Griechischer Wein, ist… – Frankie Millers Einsichten

„Miller, schauen sie doch mal nach, was wir für unsere Freunde, die Griechen tun können. Schließlich haben die doch mal die Demokratie für Unsereins erfunden.“ >Na, Gott sei Dank<, ging es mir durch den Kopf, bei des Editors Auftragserteilung für den Großen Griechenland-Rundflug für die kommende Wochenend-Auflage, , >nicht etwa auch noch den Kapitalismus ganz alleine<. Griechenland? Griechenland, was geht einem eigentlich bei Griechenland so durch den Kopf in diesen stürmischen Zeiten? Mir, neben der Schönen Helena, dem listigen Odysseus, dem noch listigeren Groß-Reder Onassis und seinem Konkurrenten Niarchos, sowie der ganz bezaubernden Amerikanischen Opern-Diva Maria Callas vergangener Bunte Blatt-Zeiten meiner Großmutter oder auch der Silhouette halbverfallener Antikbauten vor, dem Meer zugehender Sonnenscheibe, eher Herr Ackermann von der Deutschen Bank. Ackermann, Bussibussi-Frau Bundeskanzler-Freund der Frau Merkel, die wohl bei ihrem Schwur zur Amtsvereidigung, weniger das Deutsche Volk als solches im Sinn hatte, denn das größte Deutsche Bankhaus. Deutsche Bank und Griechenland, was vereint, was trennt beide? Was vereint ist schnell erläutert: Das Ganz Große Geld! Geld der Deutsche Bank-Bankkunden zur Gewinn-Maximierung dem Griechischen Staat vor Jahren geliehen. Dereinst gute Verzinsung vorausgesetzt. Und die Griechen hatten dann ja auch ordentlich zugelangt. Denn vom Demokratie-Erfinden alleine konnten noch nicht einmal die „Ollen“ Griechen leben. Nun aber das Trennende: Die Griechen wollen oder können nicht zurückzahlen. Wohl eher, sie wollen schon, können aber wirklich nicht. Nun gut, wo Licht, da auch Schatten. Wo Hitze auch Kälte. Wo Gewinner, da auch Verlierer! Da wo Deutsche Bank mit Victory-Ackermann, da auch ein total verschuldetes Hellas, wie die Griechen ihre Demokratie-Schmiede längst vergangener Jahrtausende, seit eben diesen Jahrtausenden auch selber nennen. Ackermann, die Aktionäre der Deutschen Bank eben mehrheitlich keine Deutschen, gilt seit etwa 2 Jahren nicht mehr als der selbstbewusste Strahlemann mit dem nötigen Weitblick was Marktverhältnisse angeht. Ganz im Gegenteil zu seinem bisherigen Ruf, haben seine Aktivitäten auf den internationalen Geldmärkten in letzter Zeit eher auf „klein-klein“ geschaltet. Zur Mühe des Werterhaltes kamen dann auch noch die Mühen, geheimnisvoller Geldvermehrung dazu. Geheimnisvoll nur für diejenigen, die es unterlassen, sich doch einfach mal mit den Grundregeln der „Wertschöpfung“ zu beschäftigen. Nehmen wir mal an, ihr Nachbar ist Winzer. Ein Winzer produziert Wein oder zumindest Weinessig. Was nichts anderes heißt, als dass er sich das ganze Jahr über mit seinen Reben beschäftigt. Hier muss gewässert werden, der Rebstock beizeiten zurück geschnitten, die sich langsam entwickelnden Trauben durch das Entfernen von überflüssigem Blattwerk den wärmenden Sonnenstrahlen frei zugänglich gemacht werden. Und nehmen wir mal an, der Winzer tut das alles und nun steht in Kürze die Ernte an. Und nun auf einmal kommt er zu Ihnen und bittet um Ihre Mithilfe bei der Rebenernte. Sie, als alter Weinkenner mit dem Blick fürs Wesentliche, überlegen nicht lange und helfen. Denn, schließlich wissen Sie ja aus der Vergangenheit, dass gerade dieser Wein des Nachbarn immer Ihr äußerstes Wohlwollen gefunden hatte. Mit einem Wort: „Weltklasse“! Doch dafür im Weinberg des Nachbarn schuften? Mit eigenen Händen die überreifen