Lang lebe die Deutschland-GmbH? – Frankie Millers Einsichten

„Ja, Napoleon war es, der dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation den Gnadenstoß verpasste! Wirklich?“
Der Herr Editor, wichtig blickend, zeigte mit dem Finger auf mich. Mir schwahnte Böses!
„Miller, wie wärs mit ner kleinen Abhandlung für die Wochenendausgabe? Muss ja nicht gleich ne Doktorarbeit werden. Nur irgendwas, was den Reichsbürgern um uns herum den Stecker zieht, sie nicht mehr weiter ihren Unsinn verbreiten lässt!“

Da war er wieder, der diktatorische Beißreflex unseres Editors, dem Garanten erheblicher Übertreibungen in der montäglichen Redaktionssitzung.
Napoleon? Ja, doch, mir lag dieser kleine Kerl mit dem großen Ego schon seit meiner Schulzeit am Herzen. Darauf, auf dieser Liebe könnte etwas handfestes aufgebaut werden.

„Napoleon im Dunstkreis der Römer, wenn auch nur der Germanen die sich derer Glorie zur Europäischen Großmacht zu nutze machten? So, in etwa?“
„Klar erfasst, Miller, ich wusste ja, Sie sind der Mann fürs Römische, der Kenner der Materie!“

Ich gestehe, mein Vorgesetzter wurde mir auf einmal direkt ein klein wenig symphatischer, ein Gefühl das mir aber auch nicht wenig Angst machte!
Was aber den kleinen Korsen anging war meine Symphatie doch von ganz anderer Gestalt.

Später, auf meinem Redakteurschemel in unserer gemeinsamen Unterkunft der Schreibknechte, inmitten sich geistig Verlierender, versuchte ich den Massen an mühsam Zusammengesuchten einfach nur Herr zu werden.

Was war nochmal des Herren Editor Anliegen gewesen? Napoleon und die Gemeinschaft Deutscher Stämme im unwirtlichen Germanien seit Kaiser Karl dem Großen?
Und die Rebellion der Franzosen hatte dann diese elegante Verbindung einfach zu zerkrümeln gewusst?
Ja, da würde es doch der Blicke mehrerer bedürfen um das wirklich Epochale herauszukramen.

Reichsbürger? Dieser vetrottelte Haufen von vom Gestern Schwärmenden hatte es mir schon früher beruflich sehr angetan.
Das Deutsche Reich sollte, so diese krude Gesellschaft, nicht mit Hitlers Selbstmord geendet haben?
War es nicht eher Willhelm Zwo der Deutschlands Kaiserreich in Schutt und Asche legte, und nicht der „Führer“?
Aber, es stimmt wohl, es gab derer zwei Reiche und erst das zweite hatte einen oder den Kaiser gezeugt! Aber das auch nur, wenn man sich die Gebiete dieser beiden Reiche einer gewissenhaften Betrachtung zuführte.

Also, schnell nocheinmal den ollen Dierke herausgeholt und dann mit Recherchemitteln sezieren was die Deutschen mit ihrer Hinwendung an das kleine Kerlchen aus Korsika damals anrichteten. Wobei natürlich nur der gemeine Pöbel gemeint sein kann!

Wie kam der Herre Dokter gerade jetzt auf die Französische Revolution und derer Auswirkungen auf uns?
Diese Demos in Zeiten der Pandemie könnten da schon eine gewisse Rolle spielen. Nur, wie waren diese Reichsbürger damit passend zu machen?
Na, schaun wir mal!

1990 wurde eine, oder die „Deutsche Frage“, im Grunde ein Jahrhundertproblem, zur allgemeinen Zufriedenheit gelöst.
Jedenfalls wenn man den Sonntagsrednern zur Wiedervereinigung am 3. Oktober Glauben schenken will. Nun gut, es wuchs zusammen was 40 Jahre nicht zusammenpassen konnte.
Zwei Probleme sollten damit ad Akta gelegt sein, wenn auch der Kanzler Willy Brandt schon Anfang der Siebziger mit der Annäherung der Bundesrepublik an Polen den gewichtigen Grundstein zur beiderseitigen Anerkennung der sie trennenden Grenzen legte.

1806 wurde das Heilige Römische Reich aufgelöst und die Deutschen Gebietskörperschaften der Neuen Weltordnung Napoleonischen Zuschnittes geopfert.
Der Wiener Kongress legte dann 1814/15 seine Hände um Polen und dessen Abgrenzungen zu den bisherigen Gebiets- und Grenzverhältnissen.
Denn die Deutsche Frage war immer eine von Verhältnis zu Einheit und Freiheit und das Gleichgewicht der europäischen Sicherheit.

