Liebeskrank – Teil 21

Samstagvormittag.
Frank und ich kämpfen uns durch das Gewühl im Einkaufszentrum.
Ich seufze.
Mir ist zu viel los hier.
Frank braucht aber dringend ein paar Dinge.
Mein Schatz, den Kleber, die Nägel,…
Wann soll ich das alles sonst besorgen.
Frank küsst mich.
Weißt du was?
Setz dich in das kleine Espresso dort hinten.
Zu Kaffee und Kuchen.
Lies eine Zeitschrift.
Oder träume einfach…
Frank lächelt mich zärtlich an.
Bevor du wach bist, bin ich wieder da.
Versprochen…

Also geh ich die paar Schritte in das kleine Lokal…
Ordere einen Verlängerten und eine Topfengolatsche.
Blättere eine Zeitschrift durch.
Daneben schweifen meine Gedanken.
Süße Tagträume.
Leises Glück.
Ein paar neue Vorhänge für unser Schlafzimmer…
Ein neuer Teppich für das Wohnzimmer…
Und diese Salzkristallleuchte möchte ich auch haben.
Wir bauen uns ein Nest.
In dem ich mich mehr und mehr heimisch fühle.
Schön langsam.
Ich beginne mich wohl zu fühlen bei Frank.
Vor einem halben Jahr durfte ich nicht einmal daran denken…
Ich beiße von der Golatsche ab.
Wische mit der Serviette den Staubzucker vom Gesicht.
Der Zeiger meiner Armbanduhr schleicht weiter.
Ich schließe die Augen.
Genieße den Moment.
Eine Wolke warmen Gefühls hüllt mich ein.
Ganz hell, ganz warm.

Plötzlich fällt ein Schatten auf mich.
Eine Disharmonie.
Ich öffne die Augen.
Du!
Gabriel steht vor mir.
Er wirkt etwas blass.
Nicht sehr glücklich.
Und sieht mich nur an.
Sein Blick ist nicht freundlich.
Ich darf mich doch zu dir setzen?
Bevor ich etwas sagen kann, hat er schon Platz genommen.
Was zum Teufel fällt dir ein?
Ich bin nach der ersten Überraschung ziemlich grob.
Gabriel wischt meinen Einwand einfach weg.
Ich werde dich nicht lange beanspruchen.
Aber ein paar Dinge möchte ich dir schon sagen.
Nur zum Abschluss.
Denn dass dir unsere Freundschaft nichts wert war, sehe ich jetzt eindeutig.
Gabriel wirkt fast verbittert.
Und hart.
Ich lasse ihn nicht ausreden.
Was heißt nichts wert?
Ich war doch nur Platzhalter für dich, wenn Susanne keine Zeit für dich hatte.
Und das war oft der Fall.
Hätte ich mich kaputt machen lassen sollen von meinen einseitigen Gefühlen?
Du hast mich nie geliebt!!!
Warum tust du jetzt so verletzt?

Meine Stimme ist laut geworden.
Ich zittere vor Anspannung.
Gabriel setzt ein leises ironisches Lächeln auf.
Also alles meine Schuld, oder wie?
Ich wollte dich nicht, deshalb kündigst du mir die Freundschaft?
Einfach so.
Ganz oder gar nicht?
Merkwürdiges Gebaren!
Ich schüttle den Kopf.
Und frage mich, warum ich mich auf diesen Streit überhaupt einlasse.
Du hast noch immer nicht verstanden, oder?
Liebe kann man nicht mit Knopfdruck auslöschen.
Liebe ist eine Sucht.
Ich brauchte einen Entzug.
So einfach ist das.
Einen Entzug, den ich dir auch im Fall deiner Susanne raten würde.
Sie benutzt dich, wie du mich benutzt hast.
Gabriels Augen werden schmal.
Das ist nicht nötig.
Susanne ist nach Graz gegangen.
Mit jemand anderen.
Ihrem neuen Freund um genau zu sein.
Vor fast zwei Monaten…

Einen Moment bin ich sprachlos.
Mir wird bewusst, dass in Gabriels Leben zur Zeit ziemliches Regenwetter herrscht.
Und eisiger Wind…
Das wusste ich nicht…
Das tut mir leid für dich.
Aber sie wird wohl ihre Gründe gehabt haben.
Du hast sie doch gekannt.
Du warst ihr Platzhalter!
Mein Blick fällt auf die Uhr.
Wo wohl Frank bleibt?
Frank beobachtet mich angespannt.
Während ich der Serviererin winke, verhärtet sich sein Gesichtsausdruck wieder.
Seine Stimme klingt in die Stille ziemlich tonlos.
Das war es dann also…
Du willst mich nicht mehr sehen.
Du bist glücklich.
Und ich habe das Nachsehen…
Mitleidstour?
Ich stehe auf.
Als ich beschloss, dich von einem Tag auf den anderen nicht mehr zu sehen – da wusste ich nicht, was kommen wird.
Woher denn auch?
Aber mir war klar, dass es nicht so weitergehen konnte.
Ich habe dich geliebt, Gabriel.
Ich konnte nicht mehr so tun, als ob nichts wäre.
Es war für mich sicher nicht leichter als für dich.
Aber ohne diesen Schnitt hätte ich Frank nie kennen gelernt.
Und ich bin so glücklich mit ihm…

Hallo Liebes.
Franks Stimme klingt etwas übertrieben jovial.
Sein Arm liegt plötzlich auf meiner Schulter.
Ich spüre seine Nervosität ohne ihn anzusehen.
Wie lange er wohl schon hinter uns steht? frage ich mich.
Was hat er alles gehört?
Gabriel sitzt ruhig da.
Dann nickt er.

Gut, das muss ich dann wohl akzeptieren…

© Vivienne

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Keine Bewertungen)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.