Ein Eintrag ins Tagebuch – Teil 19

Griechenland ist vom Tisch.
Georg auch.
Vorläufig.
Ich habe es ihm erklärt.
Ich versuchte es zumindest.
Ich kann nicht mit dir auf Urlaub fahren.
Nicht so.
Bevor ich mir darüber klar bin.
Wie das mit uns weiter geht.
Ob…
Lass es wachsen.
Langsam und vorsichtig.
Ich kann nicht von 0 auf 180

Georg hat mich angesehen.
Verletzt.
Ich habe es gespürt.
Ganz deutlich.
In seinem Gesicht hat es gearbeitet.
Er hat es sich gewünscht mit mir wegzufahren.
Einen gemeinsamen Urlaub…

Ich habe nichts geschlafen deswegen.
Habe ich ihm das sagen dürfen?
Hätte ich nicht einen Vorwand erfinden müssen?
Wenn ich mir nicht sicher bin?
Oder einfach trotzdem fahren?
Auch wenn es für mich zu früh wäre?
Georg ist gegangen.
Etwas verschnupft.
Und er hat sich seither nicht gemeldet.
Fein.
Soll er es bleiben lassen.
Die schlaflose Nacht hatte ihr Gutes.
Ich weiß jetzt:
Ich konnte nicht anders.
Dieser Mann ist voller Extreme.
Wahrscheinlich hat er mich sehr lieb.
Lieber als ich jemals dachte.
Aber ich brauche Zeit.
Obwohl ich neulich Nacht bei ihm war.
Und es war schön mit ihm.
Aber er kann nicht einfach so wieder auftauchen.
Praktisch aus dem Nichts.
Hier bin ich.
Nimm mich.
Und werde glücklich mit mir!

Okay.
Er war krank.
Aber wer sagt mir.
Dass er nicht wieder weg sein wird?
Von einem Tag auf den anderen?
Aus einem anderen Grund?
Wer sagt mir überhaupt:
Dass er der Mann ist für mich?
Mit dem ich leben möchte?
Oder dass ich die Frau bin?
Von der er träumt?
Ich ignoriere die Katze.
Die sich an mich schmiegt.
Die laut schnurrt.
Und die sich dann mitten auf der Straße rollt.
Ja.
Er hat es gut gemeint.
Das weiß ich.
Mit den besten Absichten.
Warum ist er nur so verdammt angerührt?
Macht das die Krankheit?
Depressionen gehen nie wirklich…
Ich weiß das von mir selber.

Die Sonne scheint mir ins Gesicht.
Ich stehe auf.
Wische mir den Schweiß von der Stirn.
Und gehe hinein.
Nachdenklich.
Setze mich an den PC.
Ich sollte wieder was schreiben…
Sehe meine Emails durch.
Georg hat gemailt.
Ich merke, dass ich nervös geworden bin.
Ein Satz steht in der Mail.
Warum läufst du vor mir davon?
Ich stehe auf.
Weiß nicht, wo ich meine Hände hinlegen soll.
Einen Wulst Gedanken im Kopf.
Die mich befallen…
Ich laufe nicht davon.
Ich warte ab.
Und das ist nicht dasselbe.
Beileibe nicht.
Ist es ein Verbrechen, unsicher zu sein?
Und außerdem…
Einen Urlaub kann man auch Last Minute buchen!
Kann man…
Man braucht damit niemanden unter Druck zu setzen…

Vivienne

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