Trauben vom Weinstock pflücken? Sich einige Tage lang bücken und strecken? Und nur, damit der Nachbar seine Ernte einfährt? Nein, dann doch lieber was ganz Anderes! Sie leihen dem Nachbar Ihr Geld! Sie vereinbaren, dass der Nachbar Ihnen das Geld, na sagen wir mal in einem Jahr zurückzahlen wird. Und über die Dauer der Kreditgewährung, jede Woche einen Kasten mit jeweils 6 Flaschen des letzten Jahrganges, der Ihnen noch verdammt gut in Erinnerung war. Mit dem Geld, das Sie ihm geliehen haben, bezahlt der Nachbar nun die schnell zusammengetrommelten Erntehelfer vom Jobcenter. Jeden Montagmorgen steht ab sofort der Nachbar mit einer Kiste vor der Haustüre. Und Ihre Freude kennt keine Grenzen mehr. Der „Letztjährige“ war aber auch zu köstlich. Doch nun, halten Sie sich fest, kommt der Nachbar und weint. Seine Reben wurden von einem geheimnisvollen Schimmel befallen. Die Trauben verdorrten noch an den Reben, die Erträge schrumpften und der Lohn der ganzen Arbeit des Jahres würde noch nicht einmal für die Bezahlung der Pacht an den Besitzer der Rebhänge reichen. Also würde es mit der vereinbarten Rückzahlung der geliehenen Summe wohl nichts. Nun gut, sagen Sie, Sie sind ja kein Halsabschneider, machen wirs doch so: Du lieber Nachbar, behältst das Geld erstmal und anstelle der Rückzahlung erhöhen wir einfach die Anzahl der wöchentlichen Flaschen-Lieferung auf sagen wir 10 Flaschen und falls die Ernte noch schlechter ausfällt, als befürchtet, lassen wir das ganze als verzinsliches Guthaben weiterlaufen. Also, für jede nicht gelieferte Kiste mit 10 Flaschen werden eben 11 Flaschen zum Soll gestellt. Was nichts anderes heißt, als dass sich Ihr Guthaben zu Lasten seiner Verpflichtung zur weiteren Lieferung von Wein summiert. Ihr Nachbar wird also mit jeder nicht gelieferten Flasche Wein zu einem Schuldner mit ständig steigender Verschuldung. Was glauben Sie, wie viele Jahre diese Vereinbarung gilt und Sie nicht irgendwann zum eigentlichen Besitzer des nachbarlichen Weingutes werden müssen? Na gut, liegt natürlich an der Höhe des Darlehns, der Höhe des Zinssatzes und der Laufzeit des Kredites und, ob zumindest die Zinsen pünktlich bezahlt wurden. An der Rückzahlverpflichtung der ursprünglichen Summe ändert das ganze allerdings nichts. Und, ob Ihnen der Wein immer noch so gut schmeckt, wie noch zuvor, spielt dabei keinerlei Rolle. Sie werden so ganz allmählich zum Ackermann! Nicht zu dem Ackermann! Dem, der trotz der fallenden Gewinne seines Geldinstitutes in Frankfurt am Main, sich weiterhin Millionen als Salär überweisen lässt. Der, ungeachtet der Griechenland-Krise, die eigentlich eine Banken-Krise und noch eigentlicher, eine Zocker-Banken-Krise zu nennen ist, weit jenseits von gut oder böse, seine Kohle einstreicht. Von Selbstbeschränkung oder Einsicht in die Notwendigkeiten keine Spur. Ach ja, den Griechen die nun nicht zuletzt von Frau Merkel aufgezwungener Rückhaltung im Umgang mit fremdem Geld, dauern auf die Straße gehen. Sie als Ackermann der Reben, schauen sich nun zum ersten Mal die Geschäftsbücher des Nachbarn an. Dort werden Sie dann feststellen, dass dieser Winzer sich auch von all den anderen Nachbarn des Dorfes Geld geliehen hatte und seine Verschuldung von Jahr zu Jahr wuchs und nicht etwa zurückgehen konnte. In diesem Jahre, nun, musste er schon mehr Flaschen an seine diversen Gläubiger liefern, als er selber je produzieren konnte. Und wenn Sie nun gedacht haben sollten, dass Ihnen nun endlich der