Nachrichten aus der Provinz – Toni’s O-Ton

Nachrichten aus der Provinz!

Kratzen im Hals montags,stärkeres Kratzen im Hals dienstags, um Mitternacht Schmerzen und erster Verdacht: Mandelentzündung!

Mittwochfrüh zum Arzt nach Anruf dorthin selbst. Frage der Praxiskraft im Vorhinein: „Fieber, Knochenziehen, Husten usw.“? Nein, ich flüstere „Ich kann nicht essen, nicht trinken, habe ungeheure Schmerzen beim Schlucken!“

Darauf sie: „halten sie bitte Abstand, einen Meterfünfzig zu den Anderen!“ Ich nicke freundlichst.

Dann der Arzt, nach halbstündigem Warten: “ Ganz klar, vereiterte Mandeln ich verschreibe Ihnen Peninzilin, die Sie bis zum Ende der Packung aufbrauchen müssen, wegen Multiresisdenz!“

Ich nicke begeistert, wobei ich mir den Satz nicht ersparen kann: „Und ich hatte schon so gehofft, der erste Coronafall in der Geschichte unseres Provinzstädtchens zu sein!“

Der Arzt zieht ein verknittertes Gesicht: „Zu spät, mein Lieber, heute früh bei einem Kollegen war es eine Bewohnerin des Altenheimes das er regelmäßig besuchen muss! Und nun ist seine Praxis dicht!“

Packungsende, endlich auch beschwerdefrei.

Freitagmorgen, Schwindel beim Aufstehen. Blutdruck ist o.k. Tagsüber Schwindelatacken ohne Würgereiz.
Samstagsfrüh, Kreiseltendenz wie beim Brummkreiseln in frühen Lebensjahren. Zu erwartender Kotzreiz bleibt aus.
Ob die auf der Titanic wohl Schwindel fühlten oder auf der Hindenburg in Lakehurst, wie komme ich nur auf solchen Schei…?

Sontagsmittag, den Morgen schenkte ich mir, das Gefühl das ich beim Fallschirmspringen in der Achter-Relativ-Gruppe zu Anfang zu oft noch verspürte: „Holla, die Welt, sie dreht sich doch!“ Obwohl ich es immer war, der sich um sich selber drehte!

Fersehen, Computern oder mit dem Hund raus, ich glaube es mir mit dem Huski da schon verdorben zu haben, ging gar nicht mehr, also musste der Sohn daran glauben, da der Huski meinen Garten schon immer zum kack… verschmäht hatte.

Montags darauf, erneuter Gang zum Arzt. Sohn übernahm die Beförderung. Die Wirksamkeit der vorherigen Schutzmaßnahmen schien nicht wirklich überzeugend gewesen zu sein. Gähnende Leere in der Praxis!

„Wie lange schon? Warum nicht sofort ins Krankenhaus? Bei Verdacht auf Gehirnschlag zählt jede Minute!“

Was? Schlaganfall? Wer? Ich?

„Jede Sekunde, ich weise Sie sofort ein!“

Sohn wird aus dem Auto hereingerufen.

In der Klink, mit Flatterband abgeteilte Trampelpfade in die verschiedenen Fachbereiche, strenger Blick mit noch gestrengerer Fragestellung: „ Wo möchten Sie hin?“

„In die Notaufnahme?“, wage ich mich zu fragen.
„Ja aber nur Sie, der junge Mann muss draussen bleiben, ja?“

Sohn verabschiedet sich, während ich von lieben Händen in einem Rollstuhl gen ZNA kutschiert werde. Selbstredend sind hier alle mit Masken vor der grassierenden Schwindsucht oder wie hieß dieser „Vogelschiss“ in der Eintausendjährigen Geschichte der Virologie noch einmal, Convid 19 verkleidet?

Dann, dicht Vermummte begutachten mich aus der Sprecherkabine der Notaufnahme-Besatzung, ist Warten angesagt!

„Jede Sekunde, ich weise Sie sofort ein!“

Wie war das noch, Herr Doktor? Hier wohl noch nicht allzubekannt, so ist zu befürchten!

Dann, sehr Freundliche, von der Herkunft wohl Polin, reicht mir ihre von Handschuhen gerade noch befreite Hand,
„Wie geht es Ihnen jetzt?“

„ Ich weiss nicht so recht!“ Ja, stimmt, ich weiss wirklich nicht so recht!

