Ikarus fliegt weiter – Buchtipps von Harry Popow

Im Epilog des Buches mit dem Titel „IKARUS. Mein wunderbares richtiges Leben im doch so miesen falschen. Lebensschnipsel eines militanten Pazifisten aus drei Ismen“ bedauert der Autor Karl-Heinz Otto und widerständiger Oberstleutnant a.D. (NVA), „dass wir die bisher einmalige Chance, eine gerechtere Gesellschaft zu gründen, glattweg vergeigten“. (S. 480) Auf dieser Seite findet sich auch der auf Karl Marx zurückführende Ausspruch, das Kapital habe ein Horror vor Abwesenheit von Profit. Sehr oft verwendet der Autor das Wort indoktrinär für die Propaganda in der DDR. Er schreibt zu recht, man solle auch die Möglichkeit haben, die Welt selbst anzuschauen. Dem ist nichts hinzuzufügen, die Welt anschauen mit theoretischer Vertiefung – daraus wird ein Schuh.

Und so hofft der Autor, sich auf Oscar Wilde berufend, dass die Menschheit, sollte sie ein besseres Land sehen, die richtigen Segel setzen möge. „Dass Sozialismus und Demokratie zusammengehören – und Stasispitzel verzichtbar sind – sollte nach unserem vergeigten Sozialismus-Experiment Allgemeingut und zur wichtigsten Lehre geworden sein.“ Der IKARUS im Träumer Karl-Heinz – er lässt die Gegenträumer nicht aus den Augen.

Und nun, seinen Vorsatz fest im Blick, betätigte er sich als Verleger. Blickt mit der neu editierten Auflage des thüringischen historischen Heimatromans „Der Reiter auf dem fahlen Ross“, Autor Richard Eckardt, zurück in die bewegten Jahre des Dreißigjährigen Krieges. Und in die Zeit des napoleonischen Zeitalters führt uns das Buch „Zwei Königskinder“, Autor Alfred Heimerdinger, ebenfalls neu editiert von Karl-Heinz Otto.

Zitate, die die Aktualität belegen: Seite 27 aus „Der Reiter…“: „Das Leben ist Kampf“, entgegnete Grimm. „Ich suche den Kampf nicht, aber ich gehe ihm auch nicht aus dem Wege. Haben wir denn hier wirklich Frieden? Erst einige Wochen bin ich hier, und doch habe ich schon erfahren müssen, wie mächtig der Branntweinteufel und der Spielteufel in der Gemeinde sind. Soll ich dazu schweigen? „Tut Eure Pflicht“, sagte Megander, „aber sucht erst die Liebe und das Vertrauen eurer Bauern zu gewinnen, erst dann werden eure Worte fruchten.“

Seite 40 aus „Zwei Königskinder…“: „Ich will dich ins Reich der wahren  Menschen führen.“ „Der Menschen? Wir leben doch mitten unter ihnen!“ „Nein! Wir sind nur von Masken umgeben, die ihr wahres Gesicht verhüllen. Aber sie sehen ihre Masken nicht, weil sie blind sind, rettungslos blind. Sie kennen einander nicht und bemühen sich auch nicht darum. Sie kennen nur ihr Ich. Die Liebe trachtet, den anderen zu ergründen und ihm zu helfen. Sie allein kann die Menschen vor dem Tode bewahren.“

Richard Eckardt: „Der Reiter auf dem fahlen Ross. Ein Thüringer Heimatroman.“ 1. Neuauflage 2019, ISBN: 978-3-934232-87-3, VP: 25,00 Euro, Edition Märkische Reisebilder, Dr. Karl-Heinz Otto, Vertrieb FON 0331 270 17 87, E-Mail: dr.otto.edit.maerk.reisebilder@t-online.de   , oder dr.carlotto@t-online.de

www.carlotto.de

 

Alfred Heimerdinger: „Zwei Königskinder. Historischer Roman.“ 1. Neuauflage 2018, ISBN: 978-3-934232-99-0, VP: 25,00 Euro, Edition Märkische Reisebilder, Dr. Karl-Heinz Otto, Vertrieb FON 0331 270 17 87, E-Mail: dr.otto.edit.maerk.reisebilder@t-online.de   , oder dr.carlotto@t-online.de

