Interview mit Roman Brendel und Vorstellung von bildwortwolke.de – Interview

Unter den vielen Seiten im Web sticht Roman Brendel´s Homepage bildwortwolke.de wohltuend hervor. Ungewöhnlich, betörend schon, einzigartig und voller Sensibilität kann man sich der Anziehung dieser Kunstwerke nicht entziehen. Grund genug um Roman Brendel unseren Lesern einmal vorzustellen und mit ihm über seine Werke zu plaudern…

Herr Brendel, vor ein paar Wochen kannte ich diese Seite noch nicht. Jetzt erlebe ich das Phänomen, dass man bei jedem Betrachten ihrer Bild-Gedichte andere Eindrücke sammelt und sich nicht sattsehen kann.

Möchten Sie sich unseren Lesern einmal kurz vorstellen?

Eigentlich sind meine Persona oder geo-biographische Daten relativ unwichtig für meine Arbeit. Ich schreibe nicht, um reich und berühmt zu werden, sondern lasse die Worte lieber für sich selbst wirken. Außerdem mache ich es auch rein als Hobby bzw. aus einem inneren Drang zu Schreiben heraus. Daher gibt es auf meiner Seite auch gar keinen Bereich „Über mich“ oder etwas in der Art.

Erwähnenswert ist vielleicht, dass ich Sprache als Ausdrucksmöglichkeit schon immer hoch geschätzt habe. Ich habe als Kind sowohl früh als auch viel gelesen und mit ca. 10/11 Jahren erste kurze Gedichte zu Papier gebracht. Mein Hang zum Schreiben hat sich dann (zum Leidwesen meiner Lehrer) in der Schulzeit oft darin gezeigt, dass ich mit einigen Mädchen aus meiner Klasse während der Unterrichtszeit ununterbrochen Briefchen hin und her geschickt habe.

Glücklicherweise kann ich mich auch in meinem beruflichen Leben sprachlich austoben, wenn ich Werbe- und Marketingkonzepte entwerfe. Ist zwar eine völlig andere Ebene als beim privaten Schreiben, aber gerade auch deswegen wirklich sehr spannend.

Wie sind Sie zu dieser Arbeit gekommen? Wie hat sie sich entwickelt?
Woher der Name?

Wie schon erwähnt, habe ich eigentlich schon immer gern geschrieben. Die Lyrik hat sich dabei irgendwie ganz von selbst entwickelt und sozusagen in mein Leben geschlichen. Manchmal kommen mir Ideen, Bilder oder Sprachfetzen zu Bewusstsein, die wohl schon länger unbewusst in mir gearbeitet haben. Dann kann ich gar nicht anders, als mir irgendwas zum Schreiben zu suchen und einfach drauf los zu schreiben. Das hat auch viel von Selbst-Therapie. Gerade extreme Emotionen wie Liebe oder Schmerz schreiben sich am besten.

Das spannende für mich ist, dass diese Gedichte wie Fotografien meiner Seele sind. Sie entstehen absolut spontan (ich habe mich noch nie wirklich konzeptionell an ein Gedicht herangearbeitet), in einem einzigen kreativen Fluss und werden danach von mir auch nicht mehr geändert (Rechtschreibkorrekturen mal ausgenommen). Schreiben ist eine Sprache meines tiefsten Inneren – so wie es bei anderen Musik, Malerei, Gesang oder Tanz ist. Und während ich schreibe, weiß ich selbst nicht, wohin die Reise führt. Ich erkenne selbst erst, was ich gerade schreibe, wenn ich es lese. Das macht den kreativen Akt für mich unglaublich befreiend und hilft mir auch, mich selbst ein Stück weit besser zu erkennen.

Ich glaube, dass die Art und Weise, wie ich Schreibe, unheimlich viel echte Emotion in meine Gedichte hinein „packt“. Und besonders schön finde ich dann, wenn andere Menschen diese Emotion wahrnehmen, für sich interpretieren und es sie zum Nachdenken, Lachen, Weinen, Schmunzeln, Stirnrunzeln … bringt. Ich bin der Überzeugung, dass jeder Mensch in der Lage ist, zu spüren, wenn ein anderer Mensch (oder ein anderes Wesen) Emotionen zum Ausdruck gebracht hat. Egal in welcher Art und Weise. Das unterscheidet meiner Meinung nach Kunst mit Seele (wie ich es nenne) von z.B. vorwiegend kommerzieller oder teils auch konzeptioneller Kunst und macht sie für jeden Menschen verständlich, greifbar, nachvollziehbar – über alle Alters-, Geschlecht-, Kultur- und Landesgrenzen hinweg.

