Wo ist Berol? – Schlumpfenland ist überall

von Alpha Sierra (chefschlumpf)

Berol starrte ihn an.

Marc hatte mit dem Amtrak zweimal den Kontinent gequert. Von Frisco aus dann die Honolulu-Line nach Oahu genommen.
Zuletzt mit dem Flugzeug Hawaii wieder verlassen.
Dieser Kerl war stets an seiner Seite geblieben.
Der wohl sein Schicksal war. Berol, den er wohl nicht mehr abschütteln konnte.

„Ich werde immer für dich da sein. Ich werde dich nicht verlassen. Vertraue nur auf mich!“ Seine Stimme hatte dabei beinahe versöhnlich geklungen.

Er hatte schon einmal, vor Tagen, hier gesessen, dies Gebäude und vor allem den Eingang mit dieser rotweiß gestreiften Markise, immer ganz fest im Blick.
Es wäre beinahe schon soweit gewesen.
Doch die zu enge Jeans hatte ihn dann doch dazu veranlasst, sein Vorhaben aufzugeben.

Er wusste nun ganz genau, welches der beinahe unzähligen Fenster zu diesem Appartement gehörte. An keinem der Fenster dort oben war jemals irgendeine Bewegung zu sehen.

Er hatte zunächst King angesprochen. Den Bestsellerautor, der auch in diesem Haus eine Stadtwohnung hatte.
Neben einem Autogramm auf einem der Horror-Schmöker Kings, hatte der lächelnd vom wohl bestgesicherten Wohnhaus der ganzen Stadt gesprochen.

Berol hatte im Buch-Shop auf den -Fänger im Roggen- gedeutet, als er unschlüssig die zuvor hastig durch geblätterten Romane wieder ins Regal zurückschob. Er hatte Salingers Schinken früher schon zweimal gelesen.

Woher kannte wohl Berol dieses Buch? Wo übrigens war wohl heute Salinger? Hier irgendwo in Manhattan? In einem Appartement und seiner inneren Einsamkeit verschanzt?
Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, dass Berol feixte, als er sich mit dem neuen King unter dem Shirt an der Kasse vorbeidrückte.

Nun saß er hier auf dieser Bank vor der „Green Mile“ und hatte eine bei Macy`s erstandene, weiter geschnittene Sporthose an, sodass das blanke Metal nicht wieder seine Blutzirkulation im rechten Bein behinderte. Er versuchte, nicht an Berol zu denken.

Er hatte sich in den zehn Monaten verdammt zurück genommen, nur um nicht weiterhin aufzufallen.
Dann waren wieder seine Kopfschmerzen da. Und schließlich auch irgendwann wieder Berol.

Der Leiter der Klinik hatte ihm zum Abschied geraten, zurück zu seinen Eltern zu fahren. Nach Idaho.

„Was wusste ein solcher Kerl schon vom ganz normalen Leben, dass ich nicht lache?“ war ihm dabei durch den Kopf geschossen. Berol hatte ihm lächelnd beigepflichtet.

Mit der Bahn war er schließlich hier angekommen.
Das Geld reichte soeben, bis er dann in dieser Riesenmetropole ganz zufällig auf Sally traf. Die ihn zu sich in ihre Studentenbude mitnahm.

Nicht zuletzt dieser glückliche Zufall hatte ihn dann darin bestärkt, seinen schon lange gehegten Plan, nun endlich in die Tat umzusetzen.
Gott brauchte einen wie ihn, um für Gerechtigkeit in der Welt zu sorgen!

Er müsse dem Befehl Gottes unbedingt Folge leisten. Dessen Auftrag war klar umrissen: „Sei nicht weiterhin ein Nobody. Tue es für dich und die Welt. Sühne den Frevel, indem du es freiwillig hinnimmst, vor einer verblendeten Welt als schuldig zu gelten. Den Frevel, den es durch deine Tat auszulöschen gilt. Jesus Christus braucht Dich!“
Er hatte Berol diesmal nicht nach seiner Meinung gefragt.

Dann hatte er versucht das Haus zu betreten. Nicht etwa durch den zum Park hin gelegenen Eingang, sondern seitlich durch die Tiefgarage.
Weiter als bis zu einem verdammten, geschlossenen Rolltor war er nicht gekommen.

Nun sah er schon zum mindest zwanzigsten male auf seine Armbanduhr. Es wurde nun wirklich Zeit!

Er nahm an der Ecke zur Seitenstraße Aufstellung und hoffte, kein Aufsehen zu erregen oder auch nur die Aufmerksamkeit des Wachmannes.
Bis zum Eingang waren es etwa einhundert Schritte. Zu hoffen war, diese Distanz in weniger als 15 Sekunden zu überwinden.

Wie war dieser Kerl auch mit ihm, seinem wohl treuesten Fan umgegangen? War es nicht eigentlich dessen Aufgabe, immer nur für seine Bewunderer da zu sein?
Konnte es richtig sein, mehr als eine Milliarde Gläubige vor den Kopf zu stoßen und sei es auch durch eine möglicherweise nur unbedachte Äußerung?
Dann hatten sie sich auch noch einfach aufgelöst? Ihn und Berol zurück gelassen!

Berol war nun nicht zu sehen.
Er erinnerte sich an das Schweben und das Gefühl der unabhängigen Freiheit und das der Leichtigkeit.

Es mögen nur Minuten gewesen sein, möglicherweise aber auch Stunden, als er nun so etwas wie eine Bewegung vor dem Haus bemerkte. Ein einsamer Fußgänger war bei dem Wachmann stehen geblieben und hatte diesen in ein Gespräch verwickelt.

Der Fußgänger war dann dem Wachmann zur Straße hin gefolgt, wohl weil der ihm nun ein Taxi rufen sollte.
Er selber war dann ganz einfach hinter ihn getreten.

Und erst als er die Stimme des Wachmannes klar und deutlich vernehmen konnte und genauso die britisch gefärbten Antworten des Mannes verstand, zog er die Waffe.

„John? Sind sie John Lennon?“
Er war sehr erstaunt, dass der Angesprochene ihn anlächelte, bevor die Schüsse fielen.

Berol, wo ist Berol?

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