Geld- versus Wirtschafts-System – Versuch einer Analyse – Toni’s O-Ton

Da zelebriert beinahe wöchentlich ein ganz kluger Mensch mit sehr klugen Worten, fein wie in Schönschrift gesetztem Buchdruck, die, seine Meinung, dass doch endlich ein „Demokratisches Geldsystem“ die Lösung aller unserer Probleme zu sein hat!
Dieses bringt er auf dem YouTube-Kanal eines ehemals Fernsehgewaltigen der, geschasst von einer Ostdeutschen Sendeanstalt, nun versucht mittels alarmierender Nachrichten seine „Schäfchen ins Trockene“ zu bringen.

Nun gut, könnte man sagen, derer Theorien wie eine Demokratisierung zu bewerkstelligen sei, gibt es schon von Anbeginn der kulturellen Spitzenleistung, den Handel vom bloßen Tausch auf den Geldverkehr zu konzentrieren, viele.
Viele kluge Köpfe hatten sich daran versucht, und sind daran gescheitert! Was anderes auch?
„Geld hat man zu haben!“, dieser juristische Grundsatz mag vom Ansatz her völlig zu akzeptieren sein, jedoch ist über Art und Umfang des Besitzes noch immer genüsslich zu streiten!

Was, nun ist das Problem?
Das einzige Problem scheint mir zu sein, dass angesichts der unerfüllten Träume und Wünsche die den Menschen plagen, die Restmenge an klimpernden Talern und buntbedruckten Scheinchen, die schiere Anzahl und damit natürlich Werthaltigkeit nicht ausreichend zu sein hat.
Geld ist aber nie nur weg, sozusagen „verbraucht“, sondern hat mit jedem Handel lediglich den Besitzer gewechselt! Also, das vormalige Vermögen hat nun ein noch Vermögenderer!

Was, nun, ist Geld eigentlich?

Steigt man herab aus dem Heute der weltweiten Globalisierung des Handels und Handelns, stößt man bei Betrachtung historischer Elemente einer beinahe unendlich in die Vergangenheit reichenden Verzwickung von Kauf und Verkauf und Anschaffung Lebensnotwendigens, sowie Verrechnung und Berechnung von Ertragreichem und einem selber zustehenden Zugewinn, sehr bald auf das all dieser Gedanken zugrundeliegende Generalproblem, dem Zins und Zinseszins!

Wie, also, kann aus Geld noch mehr Geld werden?

Geld wird „geschöpft“,so der obige ganz Kluge! Geld wird geschaffen aus dem Nichts, durch Verschuldung, so dieser auf Nachfrage! Schuld sei ein Versprechen, so die allgemeine Meinung der damit befassten Banken. Geld sei nur ein Tauschmittel, so die vorherrschende Meinung derer, die damit die Politik beeinflussen sollen, so der ganz Schlaue vom Anfang. Wobei er dem Geld, was ja nur Verschuldung zu sein hat, einen echten Wert zuschreiben möchte!

Schulden anderer also das Treibmittel von Einfluss, so wird man sich selber zu fragen haben?
Zumindest dann, wenn man dem „Wolff for Wallstreet“ glauben möchte!

Und doch ist es so! Geld wird aus Verschuldung erschaffen! Vorbei die Zeiten, als der Spargroschen noch das Rückgrat einer nur verwaltenden Geldwirtschaft, ausgeliehen, mittels Zinsen nicht nur an Wert, sogar noch an Macht zunehmen konnte! Dem geflissenlich Sparenden konnte es nur Recht sein! Hatte er doch durch den Verwahrenden zusätzlichen Gewinn auf dem Sparbuch zu verzeichnen.

Nur, wie geht es heute zu? Zins und Zinseszins, vergiss es! Ein Sparbuch voller „Notgroschen“ ist heute fast kaum noch das Papier wert, auf dem es gedruckt wird!
Girokonten, unbedingt erforderlich wenn man noch zu den Lebenden zählt, werden wohl bald mit noch mehr Kosten von den Bankiers geplündert, weil diese in Zeiten der Nullzins-Politik der Zentralbanken eh nur noch sehr bescheidene Gewinne machen können.

Ja es ist so, Banken schöpfen aus dem Nichts!

Nehmen wir es einmal an, dass ein Irgendwer, bislang nur Schuhmacher oder Schreiner, auf die glorreiche Idee kommt, eine Fabrik zu errichten damit sein Können auf ertragreichere Beinen stehen kann.
Nehmen wir weiter an, der Handwerker hat bislang sein Gewerbe recht ordentlich geführt. Für ihn Nachteiliges kommt nicht zusammen und seinem Streben nach Veränderung, da noch zu Erhoffendem, steht nur der Mangel an Barschaft also dem erforderlichen Kapital im Wege.
Was wäre dann zu tun?
Leihen, bloß von wem?

