Teil 5 – Ingolf, der Fuchs

Eine Woche später lag Philip nach einem aufregenden Tag im Korb. Er konnte nicht schlafen. Felix, der Truthahn, hatte über heftige Bauchschmerzen geklagt. Die Henne Berta, die ihn wie immer besuchte, rechnete mit seinem Tod. Am Nachmittag aber hatten ihn Agnes und Sarah überrascht, als er Unmengen von Maiskörnern verzehrte. Die beiden Hühner stellten ihn zur Rede. Felix hatte dann zugegeben, dass er nach den Bauch­schmerzen einfach sehr großen Hunger bekommen hatte.

Philip war noch immer kein bisschen müde. Nach einem Blick auf seine schlafende Mutter schlich er in den Hof. Die Nacht war hell und sternenklar.

Philips Weg führte ihn wieder zum Teich. Nachdenklich strich er um den Flieder­strauch. Plötzlich hatte der kleine Kater ein unangenehmes Gefühl, dass er sich nicht erklären konnte. Der kleine Kater überlegte, ob er wieder in den Korb zurückkehren sollte. Da konnte er am Teich ein kleines Tier erkennen. Philip traute seinen Augen nicht: Das Tier sah ja aus wie ein Igel!

„Hallo!“ rief Philip. „Ich heiße Philip und möchte dein Freund sein!“ Der Igel erschrak und rollte sich zusammen. Philip redete ganz aufgeregt auf ihn ein. „Ich tu‘ dir nichts. Ich will dich kennen lernen. Bitte sprich doch mit mir! Bitte!“

Ein Vogel flog verschreckt auf. Philip spürte wieder dieses Gefühl von Gefahr. Er drehte sich um und bemerkte entsetzt auf der Mauer einen Fuchs. Das war Ingolf. Philips Nackenhaare sträubten sich. Voller Angst sprang er auf den Fliederbusch. Da war Ingolf auch schon da. Lautlos.

Mit Schrecken sah Philip, wie der Fuchs den kleinen Kater beschnupperte. Schließlich begann Ingolf, den Igel vorsichtig zum Teich zu rollen.

Er will den Igel ertränken und auffressen! begriff Philip. Wie konnte er den kleinen Igel nur retten?

Der rote Kater überlegte aufgeregt. Da fiel ihm August ein. Hatte er nicht erzählt, wie er den Fuchs in die Flucht geschlagen hatte? Ich muss es probieren, dachte Philip, ich muss dem kleinen Igel helfen!

Sekunden später war der Kater auf den Rücken des Fuchses gelandet. Fauchend kratzte er dessen Nase. Ingolf bellte überrascht auf und ließ vom Igel ab. Der Kleine lief rasch davon. Der Fuchs versuchte vergeblich, Philip vom Rücken abzustreifen – seine Nase schmerzte ihn sehr. Philip kratzte und fauchte so sehr er nur konnte. Schließlich wälzte sich Ingolf mit dem Rücken am Boden. Philip musste nun abspringen, um nicht erdrückt zu werden. Der Fuchs schüttelte sich und warf dem Kater einen wütenden Blick zu. Philip kletterte hastig auf den Flieder zurück.

„Wir sprechen uns noch!“ knurrte der Fuchs. Dann verschwand er so lautlos wie er gekommen war.

Philip war erleichtert, aber auch traurig. Er hatte den Igel gerettet; aber wo war er nur hin gelaufen? Wie konnte er ihm beweisen, dass er sein Freund sein wollte?

„Kommst du bitte herunter?“ fragte da eine leise Stimme. Philip blickte überrascht nach unten. Da war doch tatsächlich wieder der kleine Igel. Philip sprang aufgeregt nach unten. Die beiden betrachteten sich und beschnupperten einander.

„Ich heiße Stefan“, sagte der kleine Igel.

Und nun erfuhr Philip die ganze traurige Geschichte, wie Stefan seine Mutter und seine Geschwister verloren hatte.

„Du siehst hungrig aus“, meinte Philip voll Mitgefühl. „Ich habe seit Tagen nur ein paar Schnecken und Würmer gefressen“, gestand Stefan. „Ich muss mich bedanken – du hast mir ja das Leben gerettet!“ fügte er glücklich hinzu.

Philip fühlte sich glücklich. Sogleich lud er seinen neuen Freund in die Scheune ein. „Meine Mutter wird dir ein paar Mäuse fangen – ganz sicher magst du doch Mäuse? Und Milch gibt es auch!“

Die alte braune Katze war im ersten Augenblick überrascht, dass ihr Sohn sie mitten in der Nacht aufweckte – wegen eines halb verhungerten Igeljungen. Aber bereitwillig fing sie ein paar Mäuse. Etwas Kuhmilch war auch noch da und so konnte sich Stefan wieder stärken.

„Darf Stefan in unser Lager?“ fragte Philip. Melissa lachte und meinte:“ Wenn er möchte, ja.“ Kurze Zeit später waren Philip und Stefan im Korb eingeschlafen.

Melissa betrachtete die beiden und schüttelte den Kopf. Jetzt muss ich beiden das Mäuse fangen beibringen, dachte sie bei sich. Genüsslich rollte sich die Katze ein und schlief augenblicklich.

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