Die Kultur des Großen Wortes – Frankie Millers Einsichten

Die Kultur des Großen Wortes Frankie Millers Einsichten.

Die Katze hatte „ihr Fett weg“! Ganz gegen ihren ausdrücklich erklärten Willen hatte ich ihr Schälchen mit lediglich trockenen Knabbereien gefüllt. Doch unsere Redaktionskatze hatte mich nur sehr mitleidig angeschaut und ihre Verachtung mir gegenüber, mit einem schwachen Seufzer gekrönt. Solches wurde mir von ihr immer gegenwärtig, wenn ihr Hungerkompass streng auf Fleischbällchen ausgerichtet war.
Hut und Mantel gegriffen und in Richtung Fahrstuhl gehend, dachte ich über Völlegefühl und Hunger nach. Und über Katzen, die einem dann und wann die „kalte Schulter“ zeigen.

„Miller, Sie sind religiös?“
Der Editor hatte mich diesmal am Eingang zum Verlagsgebäude erwischt. Ich wollte gerade raus und er anscheinend in die Redaktionsräume im Dritten.
„Könnte ich noch nicht einmal behaupten, Herr Chefredakteur, wenn ich so wie Jesus, übers Wasser gehen könnte, was ich im Übrigen für ziemlich unwahrscheinlich halte.“
„Das, lieber Miller, müssen Sie mir erklären. Kommen Sie!“

Er hatte mich am Ärmel in der Weise gefasst, die absolute Folgsamkeit befahl. Wir gingen also wie ein altes Ehepaar gemeinsam zum Fahrstuhl.
„Sie glauben also, Miller, die Bibel lügt?“
„Nicht die Bibel, der Verfasser dieser Wundergeschichte lügt. Doch, so weiß die Psychologie, nicht jede Lüge ist verwerflich oder, wie in diesem Falle, unwirksam.“
„Psychologie, Miller, Sie meinen doch die Psychiatrie?“
„Die auch! Womit ich aber nicht sagen will, dass gläubige Menschen zum Psycho- Klempner müssten. Ganz im Gegenteil sogar, die Gläubigen oder besser, die Religion hat die Kultur der Völker doch erst ermöglicht. Ganz ohne die Hinwendung zu irgend hohen Geistern, wäre auch unsere Kultur des einundzwanzigsten Jahrhunderts in der jetzigen Form nicht denkbar, Herr Chefredakteur!“
„Verstehe, Miller, die Kultur des Großen Wortes! Und also sprach der Herr…“

Der Editor hatte die Nummer Drei gedrückt und sah mich mit Stirnrunzeln an.
„Interessant, Herr Miller, Sie überraschen mich doch immer wieder. Hatte ich Sie bisher, wohl fälschlicherweise, für einen Krypto-Atheisten gehalten, scheinen Sie im Alter ihre Ansichten über Gott und die Welt revidieren zu wollen. Gratulation, Miller, wie sagte schon Brecht? Im Alter werden sogar die Nutten fromm!“
„Tucholski, Herr Chefredakteur, nicht Brecht. Der hat ihn nur zitiert!“
„Ach, sieh an. Die Klassiker, verachtet mir die Klassiker nicht. Und Tucholski zählt unbedingt zu diesem Kreis der ehrenwerten Honoratioren.“
„Ganz unbedingt, Voltaire, Herr Chefredakteur, dieses Zitat stammt von Voltaire, der damit den Preußischen König von allzu böser Zensur abhalten wollte. Was aber nur unzulänglich gelang, wie man ja heute auch noch weiß.“
„Miller, an Ihnen ist ein Prediger verloren gegangen. Sagen Sie mal, war da nicht mal was mit einem Studium der Theologie? Ich glaube mich an eines unserer ersten Gespräche im Verlag zu erinnern. Sie wollten ursprünglich ja mal Pastor werden?“
„Nur als Vorbereitungs-Semester habe ich mal Theologie gehört. Meine Dissertation handelt zwar von der engen Verschwisterung der Philosophie mit den religiösen Vorstellungen des Altertums. Aber natürlich nicht davon, dass die Religion eine ähnlich starke Beweisführung zu den ganz frühen Gedankenwelten der Denker der Antike voraussetzt. Philosophisches Denken lässt zwar Religion zu, fordert aber nicht eine so innige Bindung an Unbeweisbares. Für die Philosophie muss Religion kein Widerspruch sein, befördert aber auch nicht den Fortschritt im Denken.“
„Genau daran habe ich gedacht, Miller, einen ganz kleinen Ausflug in Religiöses, so als Historischen Abriss und es wäre schön, wenn Sie noch etwas an Beweisführung dazu packen könnten. Religion als Grundlage Kulturellen Werdens des Menschen?“