Der Weg zu den Verwandten will er sich ersparen, da wäre nicht wirklich was zu ergattern. Und wer will schon irgendwen anbetteln und sich so vor möglicherweise Freunden entblättern?
Wären Freunde und die Familie wirklich in der Lage, die benötigten 100.000 vorzustrecken? Nein, vermutlich reines Wunschdenken, da ja die Besagten keine Geldscheine schei… können!

Zwei Möglichkeiten bleiben ihm, eine so geheimnisvoll wie die andere!

Banken haben es dann wohl doch, so lautet eine mögliche Antwort auf die Geldschöpfungsfrage.
Diese können, allem Anschein nach, tatsächlich neues Geld einfach ausspucken!

Bloß, wie soll das gehen?
Dabei, die erste Frage nach Geld beinhaltet schon die Antwort!

Tritt der Handwerker bei seiner Bank vor, erläutert er sein Ansinnen, kommt eine ungeheure Maschine in Gang. Der Bankmensch prüft die Bonität, gibt also seinem Kreditinstitut gegenüber eine Einschätzung der Rückzahlung der 100.000 Scheinchen und schon könnte diese Summe dem Handwerker für den Betrieb zur Verfügung stehen. Geld entsteht also aus Verschuldung!

Nur, wenn dazu weder Erspartes oder unter dem Kopfkissen Verstecktes für den aufstrebenden Geschäftsmann herhalten muss, woher kommen denn dann die Pinunsen?
Da Sparen keinen Wert mehr an sich darstellt, die Leute mit den Sparbüchern ihr Geld lieber ausgeben, die Banken selber mittels Guthabenkonten an den Börsen spekulieren, Konsumkredite teils sehr billig verzinst sein müssen damit der Kunde zuschlägt, Hypothekenkredite zu Dumpingzinsen zu haben sind, muss da ein ganz anderer Ansatz zu denken sein.

Es ist lediglich die Schuld die das Kapital darstellt, welche erst bei der Bank die Deckung aller Kredite garantiert!

Die zweite Möglichkeit bliebe dem Mann, um seinen Wunsch nach Fabrikation Flügel zu verleihen. Er würde seinen Betrieb auf Aktien begründen!
Nun gut, bei lediglich 100.000 keine allzugute Idee. Dazu bräuchte es zumindest ersteinmal eigenes Gründerkapital, je mehr umso besser!
Und ein 100.000 Business würde für Aktieninteressierte keinen wirklich Anreiz darstellen, ihre Gewinnerwartungen also schon im Ansatz schreddern!

Nun, der Gute bekommt seinen Kredit und legt sofort los und nach einem halben Jahr steht seine Fabrik und er kann, was auch immer, fabrizieren!
Nun hat also die Verschuldung des Handwerkers, die sich zunächst nur durch ein Guthaben auf einem Kontoausdruck auszeichnete, sozusagen aus dem Nichts entstanden, eine leicht zu fassende Realität geschaffen. Eine Fabrik mit Maschinen und eine florierende Produktion gefragter Elemente.
Wie sieht es dagegen auf der Seite der Kreditgeber, also der Bank aus?

Tja, diese kann nur auf Rückzahlung hoffen, und zwar der 100.000 zuzüglich der Zinsen!
Diese, so nehmen wir mal an, wurden zwischen Bank und Handwerker mit jährlich 5 % vereinbart.
Zur Summe von 100.000 kommen zusätzliche 5.000 jährlich hinzu. Im ersten Jahr, wenn keinerlei Rückzahlung erfolgte, steht der Schuldensaldo also bei 105.000 zulasten des Kreditnehmers.
Da das Geld ja aus dem Nichts entstanden ist, lediglich ein Schuldversprechen dazu geführt hatte, ist die Bank schon nach 12 Monaten um geforderte 5.000 im Plus! Gutes Geschäft also doch wohl?
Ja, aber nur, wenn der nunmalige Fabrikant keine Pleite hinlegt!

Nein, unser Fabrikant kennt sein Fach und der Laden läuft gut. Sogar so gut, dass er die vertraglich vereinbarten Tilgungen monatlich abtragen kann und die zusätzlich erhobenen 5.000 an Zins. Wäre es nicht so, dann kämen wen wunderts, weitere 5% Zinseszins hinzu!
Sein Schuldenberg stiege so auf 100.000 plus 5.000 plus 25 insgesamt also 105.025! Er tat also sehr gut damit, pünktlich seine Verpflichtungen zu erfüllen, wobei anzumerken ist, dass alle Zahlungen von seiner Seite zunächst den anfallenden Zinsen zugerechnet wurden, von Seiten der Bank.

