Versuch einer Analyse. Lit-Split mit ganz wenigen realen Bezügen

Jo mei, Schweiss lass nach, beinahe wäre ich dir auf den Leim gegangen!
Wie solltest du auch, in Zeiten in denen einem morgens das Aufstehen nur noch mit allergewaltigsten Abnstrengungen gelingen will, mit scheinbaren Wahrheiten kommen, die unsereins gar nicht mehr realitätsgesteuert auf dem Schirme hat?
Nein, mein lieber J. du wolltest nur vom Wesentlichen ablenkend, mir ganz unverfänglich den Kopf waschen. Dich hinter Vorwürfen versteckend, mich in tiefste Unsicherheiten versenken.
Ist es dir gelungen? Zunächst wohl scheinbar doch.
Jetzt weiss ich es aber, nicht wirklich!

Zunächst zu G.!
Ja doch, G. gefiel mir ausnehmend gut. Ihr deutlich frisches Wesen war tatsächlich dazu angetan, so aber nur meine spätere Erinnerung, einem verklemmten Bübchen wie mir ein wenig an Selbstbewusstsein einzuimpfen.
Scheinbar hatte sie sogar das Vermögen, die Welt nicht ganz so negativ zu betrachten, zumindest so wie es mir kaum gelingen mochte. Doch dann?

Ich möchte da nur an den Eimer mit Farbe erinnern, den von ihrem Fuß zu putzen dir, zu G.`s grantigem Unwillen, einfach nicht gelingen mochte.

G. auf der Leiter, Decke streichen in eurer nun ehelichen Liebeslaube.

Dann, wir Beiden quatschen.
G.‘s Fuß steckt im Eimer, den du, ganz besorgter Zuschauer deiner pinselnden Angetrauten, vorsorglich am Ende der Leiter plaziertes.

Deine Bemühungen, köstlich sage ich dir, wenn es auch ziemlich peinlich für dich war!
Soviel traurige Selbstentleibung konnte dir niemand guter Hinwendung wahrlich zumuten!
Doch, sie hatte dich fest im Griff!

Aber, G. hatte nunmal dich, nicht mich für ihre Zukunft auserkoren! Ein Fakt, den du mir nun als Boshaftigkeit nachtragen möchtest?
Nein, mein Lieber, so und nicht anders geschah es. Es war nur G.‘s und nicht etwa meine Entscheidung!

Später, natürlich, hatte sie deinen überbordernden Ergeiz verinnerlicht, was sie eher unnahbar erscheinen lies. Da hatte ich aber schon längst meine B. gefunden und lieben gelernt.
Ich glaube, nicht extra betonen zu müssen, dass B. mit ihrer unbekümmert daherkommenden Selbstverständlichkeit besser zu mir passen konnte, als G. mit ihrer dann von dir hineingezüchteten Überheblichkeit, die nicht selten sehr bizarre Blüten austrieb.

Konnte es dir tatsächlich gelungen sein, G.‘s Unbekümmertsein ins ganze Gegenteil zu verwandeln?
Scheinbar doch!

Ja doch J., man kann! Sich Geld von einem Freund leihen.
Und so machte ich es auch schon. Ich lieh mir Geld. Und du warst es ja auch der mir mit Mitteln aushalf als der Minister der Finanzen durch sein wohlfeiles Beamtentum versuchte, mir die Kehle zuzuschnüren.
Und auch du warst es, der mir zu Beginn meiner Karriere als Händler die Chance bot, in die Zukunft zu investieren.

Ja, Freundschaft ist nicht wirklich nur ein Wort welches der Duden in knappen Begriffen zum Leben erweckt. Nein, Freundschaften erweisen sich immer nur aufs Neue, allerdings wenn Freundschaften nicht immer nur geheuchelt werden.
Und genau hier liegt bei uns Beiden wohl der Hase im Backrohr!

Ich glaube du hast nur! Geheuchelt, meine ich! Nicht immer schon, jedoch seit damals!
Und nach genügend langem Grübeln kam mir der Grund deiner Verstimmung in den Sinn!

Ich bin doch wahrlich ein Trottel, das Ganze nicht sofort überblickt zu haben! Nicht G. und Archimedes mit seiner frechen Schnauze!
Auch, dass mir Großkotz an der Backe hängt, scheiß drauf J.
Du warst nur sehr enttäuscht, weiss ich nun sehr genau! Was das betrifft könnte ich dir gegenüber auch voll vom Leder ziehen. Aber, was solls, alles längst vergessen!
Nun aber zu dir!

Wir, B. und ich, nebst Sohnemann, des anstehenden Allerheiligen-Festes wegen, hatten geplant das Grab der so Liebgewonnenen herzurichten, du weisst schon, der Bürgermeisterin in dieser Abgeschiedenheit der Einöde. Genau dieses Nirgendwo, das deine Zweitgeborene als zukünftigen Lebensmittelpunkt ins Auge fasste.

Und da erschien es dir nur allzupassend, die Hinterlassenschaften eben dieser Verblichenen einer genauen Prüfung zu unterziehen.