Ach, Herr Editor, selber religiös? War bisher noch nicht Thema bei den Kollegen. Aber das ist wieder mal typisch. Die Hohen Herren kennen ihre Pappenheimer und das gemeine Fußvolk verliert sich nur immer in Vermutungen. Na gut, ich kann und ich werde! Auch wenn es nur wieder für die Vor-Weihnachts-Wochenend-Beilage sein darf.

Auf dem Weg zu meinem Großraum-Büro-Schreibtisch dachte ich angestrengt nach. Ja, das mit den kulturhistorischen Entwicklungen und der Empfindungskraft religiösen Denkens wird beinahe schon als gegeben betrachtet.
Als Beweis wird dazu immer angeführt, dass gerade die Völker, die strengsten Regeln folgen, auch die kulturgeschichtlich größten Fortschritte zu verzeichnen hätten. Griechen und Römer hatten äußerst strenge Götter und bauten um ihren Glauben herum ihre Reiche auf.
Allerdings muss das Ganze schon viel früher und in nicht damit zu vergleichendem Ambiente begonnen haben.

Ich stellte sie mir vor, die Steinzeitlichen Jäger und Sammler, wie sie sich dann schließlich aufmachten, um ein wesentlich einträglicheres Geschäftsmodell zu entwickeln.
Das Bauerntum!

Damit allerdings ergaben sich dann auch schon wieder ganz andere Probleme.
Konnten oder mussten Jäger und Sammler nur täglich ihre nächtlichen Ruhelager wechseln, musste für die Bearbeitung des Bodens mit anschließender Heilserwartung in Form bekömmlicher Nahrung, so etwas wie eine nachhaltige Infrastruktur geschaffen werden.
Die in Savannen und Wäldern herumstreifenden Frühmenschen trugen wohl ihre Waffen und Jagdutensilien, wenn schon nicht ständig bei sich, so doch ständig griffbereit an ihren Feuerstellen lagernd. Für etwaige Angreifer aus konkurrierenden Sippen waren diese somit entweder nicht greifbar, als auch nicht so leicht zu überrumpeln.

Nun, so ist anzunehmen, dürften diese Frühzeitler auch schon so etwas, wie religiöses Bewusstsein entwickelt haben. Da wären Jagdgötter oder Kriegsgötter ja auch unbedingt denkbar. Nur, bei der bewussten Bearbeitung von Ackerland konnten diese dann womöglich auch nicht mehr allzu sehr helfend eingreifen.
Hier musste also ganz anderes beschützendes Personal her!

Hütten und Felder mussten auf einmal gut behütet werden. Zogen früher die Götter vermutlich mit in die aussichtsreichsten Jagdgebiete, wurde es nun ganz wichtig, den Tag über seine Lieben zuhause und vor allem das Zuhause selber geschützt zu wissen.
Eine Agrargesellschaft wurde schließlich durch diese zuversichtliche Zusammenarbeit noch viel stärker zusammen geschweißt. Dörfer und Befestigungsanlagen konnten nicht mehr von Einzelpersonen alleine errichtet werden. Hier mussten ganze Kollektive her, die natürlich auch gemeinschaftlich wirkten.
Zudem kam der Idee einer Höheren Macht eine noch größere Bedeutung zu.

Die Ausgrabungen von Göbekli Tepe in Südost-Anatolien lassen hier eine solche verschwommene Idee von früher Dorfgründung etwas konkreter zutage treten. Bezeichnend für die frühe Gottesfürchtigkeit und Religion sind die ziemlich zielrichtend aufgestellten „T-Träger“ mit kunstvollen Reliefs auf den Oberflächen. Diese auf 11.000 Jahre v.Chr. datierten frühe „Altar-Kunst“, lässt auf eine sehr gut in sich vernetzte Community schließen.

Wer, scheinbar ganz ohne jeden realen Nutzen, in der Lage ist, 30-Tonnen-Monumente zu schaffen und diese in wohl symbolisch gemeinter Manier aufzustellen, musste schon sehr gute Gründe dafür haben.