Was aber macht denn nun die Bank, wenn ihr Vermögen auf lauter Forderungen gegenüber Kreditnehmern beruht, während die Sparbücher ordentlicher Bürger keinerlei Rolle mehr zu spielen brauchen? Wir haben ja gerade festgestellt, dass Geld gar nicht mehr auf Guthaben fleißiger Sparer beruhen soll!
Tja, die Bank stellt Päckchen zusammen! Das heisst, im günstigsten Falle schlägt sie auf die Kredit-Forderung schon sofort die erst noch zu erwartenden Zinsen und Zinseszinsen von ihren Kreditnehmern zur Hälfte auf und verkauft sie an Andere!
Im ungünstigsten Falle verzichtet die Bank sogar noch auf die Zinsen und verkauft die Forderungen unisono zum Nominalwert, also der ursprünglichen Kreditsumme.

Unseren Fabrikanten soll das alles aber nicht jucken, er betreibt sein Business sehr erfolgreich!
Bis er dann allerdings einen Brief einer Bank bekommt, deren Namen er noch nie zuvor gehört hatte!

Zumindest war es immer so, sozusagen das Naturgesetz im Universum der Wirtschaft und dem damit verbundenen Geldumlauf, denn Geld ist nur der Antrieb und nicht etwa die ganze Maschine.

Geld als Treibmittel, wieso eigentlich nicht?

Aber was ist denn nun der „Negativ-Zins“, wenn geliehenes Geld bislang immer nur mit einem ordentlichen Zinsversprechen zu haben war, Geld also sprichwörtlich „Junge bekam“?

Wer sich Geld leiht muss Zinsen zahlen! Und nun soll es plötzlich negative Zinsen geben?
Ja, wie denn das?
Seit der Finanzkrise 2008 scheint sich die Welt auf den Kopf gestellt zu haben, denn wer sich daraufhin Geld geliehen hatte musste weniger zurückzahlen.

Das galt, mit wenigen Ausnahmen zunächst nur für Staatsanleihen mindestens noch etwas solventer Länder! Doch mittlerweile ist die Industrie darauf eingeschwenkt nicht unbedingt ihr Geld bei Banken, sondern mehrheitlich bei Investoren auszuleihen. Als Siemens Anleihen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro ausgab rissen sich die Großinvestoren um die Papiere, obwohl diese einen Verlust von 0,315 Prozent in zwei Jahren bedeuten. Ein Investor mit 100.000 Euro bekommt nach zwei Jahren nur noch 99.370 Euro zurück?
Ein Großer in der Branche der Investment-Industrie drückt es in wenigen Worten so aus:

„ Für viele institutionelle Anleger sind diese Papiere eine vernünftige Alternative zu anderen Anlagen die noch mehr Verlust bedeuten würden!“

Noch mehr Geld zu verlieren gäbe es zum Beispiel mit Staatsanleihen, so sein Standpunkt. Schuldscheine von Staaten sind noch mehr im Minus als die von Unternehmen. Anstelle nach gewinnbringenden Anlagen suchen Großinvestoren nun nach verlustarmen Investitionen. Selbst höchst fragliche Rückzahlungen scheinen die Anleger nicht mehr zu stören: Die Analysten von Bloomberg zählen bereits 14 solcher „Müllanleihen“ mit großem Risiko ein. Was ist da blos los?

Zombie-Unternehmen als Anlageobjekte werden also zur Zeit im Prinzip noch am Leben erhalten, obwohl einige scheinbar schon auf dem letzten Loch pfeiffen. Na gut, könnte man sagen, wenn ein Investment zu Null geschrieben werdenmuss, es aber immerhin noch ein, zwei Jahre Zinsen abwirft und man dann den Anteil noch knapp unter Wert verramschen könnte, würde womöglich doch noch eine Zahl im Plus herausspringen können. Da Müllanleihen immer noch besser verzinst als der Spargroschen auf dem Sparbuch dastehen, könnten sich die Investoren doch noch in Glückslaune verlieren.

Beispiel gefällig?

Der Unternehmer leiht sich also 100 auf fünf Jahre zu 5% Zinsen und gibt einen Schuldschein heraus. Doch weil viele Anleger diese gutverzinste Anleihe kaufen wollen, steigt der Preis für das Papier auf 130! Die Summe für fünf Jahre an Zinsen alleine ist aber niedriger als der Aufschlag von 30! Die Rendite ist also negativ!
Die Handelsplattform Tradeweb hat ermittelt, dass etwa 40 Prozent der Unternehmensanleihen mit guter Kreditbewertung ein Verlustgeschäft für die Inhaber bedeuten!

