Bundespräsidenten und SUV’s – Frankie Millers Einsichten

„Miller, ist ihnen schon mal was zu SUV`s eingefallen? Zur Wochenend-Ausgabe, zweispaltig, zweitausend müsste reichen, denke ich und im Foto-Archiv gibt`s bestimmt auch noch reichlich Material. Vielleicht in eine kleine Geschichte verpackt?“

„Ganz klar Lückenfüller“, dachte ich, als ich den Kopf wieder über die Tastatur senkte.

Ich hatte nur kurz zum Editor aufgeblickt, der nur durch die Redakteurs-Stube gerauscht kam und mir damit wohl einen solchen Lückenfüller eingehandelt.

Lückenfüller werden gebraucht, wenn das redaktionelle Material für eine Ausgabe nicht ganz auszureichen droht und auch immer dann, wenn die Anzeigen-Aquisition nicht genügend „Fläche gemacht“ hat, also, wenn weiße Flächen in der nächsten Ausgabe drohen.

Wenn sich eine Redaktion etwas ganz bestimmt nicht leisten kann, dann unverkaufte Fläche im Blatt.

Doch, für die Wochenend-Ausgabe einen solchen Lückenfüller?
Sind die Themen am Wochenende nicht immer ziemlich Zielgruppen konform?
Wird nicht immer mittels Wochenausgabe, die Klientel die das meiste Geld bringt, sehr umhätschelt?

„SUV“ Sport Utility Vehicle auf Neudeutsch, Aldi-Trecker auf Umgangssprachlich.
Also diese Kisten, die im Ruf stehen, der Hausfrau über die Woche beim Schoppen im Billigdiscounter, das Gefühl von Herrschaft über all die Kleinwagenfahrer zu geben, die sie dann auf dem Parkplatz geflissentlich übersehen kann.
Dass diese Geländekarren zu allem taugen, bloß eben nicht fürs Gelände hält sich da wohl ebenso hartnäckig als Gerücht, wie das Vorurteil, dass so was fürs Ego nur gut sein kann.

Nun gut, Editor, was fällt mir zu SUV`s ein?
Gutsherren! Warum auf einmal Gutsherren? Weil, ja warum eigentlich? Gutsherren haben kein gutes Image! Jedenfalls unter Nichtgutsherren, möchte ich einfach mal behaupten.
Und woran erkennt man Gutsherren? An ihrer Attitüde? Ihrem Gutsherrenauftritt?

„Platz da, der Landvogt kommt!“
Ich hatte meinen letzten Gedanken wohl doch zu laut zwischen meinen verkniffenen Lippen hervor gestoßen.
Jedenfalls ließen die verunsicherten Blicke der Arbeitskollegen darauf schließen.
Bevor ich nun weiterhin müde meine Tastatur beobachtete, hob ich meine Rechte um zu signalisieren, dass trotz nicht unangebrachter Besorgnis ringsum, mit mir alles in Ordnung wäre und auch der allseits gefürchtete Editor nirgends zu sehen war.

Landvogt, neudeutsch Ministerpräsident? Ja, wie kam ich nun auf einmal auf Christian Wulff?
Christian Wulff, ehemals Niedersachsens Ministerpräsident und seit etwa 18 Monaten Deutschlands Bundespräsident, was wohl nur noch durch Kaiserliche Würden zu toppen sein dürfte.
Kaiser Christian der Erste?
Klingt verdammt erhaben, in der Tat.

Also, zurück zu SUV`s. Mein Volvo, Diesel mit roter Umweltplakette und hiermit amtlich angeordnet, unangebracht hohem Schadstoffausstoß, misst in der Höhe etwa 1 Meter 23 Zentimeter.
Damit, an Ampeln immer wieder zu beobachten, um mindestens 50 Zentimeter unterrepräsentiert.
Will heißen, ich komme mir neben einem Mercedes M oder einem Audi Q oder BMW X, einem Porsche Cayenne oder Volkswagen Dingsbums ziemlich mickrig vor.
Doch diese, samt und sonders mit Grün Geadelten, dürften auch weiterhin beim Aldi in Citynähe schoppen, während ich ab dem nächsten Jahr wohl nur noch nach Schleichwegen um die Umweltzonen suchen dürfte.
Und nach Billig-Läden (die eigentliche Übersetzung für Discounter) in der Peripherie von Großstädten.

Möglicherweise gibt’s da in der Nähe von Köln, München, Berlin oder dem Ruhrgebiet, einen im Wald versteckten Lidl, Netto, Penny oder den Klassiker Aldi.
Bloß, wie komme ich dahin, so ganz ohne SUV?
Gibt`s dann dahin wirklich eine Volvo-adäquate Wege-Infrastruktur?

Ach ja, Gutsherren?
Werden täglich gebrauchte Lebensmittel eigentlich von Frau Wulff, ich erinnere- unsere holde Frau vom Bundespräsidenten Christian Wulff, auch mittels SUV herangeschafft?

Muss sich Frau Wulff eigentlich auch, so rein Parkplatz-mäßig von ihren Untertanen abheben, wie so manche Ladys der besseren Gesellschaft?

Ja, es stimmt, ich schoppe meist tagsüber, bringt der Beruf des Zeitungmachens nun mal mit sich.
Und meine Mitschopper sind mehrheitlich weiblich.
Und, nicht selten, mittels Allrad unterwegens.