Nur zur Vervollständigung, die Anlage von „Stonehenge“ wird auf etwa 3.000 v. Chr. datiert. Die frühen Kulturen, es handelt sich sehr wahrscheinlich um mehrere Schaffensschübe in Göbekli Tepe, in der heutigen Türkei, waren sicherlich da schon früher sehr erfolgreich gewesen.
Hausgötter, sowie Götter, die „das Gras“ wachsen ließen, hatten also einen sehr großen Einfluss auf das Miteinander von sich bildenden Gesellschaften.
Einer Gemeinschaft die sesshaft wurde, konnten auch die allgefälligen Veränderungen in der Erde nicht ganz gleichgültig sein. Also kam es der Bevölkerung zuallererst auf gefüllte Scheuer und Speicher an.

Konnten sich die ganz frühen Jagd- und Sammelgesellschaften noch ihre Götter in der Natur um sie herum gut vorstellen, mussten die „Haus-Götter“ auch irgendwie an die Häuser und Felder „gefesselt“ werden.
Idee musste also sein, hier erstmal für klare Verhältnisse zu sorgen.

Opfer-Riten mit festen Strukturen mochten da schon ein sehr frühes Mittel der Wahl gewesen sein. Von der Idee des Opfer-Altars hin zu Altären in geschützten Behausungen, später in extra dafür gebauten Häusern, also ganz frühen „Kirchen“ oder Tempeln, bedurfte es dann möglicherweise nur noch eines gut informierten Personales. Diese Religions-Verwalter waren dann auch für die entsprechenden Verbreitungen verantwortlich.

Richtlinien und Empfehlungen zur „richtigen“ Religionsausübung waren dann sicherlich auch nur noch eine Frage von Zeit und möglicherweise sogar eine von Dramatischen Verwerfungen.
Jede Art von Missernte und Großwetter-Erscheinungen der ungünstigsten Art, wurden dann auch sofort zur Verfestigung der Religion genutzt.
Der Verwalter der Wahrheiten wusste da auch sicherlich schon jede Menge Rat, um in Zukunft Schlimmes zu verhüten.

Doch woran macht sich nun die Vermutung fest, dass sich gerade die Gesellschaften am besten entwickelten, die die strengsten Götter zu beruhigen hatten?
Das Geheimnis dürfte in dem Wort „Vertrauen“ liegen!

Gesellschaften brauchen Ziele, die es heißt, gemeinsam zu entwickeln! Diese Ziele könnten sein, erst einmal ein allumfassendes Netz von Vertraulichkeit zu spinnen. In Zeiten ärgster Bedrängung von Außen, tut es gut, Rückzugsräume zu besetzen. Wenn es dann auch noch gelingen könnte, Gemeinschaften auf gemeinsame Werte zu vereidigen, bilden die hierdurch gewonnenen Freiräume erst die gemeinsame Basis für Fortschritte.
Vertrauen gilt somit als hohes Gut.
Der Fremde, der anklopft, könnte ohne weiteres Böses im Schilde führen. Also kommt es zunächst darauf an, ihn auf etwas Gemeinsames hin abzuklopfen. Glaubt er an denselben Gott oder ist er auch in seinem Glaubensbild sehr fremd?

Von den Armeniern wissen wir, dass sie Jahrhunderte lang den Seidenhandel von Indien aus bis nach London hinauf streng kontrollierten.
Durch den gemeinsamen Glauben miteinander verzahnt, schufen sie eine gute Infrastruktur von hunderten von Handelshäusern, die auf nichts anderem basierten als auf unbedingten Vertrauen.
Mit guten Christen, wie den Armeniern, konnten gute Christen, wie natürlich die Armenier, sehr gute Geschäfte machen.
Weiteres im Sinne vertraulichen Handels, kam der Kriegsführung zugute. War der Feind „andersgläubig“ war das Vereidigen auf und Verteidigen von gemeinsamen Werten nur noch ein Kinderspiel.

So sollte es also sein, dass Völker mit eher laxen Gottheiten, denen mit den rachsüchtigen und auf „Einmaligkeit bedachten“ Gottheiten unterlegen waren.
Gemeinsamkeiten schweißten also zusammen und Götter mit ganz penetrant verfolgten Gesetzen, gaben in der Folge die Richtung vor.
Diesen Gottheiten musste immer die geforderte Folgsamkeit erbracht werden. Dieses führte dann natürlich zu Abhängigkeiten, die dann selbstverständlich auch vom Bodenpersonal des jeweiligen Gottes weidlich im Sinne einer, zunächst noch Machtgewinnung und später dann Machterhaltung, ausgenutzt werden konnte.

