Liebeskrank – Teil 22

Ich stehe in der Küche.
Röste das Gemüse und die Champignons.
Wende die Schollenfilets.
Dunst erfüllt die Nische.
Ich kippe das Fenster.
Mir ist heiß.
Wisch mir über die Stirn.
Das Gedudel aus dem Radiogerät nervt mich.
Plötzlich spür ich Franks Arme um mich.
Ich habe nicht gehört, wie er gekommen ist.
Er drückt mich ganz fest.
Flüstert mir liebe Dinge zu.
Ich verstehe gar nicht wirklich, was er sagt.
Ich fürchte nur, dass unser Mittagessen anbrennt.
Der Fisch!
Ich reiße mich los von ihm.
Stelle die Pfanne weg vom Herd.
Als ich mich umdrehe, lacht Frank.
Er wirkt sehr gelöst.
Und hilft mir, das Essen anzurichten.

Es duftet gut im Wohnzimmer.
Wir setzen uns.
Beginnen zu essen.
Reden über Belangloses.
Einmal stehe ich auf und hole Mineralwasser aus dem Kühlschrank.
Willst du auch ein Glas?
Ich lächle Frank aus der Küche zu.
Etwas irritiert mich.
Eine kleine schwarze Schachtel liegt nun auf dem Tisch.
Ich warte nicht auf Franks Antwort.
Mit der Mineralwasserflasche komme ich ins Wohnzimmer.
Eine kleine Schachtel.
Dunkel.
Sieht edel aus.
Ich sehe Frank fragend an.
Stelle die Flasche hin.
Frank lächelt.
Nicht nur sein Mund.
Auch seine Augen.
Sein ganzes Gesicht lächelt.
Ich öffne die Schachtel.
Ein Ring.
Ich weiß nicht, warum mein Puls plötzlich schneller schlägt.
Ein breiter Ring.
Mit einem hellblauen Stein.
Aquamarin.
Mein Lieblingsstein.
Ich schließe die Schachtel wieder.
Hastig.
Etwas irritiert.

Ich verstehe das nicht.
Frank nimmt meine Hände.
Weiß du eigentlich, wie lange ich diesen Ring schon für dich kaufen wollte?
Als du zu mir gezogen bist, wollte ich ihn dir schon schenken.
Ganz weiß ich noch immer nicht, was Frank mir sagen will.
Ich habe ihn erst heute gekauft.
Frank hält meine Hände noch immer.
Warum heute?
Was ist anders?
Ich bin noch immer verwirrt.
Du weiß es nicht?
Kannst du es dir nicht denken?
Frank sieht mich intensiv an.
Ich überlege.
Irgendein markanter Tag?
Beim besten Willen nicht.
Warum spannst du mich so auf die Folter?
Mein Freund nimmt die kleine Schachtel.
Öffnet sie wieder.
Und stellt sie mir hin.
Erinnerst du dich, was letzten Samstag war?
Meine Stirn liegt in Dauerfalten.
Wir waren einkaufen.
Frank nickt.
Besser gesagt ich.
Du warst im Cafè.
Wo dich Gabriel getroffen hat…

Ich sehe den Ring an.
Das heißt: ich sehe ihn nicht wirklich.
Ich blicke nur in seine Richtung.
Aber ich glaube, ich weiß jetzt, was Frank meint.
Als ich wieder aufschaue, gehen mir viele Dinge durch den Kopf.
Du hast alles von unserem Gespräch gehört, nicht wahr?
Oder fast alles…
Hast du wirklich geglaubt, ich würde Gabriel noch lieben?
Ich liebe doch dich!
Wer hat mir denn Halt gegeben, wenn nicht du?
Minuten später probiere ich den Ring.
Er passt.
Und ich frage mich, ob wir jetzt verlobt sind.
Oder was auch immer.
Ich kenne mich in diesen Dingen nicht aus.
Alles altmodisch.
Aber Frank sagt nichts dergleichen.
Wir sagen beide nichts.
Auch nicht, als eine SMS hereinkommt.
Auf meinem Handy.
Das hat Zeit.
Ein spezieller Moment.
Und irgendwie seltsam.
Eine Verbundenheit, wie ich sie nie kannte.

Eine Weile später erst suche ich mein Handy.
Die Nachricht von Stefan treibt mir Tränen in die Augen.
Holt mich aus dem Glücksgefühl.
Der Krebs ist doch nicht zum Stillstand gekommen.
Stefan liegt im Spital.
Mit Metastasen im Rücken.
Nur mehr eine Frage von Wochen…

Unerwarteter Schock.
Und meine Tränen fließen hemmungslos.
Frank…!

© Vivienne

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