Ach ja, Herr Wulff! Ist Wulff eigentlich ein Gutsherr?
Wenn das Domizil eines Gutsherren immer bedeutend sein soll, dann muss man beim Beispiel des Gutsherren Christian Wulff, sehr geteilter Meinung sein.

Denn, da ist zum Einen, das Schloss des alten Fritz in der Nähe von Berlin und daneben, irgendwo in der Niedersächsischen Provinz, eine ziemlich bescheidene Hütte im roten Pseudo-Klinker. Jedenfalls, wenn es bei seiner Finanzierungsproblematik um das über die Ticker verbreitete Bild, sich nicht um ein Entenähnliches Geschöpf des Bundes-Präsidials-Amt-Verschleierungs-Büros handelte.

Nun gut, ein Präsident bleibt nicht ewig ein Präsident.
Da schon unterscheidet er sich von einem Gutsherren, König oder einem Kaiser.

Bräuchte er sich, als Gutsherr oder Kaiser oder als Alter Fritz, gar nicht mal so sehr mit Finanzmodellen, Häuslebauerkrediten oder einer Hypothek rum zu schlagen, muss ein Präsident Wulff auch an das Morgen denken.
Denn, die Edelherberge „Sans Soucis“ muss ja auch irgendwann mal geräumt werden.

Und dann ist es doch nur natürlich, dass Behausung her muss.
Und, da der Markt doch alles vorrätig hält, muss nur noch ein wenig Geld her.
Und wenn dann ein guter Freund, noch besser die Frau vom Freund in die gut gefüllten Taschen greift?

Ich geb`s zu, ich hätte da auch beglückt aufgelacht. Und ich hätte auch schön die Klappe gehalten, bei lächerlichen 3,5 Prozent aufs Jahr gerechnet!

Bloß, ich bin nicht der Gutsherr. Noch nicht einmal der Ministerpräsident, der gerade von der Ex geschieden, auch noch über den so genannten Vermögensausgleich für die Geschiedene nachdenkt.

Ich bin ein kleiner Redakteur, der täglich seiner journalistischen Verpflichtung nachkommt. In dem er sich zum Beispiel über die Sinnhaftigkeit von SUV`s auf dem Aldi-Parkplatz und mitten im Wald versteckter Billig-Discounter umtut.
Und der einem ollen Volvo keine ausgefahrenen Römerstraßen zumutet.

Ach ja, warum drängt sich mir eigentlich immer Christian Wulff auf, wenn ich an Gutsherrenart denke?
Sind Gutsherren nicht schon von Geburt an etwas Besseres?
Was ist mit einem Menschen, der sich, glaubt man ihm auch noch weiter, aus der Gosse hocharbeitete?
Der aus eigener Kraft das höchste Amt im Staat ergatterte?
Der es vermochte, durch Beständigkeit in seiner ehrlichen Art, ein ganzes Volk zu begeistern?

Der es, glaubt man ihm noch immer, niemals nötig hätte, sich zu ererbten Adels-Titeln, auch noch Doktor-Titel zu besorgen?

Könnte es womöglich daran liegen, dass nun gerade heraus kommt, dass dieser Schlossherr in Potsdam, sich selber nur als Gutsherr Alter Schule sehen will und die Ellenbogen endlich auspackte, nachdem er sich all die Monate nur als verspielter Schmusebär verkleidet hatte? Als immer grinsender Winkekater?

Weil er ganz plötzlich nur mal die Sau rauslassen wollte!
Es sich nicht gefallen lassen konte, dass fiese Fieslinge der schreibenden Zunft, vom entfernt gleichgeschalteten Parteigenosse in der Vergangenheit schon mal als „Schmeiß-Fliegen“ verunglimpft, seine nun erkennbar ganz reale Persönlichkeit, seine Kunst in der Bearbeitung der biografischen Daten in die ganze Welt hinaus posaunen wollten?

Hiergegen musste doch angekämpft werden! Ein Zensor musste her! Wenn schon nicht in der Verfassung verankert, dann doch sicherlich in dem, was persönliche Verbindungen so hergeben könnten.

Es wäre doch gelacht, wenn BILD, WELT.de oder irgend so ein Käseblatt in der Provinz, wie das hier für das ich nun eigentlich über SUV`s berichten soll, vor der ganzen Macht eines Königs, eines Gutsherren in Groß sozusagen, na gut, dann eben Bundespräsidenten, nicht einknickten!

Na gut, Gutsherr Christian Wulff, deine Tage als Frühstücksdirektor von Frau Merkels Gnaden sind gezählt!
Lange wird das Aussitzen nicht mehr funktionieren.
Und, da du ja das Deutsche Presserecht gar nicht aushebeln wolltest und nur mit deinen präsidialen Muskeln zucktest, kannst du ja bald schon das Schloss in Potsdam räumen und in die Klinkervilla umziehen.

Doch ganz im Ernst, Gutsherr zu spielen, wird in Zukunft erheblich beschwerlicher.
Aber, dir und Frau Wulff bleibt ja immer noch, euch einen schönen SUV anzuschaffen.
Und das Geld dafür?
Gibt dir doch sicherlich irgendein Kumpel!
Wofür hat man schließlich Freunde.
Nur, Journalisten zu verunsichern geht dann nicht mehr!
Hier könnte es nur noch gelingen, alten Volvos, die Luft aus den Reifen abzulassen.

Ach ja, Editor, bis zur deadline für die Wochenend-Ausgabe kriege ich sie schon noch, die Kurve zu den SUV`s

chefschlumpf im Jänner 2012 A.S.

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