Let the bird fly – Schlumpfenland ist überall

Einst, im Mai, ich erinnere mich nur schwach, sassen die beiden größten Kerle dieser Zeit auf einem kleinen Eiland zusammen, tranken Whiskey! Oder war es Vodka? Ich weiss es nicht! Jedoch weiss ich es genau, sie verhandelten.

1987 schlossen die USA und die Sowjetunion schließlich den INF-Vertrag ab. Dieser bestand in der gegenseitigen Verpflichtung landgestützte Mittelstreckenraketen und damit auch weitreichende Marschflugkörper in der Summe ihrer bereits bestehenden Einheiten abzubauen.

Ronald Reagan, der US-Präsident hatte seinen Gegenüber fest im Blick und man konnte ihm ansehen, dass er triumphierte bei dem Gedanken, die Sowjetunion totgerüstet zu haben.
Michael Gorbatschow, zwei Jahre zuvor im Kreml an die Macht gekommen, hatte auch ein Lächeln auf den Lippen wenn ihm auch nicht wirklich wohl in seiner Lage gewesen sein konnte. Reagan wusste sicherlich genau über die Befindlichkeit seines Gegenübers Bescheid. Schon zuvor hatten die Amerikanischen Geheimdienste nach oben gemeldet, dass spätestens seit der Katastrophe von Tschernobyl der Neue im Kreml die Zeichen der Zeit erkannte: Der Russische Bär litt an Monetärer Unterzuckerung und drohte ins wirtschaftliche Koma zu fallen.

Zwei weitere Jahre nach diesem denkwürdigen Treffen auf Island kippte die Stimmung im Sowjetischen Lager total, die Ungarn lupften den Eisernen Vorhang ein bisschen, Mauerspechte machten sich an der Berliner Mauer zu schaffen. Die Genossen in Ostberlin, total darob verunsichert keine Durchhalteparolen aus Moskau zu hören, versetzten Erich Honnecker in den Ruhestand und die Staaten des Warschauer Packtes fühlten sich auch vom Spaltpilz befallen wenn vom “Sieg des Sozialismus” irgendwo die Rede war. Ja, mit dem INF-Abkommen schien eine Neue Zeit gekommen!
War der Optimismus damals eigentlich wirklich begründet, fühlt man sich heute bemüßigt zu fragen.

Tatsache bleibt, nach dem Vertrag war die Welt eine Andere! Tatsächlich?
Der zuvor noch “Kalter Krieg” genannte Rüstungswahnsinn war zumindest in den Köpfen auf beiden Seiten des undurchlässig erscheinenden Stahl- und Stacheldrahtverhaues zwar nicht etwa schon beendet, jedoch erschien er mit dem persönlichen Gespräch der beiden Ideologen ein wenig gelockerter als noch einige Tage zuvor.

Der Rest könnte nun abgehakt und in der Klamottenkiste für Geschichtsschreibung verschwinden, wenn nicht nun zwei weitere Protagonisten mit ebensolchen epochalen Ideen auf der Weltbühne der Politik aufgetaucht wären.
Droht er uns nun schon wieder, der Krieg, wenn nun auch wieder ein Kalter?

Die ab 15. Februar in München tagende Sicherheitskonferenz, eine Versammlung von Fachleuten in Sachen Landesverteidigung und Aufrüstung gegen Unliebsame und deren Abwehr, wird uns, so ist zu hofen, wieder auf den rechten Weg führen, nachdem sowohl ein Herr Trump und ein weiterer Herr namens Putin, für nicht wenig Verwirrung im öffentlichen Raume sorgten.
Was war geschehen?

War das noch gültige INF-Abkommen wirklich das was seinerzeit als ernstgemeinter Beitrag zur zukünftigen Glückseligkeit verkauft, uns als Vorstufe zum Paradies gelten sollte, überhaupt richtig postuliert worden? Konnten von Trump und schließlich Putin ihre Erbschaften von Reagan und Gorbatschow so dermaßen ausgeschlagen werden, ohne der Welt nun wieder einen Lagerwettstreit zuzumuten?

Ja, doch, sie konnten und das wussten beide sehr genau! Und wir alle hier auf Erden müssen nun zur Kenntnis nehmen, dass wir uns in falscher Sicherheit gewiegt hatten über all die Jahre!
Was genau war dieses Abkommen überhaupt?

Eine echte Abrüstungsvereinbarungen? m Prinzip könnte man es tatsächlich so verstehen, aber nur, wenn man das “Kleingedruckte”, sozusagen die “Rückseite” der Vereinbarung völlig ignorieren möchte!
Nun gut, Mittestrecken-Raketen und Marschflugkörper für Mittelstrecken, landgestützte versteht sich, abzubauen und die Lafetten zu verschrotten konnte man schon als ernstgemeinte Abrüstung verstehen.
Bei genauem Hinsehen allerdings ergibt sich ein ganz anderes Bild, ein viel beunruhigenderes Bild sogar! Diese Vereinbarung betraf in der Tat höchstens 20 % der bereits installierten Nuklear-Bombenträger an Land, und die Interkontinental-Waffen überhaupt nicht! Und seegestützte, also unter Anderem von U-Booten und Kreuzern zu startende Bombenträger auch nicht!
Also war im Prinzip eine Abrüstung gar nicht vereinbart worden und so auch nie beabsichtigt gewesen!

