{"id":1004,"date":"2010-01-18T20:14:27","date_gmt":"2010-01-18T19:14:27","guid":{"rendered":"http:\/\/bohnenzeitung.com\/wp\/?p=1004"},"modified":"2010-01-18T20:14:49","modified_gmt":"2010-01-18T19:14:49","slug":"der-letzte-winter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/der-letzte-winter\/","title":{"rendered":"Der letzte Winter"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nun, die Geschichte ereignete sich im Winter, ich bin also etwas sp\u00e4t dran damit, aber vielleicht bringt sie ja daf\u00fcr etwas Abk\u00fchlung in unsere schwitzenden, wom\u00f6glich erhitzten Gem\u00fcter!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wahrscheinlich jeder best\u00e4tigen kann, auch wenn es regional Unterschiede geben kann, war der letzte Winter besonders streng, sprich lang, kalt und schneereich. Alleine in meinem gro\u00dfen Garten ist so manche Pflanze eingegangen, die bis jetzt noch jedem Winter getrotzt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2 x hintereinander hatte es bei uns sehr stark geschneit. Mein \u00e4lterer Sohn, der so gerne Schnee schaufelt, hat sich alleine bei der ganzen Arbeit \u2013 wir haben eine sehr gro\u00dfe Zufahrt &#8211; nicht mal mehr rausgesehen, weil es \u00fcber Nacht so etwa 40 cm Neuschnee gegeben hatte. Au\u00dferdem r\u00e4umen wir gew\u00f6hnlich auch die Terrasse, den Weg ums Haus und die 2 Wege zur Gartenh\u00fctte, die Terrasse der Gartenh\u00fctte, und einen etwa 50 &#8211; 100 cm breiten Weg auf der Stra\u00dfe neben unserem Grund, was eigentlich f\u00fcr Anrainer verpflichtend ist, auch wenn es kaum gemacht wird. In dieser Extremsituation konnten wir ohnehin nicht alles auf einmal schaffen und nahmen uns die Freiheit, Unwichtigeres zu vernachl\u00e4ssigen. Dazu mussten wir die empfindlichsten Str\u00e4ucher abklopfen, damit sie nicht unter der Schneelast brechen. Das erledigte ich auch bei meiner Nachbarin, weil sie in ihrem Zweitwohnsitz war, und da dort schon l\u00e4nger nicht ger\u00e4umt worden war, stapfte ich bis weit \u00fcber die Knie im Schnee.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den schlimmsten Gebieten, wo die D\u00e4cher abger\u00e4umt werden mussten oder einst\u00fcrzten, z\u00e4hlten wir Gott sei Dank nicht. Und gleich vorweg, auch bei der Schneeschmelze, gab es kein extremes Hochwasser bei uns. Aber trotzdem sollte uns eine pers\u00f6nliche kleinere Katastrophe nicht erspart bleiben. Mein Sohn und ich taten also den ganzen Tag wenig anderes als Schneeschaufeln, zumal es auch kaum aufh\u00f6ren wollte zu schneien. Erst als mein Mann \u2013 selbst von Berufs wegen in einer anderen Gemeinde unterwegs im Winterdienst \u2013 witterungsbedingt sehr sp\u00e4t von der Arbeit nach Hause fuhr, traf ihn fast der Schlag, als er unser Grundst\u00fcck passierte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Offenbar hatte der Schneepflug \u2013 ein neuer Fahrer war k\u00fcrzlich bei unserer Gemeinde in Dienst getreten &#8211; den ganzen Schnee aus der Seitenstra\u00dfe uns gegen\u00fcber gerade \u00fcber die Hauptstra\u00dfe dr\u00fcber und mitten auf unsere fast 3 Meter hohe Ahorn-Hecke geschoben hatte! Die Hecke lag dadurch auf einer Strecke von etwa 8 Metern fast bis ganz waagrecht am Boden, bis zu 2 Meter hoch mit schweren gepressten Schneemassen bedeckt! Jeder, der selbst einen Garten hat und wei\u00df, wie lange und intensiv man seine Pflanzen hegen und pflegen muss, bis sie eine so stattliche H\u00f6he erreichen, kann nachvollziehen, wie man sich hier f\u00fchlt: Sein jahrelang hochgep\u00e4ppeltes Werk zerst\u00f6rt, von einem, dem die Schneebeseitigung \u00fcber fremdes Eigentum geht \u2013 oder der gar blind durch die Stra\u00dfen f\u00e4hrt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So rief mein Mann sofort den Gemeindesekret\u00e4r privat an und beschwerte sich dar\u00fcber. Dieser meinte mal gleich, er wisse gar nicht, ob es wirklich die Gemeinde war, da man sie ja nicht auf frischer Tat \u201aerwischt\u2019 hatte, aber er versprach sich darum zu k\u00fcmmern. Doch was erwartete uns am n\u00e4chsten Morgen? Neben den 8 Metern liegender Hecke war ein neuer Streifen mit 4 Metern der Hecke mit Schneemassen umgedr\u00fcckt