Weinberg des Nachbarn gehören könnte und Sie nun den Nachbarn nur noch anstellen müssten, und das Geschäft endlich rentabel gestallten sollten und alles wäre gut, haben Sie mit allem, nur nicht mit den anderen Gläubigern im Dorf gerechnet. Denn diese denken gar nicht daran von ihren Forderungen abzurücken. Diese bestehen auf ihrem Recht. Aber diese sind auch dazu bereit, ihre Forderungen zu halbieren, wenn ja wenn das alle so handhaben würden. Nun gut, sagen Sie, alle verzichten und das Weingut wird einem guten Handlungsbevollmächtigten überstellt und der Winzer geht zwar weiterhin täglich in den Weinberg, doch das Geschäftliche ist nicht mehr sein Ding. Das macht nun jemand, der wirklich was davon versteht. Ein Banker, beispielsweise ein Herr Ackermann. Denn der geht ja nun bald in den Ruhestand. Und als ganz ausgemachter Geld-Experte könnte er ja auch wohl sehr gut mit Flaschen umgehen. Diesmal dann allerdings mit Wohlgefüllten. Doch was würde wohl geschehen? Herr Ackermann würde sicherlich nicht, wie allgemein üblich, die Jahrgänge einzeln vermarkten. Jede Lage mit der ihr innewohnenden Fülligkeit, ihren Aromen, ihren Öchslegraden und vor allem ihrer Klarheit im Abgang, sonder alles schön in einem Alufass zusammen mischen und das Gepansche möglicherweise später nur noch als Frostschutz für Goldfischteiche vermarkten. Wobei ihm der Markt für die professionelle Goldfischteich-Enteisung wohl absolut Recht geben könnte, wie schnellstens eingeholte Expertisen von ausgemachten Fachleuten voraussehen. Also, Fachkenntnisse helfen dem Winzer nur, wenn er auf das geschäftliche Ergebnis ebenfalls sein Augenmerk richtet. Was dann natürlich auch bedeutet, dass in Punkto Qualität nicht immer alles versucht werden muss. Wichtiger scheint zu sein, dass Zahlen (auch verheimlichte) stimmig erscheinen. Hätte der Winzer, als er Sie um Hilfe anging, die Wahrheit erzählt, zugegeben dass er schon anderswo verschuldet war, hätten Sie womöglich einen ganz anderen Zinssatz vereinbart. Einen, der erwartbare Verluste abdecken könnte. Aber, wen hätten sie schon fragen können? Rating-Agenturen vielleicht! Doch, ob die sich auch für die Verschuldung von Winzern interessieren? Ich finde, da sollte man sich mal drum kümmern, als nur um die Verschuldung ganzer Staaten. Solch unsinniges ging mir nach des Editors Auftrag durch den Kopf. Ein schneller Blick zur Redaktionskatze überzeugte mich dann doch noch davon, nicht ganz ins Reich der Träume entweicht zu sein, wie es eigentlich der Tageszeit geschuldet, einem Deutschen Redakteur einer verschnarchten Tageszeitung in einer noch verschnarchteren Großgemeinde zu diesen überaus sonnigen Tage wohl zustehen sollte. Na gut, schaun mer mal, was zu den Griechen noch zu sagen wäre, was nicht schon irgendwo gesagt wurde. Ach ja, Wein guter Lage, von einem Winzer guten Vertrauens? Eigentlich gar nicht zu verachten. Allerdings, seit diese Riesen-Alu-Fässer in Mode sind? Ach egal, der Winzer muss ja auch sehen wo er bleibt. Ob man die Griechen mit einem Deutschen Winzerbetrieb vergleichen kann? A.S. Ende Mai 2012

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2 Kommentare

  • Dem Text, eine Bermerkung am Rande erlaub ich mir, würden einige Absätze doch ganz gut tun 😉
    Ansonsten schön.

    • Toni

      Stimmt, Antic, bein „scollen“ nervt ein solch absatzloser Text ungemein! Bei gedruckten Texten könnte sowas ja noch ganz gut durchgehen.

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