{"id":11681,"date":"2012-03-20T15:30:35","date_gmt":"2012-03-20T14:30:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/?p=11681"},"modified":"2018-09-29T10:01:35","modified_gmt":"2018-09-29T08:01:35","slug":"die-branche-krieselt-schlumpfenland-ist-uberall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/die-branche-krieselt-schlumpfenland-ist-uberall\/","title":{"rendered":"Die Branche krieselt &#8211; Schlumpfenland ist \u00fcberall"},"content":{"rendered":"<p>\u201eKriselt die Branche?\u201c<br \/>\nDer Verlagsleiter schaute mich ungl\u00e4ubig an.<br \/>\nWir kannten uns nun schon etwa 12 Jahre und jedes Mal tauschten wir uns seither anl\u00e4sslich der Fr\u00fchj\u00e4hrlichen Messe in Leipzig, \u00fcber die Aktivit\u00e4ten der hier versammelten B\u00fcchermacher aus.<br \/>\nDoch nun konnte er \u00fcber meinen Gru\u00df nicht lachen.<br \/>\n\u201eSie meinen, nur weil der Trend zur Konzentration bei den Buchverlagen anh\u00e4lt, w\u00fcrde es der Branche mies gehen?\u201c<br \/>\nMit gro\u00dfer Geste bot er mir im Hintergrund des Messestandes einen Sessel an. Ich nahm Platz, w\u00e4hrend er auf diesen tollen, chromblitzenden Kaffee-Automaten deutete. Ich nickte.<br \/>\n\u201eGesch\u00fcttelt, nicht ger\u00fchrt.\u201c, versuchte ich einen Witz zu machen.<br \/>\n\u201eNa gut, Thalia geht es nicht so gut, doch noch ist Hoffnung.\u201c<br \/>\nW\u00e4hrend er mir die Dose mit den Keksen r\u00fcber schob, kippte ich mir Milch in den Kaffee und r\u00fchrte mit dem L\u00f6ffel um.<br \/>\nDer Verlagsleiter hob die Augenbrauen, also hatte er meinen Zynismus doch nicht mitbekommen.<br \/>\nDa ich ihn nun als einen sehr humorigen und \u00fcberaus liebenswerten Menschen kannte, dem ich auch in der Vergangenheit nicht wenige Freundlichkeiten verdankte, brachte mir seine heutige Unausgeglichenheit den Verdacht nahe, dass es in diesem Jahr auf der Messe wohl doch nicht ganz so gut gelaufen war.<br \/>\nBei den Verhandlungen meiner fr\u00fcheren Ehefrau, ihrer gut gehenden Reisetageb\u00fccher wegen, war er im Verlag immer unser erster Ansprechpartner f\u00fcr das jeweils neue Projekt gewesen.<br \/>\nZur Mitte der diesj\u00e4hrigen Messetage hatte es noch nach einem neuerlichen Besucherrekord ausgesehen. Dann, zum Ende hin, war der Strom der Besucher deutlich abgeflaut.<br \/>\nEs stellte sich dann doch noch ein kleiner Rekord ein. 163 500 gez\u00e4hlte Enthusiasten hatten die Hallen bev\u00f6lkert. Einige wenige Hundert mehr als 2011.<br \/>\nAlso kriselt sie nun oder doch nicht?<br \/>\n\u201eTatsache ist und hier k\u00f6nnte es einen Trend geben, die Branche ist 2011 insgesamt um 2% Jahresumsatz geschrumpft. Nicht gerade viel, aber angesichts der gestiegenen Erstellungskosten in der Buchherstellung, doch noch sehr bedenklich.\u201c<br \/>\nSeine Stirne bekam noch ein paar Falten mehr.<br \/>\n\u201eNa ja, Eichborn nun bei L\u00fcbbe und wie man h\u00f6rte, geht Blumenbar an den Aufbau-Verlag und bei Suhrkamp stehen die Zeichen auf Krieg, was nicht verwunderlich ist. Aber daraus eine echte Krise abzuleiten\u2026, ich wei\u00df es nicht.\u201c<br \/>\n\u201eDer Berlin-Verlag geh\u00f6rt nun bald auch den Schweden?\u201c, versuchte ich ihn zu locken.<br \/>\nEr wirkte nun ein wenig zerfahren.<br \/>\nNun gr\u00fc\u00dfte er einige Leute drau\u00dfen im Gang, unter denen ich einen in Deutschland sehr viel gespielten Dramatiker erkannte.<br \/>\n\u201eFrau Berkewicz d\u00fcrfte zu beneiden sein, wenn der Verkauf nun endlich \u00fcber die B\u00fchne geht.\u201c<br \/>\nEr meinte Frau Ulla Unseld-Berkewicz, die Witwe von Siegfried Unseld, dem wohl letzten wirklich echten Verleger der Republik.<br \/>\n\u201eDas eBook kommt?\u201c, versuchte ich meine Anfangsfrage neu einzukleiden.<br \/>\n\u201e2.000 Leutchen haben einen Weltrekord im eBook-Staffellesen aufgestellt \u00fcber die Messetage.\u201c<br \/>\nSeine Stimme klang so, als w\u00fcrde ihn diese Meldung eher bedr\u00fccken.<br \/>\n\u201eAber, dagegen stehen immer noch mehr als 2.600 Leseveranstaltungen im ganzen Stadtgebiet. Doch, doch, aber das eBook kommt. Gar keine Frage!\u201c<br \/>\n\u201eSkoobe hatte diese Aktion ziemlich perfekt durchgezogen und Skoobe ist nun mal eine Online-Bibliothek mit verdammt viel Hunger und vor allem, `ne Menge Hirnschmalz.\u201c<br \/>\nEr sah etwas unentschlossen aus, als ich nun aufstand. Ich hatte meine Ex, Brigitte, ersp\u00e4ht. Wir hatten uns f\u00fcr 3Uhr hier am Stand verabredet.<br \/>\nGanz der alte \u00d6sterreichische Kavalier k\u00fcsste er ihr die Hand.<br \/>\nDann rief er uns noch nach, dass die Branche sich wohl nicht unbedingt warm anziehen m\u00fcsse, aber ein Regenschirm w\u00e4re wohl in Zukunft keine ganz unn\u00fctze Investition.<\/p>\n<p><strong>Alpha Sierra<\/strong>, im Jahr der Leipziger Buchmesse 2012 (\u00c4hnlichkeiten bewusst nicht zuf\u00e4llig)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Kriselt die Branche?&ldquo; Der Verlagsleiter schaute mich ungl&auml;ubig an. 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