Ich schaue nur verdattert auf ihren unbehandschuhten Zeigefinger dem ich ohne den Kopf zu drehen, mit den Augen zu verfolgen habe.
Und ich habe sehr ausgiebig verfolgt. Er war mir nicht aussi gekommen.

Einige Verführungskünste mit Kopfschütteln, Seitwärtskippen und so, Blutabnahme fürs Labor mit Riesen-Bluterguss am Oberarm, später dann die Nachricht:

„Wir müssten, können aber nicht da das Gerät streikt, ein CT machen um einen Schlag vollends ausschließen zu können!“

Ungläubiges Erstaunen meinerseits.

„ Sie können ja mal morgen Früh hier anrufen und fragen ob das CT wieder fluppt!“

„Morgen, sagen Sie! Und was geschieht heute mit mir?“

„Jede Sekunde, ich weise Sie sofort ein!“

Wie, Herr Doktor, jede Sekunde, nicht Minute, Stunde, Tag, Woche, gar der Monat zählt?

„Ja, ist kein Problem! Sie müssen sich nur schonen, viel trinken, Ruhe bewahren und dann müssten Sie ein Paar Tage hier bei uns in der Klinik bleiben damit wir alle Gefahren ausschließen können.“

Ja, ich versprach, am nächsten Morgen anzurufen.

Unruhige Nacht, dann Anruf in der Klinik.

„Sie hatten doch abgelehnt bei uns aufgenommen zu werden!“

Hatte ich nicht! Es war die Ärztin, die mich nach Hause schickte, versuche ich zu erklären.

„Davon steht hier nichts, Sie müssen sich irren!“

Ich mag zwar irre oder wirr im Kopf sein, allerdings kann das nicht meinen immer noch starken Schwindel in Demselbigen erklären, fühle ich mich gemüßigt der ungläubigen Schwester am Telefon zu vermitteln.

Später, wieder in der ZNA, diesmal muss wohl der Maskenmangel in der Versorgungsindustrie für Krankenhäuser zugeschlagen haben, erst wieder die Notaufnahme-Prozedre wobei keinerlei Verkleidete, bis auf zwei maskierte Polizisten, zu sehen sind.
Polizisten? Maskiert mit Schutzmasken für Klinikpersonal?

Dann, diesmal ein Asistenz-Arzt aus Spanien, verfolge ich wiederum einen Zeigefinger mit meinen Augen.

„CT ist wieder o.k.?“

„Ja, Sie bleiben hier, zwei, drei Tage müssen Sie hier bleiben.“

„Und, wie lautet Ihr Befund?“, drängt es mich ihn zu fragen.

„Ich kann noch nichts ausschließen, wie gesagt, das CT ist ersteinmal abzuwrten.“

„Jede Sekunde, ich weise Sie sofort ein!“

„Und wann wird was gemacht?“

„Morgen vielleicht?“

Die Tage vergingen, so dass ich mich beinahe schon an das Kantinenessen gewöhnen konnte. Mein Bettnachbar verklickerte mir sehr eindringlich, was bei einem zu spät erkannten und nicht sofort behandelten Schlaganfall mit dem Patienten alles schief laufen kann.

„Jede Sekunde, ich weise Sie sofort ein!“

Ja dann, mach es gut, mein Freund aus Algerien! Ja, er hatte es mir noch erzählt bevor er die Biege machte, dass er selber aus Algerien stammend mit seiner deutschen Frau drei Töchter hätte.

Auf einmal war es nachts in meinem Zimmer sehr ruhig geworden.

„Jede Sekunde, ich weise Sie sofort ein!“

Und wenn nicht, Herr Doktor, zählt dann eventuell nur der Glaube?

Nach der Woche in Klinischer Wohlfahrt wurde mir von der Oberärztin der Zusammenhang von Innenohr und gereizter Nervenbahnen und deren Einfluss auf das Gleichgewichtsorgan sehr ausführlich erklärt. Und, dass hier mittels Cortison schon eine sehr schnelle Besserung zu erreichen wäre, wobei sie selber aber erst einmal davon abrate.

Ach ja, die Oberärztin sagte noch, „dass hier Alle noch auf den Ansturm der Corona-Infizierten warten würden“, damit ist zu erklären, dass sowenige Patienten zurzeit aufgenommen würden!

„Jede Sekunde, ich weise Sie sofort ein!“

Ist das Ihr Ernst, Herr Doktor?

(o) chefschlumpf 2020

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