Die katholische Kirche bildet da ein sehr gutes Model ab. Zunächst erstmal eine Idee von der Freiheit des Individuums, in einer der Versklavung huldigenden Gesellschaft nicht unumstritten, verschlingt ihre Gefolgschaft nun seinerseits und lässt weitere Entwicklungen zur freien Entfaltung des Denkens nur sehr ungern zu.

Diese sich selber bald kasteienden Versammlungen von Gleichen unter Gleichen, benötigte unbedingt eine Vertrauen schaffende Ideologie. Einer modernen Verfassung nicht ganz unähnlich, wie ich meine.
Diese wurde in einer Loseblattsammlung von da schon nicht mehr zu verifizierenden und irgendwie fassbaren Autoren gefunden und zum inhaltlichen Glaubensbekenntnis gemacht.

Nicht zu leugnen, auch für einen, so der Editor, Krypto-Atheisten wie mich, ist die Tatsache, dass die erwählten Texte genau auf das zu vermittelnde Glaubensbildnis hin zutreffend waren.
Was machte es da schon aus, dass sich viele der ausgewählten Texte, nur den wirklich gelehrten Köpfen der Community letztendlich erschlossen, die die Mehrheit nur uninformiert im Regen stehen ließ?
Hierdurch erst, machten sich die Hüter des Glaubens recht unverzichtbar.

Gutes Beispiel genau hierfür ist der Islam mit seiner sehr auf Interpretationen zugeschnittenen Befehlstruktur.
Gibt das Christentum nur eine sehr überschaubare Anzahl an Gesetzen vor, die 10 Gebote genannt, so sind es der Aussprüche des Propheten und der gesetzesmäßig verstandenen Suren, Gedichte im eigentlichen Sinne, schon derer mehrere Hunderte.

Bezeichnend in diesem Zusammenhang, brauchte es schon beinahe vom Anfang an nur eines einfachen Glaubensbekenntnisses, um die Zughörigkeit zu einer dieser „Schicksals-Gemeinschaften“ zu erlangen.
Ausnahme bildete da nur die „Urmutter“ der Text- oder Buch-Religionen, das Judentum. Anders als die beiden anderen, mit ihm verwandten Religionen, ist das Judentum weit davon entfernt, mit missionarischem Eifer um Anhänger zu buhlen. Die Juden bilden, quasi von Geburt an, eine sehr eng verbundene Völkergemeinschaft mit nicht minder vielen Quellen, als die beiden anderen.

Hieran nun macht sich eine weitere Erfolggeschichte der zornig regierten Religionen fest. Das Judentum wird innerhalb seiner Entwicklung und Geschichte immer wieder von stärker daher kommenden Völkern bevormundet.
Waren es zunächst Völker des Orients, die von offensiv eingestellten Gottheiten in ihrem Tun bekräftigt wurden, konnten es dann im Gefolge auch weiter entfernt ansässige Nachbarn sein, die diesen Gläubigen mit ihrem zunächst nur friedlich aufgestellten Gotte, nachstellten, sie auch nicht selten bösartig versklavten.

Hieraus könnte man nun sehr gut folgern, dass es nur Völker mit mächtigen, unerbittlichen Göttern waren, „die sich die Erde untertan machten“!
Religionen als Antriebs-Welle zum Fortschritt? Wohl eher nicht, höchstens zum Erfolg! Zum Erfolg untereinander verschworener Gemeinschaften. Also auch Gemeinschaften gemeinsamer Werte und letztendlicher Zielvorstellungen.
Zumindest lässt sich aus der Geschichtsschreibung ein gewisser Trend zur Gruppenbildung ableiten. Gruppen geben Ordnungen vor. Die Einhaltung dieser Ordnungen wird den Individuen bald schon zur Gewohnheit. Eine gewisse Kontrollfunktion ist also der erst mal allgemein anerkannten Religionsausübung und damit dem religiösen Überbau einer Gesellschaft, scheinbar zwingend gegeben.

