitungen gut bezahlt werden.

Wir hier bei der „Bohnenzeitung“ sind wohl die große Ausnahme!

Nun gut, tuhen es wir ihnen trotzdem gleich, ziehen wir Parallelen.

Alle Börsen ähneln sich, so wie sich alle Crashs zu ähneln scheinen. Hier gibt es ein paar Leute, die gute Ideen, aber kein Geld haben. Und dort gibt es Leute mit Geld, die zuwenig Ideen vorzuweisen haben.
Der Broker oder Makler spielt den Vermittler. Er ist derjenige, der am wenigsten Risiko trägt. Er hat nichts zu verlieren, höchstens einen guten Namen.
Es sei denn, er spielt mit! Und hier ist es an mir, nachdenklich zu werden!

Wenn schon derjenige, der es eigentlich besser wissen müsste, sich an höchst spekulativen Geschäften beteiligt und dabei neben seinem Namen, auch Kapital verspielt, ist zu fragen, ob da nicht irgendeine höchst schmierige Absicht dahinter steckt.

„Wir haften schließlich mit unserem guten Namen!“, hatte mir mal ein Bankberater freundlich auf meine dahingehende Frage geantwortet. Was mir dann aber zu wenig Haftungskapital zu sein schien, kannte ich diesen etwa 25 Jahre alten Herrn noch gar nicht lange genug, um seinen Namen richtig zu bewerten zu können.

Im Jahre 1871/72 wurde in Berlin eine Epoche eröffnet, die später als „Die Gründerjahre“ in nicht nur kunsthistorischer oder politischer Hinsicht, Einzug in die Geschichte fand.
Wurde mit der Namensgebung auf die Gründung des Deutschen Reichs Bezug genommen, hatten die Ergebnisse dieser Gründungsepoche über die geschichtliche Entwicklung der Deutschen Seele hinaus, auch weitreichende Folgen für den Geldsäckel des kleinen Mannes.

Der Vertrag von Versailles, bei dem der Berliner Bankier Gerson Bleichröder und der oberschlesische Kohlenmagnat Guido Henckel von Donnersmark den französischen Kriegverlierern die unglaubliche Summe von über fünf Milliarden Goldfracs abpressten, was etwa dem Doppelten der gesamten Kriegskosten entsprach, schwemmte ungeheuren Reichtum in das neu geschaffene Deutsche Reich.

Als das Gold in plombierten Eisenbahnwaggons in Berlin eintraf, fiel den Finanzfritzen nichts besseres ein, als sofort alle Kriegsschulden des jungen Kaiserreichs zu tilgen.

Kriegs- und Staatsanleihen wurden sofort in klingende Münze verwandelt, was die Zinsen auf breiter Front sinken ließ und Renditen mündelsicherer Wertpapiere in den Keller plumpsen ließ.
Alle Zeichen standen auf Anlagevermögen in Aktien.
Der jetzt schon etwa zehn Jahre andauernde Boom an der Börse und der Konjunkturaufschwung setzten sich auch noch nach dem Kriegsgewinn fort, da ja der Staat im Geld zu schwimmen schien.
Alle wollten Anteil am Glanz und der Herrlichkeit des neuen Kaiserreiches haben.

Von 1790 bis 1870 gab es an Berlins Börse nur etwa 300 Aktientitel zu handeln, wurde, quasi über Nacht, der Handel um weitere 780 Titel in nur einem Jahr aufgeblasen.
Zunächst wurde das Aktiengesetz entrümpelt und somit konnte jeder eine Firma an die Börse bringen.
Spricht man heute vom „Gründerzeitalter“, sollte man diese Bezeichnung schon sofort wieder vergessen. Denn gegründet im Sinne des Wortes wurde so gut wie nichts.

Die nun an der Börse platzierten Titel waren, bis die Horde der Gründerväter, den heutigen Heuschrecken nicht unähnlich, mit Riesenversprechungen bei ihnen eingefallen waren, meist kleine Personengesellschaften oder kleine Handwerker.
Der Kurszettel der Berliner Börsianer wurde beinahe täglich länger.
Lag der Börsenumsatz des Jahres 1870 bei 2,474 Milliarden Taler, hatte er sich binnen eines Jahres schon verdoppelt.
Gegründet wurde alles was schnellen Reichtum versprach: Banken, Botanische Gärten, Pferdebahnen und Eisenbahn AGs, Maschinenfabriken, Brauereien und Kalksandsteinwerke.

Das Börsenfieber erfasste praktisch jeden!
Die Leute, die ihr sauer Erspartes normalerweise im Strumpf aufbewahrten, wurden nicht zuletzt der überall in den Zeitungen geführten Börsenlisten wegen, zu risikobereiten Zockern. Auch wenn den meisten diese Zockerei gar nicht bewusst werden konnte. Denn dieses Kauderwelsch verstand doch nur der, der mitten drin war im hektischen Börsengeschehen.