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Kurzvita Karl-Heinz Otto /Literarisches Pseudonym: Carlotto

Der seit 1972 in seiner Brandenburger Wahlheimat Potsdam lebende Schriftsteller Karl-Heinz Otto wurde 1937 in der sächsischen Kleinstadt Grimma geboren und wuchs in Altenburg/Thüringen auf. Hier besuchte er nach der Grundschule die Erweiterte Oberschule mit angeschlossenem Internat im Münchhausenschloss von Windischleuba. Nach bestandenem Abitur wurde er Berufsoffizier, absolvierte an der TH Ilmenau ein Elektronikstudium, das er als Diplomingenieur abschloss. Zwischen 1981 und 1984 studierte er am Leipziger Literaturinstitut Johannes R. Becher in der Klasse Lyrik und Prosa und lebt seit 1987 als freischaffender Schriftsteller.

Nach 1990 war er als Journalist und Dokumentarfilm-Regisseur tätig und gründete den Verlag Edition Märkische Reisebilder. Sein umfangreiches belletristisches Schaffen umfasst neben kultur-historischer Reiseliteratur (insbesondere Märkische Reisebilder zu Brandenburg und Preußen), Romane, Kunstmärchen und Erzählungen.

 

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2 Kommentare

  • Rainer Kirmse , Altenburg

    VOLKSAUFSTAND

    Stalin hatte mit eiserner Hand
    Die SED ans Ruder gebracht.
    Diktatur überzog das Land,
    Erhielt der Partei die Macht.

    Man befahl den Sozialismus,
    Das Volk wurde nicht gefragt.
    Es wurde nur Stalinismus,
    Jeder Widerstand war gewagt.

    Normerhöhung und Repression
    Erregten der Leute Unmut.
    Allenthalben gärte es schon,
    Aus dem Funken wurde die Glut.

    In Berlin flammt das Feuer auf,
    Menschen ziehen durch die Straßen.
    Vom Gebirge bis zur See hinauf
    Rebellieren zornige Massen.

    Man will ein besseres Leben,
    Die Einheit nach freien Wahlen.
    Man will sich neue Hoffnung geben
    Nach Weltkrieg und Hungerqualen.

    Dem Regime droht rasches Ende,
    Es tobte die Straßenschlacht.
    Die geholten Sowjetverbände
    Haben kurzen Prozess gemacht.

    Es sind Panzer aufgefahren,
    Sie schlugen den Aufstand nieder.
    Wir woll’n das Andenken bewahren,
    Uns erinnern immer wieder.

    Euer Kampf war nicht vergebens,
    Die Toten sind nicht vergessen.
    Wir erfreu’n uns freien Lebens,
    Ihr seid die Vorreiter gewesen.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

  • Rainer Kirmse , Altenburg

    BERLINER MAUER

    Das Regime in großer Not,
    Der Flüchtlingsstrom wächst täglich.
    Die Wirtschaft vom Kollaps bedroht,
    Pankow’s Politik scheitert kläglich.

    Der Kreml gibt Ulbricht grünes Licht,
    Armee und Kampfgruppen steh’n bereit.
    Moralische Bedenken gibt es nicht,
    Am 13. August ist es soweit.

    Am Brandenburger Tor aufmarschiert,
    In der Stadt Stellung bezogen;
    Werden Sperren positioniert,
    Wird das Bollwerk hochgezogen.

    Tief geschockt zeigt sich der Westen,
    Doch belässt man’s bei Protesten.
    Für Berlin riskiert man keinen Krieg,
    Die SED verbucht einen Sieg.

    Für die Partei ein klarer Fall:
    Antifaschistischer Schutzwall.
    Eiskalt hatten die Genossen
    Den letzten Fluchtweg geschlossen.

    Ein ganzes Land eingemauert,
    Viel zu lange hat’s gedauert;
    Viele Opfer zu beklagen,
    Es war nicht mehr zu ertragen.

    Die Ostdeutschen waren es leid,
    Zu groß ihr Drang nach Freiheit.
    Die friedliche Revolution
    Brachte ihnen ersehnten Lohn.
    Regime und Mauer endlich fallen,
    Zu Ende langer Trennung Qualen.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

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