Was steckt denn nun dahinter?

Die Notenbanken der Welt senkten infolge der Finanzkrise ihr Leitzinsen. Zu diesen können sich Banken Geld leihen. Gedacht war, dass die Gelder als Darlehn in die Unternehmen fließen, diese damit kräftig investieren und so den Wohlstand mehren würden.
Da die Banken nach Meinung der Notenbanken hier gemauert haben, nicht genügend Kredite vergaben,wurden sie mit Kosten belastet wenn sie ihre Gelder lieber dort parken. Zu einem gewissen Anteil sind Banken dazu verpflichtet.
Die EZB hatte vor ein paar Wochen den „Strafzins“ von 0,4 auf 0,5 Prozent noch einmal erhöht! Obwohl Kleinsparer noch nicht damit belastet werden, geben die Geschäftsbanken diese Kosten ungeniert an ihre Kunden weiter.
Sind denn nun die Notenbanken alleine an dieser ausufernden, bösen Situation die Schuldigen?

Einige Ökonomen sind davon überzeugt, dass strukturell veränderte Lebensumstände der Bevölkerungen an dieser Niedrigzinspolitik einige Mitschuld tragen.
„Höhere Lebenserwartung und Verunsicherung in Hinsicht auf Rentenzahlungen führen zu höheren Sparguthaben, – Notgroschen- also! Neue Technologien benötigen weniger Kapital und reduzieren hierdurch die Nachfrage nach Investitionen.“ so der Chefökonom der Allianztochter Pimco, Joachim Fels.
Früher brauchten die Menschen Anreize um bei geringerer Lebenserwartung ihr Geld anstatt es auszugeben, auf dem Sparbuch zu parken. Hierdurch waren höhere Zinsen zu erwarten und das Sparen schien sich eher zu lohnen.
Die zunehmende Digitalisierung kann ebenso zum Zinsschwund beitragen!
„Ganze Wertschöpfungsketten fallen dadurch weg.“, so Christian Hantel vom Schweizer Haus Vontobel. Als Beispiel nennt er die Fotobranche, die heute durch das Smartphone beinahe vollkommen ersetzt wurde.
Sind damit die Notenbanken völlig aussen vor? Viele Ökonomen geben tatsächlich deren Geld- und Zinzpolitik die größte Schuld, wie John Greenwod vom Fondsanbieter Invesco vermutet. „Negativzinsen“, so sein Vorwurf, „sollen die Banken dazu bringen mehr zu verleihen“ und somit Wachstum und Konsum zu fördern, und damit Wohlstand zu schaffen. Doch das passiert nicht! Stattdessen führt der Druck auf die Banken dazu, ihre Kosten durch schwindende Zinsen bei ihren Kunden zu realisieren. Anstelle ihre Kreditvergabe zu befördern würden Banken eher bei Krediten einfach mauern. Das, aber wollten die Notenbanker unbedingt verhindern.

James Bianco, seit 30 Jahren Anleihehändler in Chicaco, bringt es auf den Punkt, wenn er behauptet, dass „unser Finanzsystem mit negativen Zinsen nicht funktionieren kann, denn,nicht nur Pensionskassen und Versicherungen brauchen gesunde Renditen aus nachhaltig festverzinslichen Anlagen, sonst könnten die Versorgungsansprüche von Rentnern und Verpflichtungen gegenüber Versicherten nicht mehr erfüllt werden. Weiterhin werden Bewertungsformeln als grundlegende Werkzeuge für Wertpapiere bald nicht mehr wirksam sein.“

Zuzeit, bei aller Panik im Gebälk, hoffen die Bankhäuser noch, dass der Negativzins nur ein vorübergehender Knick in der Fasade bedeutet, und sich zumindest die US-Notanbank an das Urgesetz der Ökonomie hält, das da lautet: „ Geld, Geld und nochmal Geld, auch wenn zurzeit viel zuviel davon im Umlauf ist!“

Geschätzt beträgt die weltweite Geldmenge nicht weniger als das 16fache ihres tatsächlich, realen Wertes!
Aktienkurse, Staatsanleihen, Hausbau-Hypotheken, Konsumenten-Kredite, Renten und Versicherungen, Wertschöpfungs-Fantasien, Gesundheitsfürsorgen usw. in Relation zu ganz realen Investments in Form von Begreifbarem gesetzt!
In Dollar, Euro, Yen und Rembimbi usw. könnten wir also weitere 15 Erden mit unserem Geld beglücken.
Und trotzdem ist die Hälfte der Menschheit in so großer Not, dass nicht wenige davon ihre Heimatländer verlassen, nur um ein menschliches Leben führen zu können.

© chefschlumpf im Jänner 2020

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