Und nun, schon vor zwei Jahren ein Thema,scheinen die Russen unter Putin dieses Abkommen gebrochen haben! Die Schweden äußerten bei der Nato und in Amerika ernste Besorgnisse, die frisch in Kaliningrad, früher Königsberg, stationierten Raketen und Marschflugkörper wären auf Europa und da zuvörderst auf Skaninavien gerichtet. Nur, das Problem ist, solche Waffen sind gar nicht in diesem Abkommen berührt worden.
War es also voreilig, wenn Trump nun den Vertrag einfach für ungültig erklärt, er diesen einseitig aufkündigt?
Mittelstrecken-Waffen wurden solche Raketen und Marschflugkörper genannt, die Reichweiten zwischen 500 und 5.500 Kilometern abdeckten. Deren Anzahl mag früher größer gewesen sein und die Stationierungen dürften auch anderen Strategien geschuldet gewesen sein, als diejenigen heutiger Prägung.
Im kalten Krieg belauerten sich zwei Großmächte und deren jeweilige Vasallen, gedeckt durch zwei Verteidigungs- und Beistands-Verpflichtungen, die Nato und der Warschauer Pakt.
Beide Parteien waren jeweils alleine in der Lage, alles Leben von der Erdkruste gleich mehrfach zu fegen. Etwas, was Angst machte und dennoch irgendwie beruhigend schien. Die werden doch nicht so blöd sein und…!

Und heute? Wodurch zeichnet sich heute ein solcher Vertrag zwischen zwei Machtblöcken aus?
Im Prinzip ist er heute mehr als witzlos. Im Gegensatz zu 1987 gibt es mit den beiden Großen und China, nun eine ganze Menge an Kleinstaaten mit Atombomben und darüber hinaus noch Einige mit Ambitionen sich selber welche zu beschaffen.

Dazu kommt, dass das heutige China eine ganz eigene Großmacht darstellt und was Rüstung betrifft, in den letzten zehn Jahren in Punkto Militärtechnik große Fortschritte zu verzeichnen hat und damit sogar die USA und Russland in eine gewisse Schreckstarre versetzte.

Und China hat diese westliche und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auch russische Lethargie, in der Frage der Resourcen-Sicherung im Südpazifischen Raum strategisch sehr gut genutzt. Ohne die Russen zu bemühen, können Mittelstreckenwaffen von China aus jeden pazifischen Stützpunkt der Amerikaner bedrohen und China fühlt sich absolut im Recht, da es diesem Pakt ja niemals beigetreten ist, ja noch nicht einmal dazu aufgefordert wurde!

Gleichzeitig haben sich scheinbare Sicherheiten in den meisten Fällen in der Realität schon längst verflüchtigt. Amerika, so Trump, könne nun nicht mehr jeder Bedrohung für die Staaten des Westens durch den Einsatz des Lebens seiner Söhne entgegentreten! Dafür müssten diese schon selber sorgen und ihre Rüstungsanstrengungen vergrößern.

Durch den Brexit wird nun die EU geschwächte, zurück auf scheinbares Mittelmaß im Vergleich zu den USA und China geschrumpft.
Im nahen Osten scheint sich auch durch die Revolten und den Sturz der Despoten eine gewisses Selbstbewusstsein entwickelt zu haben, wenn auch im Falle Libyens und Syrien und nicht zuletzt dem Irak, ein wenig zerzaust und ohnmächtig. Nur haben alle diese Fälle den vormaligen Großmächten und der EU gezeigt, dass Macht ziemlich relativ sein kann.

Seit 2007 beschuldigen sich die USA und die Russen, jeweils das Abkommen zu brechen und im Geheimen gerade solche vom Abkommen verbannte Waffen zu testen. Ebenso werden beide Seiten darin nicht müde, hier alles abzustreiten. Kontrollbesuche wurden nicht erlaubt.

Nun erhebt sich zwangsläufig die Frage: “Watt nu?”

Steht er uns bevor, der neue kalte Krieg? Das Kriegsgeklingel und Drohszenario aus längstens vergangenen Tagen?

Man wäre dumm, hier einfach nur zu verneinen! Allerdings würde das Bejahen nur einen Teil der Szenerie beleuchten.
Die Sachlage ist wesentlich komplizierter als 1987 auch nur geahnt werden konnte. Die Anzahl der Spieler und derer ganz eigener Regeln hat sich vermehrfacht.
Zu den Vetomächten in der UN sind nun noch einige stimmgewaltige Proteges der Atomaren Vernichtungskraft getreten, und unter diesen nicht wenige die scheinbar gewillt sind, auf “Alles oder Nichts zu” setzen!
Trump und Putin können da nur anbieten, beim Mächtepoker die Schiedsrichter zu spielen. Nur, was ist, wenn keiner von Beiden die Spielregeln überhaupt auch nur gecheckt hat?
Heisst es dann wieder, wie im August 1945 auf der pazifischen Insel beim Start der “Enola Gay” mit “Little Boy” an Bord mit Ersatzziel “Hiroshima”?

Wie antwortete der Amerikanische Präsident Harry S. Truman auf die entsprechende Frage vom fernen Atol?

Ach ja: “Let the bird fly!”

Und wir, hier alle? Können wieder einmal nur hoffen, “die werden doch nicht so blöd sein und…!”

(c) chefschlumpf Februar 19

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