Die Einzelgängerin

Zwei Dinge.
Ich wusste sie schon als Kind.
Erstens.
Dass ich nie heiraten würde.
Und zweitens.
Dass ich nie eine Hausfrau werden wollte.
Wie meine Mutter.
Mit vielen Kindern.
Jeder Menge zu tun im Haushalt.
Und kein eigenes Geld.
Oder wenig.
Und vor allem das Furchtbarste:
Abhängig…

Nein.
Abhängig.
Das wollte ich nie sein.
Angewiesen.
Auf das Wohlwollen von jemandem.
Nicht mein eigener Herr sein.
Sondern sich womöglich unterordnen müssen –
Ein Schicksal schlimmer als der Tod.
Als ich mir das als Kind vorstellte.
Ja, ich war immer schon eigen.
Besonders.
Auf eine gewisse Art und Weise.
Und eine Einzelgängerin…
Kinder konnte ich nicht haben.
Das war schnell klar.
Und ich suchte die Liebe.
Aber ich fand sie nicht.
Nicht wirklich.
Vielleicht auch.
Weil ich gleichzeitig die Nähe fürchtete.
Zu viel Nähe.
Und vor allem das Klammern…
Das Besitz ergreifen…
Denn ich bin niemandes Besitz!

Mond im Wassermann.
Steht in meinem Horoskop.
Andere belächeln das.
Aber ich erkannte darin.
Mein ureigenstes Wesen.
Ich bin anders.
Anders als die meisten.
Und den Traum vom Familienglück.
Den hab ich nie so ganz geträumt.
Ich habe ihn auch nicht vermisst.
Und nicht gebraucht.
Weil ich nicht nach der Norm gehe.
Die die Gesellschaft uns Frauen überstreift.
Ich bin das nicht.
Auch wenn ich meine Familie liebe.
Und meine Freunde brauche.
Und für sie alle da bin.
Aber ich suche auch das Allein sein.
Und meinen Frieden.
Einsam?
Das bin ich selten.
Wichtiger war und ist.
Zu erkennen, wer ich bin.
Und ich lasse mich nicht einordnen.
Nicht fassen.
Und nicht greifen.
Ich bin wie ich bin.

Wer mich betrügt und belügt.
Oder ausnutzt.
Hat irgendwann bei mir ausgespielt.
Keine Chance mehr.
Vergeben.
War nie meines.
Und das lasse ich mir nicht oktruieren.
Von niemandem.
Wer weise ist, begreift auch.
Es lässt sich nicht erzwingen…
Vielleicht.
War es auch immer falsch.
Nach der Liebe zu suchen.
Es wäre besser gewesen.
Sich finden zu lassen.
Aber vom Richtigen.
Der mich akzeptiert.
Und mich nicht ändern will.
Der mich an der langen Leine lässt.
Und nie zu führen versucht.
Ich brauche niemanden.
Der mich führt.
Und keinen.
Der ein Hausweibchen braucht.

Liebe heißt.
Den anderen zu verstehen.
Und ihm seine Freiheit zu lassen.
Der eine im einen Refugium.
Der andere im anderen.
Aber enger verbunden.
Als in einem gemeinsamen Schlafzimmer…
Jede Nacht zusammengepfercht.
Für immer?
Niemals!
Aber solange wir uns wollen.
Solange wir es wollen…
Nichts lieber als das!

Vivienne/Lilly

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