Warum ich das Christkind nie wirklich mochte – Betrachtungen

Warum ich das Christkind nie wirklich mochte

Wer kann nicht eine ähnliche Geschichte erzählen: Die Freude, die man als Kleinkind zu Weihnachten darüber empfand, von einem höheren Wesen – wir identifizieren ja das Christkind mit Jesus als Kind, zumal wir an jenem Tag seinen Geburtstag feiern (sollten) – bedacht und beschenkt zu werden.

Nebenbei erwähnt, war der Weihnachtsmann damals nicht so präsent und wurde eher als Nikolaus und Kollege des Christkinds betrachtet. Ebenso nebenbei erwähnt hatte man damals noch nicht viele Spielsachen, war nicht so übersättigt wie heute, und konnte an Geschenken noch immense Freude empfinden. Auch wenn es die Elterngeneration von heute nicht wahrhaben will: zu viel Besitz macht nicht glücklicher sondern trauriger, nimmt einem die echten Freuden. Er verschafft einem höchstens – nicht verdiente – Anerkennung in unserer falschen Gesellschaft und ebenso falsche Freunde. Anscheinend erstrebenswert, wenn es dem Standard entspricht und so manche Tür öffnet…

Dann, langsam im Schulalter, kamen die großen Geschwister um einem altklug immer drängender ‚hineinzudrücken‘, dass es das Christkind gar nicht gibt, dass es die Eltern wären, die uns beschenken. Ich wollte es nicht wahrhaben, dass meine schöne Vorstellung zerplatzen sollte, doch spätestens deren eifrig gesuchten und stolz heimlich gezeigten Funde belehrten mich eines Besseren.
Und wenn es nicht die älteren Geschwister waren, waren es die Schulkameraden.

Die Freude wurde deutlich getrübt, zum einem, weil ich mit zunehmendem Alter erkannte, dass meine Eltern das Geld für diese Geschenke kaum hatten, zum anderen, weil es also dieses höhere Wesen, das einen ‚einfach so‘ liebte und beschenkte, gar nicht gab, es einer – warum auch immer gutgemeinten – Lüge der Eltern entsprang.

Ich selbst, früh Mutter von insgesamt 3 Kindern geworden, habe diese selbstverständliche und traditionelle Lüge trotzdem an meinen Nachwuchs weitergegeben, einerseits mit Freude über die leuchtenden Augen, andererseits mit schlechtem Gewissen über die Lüge, die irgendwann doch erkannt wird und traurig macht.
Wie auch die Lüge über den Nikolaus, den Osterhasen und die so mancherorts erfundene Zahnfee, da es heute offenbar nichts Wichtigeres gibt, als unsere Kinder zu beschenken, mangels anderer Möglichkeiten, ihnen unsere Liebe zu zeigen…

Ich hätte damals nicht genau in Worte fassen können, was so schlimm ist an einer kleinen Notlüge, um Freude zu bereiten – wobei ich bezweifle, dass die Freude der Kinder über die Geschenke so viel kleiner gewesen wäre, als im Wissen, dass sie von den Eltern sind. Es geht wohl eher um das himmlische Wesen als liebender Schenker, dessen Existenz sich aber früher oder später doch als Lüge in Luft auflösen würde, Traurigkeit zurücklassend.

Darüber machte ich mir Gedanken und kam zu der Erkenntnis, dass diese Lüge dem christlichen Glauben schadet, mit dem manche von uns noch ihre Kinder erziehen wollen. Das traurige dabei ist, dass selbst die meisten von jenen Eltern nur daran interessiert sind, dass ihre KINDER gläubig sind, während sie selbst kaum christliche Überzeugungen haben und das Interesse an der Glaubenserziehung der Kinder spätestens mit Eintritt der Pubertät verschwindet.

Der Grund dafür liegt meiner Meinung nach darin, dass Kinder leicht und gerne GLAUBEN und es ihnen eine Freude, eine Hilfe und Stütze ist. In dem Moment, wo sie erfahren, dass das Christkind – und damit Jesus! – nicht existiert, beginnen sie logischerweise auch an Gott, seinem Vater, zu zweifeln, der ja ebenso wenig sichtbar und beweisbar ist und daher eine Lüge der Eltern sein muss, um Freude zu bereiten.
Der Eltern, die ja selbst oft genug zweifeln und niemanden haben, der sie bestärken würde, oder die selbst schon längst ihren wahren Gott in Mammon gefunden haben.

Auch wenn es in der heutigen Zeit undenkbar ist: wir müssten unsere Kinder diesbezüglich nicht anlügen, um ihnen Freude zu bereiten, sollten aber den eigentlichen Grund von Weihnachten mehr in den Vordergrund stellen, nämlich Christie Geburt – eigentlich kein Grund, um seine eigenen Kinder (und sonstigen Verwandten) zu beschenken, schon gar nicht, ohne ihnen den Grund dieses Festes zu nennen.

Anderenfalls sollten wir gar nicht Weihnachten feiern, wenn wir an den eigentlichen Zauber dieses Tages nicht glauben, denn das ist nur Heuchelei. So wie die ganze Glaubenserziehung, von der Taufe bis zur Hochzeit, wenn sie mit Glauben nichts zu tun hat, und nur der Tradition entspricht und von Geld bestimmt ist.

Aber wie überall im Leben ist es den meisten Leuten wichtiger, dazuzugehören, dem Standard zu entsprechen, der oft einer gesellschaftlichen oder versteckten politischen Führung unterliegt, als sich Gedanken zu machen, eigene Entscheidungen zu treffen und damit unangenehm aus der Reihe zu tanzen…

Sarkastika

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