Friedhofsruhe – Kurzgeschichten im Wiener Dialekt

I moch gern an Friedhofsbesuch
Riach gern den leicht siasslichen Totengruch
Der von de Gruften auffe kummt
Und mir des Lied vom Vagänglichem summt
Waunn wenig Leit zwisch´n de Gräba san
Si de Trauergäst zum Leichenschmauß vadrahn
Waunn I vur an Grob steh und studier
Und denk ma daunn, so zu mir
Nau sowos, Du host das ah net launge g´mocht
Is da vielleicht des Schicksoi aufs Happe krocht?
Na geh, des Kindal do, in da klanan Gruabn
Is jo scho zeitlich mit drei Johr g´sturm

Setz mi daunn aufs Friedhofs Bankl
Herst worst Du do drübn vielleicht ah Schlankl?
Zu Dir kumman vü Fraun mit Bleamaln nur in rosa
Worst wohrscheinlich ah klana Westntoschn Casanova
Jetzt kummt no ah Eichkotz, es Füttern muss
Eigsteckt hon I dafür gaunz vü Nuss
Des Eichkatzal mochts afoch waunns ummesteht
Es dafeut irgendwo, wird eigrobn net
Oda da Fuchs vazahts fia seine Jungan daunn

So sitz I do mittn im Geschehn, zum Schaun
Denk ma, es liegts guat, hobts ah Ruah
Draussan Friedhof Lärm und Hektik pur
De Waunsinnigen im narrischen Stadtverkehr
Surgn das vü Nochschub kummt daher
Und da Friedhof net klana wird und vaweist
Jo maunche haubn im Leben net vü gneißt
Und san ohne Umweg glei hier her gaunga
Da Lebensweg wor gor ka launga

Wos nutz ah schena Sta mit ana Inschrift
Wos nutzt oisa junga de greste Mitgift
Dabrezln tuats an Jedn frira oda späta
In de letzte Untermiete kummt ah jeda
Und trotzdem is aum Friedhof ruhig und ah sche
Aum liabsten tät I do bleibn und nimma geh
Weu meine Mitlebendigen san grausaum und z´bled
Waunns ums Göd und viredrängan geht

Das se amoi de Sö ogebn und ah Bankl reissn
Und ma se ah in de Gruabn tuat eineschmeissn
Des wird geflissentlich vadrängt, ma denkt net drau
In da universiellen Gerechtigkeit, ah Jeda ins Jenseits schaut

Aha do kummt ah Wurm ausn Grob
Des is fia Eana koa ka Müh und Plog
De Wirma san wichtig do imVawesn
Ah wer amoi wos Wichtigs wor, is gwesn
Würma Kompostieren ah den Kenig und sei Frau
Do bin I oba froh, gfressn wird ah Jeda, waunnst bist drau

So sitz I do ruhig aufn Friedhofs Bankl
Moch ma etliche Gedaunkn und sinnier
Waunn wen da Teife hoit, is des mei Bier?

Auf amoi rennts ma koit üban Bugl
Faungt au zum roin de Lebens Kugl
Ah Haund legt si auf mei Schuita drauf
Wird do net scho zeit sei, bin I drau?
Do sogt ah tiafe Stimm, haums ah Feia?
Bist deppat, ah Stimm wia ah Ungeheia
Oh Gott, oh Gott, I wü no net den Hades sehgn
Hob no ka Beicht oglegt, wü no net gehn
Daweu is nua ah Grob Besucha ohne Zinda
Hot mi der daschreckt, Kinda, Kinda
I gib Eam ah Schachtal von de Schwefehöza
Denk ma, bist ah Surm und ah Pöza
Mit zittrige Finga und an schiefen Grinsen
Mei guate Laune weg und in de Binsn

Des Laub auf de Weg vamodat in da Alee
Genau so wird´s mia amoi geh
Oba daunn tuat ma nix mehr weh

Do kummt da Pomfinebra vom Dienst
Und sogt,jetzta miassns geh und grinst
Boid kumman de Geista vurbei
Uns singan Ihna vor die Litanei

I valoss den Gottes Acker mit an Gfüh
Bei mir Daham is jo ah so ruhig und so stü
Des is da Lauf des Lebensbogen
Leben, bleib ma ah wengal noch gewogen
I nimms leicht und gwen mi drau
Vielleicht ah I boid in Himme schau

Oiso bis Murgn meine ruhig Wesen
Eich nimm I nix krumm, worts aufs Dalesn
Vua Eich brauch I min et fiachtn
Werns mi amoi ah zu Eich Zucheschlichtn.

Friedrich

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