{"id":13837,"date":"2013-03-16T16:00:30","date_gmt":"2013-03-16T15:00:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/?p=13837"},"modified":"2013-04-28T16:34:51","modified_gmt":"2013-04-28T14:34:51","slug":"die-geschichte-meiner-blonden-haare-in-eigener-sache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/die-geschichte-meiner-blonden-haare-in-eigener-sache\/","title":{"rendered":"Die Geschichte meiner blonden Haare &#8211; In eigener Sache"},"content":{"rendered":"<p>Rote Haare waren den gr\u00f6\u00dften Teil meines Lebens mein Markenzeichen, liebe Leser. Zuerst in langen Z\u00f6pfen geb\u00e4ndigt, dann in einer Dauerwelle ins rechte Licht ger\u00fcckt \u2013 rothaarig zu sein geh\u00f6rte zu meiner Lebensphilosophie und zu meinem Temperament\u2026 Daf\u00fcr half ich bisweilen auch mit r\u00f6tlichen T\u00f6nungen nach um den Schimmer zu betonen. Auch als die M\u00e4hne einem Kurzhaarschnitt wich, leuchteten die Haare weiter rot\u2026 Die rote Vivienne \u2013 das hatte auch etwas mit meinem politischen Bekenntnis zu tun, das passte einfach zu mir. Und als ich altersm\u00e4\u00dfig gegen Vierzig ging und feststellen musste, dass die Haare immer dunkler und immer weniger rot waren, machte mich das betroffen\u2026<\/p>\n<p>Mittlerweile war ich in einer Firma im Zentrum von Linz gelandet. Ich pflegte meinen Kurzhaarschnitt und obwohl ich eigentlich stolz und froh sein h\u00e4tte m\u00fcssen, dass ich im Gegensatz zu vielen Altersgenossinnen keine grauen Haare hatte, war ich sehr unzufrieden. Ich begann mir Blondierungen zu kaufen, die ich die halbe Zeit einwirken lie\u00df, um die Frisur wieder rot zu f\u00e4rben. Das gelang ganz gut, setzte aber ein gewisses Fingerspitzengef\u00fchl voraus. Aber ich passte immer auf \u2013 bis eines Samstags mein Schwager anrief, als ich die Haare gerade voller Pr\u00e4parat hatte. Wir verplauderten uns und pl\u00f6tzlich lag ich eine halbe Stunde \u00fcber der geplanten Einwirkzeit.<\/p>\n<p>Ich wusch mir die Haare sofort, aber der Blick in den Spiegel machte mich nicht mehr gl\u00fccklich \u2013 blond wie eine Semmel\u2026 Lange regte ich mich nicht dar\u00fcber auf. Ich zuckte die Schultern und wollte das Malheur bald ausb\u00fcgeln, beim n\u00e4chsten Haare f\u00e4rben\u2026 Montags kam ich in die Arbeit und erntete die ganze Missbilligung des damaligen Vorgesetzten. Der Mann hatte mich w\u00e4hrend des gesamten Dienstverh\u00e4ltnisses unter seiner Fuchtel nicht leiden k\u00f6nnen. Halbwegs freundlich war er nur gewesen, solange ich ein freundschaftliches Verh\u00e4ltnis zu einer Kollegin pflegte, die seine Geliebte gewesen war und ihn privat mit ihren Blowjobs verw\u00f6hnte.<\/p>\n<p>Warum ihn meine blonde M\u00e4hne so st\u00f6rte, kann ich nur vermuten. Im Grunde, m\u00f6chte ich sagen, geht einen Vorgesetzten die Haarfarbe einer Mitarbeiterin gar nichts an. Au\u00dfer man befindet sich im pers\u00f6nlichen Kundenkontakt. Das traf aber in diesem Fall bestimmt nicht zu. Die unverhohlene Antipathie, die der Vorgesetzte mir entgegenbrachte, beruhte auf Gegenseitigkeit. Als mir bewusst wurde, wie sehr ihn mein neuer Blondschopf st\u00f6rte, beschloss ich, diesen Blondschopf zu meinem neuen Markenzeichen zu machen. Nat\u00fcrlich bedeutete das auch eine ziemliche Umgew\u00f6hnung. Aber ich freundete mich schlie\u00dflich mit den hellen Locken an.