Die Macht der Medien – oder: Wenn die Seele weint

Liebe Leser mein Ziel was ich mit diesem Artikel erreichen möchte, ist mit dem Vorurteil der im Volksmund genannten „Klapse“ aufzuräumen. Ich selber war in jetzt schon zweimal in einer Psychiatrischen Klinik und kann sagen, dass die mittelalterlichen Vorstellungen die in unseren Köpfen spucken nicht der Wahrheit entsprechen. Gummizelle, Zwangsjacke, Medikamentencocktail das war vielleicht vor 20 oder 30 Jahren noch so. Was nicht heißen soll, dass heute keine geschlossenen Stationen mehr gibt, auf diese Stationen kommen aber nur die Menschen die eine Gefahr für sich oder für Andere sind.

Aber ich möchte ehrlich sein auch in meinen Kopf schwirrten viele der oben genannten Vorurteile, weil ich es von den diversen Medien nicht anders dargestellt kannte. Ich hatte eine ganz furchtbare Angst, als ich zum ersten Mal wegen Angst- und Panikattacken und Depressionen in die Psychiatrie kam. Meine Eindrücke vom ersten Tag habe ich aufgeschrieben und möchte ich ihnen liebe Leser nicht vorenthalten.

Freitag 12.08.2005

Ich habe mal wieder die Nacht durchgemacht. Dieses Mal war es sogar so schlimm, dass ich nicht wusste, wie ich liegen sollte. Ich wusste nicht wie soll ich atmen. Es ist wieder da dieses Engegefühl diese im Brustkorb bis hin zu Schmerzen. So als läge ein Sack Zement auf meiner Brust. Mir ist schwindelig und taumele mehr als das ich laufe. Mir ist, als wäre mein Körper aus Gummi. Was will man aber auch anderes erwarten, ich habe in den letzten Wochen nicht besonders viel geschlafen. Tja, jetzt sitze ich bei meiner Ärztin und hoffe sehr, dass sie mir irgendwie helfen kann!!!

Egal wie… eine Spritze, Tabletten, Hauptsache ich kann wieder normal leben und frei atmen. Denn langsam kann ich nicht mehr und ich glaube darüber noch wahnsinnig zu werden. Das Beste sind diesen klugen Sprüche von außen: „Du bist organisch gesund, Du steigerst Dich da in was rein, bleib ruhig und so weiter. Aber die haben doch alle keine Ahnung wie das ist!!!

Das Gefühl kaum bis gar keine Luft mehr zu kriegen ist nämlich nicht angenehm. Genauso wenig wie Herzrasen bzw. wenn man das Gefühl hat, dass die Pumpe nicht mehr richtig funktioniert.

Mittlerweile bin ich im Behandlungszimmer meiner Ärztin und warte auf die Dinge die da kommen. Eigentlich hätte ich ja erst nächste Woche einen Termin, aber nach dem Horrortrip der letzten Nacht kann ich nicht mehr! Ich bin am Ende!!! Noch glaube ich oder sollte man es eher hoffen nennen, dass es mit einer Spritze oder ein paar Pillen getan ist. Aber was meine Ärztin dann sagt schockiert mich. Psychotherapie beginnend in der Psychiatrie. Mir spucken auf einmal die schlimmsten Bilder im Kopf rum: Durchgeknallte Freaks, Pillencocktails, Gummizelle und Betten mit Fixzierung. Ich frage mich ob ich da in meiner Freizeit raus und ob ich in irgendeiner Form Kontakt zur Außenwelt haben darf. Schließlich sind meine Familie und meine Freunde das einzige was ich im Leben habe. Meine Ärztin versucht meine Zweifel zu zerstreuen und beantwortet jede meiner Fragen ganz genau. Aber ich bleibe unsicher. Den Weg nach Hause erlebe ich wie in einen Traum. Ich versuche mich zusammen zu reißen, damit ich nicht in Tränen ausbrechen. Mir kommt es immer noch so unwirklich vor, dass ich in die Psychiatrie soll. Zu Hause versuche ich alles in „Ruhe“ zu erzählen. Es will mir aber nicht so ganz gelingen.