Parallelen drängen sich zum Holländischen Tulpencrash von 1637 auf, als der „Große Rat von Holland“ beschloss, alle Zwiebelgeschäfte von vor 1637 für ungültig zu erklären und die daraus resultierenden Vertragsstreitigkeiten vor die ordentlichen Gerichte in den Städten verwies.
Spekulanten und Züchter saßen nun auf Bergen von Zwiebeln und Titeln, die absolut nichts mehr wert waren.
Parallelen zu heute drängen sich auf! Wo war die „Bad Bank“ der Zwiebelhändler? Zum Leidwesen der Niederländer damals, nur noch nicht erfunden!

Wie sich die Bilder doch gleichen: Ist die Blase erst einmal geplatzt, gibt es keine Bremse mehr.

Waren es zunächst noch Handlungsreisende in Sachen „accreditierte Actie“, die in jedem Haus auf jeden Dachboden und in jedes Kellerverlies hinabstiegen, um Bauern und Handwerkern diese bunt schillernden Papiere zu verkaufen, die Mittels kunstvoller Unterschriften von guten Namensträgern erst zu echten Werten wurden, rannten schließlich die Anleger auch aus den untersten Schichten den kräftig gewachsenen Bankinstituten die Türen ein.

Das Ende kündigte sich sehr unauffällig an.

Ab November 1872 stiegen die Kurse nicht mehr, obwohl immer mehr Aktien ausgegeben wurden.
Am 7. Februar 1873 führte der Reichstagsabgeordnete Eduard Lasker, der Führer der „Nationalliberalen“, eine bewegende Rede, in deren Verlauf er den „Eisenbahnkönig“ Bethel Henry Strousberg als Betrüger brandmarkte.
Nach dieser Rede wurde einer der ehemals reichsten Männer des Reiches zur Unperson und die Stimmung an der Börse sank.

Zwar brachte der März wieder steigende Kurse, doch dann machten Gerüchte die Runde, dass die zwei führenden Banken Wiens und damit der Donaumonarchie, unmittelbar vor dem Zusammenbruch ständen.
Die dort gerade eröffnete Weltausstellung würde wohl zu einem finanziellen Fiasko werden.

Als dann am 8. und 9. Mai die Wiener Börse tatsächlich zusammenkrachte, waren die Berliner Anleger wie gelähmt.
Der Handel stagnierte. Es wurde kaum ge- und verkauft.

Als nun auch noch Nachrichten aus New York, Befürchtungen weckten, die Amerikanischen Eisenbahnen wären pleite, änderte sich die Lage schlagartig.

Die erste große Verkaufswelle setzte mit Öffnung der Schalter am 13. Mai ein. Abends notierten nur noch 73 von 375 gehandelten Industrie-Werten über den ursprünglichen Ausgabekursen.

Trotzdem wurden ständig neue Werte emittiert. Allein von Januar bis Juni tauchten 196 neue Titel auf den Kurszetteln auf. Im Juli, September und Oktober versackten die Kurse auf vorher nicht geahnte Tiefstände.
Die „Quistorp`sche Vereinsbank“ stellte wegen Illiquidität einfach die Auszahlungen ein und Industrie- und Eisenbahnbetriebe schlidderten in den Konkurs wegen fehlenden frischen Geldes.
Der Kursverfall setzte sich auch noch im Januar und Februar des folgenden Jahres fort und die Leute verloren die Lust am Börsengeschehen.
Bis 1877 fielen die Kurse auf zwei Drittel des Niveaus von 1869 zurück und ein Drittel des zuvor real eingesetzten Kapitals war verbrannt.

Der Abschwung dauerte insgesamt mehr als 54 Monate und am Ende waren rund 65 Prozent des eingesetzten Aktienkapitals vernichtet.

Die Wirtschaft lag am Boden. Täglich machten Betriebe zu und die Hauptlast hatten die schon zuvor einkommensschwächsten Schichten der Bevölkerung zu tragen.

Der gesamte Gründerboom hatte sich in Nichts aufgelöst!

Es dauerte dann 23 Jahre, bis 1896, bis die Verluste aus der absolut kürzesten Phase des Wirtschaftsaufschwungs wieder aufgeholt werden konnte und die Werte von vor 1871 wieder erreicht wurden.

Und genau diesem Muster, dieser Blaupause, entsprechen die weiteren Crashs der Weltgeschichte. Hier von unvorhersehbaren Geschehnissen zu sprechen, ist nicht nur blauäugig.
Die Folgen scheinen klar, nur wo bleiben die Lehren?

Quellen auf Anfrage!

A.S. 31. März 2009

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