<\/p>\n<p>Einmal passierte mir ein Missgeschick mit der Haarfarbe. Sie war billig und hellte die Haare nicht auf, sie bekamen sogar einen leicht br\u00e4unlichen Farbton. Der Chef war sich nicht zu bl\u00f6d mich an dem Tag in sein B\u00fcro zu holen und mich zu loben f\u00fcr meine wundersch\u00f6ne Haarfarbe, die mir so gut passte. Ich wartete nach dieser missgl\u00fcckten Aufhellung genau zwei Wochen, dann schlug ich mit der Chemiekeule wuchtig zur\u00fcck. Der Vorgesetzte muss mich daraufhin gehasst haben wie die Pest. Er begann verst\u00e4rkt seinen Sadismus an mir auszuleben. Die Situation in der Firma hatte sich ver\u00e4ndert: gek\u00fcrzte Arbeitszeiten, die Abteilung stark dezimiert und wir Mitarbeiter am Schleuderstuhl.<\/p>\n<p>Mir selbst war \u00fcbel mitgespielt worden, ich k\u00e4mpfte um meine Existenz. In dieser Situation hatte ich durch meine blonden Haare eine M\u00f6glichkeit in die Hand gespielt bekommen, die mir half dem Chef zu widersprechen. Dem\u00fctigungen, Erniedrigungen und diverse B\u00f6sartigkeiten durch ihn standen an der Tagesordnung. Aber \u2013 an meinen blonden Haaren scheiterte der Vorgesetzte. Ein lebendiger Beweis, dass ich blieb, wer ich war. Vor fast zweieinhalb Jahren verlie\u00df ich die Firma. Hinter mir die Sintflut! Nach weiteren Rochaden h\u00e4tte wieder nur ein Teilzeitjob auf mich gewartet\u2026 Der Weggang fiel mir entsprechend leicht\u2026<\/p>\n<p>Die Haare f\u00e4rbte ich auch in der neuen Firma weiter blond. Blond war mein neues Selbstverst\u00e4ndnis geworden, auch wenn ich oft f\u00e4rben musste: meine dunklen Haare dr\u00e4ngten st\u00e4ndig nach. Ich hinterfragte das Ganz aber nicht, bis sich mir neulich beim Blondieren ein Sto\u00dfseufzer entrang \u2013 ich wollte nicht mehr\u2026 eine Stunde Farbe einwirken lassen, den heftigen Geruch der Farbe einatmen\u2026 Warum auch? Der Protest hatte seinen Zweck verloren\u2026 Die alte Firma tangierte mich nicht mehr und wo der fr\u00fchere Vorgesetzte, der gek\u00fcndigt worden war, mittlerweile sein Geld verdiente, interessierte mich nicht im Geringsten. Auf jeden Fall war er weit weg\u2026<\/p>\n<p>Ich vertraute mich Peter in dieser haarigen Angelegenheit an. Er bekr\u00e4ftigte mich darin, das zu tun, was ich f\u00fcr richtig halte.<br \/>\nDarum, liebe Leser, werden in den kommenden Monaten meine Haare nach und nach braun werden. Gegen den fr\u00fcheren Chef muss ich schlie\u00dflich nicht mehr in Opposition gehen\u2026<br \/>\nMal sehen, wie lange mir diese Haarfarbe gef\u00e4llt. \uf04a<\/p>\n<p>Vivienne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rote Haare waren den gr&ouml;&szlig;ten Teil meines Lebens mein Markenzeichen, liebe Leser. 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