Auf dieses gab der 3. Oktober 1990 eine gewissenhafte Antwort. Mit der völkerrechtlich verbindlichen Anerkennung der polnischen Westgrenze an Oder und Neiße waren die Verhältnisse geklärt und Deutschland würde gegen keinen europäischen Staat irgendwie geartete Gebietsansprüche geltend machen.
Die Deutschen waren verpflichtet ihre Territoriengrenzen innerhalb der ehemaligen vier Besatzungszonen der Weltkriegsieger zu belassen.
Ganz Deutschland bildete nun einen demokratisch verfassten Rechtsstaat.
Zudem war ganz Deutschland nun Mitglied des Nordatlantischen Verteidigungs Bündnisses, der NATO!

Wiedervereinigt konnte Deutschland nur werden, weil es schon einmal im von Bismark geschaffenen Deutschen Reich geeint war.
Zwischen 1804 und 1871 hatten drei Kriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich letztendlich knallharte Bedingungen geschaffen.

Die ursprüngliche Idee ein Großreich mit der Habsburger Monarchie im Gepäck war schon nach den Unruhen von 1848, die der ernste Versuch einer Revolution von unten waren, musste dann der Regelung von 1871 geopfert werden.
Was nun folgte war dann eine Revolution von oben.

Einer Forderung der „48er“, der nach Freiheit, wurde dabei nur eingeschränkt entsprochen. Zwar galt nun das Allgemeine Wahlrecht für männliche Deutsche ab dem 25. Lebensjahr für den Reichstag in Berlin.
Der Kanzler wurde aber immer noch vom Kaiser bestimmt und ernannt, der in Personalunion der König von Preußen war.
Militär und Regierung wurden noch nicht einmal parlamentarischer Gewalt unterstellt.
Und dennoch zeigte sich da schon der Deutsche Nationalstaat am Horizont, in seiner nicht mal so sehr totalitären Ausprägung.

Ein mehr an Rechten hatten sich Preußen und das Königreich Bayern an der Spitze der anderen Fürstentümer entgegen gestellt. Keine Regierung sollte dem Reichstag verantwortlich gemacht werden. Denn die Einzelstaaten waren streng monarchisch verfasst.

Der Übergang zur parlamentarischen Monarchie folgte dann im Oktober 1918 infolge der militärischen Niederlage im ersten Weltkrieg.
Die demokratischen Siegermächte USA, Großbritannien und Frankreich machten den deutschen Militarismus nicht ganz ohne Grund zum Schuldigen.
Die Teilstreitkräfte, geführt von der Seekriegsleitung wollten sich „dem Diktat von Versaille“ nicht beugen und blockierte damit die friedenswillige Reichsregierung von Anfang an.
1919 meuterten dann die Matrosen und die Flotte war dann nicht mehr einzusetzen.
Hierauf folgte nun die erfolgreiche Revolution von unten und daraus bildete sich die erste deutsche Demokratie.
Mit der Einführung des Frauenwahlrechts setzte sich der deutsche Demokratieprozess fort.

Die dann „Weimarer Republik“ entstand durch den Druck der rechten schwarzweißroten Demokratiegegner, zuförderst der Nationalsozialisten unter Hitler, den Deutschnationalen und dem paramilitärischen Stahlhelm!
Diese Kreise sahen in der Deutschen Kapitulation einen Kotau der Regierenden vor den Siegern! Ein undeutsches Dilemma, das zu überwinden sei.

In der Weltwirtschaftskrise 1929 zeigte sich dann das ganze Dilemma der noch nicht erwachsenen Republik.
Und das brachte den Rechten die nötigen Stimmen zur Durchsetzung ihrer nationalistischen Vorstellungen von einem deutschen Reich mit strengen Hirarchien ähnlich dem vergangenen Kaiserreich.

Die Schwarzrotgoldene Weimarer Republik musste wohl so scheitern wie sie voreilig in Berlin erst ausgerufen worden war.

Was folgte war der Sieg nationaler Kreise unter Führung der Nationalsozialisten und da Adolf Hitler.

Es brauchte dann nur noch die Erfahrungen aus dem zweiten verhehrenden Weltkrieg, der dann sozusagen die Grundlage für eine Bsinnung, weg vom nationalen Gedankengutes bilden konnte.