Doch warum ist ein Großer Geist, ein Großes Wort und eine strenge Ritualisierung nun von Vorteil, wenn sich eine Gruppe erst einmal gefunden hat?
Nun gut, Glaubensregeln und Riten werden von den Altvorderen auf den Nachwuchs übertragen. Das was immer Hoffnung und Garantien versprach, konnte ja so ganz falsch nicht sein. Und alles was die Harmonien störte, wurde erst einmal ausgemerzt, bevor sich gewisse Veränderungen und Fortschritte innerhalb der Religionsausübung langsam durchsetzen konnten.
Der größte Kritiker des Katholizismus, Martin Luther, wäre wohl selber niemals auf die Idee gekommen, die Rechtschaffenheit des Papstes oder auch nur des Katholischen Glaubens in Frage zu stellen, ja wenn denn der Papst das Anliegen seines bisher sehr folgsamen Gefolgsmannes ernster genommen hätte. Hier, bei dem Beispiel der Kirchenspaltung, tritt so etwas wie eine Erneuerung des ursprünglichen Gedankenbildes zutage!
Der reuige Sünder wird zurück in die Gemeinschaft der Gläubigen geführt, wobei er zunächst seine Bereitschaft zur Sühne erklärt und darüber hinaus, gewisse Forderungen erfüllt.

Die Entgleisung eines alten Glaubensbildes dann, der Ablasshandel, gleichsam der Freibrief für mannigfaltiges Sündigen, stellte dann so etwas wie die Entmündigung eines Göttlichen Willens dar. Der Papst, dem Gott scheinbar nun gleich gestellt, wurde zu sehr überhöht.
Zudem konnte Luther in solchem Treiben im Machtzentrum seines Glaubens, nicht mehr das Gemeinschaftsgefühl einer auf Freiheit des Individuums verpflichteten Idee finden. Hier musste dann wohl zumindest das Einigende und nicht das Trennende auf den Prüfstand.

Das Judentum, in all seiner bisherigen Verfolgung, immer noch sehr in gemeinschaftlichem Glauben verfestigt, gibt da ein sehr gutes Beispiel für Erfolge, die sich über alle Tragödien hinweg setzen können. Dieser Glaube ist schon immer die Grundlage für überaus erfolgreiches agieren gewesen. Wobei er nicht etwa Erweckungserlebnis oder missionarischer Eifer voraussetzt, sondern lediglich dem verkündigten Wort zu folgen hat. Erweckungserlebnisse oder Missionen sind dem Auserwählten Volke fremd.
Hier hat sich ein Gott seine Anhängerschaft selber ausgesucht und das gläubige Volk tut einfach nur gut daran, die ihm auferlegten Regeln wortgenau zu befolgen.

Das Christentum wiederum und sein direkter Abzweig, der Islam, gehen entweder von direkter Überzeugungsarbeit oder der für sich selber erkannten Wahrhaftigkeit aus.
Hier liegt es nun daran, die uralten Texte möglichst in der zulässigen Art zu interpretieren.
Nur diejenigen, die über das nötige Fachwissen verfügen, dürfen demnach die Regeln allgemeinverständlich auslegen. Hier wird also, in sinnverwirrender Weise, eine gewisse Unselbständigkeit der Gläubigen voraus gesetzt.
Alle Beispiele und Regeln müssen erst umständlich erklärt werden. Das Gebot nicht zu töten, lässt sich sehr leicht damit umgehen, indem ein Papst sich für zuständig erklärt, die Waffen von Kreuzrittern oder einer Armee in heutigen Zeiten, von dazu Ermächtigten segnen zu lassen oder einen Imam oder Mullah einem „Märtyrer“ das Paradies mit 72 Jungfrauen versprechen zu lassen.
Was mit den Jungfrauen hernach geschieht oder Demjenigen, der dennoch gegen das geschriebene Gesetz tötet, kann nur der Ermächtigte erfassen, bleibt also einer Interpretation überlassen. Das gesamte Gemeindevolk will es glauben und findet meist darin auch seinen Frieden.

Nun gut, Frankie Miller, soweit die Theorie. Was genau ist damit gemeint, dass gerade Volksgemeinschaften mit rigoros daher kommenden Glaubens-Prinzipien und einer sehr auf Einhaltung der überkommenen Riten erpichten Theologie, die wohl größten Erfolge verzeichnen? Zumindest immer dann, wenn es um die Verteilung der Schätze der Welt geht, die Nase vorne hat?
Sind es irgendwelche hochgeistigen Mächte, die ihren Gläubigen die Fortschritte bringen? Sie überlegen sein lassen? Gottgewollte Fortschrittlichkeit, sozusagen?

