Rendezvous von Stocki und Susi

Stocki und Susi konnten sich von Anfang an nicht leiden – für mich war das logisch wie das Amen im Gebet. Die Raufereien der beiden, die kecken Vorstöße der jungen Katze und der Unmut des alten, will sagen: nicht mehr ganz jungen Grantscherms von einem Kater belegten das für mich klar und logisch. Und trotzdem machte ich neulich Abend eine Entdeckung, die mich an den bisherigen Erfahrungen nicht nur zweifeln ließ sondern die nur einen Schluss zuließ: die beiden müssen uns zeitweise ordentlich etwas vorgemacht haben…

Neulich in den späteren Abendstunden kündigte sich ein Gewitter an. Immer wieder trat ich vor die Tür und rief nach den Katzen, doch sie ließen sich nicht blicken. Es muss schon gegen Mitternacht gewesen sein, als ich vor dem Haus etwas hörte, das wie ein Miauen klang. Schon im Pyjama lief ich nach unten, aber vor der Tür war keine der Katzen zu sehen. Ein weiteres Geräusch ließ mich aufhorchen. Stocki kam hinter dem Holunderstrauch hervor und fast gleichzeitig machte ich Susi auf der Straße aus. Und sie lief leise miauend auf ihn zu. Ihr buschiger Schweif war aufgerichtet, als sie Stocki erreichte. Der stand ruhig neben der Straße, unerwartet ruhig, fixierte Susi, die an seinem Hinterteil zu schnuppern begann…

Mir ging ein Licht auf. Das sah ja geradezu nach einem Rendez-vous der beiden aus! Susi fing an über Stockis Fell zu lecken und der Kater ließ sich das gefallen. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Mir war schon bewusst, dass Susi trotz der Katzenpille, die sie von uns erhielt, dem anderen Geschlecht nicht abgeneigt war. Aber Stocki? Der war doch kastriert! meldete sich mein Gehirn und trotzdem musste ich widersprechen. Sicher war der rote Kater kastriert, aber er war schon fast zwei Jahre alt gewesen, als der Eingriff durchgeführt wurde. Ich habe später öfter gehört, dass Kater, die nicht in einem Alter von unter sechs Monaten operiert werden, zwar nicht zeugungsfähig sind aber sonst ein normales Sexualleben führen. Und diese Szene, die sich hier vor meinem Auge abspielte, schien diese Theorie tatsächlich zu bestätigen.

In der Zwischenzeit waren sich Stocki und Susi näher gekommen. Sie beschnupperten sich, ihre Nasen berührten sich mehrmals. Gespannt verfolgte ich, was sich mir darbot. Susi lief nun ein paar Schritte die Straße hinauf und drehte sich dann zum Kater um als wolle sie ihn auffordern ihr zu folgen. Der ließ sich nicht bitten und folgte der grazilen Katze schnell. So ein Mist! dachte ich mir. Nun versäume ich das Beste! Ungeachtet meiner unpassenden Kleidung lief ich auf die Straße und blickte den beiden Tigern nach, die sich im Garten des Nachbarn hinter Büschen meinen Blicken entzogen. Kein Katzenporno heute Abend, nicht einmal das anstehende Gewitter schien die Katzen davon abzuhalten sich ihrem Vergnügen zu widmen…

Na ja, ich verstand ja, dass die beiden einen intimen Rahmen vorzogen, ich selber lasse mir auch nur ungern beim Sex zusehen, auch wenn ich dazu nicht in den Garten des Nachbarn flüchte… Ich wartete noch ein paar Minuten, ob die Katzen sich nicht doch wieder blicken lassen würden, aber als ein Auto unsere steile Straße hinauffuhr, kehrte ich um und lief ins Haus zurück. Was immer die zwei Katzen auch trieben, es war sicher angenehm für sie beide und das gönnte ich ihnen. Mein Freund hatte mich schon vermisst und er lachte, als ich ihm vom Schäferstündchen der beiden Katzen erzählte, dessen Zeuge ich unerwartet geworden war.

Später in der Nacht setzte ein heftiges Gewitter ein und gegen Morgen machte sich der Kater pudelnass und heftig miauend am Fenster bemerkbar. Schlaftrunken stand ich auf und ließ ihn ein, der mich heftig schnurrend umschmeichelte. Susi war weit und breit nicht zu sehen und ich war davon überzeugt, dass sie sich nach der Eskapade mit Stocki gleich auf das nächste Abenteuer eingelassen hatte. Ein süßes Kätzchen aber auch eine treulose Seele, so musste man das realistisch sehen. Katzen sind nicht zur Treue geboren und unsere Susi schon gar nicht. Stocki schlug sich den Bauch mit Whiskas voll, dann rollte er sich ein um zu schlafen. Susi tauchte allerdings erst gegen Mittag auf, sie wirkte hektisch auf mich, fraß und trank wenig und begehrte gleich wieder um Auslass! Der nächste Kater wartete wohl schon!

(C) Vivienne

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