Freud und Leid – Henry, Teil 3

„Melanie, wer hatte gerade angerufen? Ich muss wohl eingeschlafen sein. Ich glaubte das Telefon gehört zu haben. Wahrscheinlich brauchen wir beide einen Kaffee. Wären Sie so nett?“

Ursula schaute freundlich ihre „Perle“ an, die nun schon so lange bei ihr und ihrem Mann Helmut für das leibliches Wohl sorgte und nicht nur für dieses.

„Was haben Sie, Melanie? Sie sehen ja aus als hätten Sie einen Geist gesehen!“

Ursula hatte sofort gesehen, dass irgendetwas nicht stimmen könnte, nur was?

„Degenhardts, ich meine Herr Degenhardt aus Hannover hat soeben angerufen und ich habe ihm gesagt, dass Sie sich hingelegt haben, ich meine Herr Klaus Degenhardt, Ihr Enkel aus Hannover hatte angerufen und da Sie sich hingelegt hatten, will er noch mal später anrufen. Ich wusste ja nicht.“

Melanie schien ziemlich verwirrt, so schien es Ursula und diese Verwirrung konnte nur mit dem Anruf Klaus`s zusammenhängen.

„Beruhigen Sie sich, Melanie. Es ist ja nichts Schlimmes passiert. Wenn es was Wichtiges ist ruft Klaus gleich sicherlich noch mal an. Ich schlage vor, dass wir zwei jetzt eine Tasse Kaffee trinken.“

Melanie schien unter Schock zu stehen. Was mochte der Grund sein?

„Nichts passiert ? Ich befürchte schon.“

Eigentlich war es wie immer. Christina und Henry hatten in der kleinen Küche zu Abend gegessen. Auf der Eckbank hatte sich Christina ein kleines „Herrgottseckle“ eingerichtet, ein solches hatten sie mal in einer Füssener Sommerfrische bei der Wirtsfrau gesehen. Dies hatte ihr gefallen und so hatte sie sich gegen Henrys Abscheu („Ich mag keinen zum Tode Verurteilten in der Küche hängen haben!“) im Eck der Bank, dort wo der lange und der kurze „Schenkel“ zusammengeschraubt ist, diese „typisch bayerische Folklore-Puppe“ mit ein paar frischen Schnittblumen aufgestellt, obwohl sich Christina als nicht gläubig bezeichnete.

Christina hatte sich Jauchs Millionenquiz angeschaut, während Henry wieder in seinem Arbeitszimmer an seinem Manuskript arbeitete, welches er seit seiner Kündigung als Vorführer in dem kleinen Programmkino in Goslar angefangen hatte.

„Ich werde mal nen richtigen Bestseller schreiben. Ich habe beim Bund soviel erlebt und auch als Fahrlehrer, das schreib ich auf und Du wirst sehen, das wird ein Hit.“

Christina wusste natürlich, dass das Schreiben zur Therapie gehörte, seitdem Henry gegen seine Trunksucht ankämpfte. Und gewisses Talent musste auch sie Henry bestätigen.

Christina hatte so um Mitternacht Henry auf dessen Wunsch einen Magentee gebracht und sich dann hingelegt. Er hatte über Bauchdrücken geklagt.

Gegen fünf in der Früh war sie erwacht und musste feststellen, dass Henry immer noch nicht neben ihr lag und das war gar nicht seine Art.

Mit klopfendem Herzen und sehr unruhig stieg sie die Stiege zum Dachgeschoss hinauf, in dem der Arbeitsraum in dem ausgebauten Dachstuhl eingerichtet war und als sie die Schiebetür geöffnet hatte, erblickte sie Henry.

(C) Chefschlumpf

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