Dem totalen Zusammenbruch Deutschlands wurde dann auch noch eine Teilung des Restteritoriums zuteil, aus dem zwei Deutsche Staaten aufgrund des Wesens der Besatzungsmächte entstanden.

Dass Deutschland dann tatsächlich die Teilung in zwei Gebiete und Staaten nicht in absehbarer Zeit, wenn überhaupt, überwinden konnte, daran konnte keinerlei Zweifel bestehen.
Und doch, nach gerade mal 40 Jahren war es soweit!
Wuchs dann zusammen was zusammen gehörte?

Politiker aller farblicher Schattierungen hatten daran keinerlei Zweifel.
Nur, in der Bevölkerung, und da bei den Jungen, mit der „Gnade der späten Geburt“ versehenen hatten sich zwei Deutschlands im Gedächtnis festgebrannt.
„Wir sind das Volk“ laut gerufen, ließ doch noch gewaltig daran zweifeln.

Waren es scheinbar die Freiheits-Romantiker im Osten der nun gebildeten Gemeinschaft, die sich zu dem Einen bekennen wollten, stießen sie im Westen eher auf Ablehnung.
Wohl wissend, dass in erster Linie Gorbatschows Goodwill ihnen die Freiheit gab, mussten die „Ossis“ sich nun eingestehen, dass wirtschaftliche Zwänge in Wirklichkeit den Eisernen Zaun zum Einsturz brachen.
Der Osten, und nicht nur der deutsche, war gelinde gesagt einfach nur pleite!
Da es kaum noch Strom gab brauchte sich auch niemand mehr um die Beleuchtung im vormaligen Schattenreich sorgen.

Und nun, die „Reichsbürger“ mit ihrer „Merkel-Diktatur“ und der Sehnsucht nach des Kaisers Bart auf dem Tron?

Und warum eigentlich „Deutschland-GmbH“? Was hat es damit auf sich?

Ja, es gibt sie, diese Deutschland-GmbH, wenn auch nur in juristischer Form und weit davon entfernt innerhalb der Völkergemeinschaft auch nur irgendwie anerkannt zu sein!

Da der Deutsche Bundestag im Berliner Reichstagsgebäude eine Kantine betreibt, und Geschäftsbetriebe nunmal eine juristisch einwandfreie Ordnung auch in wirtschaftlicher Hinsicht benötigen, und dazu auch der Außenhandel und im Speziellen das „Schuldenmachen“ eines Staates, gibt es diese Deutschland-GmbH!

Und genau diese scheinbar ins Beuteschema der Reichsbürger passende GmbH ist zwingend notwendig wenn es um bestimmte Aufgaben geht!

Offiziell ist es die „Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur“ mit Sitz in Frankfurt und dem Finanzministerium in Berlin unterstellt! Derer Aufgaben sind vielfältig.

„Hierzu zählen insbesondere Dienstleistungen bei der Emission von Bundeswertpapieren, der
Kreditaufnahme mittels Schuldschein, dem Abschluss derivativer Geschäfte, Geldmarktgeschäften (Aufnahme und Anlage) zum Ausgleich des Kontos der Bundesrepublik Deutschland bei der Deutschen Bundesbank, bei der Verwaltung der Schulden und Finanzierungsinstrumente des Bundes und seiner Sondervermögen sowie bei der Führung des Bundesschuldbuches.“

Na ja, Herr Dokter, beim Nachdenken kommt man oft auf Unerforschtes und dazu zählt ja wohl auch der böse Gedanke: „Es könnte ja auch ganz anders abgelaufen sein, und wenn, wie wohl?“

Deutschland noch heute unter Kaisers oder Nazis, niemandem den Krieg erklärt, keine Massenmorde verantwortet, nicht die Nachbarn überfallen oder auch denen nur angedroht?
Was wäre das für ein Staat, von dem Maas bis an die Memel?

Nein, eine Deutschland-GmbH bestimmt nicht! Wenigstens nicht als völkerrechtlich anerkanntes Konstrukt.
Aber eines dürfte klar sein, auch kein solch international geschätztes freiheitlich verfasstes Gebilde wie die überall sehr geschätzte „Bundesrepublik Deutschland“ ohne Haftungssausschluss!

© chefschlumpf im Jahre 30 nach der Kopulation der beiden Deutschlands zum Zwecke der Vereinigung

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