Konnte es sein, du ließest diese Frage für mich zunächst unbeantwortet, dass vom Töchterlein in diesem Domizil, seinerzeit hinterlassen von der Bürgermeisterin, als Zentrum einer Gemeinschaft von Weiteren mit Studienabsichten zu nutzen sei?

Ja, sowohl du als auch ich, und dein Töchterlein konnten uns das zunächst ja doch noch vorstellen.
Das Häuschen im bevorzugten Stadtteil dieser ehemaligen Spätrömischen Kaiserpfalz könnte mit ein paar Umbauten auch einer Studierenden nebst weiterer Komilitonen ein Zuhause bieten.
Was hielte uns davon ab, diese Frage anlässlich einer Begehung vor Ort zu klären? Ja, was eigentlich?

Und, verdammt will ich sein wenn ich dich belüge, es wäre mir eine Ehre, deine Tochter in diesem hochherrschaftlichen Palast zu wissen. Allerdings, es ging nicht so einfach!
Es gab da, nicht geringe Schwierigkeiten.

Zunächst verlangt der Staat seinen Anteil an Geerbtem!
Hinzu kommt, dass Hinterlassenschaften auch von Bürgermeisterinnen nicht immer dem Stand der Zeit entsprechen, also gewisser Erneuerungen bedürfen.
Und beides kostet.

Du weisst B.‘s Tantchen war schon sehr gebrechlich, drum hätten längst schon neue Fenster hergemusst. An ihrem Lebensabend wollte Tantchen aber wohl sicherlich nicht auch noch Heizkosten sparen müssen.

Ja, die Heizung, voll dem heutigen Trend entsprechend, voll elektrisch.
Und was das heisst, muss dir als Dieseljunkie nicht erst ein Tesla-Fahrer verklickern!
Es kostet!

Na gut, Fenster und `ne Heizung mit Nichterneuerbarem, also Erdgas, so deine damalige Meinung, könnte ich ja mit Geliehenem finanzieren. Wir müssten uns nur über den Mietpreis einigen.
Wie das Ganze zu bewerkstelligen wäre ließest du dabei aber völlig offen!

Ja, zu ernstem Diskurs stand dir dann ja auch keinerlei Zeit mehr zur Verfügung, mein lieber Freund.
Denn, stände oder hätte gestanden, dann hätte ich dir verklickert was von mir aus dagegen stand.

O.K. dass Tantchens Mobilliar seit ihrem Heimgang noch in voller Pracht die Zimmer füllte, das Meiste davon auf den Receiclinghof gehörte, hattest du trotz gerümpfter Nase deiner Abschnittspartnerin ja noch hingenommen.
Meine Erklärung: mangelnde Zeit und Gelegenheit und vor Allem Mangelhafte Pinunsenkraft, bewog dich dann, mir noch einmal finanzielle Schützenhilfe zu geben.
Ich lehnte ab, drückte mich doch der Schuh an ganz anderer Stelle.

Den Bau zu entrümpeln hätte nur die bessere Problematik schwinden lassen. Das eigentliche Problem war der Gesamtzustand der Immobilie. Von der Küche über den Flur bis hinein ins Wohnzimmer, dann über die Stiege bis in die Räume oben mussten sämtliche Tapeten runter und die Wände neu beklebt werden.
Müssen sie auch noch heute, da sich von ganz alleine natürlich bis zum heutigen Tage nichts geändert hat.

Ja, wie machen ganz ohne Lachen?
Die Hütte steht zwei Stunden Autobahnfahrt von meinem Domizil entfernt. Morgens hin und abends zurück, kann und will ich mir nicht antun, du etwa?
Hätte dein Töchterchen das Häuserl renoviert? Beim Einbau der Fenster und der Erneuerung des Heizsystems den Werkern auf die Patscherl gestarrt? Ich denke, wohl eher nicht!

Da du ja darüberhinaus auch noch meine ganz eigene Situation beurteilen kannst, mit B.‘s Hinfälligkeit und meiner Verantwortlichkeit für das Mäderl, kannst du doch sicher auch meine Untätigkeit in Punkto Erbhäuschen mitfühlen.
Nein, es fehlte nicht am Willen, nur an echten Ideen! Und natürlich an Möglichkeiten.
Und was hätte da von dir wohl kommen können?
Ich ahne wohl, gar nichts!

Und was das Vermieten selber angeht, muss konstatiert werden, dass sofort, vom ersten Monat an die Erbensteuer in voller Höhe fällig gewesen wäre.
Hier wäre die Zwölfjahresmiete gedrittelt als Beitrag zur Finanzierung des Bundeshaushaltes anzusetzen gewesen.

Da mir dazu die Mittel fehlten, war, um einen Verkauf oder möglicherweise eine Versteigerung „von Amts wegen“ nichts zu umgehen gewesen.
Nur, was wäre in jedem dieser beiden Fälle mit Töchterchen gewesen?
Ich wage nicht darüber nachzudenken!

Ach ja, B‘s Gesamtzustand, mit ihrer immer offener zutage tretender Demenz, lies bislang an einen Verkauf noch nicht einmal nur denken.
Absichtserklärungen von offen Dementen mögen Notare nicht wirklich.

Aber, mein Freund, was sind Argumente wenn Überzeugungen schon gewaltig punkten?

(c) chefschlumpf

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