Nun gut, ich hab`s ja immer gewusst! Nur derjenige, der glaubt, kommt in den Himmel! Aber, woran ist der spezielle Glaube fest zu machen? An der Gewissheit, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde, oder der Papst unfehlbar zu sein hat und Kondome zu benutzen, einen schweren Frevel darstellt? Oder, die Abbildung des Propheten und sei es nur als Karikatur, zur sofortigen Tötung berechtigt?

Nein, Frankie Miller, die Wahrheit liegt wahrscheinlich viel tiefer. In einer Region des Menschlichen Wesens, wo das Verhalten desjenigen gesteuert wird, der sich entweder zu unterwerfen wünscht, oder als siegreicher Held auftritt. Hier heißt wohl das Zauberwort „Egoismus“!

Irgendwo muss ganz tief drinnen, auch in mir, eine Region noch mit tierischer Intelligenz ausgefüllt sein.
Wenn ich mir unsere Redaktionskatze so anschaue, wie sie um die Beine des Redakteurs schleicht, immer wieder mit ihrer Nase stupst und somit auf sich aufmerksam macht, unterscheidet sie sich gar nicht mal so sehr von mir. Auch ich will unbedingt gefallen!

In der letzten Zeit wird wieder die Ächtung von Tierversuchen gefordert! Eine Forderung, der ich mich unbedingt anschließen kann. Auch ich plädiere dazu, unnötiges Leid zu verhindern. Nur, empfindet eine Katze so etwas wie Empathie, wenn sie einer Maus oder eines Vogels ansichtig wird? Kommt ihr, angesichts des zuhause gut gefüllten Futtertrogs der Gedanke, diesmal Gnade vor Recht ergehen zu lassen?

Eines der ganz großen Geheimnisse ist wohl, wenn es einen solchen gnadenvollen Gott geben sollte, der beinahe alles verzeiht, auch das Abweichen von seinen Regeln bei ausreichendem in sich gehen, warum er diese Welt auf so einfache Weise geschaffen hat. Tier frisst Tier! Tier frisst Pflanze! Pflanze frisst Tier! Mensch frisst Tier und Pflanze! Tier frisst Mensch!
Und alles nur, weil es irgendein hohes Wesen sich mal so ausgedacht hat?

Nein, Frankie Miller, die Durchsetzungskraft ist das einzige Moment auf dieser Welt, das zählt.
Gleichsam gottgewollt, muss der Stärkere über den Schwächeren herfallen. Ihn eliminieren. Nicht humane Anwandlungen treiben Geschichte und Fortschritt an! Es sind diejenigen, die sich durchsetzen können, die die Claims abstecken. Die sich innerhalb ihrer Gesellschaften die größten Teile des Kuchens reserviert haben.

Die Religionen sind nur das verbindende Element der Gesellschaften. Gleichsam die Garantien für weniger Misserfolg.
Eine aggressive Gesellschaft kommt am ehesten zum Ziel! Zumal, wenn sie auch noch auf ein Göttliches Gebot verweisen kann. Ein göttliches Gebot, welches dann auch noch von der Mehrheit getragen wird.
Und daher muss es zu diesen fürchterlichen Konkurrenzen kommen.
Nur mit dem Vertreter meines eigenen Glaubens kann ich in innige Verbindung treten. Nur dann, wenn ich mir des Gegenübers sicher sein kann, kann ich ihm auch meinen Rücken zuwenden. Ihm mein Vertrauen schenken.

Na gut, Frankie Miller, das Grundgerüst steht ja nun. Nun geht’s nur noch ans „Ausfeilen“! Na gut, Editor, wie war das nochmal? Religion als Grundlage Kulturellen Werdens des Menschen?
Ich würde ja eher für Religion als Grundlage zulässigen Egoismus des Tieres Mensch plädieren!

Wobei, bei aller Anbiederung unserer Redaktionskatze, könnte man deren Egoismus beinahe vergessen. Zumindest wenn sie doch wieder Fleischbällchen in ihrem Schälchen findet.

Inwieweit profitiert eigentlich eine Redaktionskatze vom Gottgewollten Egoismus des Menschen? Ob mir vielleicht dazu noch was wirklich Schlaues einfallen wird?
Wenn ich sie mir nun so ansehe, denke ich schon, dass sie mir bei der Lösung des Problems keine allzu große Hilfe sein wird.

A.S. (chefschlumpf) Februar 2013

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