worden, also lagen jetzt insgesamt 12 Meter sprich 36 Str\u00e4ucher flach am Boden, mit Tonnen von Schnee bedeckt! Wir h\u00e4tten vor Wut fast zerplatzen k\u00f6nnen! Und wozu der Anruf, und das Versprechen, man werde sich darum k\u00fcmmern, wenn dann der Schaden noch vergr\u00f6\u00dfert wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlie\u00dflich rief ich auf dem Gemeindeamt an. Dort wusste man gar nichts, der Gemeindesekret\u00e4r w\u00e4re ja gar nicht im Haus, sondern im Krankenstand! Ich bat darum, die Str\u00e4ucher ausgraben zu lassen, um noch zu retten, was zu retten ist. Da nichts geschah, rief mein Mann am Nachmittag noch einmal an. Und schlie\u00dflich wurde uns best\u00e4tigt, dass wie vermutet der neue Bauhofarbeiter, den Schaden angerichtet hatte. In der Dunkelheit hatte er angeblich die Hecke nicht gesehen! Er f\u00e4hrt ja nur 4 x am Tag vorbei, seine berufsbedingten Fahrten im Gemeindegebiet noch nicht gerechnet, und abgesehen von der Stra\u00dfenbeleuchtung dort, und der Beleuchtung, die der Schneepflug haben muss&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausgraben w\u00fcrde man die Str\u00e4ucher sicher nicht, denn kaputt ist kaputt, wie es hie\u00df, da wird nichts mehr anders. Wir sollten uns im Fr\u00fchling melden, dann wird das Ganze schon wieder in Ordnung gebracht werden! Ignoranz, die ich nicht zum ersten Mal dort erleben durfte. Schlie\u00dflich redete mein Mann noch mit dem B\u00fcrgermeister, der ihm versprach, sich im Fr\u00fchling verl\u00e4sslich und selbst\u00e4ndig darum zu k\u00fcmmern. Das waren ja sch\u00f6ne Aussichten! Meinem Mann lie\u00df die Sache doch keine Ruhe, zumal es auch nicht tauen wollte und immer wieder nachschneite. Trotz Kreuzschmerzen grub er \u00fcber 2 Stunden lang, bis die Hecke wieder halbwegs frei war. W\u00e4hrend dieser Zeit fuhr zuf\u00e4llig der B\u00fcrgermeister mit dem Arbeiter, der das angerichtet hatte, im Auto vorbei, blieb aber nicht einmal stehen, um sich die Sache anzusehen, vielleicht zu entschuldigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlie\u00dflich stellten sich aber die meisten Str\u00e4ucher, weil sie zum Gl\u00fcck so elastisch sind, nach dem Ausgraben wieder auf. Daf\u00fcr h\u00e4tte ich sicher nicht garantiert, wenn die Tonnen Schnee erst nach etlichen Wochen geschmolzen w\u00e4ren. Meine sofortige Vermutung, dass die betroffenen Str\u00e4ucher sowieso austreiben, weil sie ja im Saft stehen und das im Fr\u00fchling noch nichts sagt, hat sich best\u00e4tigt. Mittlerweile k\u00f6nnte man durch den dichten starken Wuchs kaum mehr die Stelle ausmachen, wo sich das Ungl\u00fcck zugetragen hatte. Aber gemeldet hat sich auch keiner mehr vom Gemeindeamt, um mal nachzufragen, wie es den Str\u00e4uchern geht. Darauf h\u00e4tte ich auch vorher schon gewettet. Einzig nach etlichen Wochen, nachdem ich den betreffenden Gemeindearbeiter fast t\u00e4glich im Kindergarten traf, erwischte er mich einmal alleine und entschuldigte sich wenigstens, mit den Worten, es w\u00e4re noch kein Meister vom Himmel gefallen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df nicht, wie es Ihnen geht, aber mir ist bei dieser Geschichte richtig kalt geworden!<\/p>\n<p>\u00a9 Sarkastika<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun, die Geschichte ereignete sich im Winter, ich bin also etwas sp&auml;t dran damit, aber vielleicht bringt sie ja daf&uuml;r &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Der letzte Winter\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/der-letzte-winter\/#more-1004\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Der letzte Winter\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[],"class_list":["post-1004","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-alltagssorgen","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1004","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1004"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1004\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1004"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1004"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1004"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}