Vorweihnachts Erlebniss um 1900 – Kurzgeschichten im Wiener Dialekt

Es is A Gossn mit oide Häusa und klanan Gschäftn. Des Gas in de Kandelaber brennt scho und beleicht des bissl Schnee, der wos leise, laungsaum, in großen Flocken obafoit vom schworzen Himme. Jetzt is fost gaunz ruhig, stü. Oba A por Leut gengan no trotzn Schneegestöber durch de Gossn. Gaunz feierlich sans gestimmt. Hmm wia A de Zeit varinnt, is boid so weit, oba vielleicht net fia Olle, oda do? Ihr wisst scho wos I man, is Christkind hot se augsogt. In de Gschäfta san de Auslogn dekoriert mit liab schauenden Engaln, Büdln mitn Christkindl und Goldstern.

Aun ana Eckn steht A Mau mit znepftn Gwaund, an Bauchlodn hot er umhänga, er vakauft Rasierklingan, Zündhölzln und A Büdln mitn Christkindl drauf, vor dem A klans Madl kniat und aufeschaut zum Christkindl. Da Mauntl den wos er auhot is mit an Strick zaumbundn. Aum Kopf hot er an Speckigen Huat mit an Bandl drumherum in dem A Taubenfeder steckt.

Er hot an vafützten Boart, im Mund fost kane Zähnt, de Augn schaun gaunz traurig, weu er fost nix vakauft und koit is eam, weu der Stiefefetzn in sein anzigen Schuach is varutscht und noss. Weu aunstott dem rechten Fuass hot er A Holzbahn. A Aundenkn aun den letztn Kriag. Vis a vis aum aundern Eck steht A Maronibrota in an Hittl hinta sein Ofn.

Er hot dicke Füzstiefeln aun, an wormen Mauntl aus an dickn Stoff, aum Kopf A gschtrickte Pudlhaubn. Über des Gaunze hot er A Blaue Schirzn drübergebn. Jo und A rote Nosn hot er A. De hot er oba net nur von da Kötn, sondarn A vom Tee mit Rum oda umgekehrt, Zwa Finga Tee und zwa Finga Rum is sei Rezept, mit vü Zucka. Da Glühwein, sogt da, is erm zschwoch,> sogt da, der warmt net so. Ah Jo, ans net vageßn, aun de Händ hot er no A por Handschuach wo de hobaten Finga ogschniedn san, damit er de Maroni besser dakrebeln kaun.

Da Maronibrota is A Herzens guater Mensch und gibt hie und do,  sein Vis a Vis,> dem Invaliden Bauchlodn-Mau, Maroni de er net vakaufn kau und an Rum-Tee. Ana von de Passanten, de es sunnst eulig haum, is A mau so um de Vierzig, najo er is jo gaunz passabl auzogn, aum Kopf an Huat an sogenannten Holbsteifen, an Überzieher vom feinsten Gradl, an Seidenschal,  feste Stüfeln, die glänzn ois waratns grod putzt wurn. Aun de Händ Kolbslederne Hanschuach.> De rechte Haund hoit an Stock aus dunklem Holz mit an Sülbanan Griff. Der noble Herr geht gaunz in Gedaunkn vasunkn, laungsaum daher.

Der Invalide spricht den feinen Herrn an „ Brauchen da gnä Herr vielleicht Rasierklingen, Zündhölzln? „ Der elegante Herr daschreckt si, so aus seinan Gedaukn grissn, schaut den ormsöligen Mau au> greift in de Innentoschn vom sein Überzieher, nimmt an Gödschein aussa und legt eam  aufn Bauchlodn und sogt „ Mag sich der gute Mann schöne weihnachten machen „ und geht weiter. Daweu hot da feine Herr gor nix zum lochn und frein Sei Frau is vor A por Togn gstorben aun da Schwindsucht, Se hot si de Söl ausn Leib ghuast. Jetzt is er aufn Weg in de Kirchn> um A bissl zu Betn und Trost zhoin. Seine Kinda san daham beim Kindamadl in da Villa,(de Villa des is ka vafoine Hittn, des is A schens Haus mit an Gortn und an schmiedeisernen Tor.)Jo jo,> so gor die feinen Herrschoftn haubn Ihre Sorgen,> se haubn zwor kann Hunga, friern tans net, oba des Schicksoi klopft überoll au, wia ma sicht. Oba zruck zur Gossn.

Jetzt wern de Rolllädn bei de Gschäfta abaglossn. De Leit wern weniga,  da Maronibrota mocht sein Ofn aus, gibt se innerlich an Stessa und deit dem znepften Bauchlodn Besitza mit an Wink. Der humpelt über de Strossn, vielleicht gibt’s an Tee? Denkt da si. Oba da Maronibrota sogt „Was wos? Du kummst jetzt mit zu mir Zhaus, tuast de Woschn, I gib da A sauberes Gwaund, A bissl gflickt is hoit, tuast Essn mit uns, wir haubn A Bett zvü, weu vua A poor Johren unser Kindl gsturm is, des Kindl is jetzt im Himme (seufzt er) und losst dir bestimmt des Bettal zum Schlofn.> Und wast wos? Morgn tan ma Weihnochtn feiern. Mei Oide is A gmiadlichs Haus, dera is wurscht, waunns A bissl mehr Kochn muass.
Jetzt rinnan dem Kraumastandla de Tränen wia A Wossafoi> üba sei zafürchtes Gsicht, wü se Bedaunkn,> oba de Gurgl is eam wia zuagschniat. So vü Glück auf amoi is jo fost net zum aushoitn. Hot do da Himmevota vielleicht A bissl nochghoifn? Wer was des scho. Vielleicht denkst A Du drau und mochst Sowos? Soi sche sei, waun ma wem A Freid mochn kau. Oiso, in dem Sinn, wünsch I Eich A schens, besinnliches und hoffentlich sorgenfreies Christkindl.

Friedrich

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