Der Name „bildwortwolke“ und der Satz „Wörter, die Wolken voller Bilder malen“ ist mir irgendwann einfach spontan eingefallen – passenderweise gerade als ich begonnen hatte, ernsthaft eine Website aufzusetzen. Und dann hab ich ihn genommen.

Was inspiriert Sie zu einem Bild-Gedicht (mit Musik)? Gibt es erst einmal ein Bild oder ein Gedicht?

Da ich ja ausschließlich den Text verfasst habe und die Bilder und Musikstücke von anderen Künstlern stammen (denen ich hier nochmal ganz herzlich danken will für ihre Unterstützung), steht von meiner Seite aus zumeist das Gedicht am Anfang. Wobei das nicht ganz stimmt – denn genau genommen ist die Inspiration der Beginn. Sie kann von einem Menschen kommen (die allseits bekannte Muse), einem Bild, einem Foto, einem anderen Gedicht, einem Augenblick oder einem Musikstück. Und manchmal wird mir dieser Moment der Inspiration wie ein Paukenschlag bewusst. Wenn das passiert, beziehe ich den „Verursacher“ ganz bewusst mit ein, um ihm zu zeigen, wie viel Kraft sein Werk, seine Handlung oder sein Wesen hat – und bisher wurde es immer richtig verstanden: als ein Kompliment von mir, das von Herzen kommt.

Als was für einen Künstler sehen Sie sich vorrangig: ein Dichter? Oder ein Bild-Dichter?

In erster Linie sehe ich mich als Menschen, der eine Form von Ausdruck braucht, um innere Konflikte, Spannungen oder Dynamiken heraus lassen zu können. Es liegt wohl in meiner Natur, dass sich dies in Form von Sprache äußert. Der Faktor, dass ich aufgrund meines Weltbildes mich selbst als Teil eines großen Ganzen empfinde, ist wohl ursächlich dafür verantwortlich, dass ich es als passende Ergänzung empfinde, wenn ich meine Worte mit Bildern oder Klängen anderer Künstler ergänzen darf. Anscheinend kommt die Idee auch gut an, da ich bereits mit ein paar Künstlern angesprochen habe, konkrete Zusammenarbeiten zu initiieren, bei dem ein Werk das andere erzeugt. Sprich, sie bzw. er nimmt ein Gedicht von mir als Inspiration und ich im Gegenzug eine Arbeit von ihr/ihm oder ich schreibe z.B. einen Text für ein Musikstück.

Was muss ein Bild/Foto mit sich bringen, damit es mit einem Gedicht verschmelzen darf?

Die Auswahl der Bilder und Songs erfolgt natürlich rein subjektiv aus meinem Empfinden heraus. Wenn ich das Gefühl habe, der Künstler wollte mit seinem Werk etwas gleiches, ähnliches oder ergänzendes ausdrücken, dann gehe ich auf sie bzw. ihn zu und frage ganz einfach und direkt, ob ich seine Arbeit neben meine stellen darf. Andere Menschen würden vielleicht andere Bilder/Songs für passender halten, aber ich glaube die Kombination ist bisher immer recht gut gelungen. Es gibt ja zum Glück auch unglaublich viele wahnsinnig talentierte Menschen.

Was ist ihr persönliches Lieblingswerk?
Was würden Sie den Lesern dazu erzählen?

Könnte ich gar nicht so sagen – dazu gibt es viel zu viele wirklich gute Werke in allen Genres und Kategorien. Literarisch beeindruckt hat mich in der aktuellen Vergangenheit das Schaffen von Dan Simmons und Neal Stephenson. Zudem mag und bewundere ich die Denkweise und Arbeit von Goethe, Oscar Wilde und anderen „Klassikern“. Musikalische Einflüsse spielen in meinem Leben und ich glaube auch für meine schreibende Tätigkeit ebenfalls eine große Rolle. Und auch hier lege ich mich ungern auf ein Genre oder einen Interpreten fest, finde aber insbesondere elektronische Musik enorm faszinierend in ihrer unglaublichen Bandbreite der Emotionalität.

Danke für Ihre Zeit, Herr Brendel!

Liebe Leser, nehmen Sie sich Zeit bildwortwolke.de – die Homepage von Roman Brendl – kennen zu lernen!

Vivienne

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