Abschließend? – Litsplit mit einigen realen Bezügen eines Unreifen

Da gabst doch diese M.!

Wie würdest du sie mir heute um die Höhrmuschelle hauen, wenn, ja wenn…?
Mein lieber Freund, beinahe schon vergessen, drängt sich mir nun ein Bild auf.
Du magst dich kaum daran erinnern, doch ist es mir seit einigen Tagen wieder sehr wahrhaftig.

Du und ich, händchenhaltend am Ufer des Flusses, der nach einigen Windungen talwärts gen des großen Strohmes fliesst.

Nein, natürlich hielten nicht wir beide uns an feuchten Händchen.
Denn warst du es, der M. und ich, der B. an dieser Flussniederung entlang spazieren führte.
Und auch diese B. war es noch nicht, die ich dann schließlich zum Altar führte.
Das besagte Abenteuer geschah weit vor dem, was du mir nun mit deinen bösen Vorhaltungen zum Vorwurf machtest.

Diese M., ich kannte sie schon etwas länger, wohnte sie doch mir gegenüber auf der anderen Straßenseite, war wie auch diese frühe B. als Lehrling im Haarebusiness tätig.
Genau gesagt, beide waren angehende Friseurinnen!

Nun gut, ich weiss natürlich nicht wie du diesen sommerlichen Sonntag empfandest und ob diese unsere gemeinsame Verabredung mit den beiden Schönen irgendwelche Gefühle bei dir freisetzten.

Ich für meinen Teil neidete dir die offensichtliche Zuneigung von dieser eigentlich von mir angebeteten M.

Heute ist mir noch sehr bewusst, dass ich mich auf B. der Nähe M.‘s nur wegen einließ.
Als reinem Augenmensch fehlte es mir ein wenig an äußerer Statur und Strahlkraft bei dieser B.

Du, anders als ich, standest wohl eher auf Fummelleien, während ich, und die spätere Geschichte zeigte es ja dann auch mehr als nur sehr genau auf, eher an verlässlicher Bindung interessiert war!
Und genau hier lag es wohl, dass mit B. dann schließlich auch Schluss war.
Und M.?

Genau da setzt nun meine Erinnerung aus! Aber, du könntest ohne deinen scheinbar sehr eigensinnigen Verdrängungsreflex hier meine ausgeprägte Wissenslücke auffüllen.

Ja, M.!
Sie war mir schon aufgefallen als die Eltern mit mir in den Neubau zogen.
M., am oberen Fenster des Hauses gegenüber zu erspähen, schien genau in mein noch sehr unvollkommen zurechtgezimmertes Beuteschema zu passen, wenn da nicht noch der verdammt lange anhaltende Komplex der Unterlegenheit des langsam erwachenden Mannes, die Sinne vernebeln konnte.

Das eigentliche Problem, M. näher zu kommen, schien aber ihr großer Bruder zu sein.
Dieser, nicht sehr zuvorkommende Bär von einem Dachdecker, schien wohl von dem Gedanken beseelt, M. allen Bemühungen Solcher wie du und ich entziehen zu müssen.

Da weder du noch ich irgendwelchen Spaß an körperlichen Auseinandersetzungen hatten, mussten wir die Initiative, der nun von zwei Bewunderern Verehrten überlassen.

Irgendwie, du wirst dich sehr gut erinnern, dass meine Altforderen mit in Öl gesottenen Kartoffelschnipseln ihre Famile „am Kacken“ hielten, bin ich mit M. über ein Tütchen Pommes hinweg ins Gespräch gekommen.
Dabei konnte ich erfahren, dass du es warst der ihr, also dieser M., ein wenig Hoffnung machen konnte, wenn es mir gelänge dich mit ihr bekannt zu machen.

Etwas enttäuscht über ihre Wahl, dennoch bereit dazu, konnte ich M. hier den Weg zu dir bereiten.

Und so kam es, der kleine Fiat und der dazu nötige Führerschein waren mir als dem Älteren von uns Beiden bereits zu eigen, dass wir mit diesen Schönheiten einige Touren in die grüne Umgebung der da doch noch sehr grauen Großstadt im Zentrum Industrieller Machtbestrebungen unternahmen.

Ja, ich erinnere noch gut, du kamst bei M. sehr gut an!
Weitere Einzelheiten, da ja hier öffentlich gemacht, möchte ich weiterhin im Vergessenen und Verschwiegenen belassen.

Mit B. liess es sich für mich soweit ganz gut an, zumindest bis zu diesem „Zwischenfall“ im geparkten Fiat, als eine von besorgten Nachbarn der B. gerufene grüne Uniform an die Seitenscheibe klopfte, und damit dem vermutet unsittlichen Treiben ein jähes Ende setzte.

Volljährig war man damals noch mit einundzwanzig und die Staatsmacht achtete sehr wohl darauf, dass die Jugend nicht allzusehr in aller Öffentlichkeit über alle Stränge schlug.
Und diese Stränge waren da noch sehr dicht geflochten.

Na gut, mein lieber J., an besagtem Tage gab es keinerlei Zuspruch zu irgendwie gearteten Unsittlichkeiten.
Der Fiat war am Tage zuvor kaputt gegangen und somit wurde die Flussniederung per Eisenbahn und eben nicht in einer Schmuselaube erreicht und schließlich auch wieder verlassen.

Für mich, nach all der friedlich verlaufenen Jahre und sogar Jahrzehnte, erhebt sich nun die Frage: „wäre dein Vorwurf, dich mit G. in die finanziell ungünstige Lage versetzt zu haben, im Falle M. ähnlich unzutreffend“ und hätte deine Verbiesterung ähnliche Blüten hervorgezaubert, nur weil ich es war, der dir M.‘s Zuwendung verraten hatte?

Stattdessen war es einige Jahre später diese G., die ja dein Herz erreichte!

Ja, wie sagte schon der von mir sehr verehrte Freizeitphilosoph mit dem sorgsamst gepflegten Dreitagebart?

„Der Teufel? Oftmal nur ein Eichhörnchen!“

Dem, lieber Freund, ist wahrlich nichts mehr hinzuzufügen!

© chefschlumpf im April 2019

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