Wir fahren in die Stadt, um uns die Klinik anzusehen. Im ersten Gespräch werde ich gefragt, ob ich gleich da bleiben will. Natürlich will ich. Zu Hause wird es von alleine ja auch nicht besser. Das Gespräch geht eigentlich noch, aber dass Zweite hat es in sich. Es ist mein Aufnahmegespräch, ein Seelenstriptease vom aller feinsten. Alles aber auch wirklich alles von der Kindheit angefangen, quasi von der Stunde null bis jetzt. Die berufliche Situation interessiert hier genauso wie Familie, Freunde, Partnerschaft. Zu allen kann ich sehr viel erzählen, dass meiste ist nicht so toll. Das einzige worauf ich mich immer verlassen konnte waren meine Familie und meine Freunde.

Nach der Seele wird mein Körper durchleuchtet. Ach, ja zwischendurch darf ich mir schon mal die Station anschauen, wo ich die nächsten Wochen verbringen werde. Alles ist sehr hell und freundlich eingerichtet und auch das Personal scheint sehr nett zu sein. Nichts wirkt auch nur irgendwie bedrohlich. Trotzdem habe ich Angst.

Nach einem kurzen Check aus der Station, muss ich noch zum Oberarzt. Noch mal Seelenstrip, auch wenn er dieses mal in abgespeckter Form ist, habe ich langsam die Schnauze voll. Am liebsten würde ich mich einfach weg beamen.

Wir sind wieder zu Hause, aber nur kurz. Ich packe meine Sachen, nicht in Ruhe eher gehetzt. Dann geht es wieder zurück, angekommen packe ich meine Sachen aus. Eine Schwester nebst einiger meiner Mitpatienten stellen sich mir vor.

Beim Abendbrot fühle ich mich wie auf den Präsentierteller, obwohl alle sehr lieb und hilfsbereit sind. Am Abend sitze ich mit anderen Patienten vor der Flimmerkiste und dank der Medikamente schlafe ich in der ersten Nacht ganz gut.

Das war mein erster Tag. Ich muss sagen, dass es mir Schritt für Schritt immer ein klein wenig besser ging. Auch wenn es viel Arbeit war und auch noch ist. Ich bekomme bis heute Medikamente, aber nicht viele. In der Psychiatrie selber hat mir selber sehr geholfen, dass ich wusste dass ich nicht alleine bin mit meinen Problemen. Da waren Patienten denen es genauso ging und ich war nicht mehr allein, ich konnte mit Leuten reden die dieselben Probleme haben und die verstanden mich. Überhaupt konnte man jederzeit mit jemanden reden mit Patienten, Schwestern oder Therapeuten. Ich möchte meine Zeit in dieser Klinik nicht missen, denn sie hat mir geholfen und viele neue Freunde habe ich auch gefunden. Auch die Gruppentherapie und die Einzelgespräche mit meiner Therapeutin haben mir sehr geholfen. So sehr dass ich nach meinen ersten Aufenthalt zu Anfang dieses Jahres noch mal Hilfe in der gleichen Klinik suchte.

Meine Ängste und Depressionen hatten sich wieder verschlimmert hinzu kam dann in der Klinik noch mein Trauma und eine Essstörung ( BIE ). Ja, meine Seele war so schlau und genau zur rechten Zeit gesprochen.

Wieder habe ich sehr nette Menschen kennen gelernt und ein paar neue Freunde mitgenommen. Dank der Psychiatrie bin ich gerade dabei mir ein neues Leben aufzubauen. Vor mir liegt noch ein langer und steiniger Weg, aber ich glaube ich werde es schaffen. Ich würde mich freuen mit von Lesern zu hören denen es ähnlich ergangen ist, auch wenn Sie vielleicht weniger gute Erfahrungen gemacht haben.

Ich bin an jeder Form von Feedback zu diesem Thema sehr interessiert!

(C) Butterfly

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