{"id":1499,"date":"2010-03-10T18:12:59","date_gmt":"2010-03-10T17:12:59","guid":{"rendered":"http:\/\/bohnenzeitung.com\/wp\/?p=1499"},"modified":"2010-03-10T18:12:59","modified_gmt":"2010-03-10T17:12:59","slug":"hoch-gepokert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/hoch-gepokert\/","title":{"rendered":"Hoch gepokert"},"content":{"rendered":"<p>Willi orderte noch ein Kr\u00fcgel Bier.<br \/>\nSein Kopf schmerzte.<br \/>\nDie Augen brannten.<br \/>\nSteffi, die Kellnerin, l\u00e4chelte ihm zu.<br \/>\nDeine Halbe.<br \/>\nDu gehst heut\u2019 aber gar nicht heim.<br \/>\nHast du morgen denn frei?<br \/>\nWilli sch\u00fcttelte abwesend den Kopf.<br \/>\nNein, morgen hatte er nicht frei.<br \/>\nZumindest nicht vor dem Nachmittag.<br \/>\nUnd morgen begann das Stadtfest.<br \/>\nP\u00fcnktlich wie jedes Jahr in der ersten Juniwoche.<br \/>\nMit dem Bauernmarkt und den Schie\u00dfst\u00e4nden.<br \/>\nUnd den Musikgruppen aus der Umgebung.<br \/>\nAuch eine Lotterie gab es wieder.<br \/>\nVon den Bierzelten und den W\u00fcrstlst\u00e4nden erst gar nicht zu reden.<br \/>\nJede Menge zu tun.<br \/>\nPerfekt durchorganisiert.<br \/>\nEhrenamtliche Helfer ohne Zahl.<br \/>\nNur eine w\u00fcrde dieses Jahr fehlen.<br \/>\nUnd die an allen Ecken und Enden.<br \/>\nHilde\u2026<\/p>\n<p>Willi wischte sich den Schaum vom Mund.<br \/>\nZu Mittag hatte ihn Mike angerufen.<br \/>\nMike vom Organisationskomitee.<br \/>\nEin alter Freund von ihm.<br \/>\nAber Mikes Stimme hatte nicht freundlich geklungen.<br \/>\nBravo.<br \/>\nSie hat ernst gemacht.<br \/>\nSie wird nicht mitmachen.<br \/>\nNicht heuer.<br \/>\nUnd nie mehr.<br \/>\nHat sie zumindest gesagt.<br \/>\nUnd ich glaube, sie hat das todernst gemeint.<br \/>\nMike hatte kurz Luft geholt.<br \/>\nWar das alles notwendig?<br \/>\nWar es nicht m\u00f6glich, ihr fr\u00fcher reinen Wein einzuschenken?<br \/>\nIhr alles zu erkl\u00e4ren?<br \/>\nDamit Gras \u00fcber die Sache wachsen kann?<br \/>\nSie wird uns fehlen.<br \/>\nH\u00f6rst du!<br \/>\nSie ist unverzichtbar!<br \/>\nIch wei\u00df nicht, wie wir das heuer schaffen sollen.<br \/>\nOhne sie.<br \/>\nDas geht auf deine Kappe, h\u00f6rst du?<br \/>\nIrgendwann musste sie dahinter kommen.<br \/>\nDu bist ein verdammter Idiot!<\/p>\n<p>Mit zitternden H\u00e4nden z\u00fcndete Willi sich eine Zigarette an.<br \/>\nSein Handy begann zu piepsen.<br \/>\nEr warf einen Blick auf das Display.<br \/>\nGerdi.<br \/>\nSeine Freundin.<br \/>\nKurz sah er ihr Bild vor sich.<br \/>\nIm Jeansmini.<br \/>\nMit ihren endlos langen Beinen\u2026<br \/>\nDann sch\u00fcttelte er den Kopf.<br \/>\nEr wollte jetzt nicht mit Gerdi sprechen.<br \/>\nNicht jetzt.<br \/>\nIhm war nicht nach ihrem Ges\u00e4usel.<br \/>\nVermutlich w\u00fcrde sie sich beklagen.<br \/>\nWarum kommst du nicht nach Hause?<br \/>\nIch bin so allein\u2026<br \/>\nWie lange willst du mich noch warten lassen?<br \/>\nIhre Stimmlage irgendwo so zwischen beleidigt und anlehnungsbed\u00fcrftig.<br \/>\nGerdi.<br \/>\nWie er sie liebte.<br \/>\nAber nicht heute.<br \/>\nNicht jetzt\u2026<\/p>\n<p>Gestern hatte ihn Martina angerufen.<br \/>\nSie machte die Listen mit der Einteilung der Ehrenamtlichen.<br \/>\nH\u00f6r zu.<br \/>\nMit Hilde stimmt was nicht.<br \/>\nSie macht heuer nicht mit.<br \/>\nSie hat keine Zeit.<br \/>\nSagt sie.<br \/>\nDas hat es doch noch nie gegeben.<br \/>\nDu musst mit ihr reden.<br \/>\nBitte ruf sie an!<br \/>\nWilli hatte genickt.<br \/>\nSchon gut.<br \/>\nWahrscheinlich war Hilde eine Laus \u00fcber die Leber gelaufen.<br \/>\nDar\u00fcber w\u00fcrde sich doch reden lassen.<br \/>\nSie war \u00f6fter mal launisch.<br \/>\nAber er, Willi, konnte mit ihr umgehen.<br \/>\nHilde heuer nicht beim Stadtfest?<br \/>\nDas war doch unvorstellbar!<br \/>\nIn der Mittagspause w\u00e4hlte er ihre Nummer.<br \/>\nHilde meldete sich.<br \/>\nSie hatte etwas distanziert gewirkt.<br \/>\nAber das fiel ihm erst nachher auf.<br \/>\nNach diesem Gespr\u00e4ch\u2026<br \/>\nDu bist heuer nicht dabei?<br \/>\nHilde, geht es dir nicht gut?<br \/>\nHast du Sorgen?<br \/>\nDas gibt\u2019s ja gar nicht!<br \/>\nDu bist eine Institution beim Stadtfest.<br \/>\nWie sollen wir es ohne dich schaffen?<\/p>\n<p>Willi hatte seine Worte mit Bedacht gew\u00e4hlt.<br \/>\nSie konnten ihre Wirkung nicht verfehlen.<br \/>\nDessen war er sich sicher.<br \/>\nLeider\u2026<br \/>\nKeine Zeit dieses Wochenende.<br \/>\nIhr werdet es schon schaffen!<br \/>\nKnapp und pr\u00e4zise setzte Hilde ihre Worte.<br \/>\nSo, als w\u00e4re sie vorbereitet gewesen.<br \/>\nVorbereitet auf seinen Anruf\u2026<br \/>\nWilli traute seinen Ohren nicht.<br \/>\nDas war nicht die Hilde die er kannte.<br \/>\nEngagiert und tatkr\u00e4ftig.<br \/>\nUnd voller Gef\u00fchle f\u00fcr ihn\u2026<br \/>\nEr musste es zugeben.<br \/>\nHildes Engagement ging auf seine Kappe.<br \/>\nSie war verliebt in ihn.<br \/>\nSeit Jahren.<br \/>\nDas war ihm aber immer ziemlich egal gewesen.<br \/>\nSie war einfach nicht sein Typ.<br \/>\nAber er schlief immer wieder mit ihr.<br \/>\nGelegenheitshalber.<br \/>\nUm sie bei der Stange zu halten\u2026<br \/>\nHildes Worte schmerzten fast in seinen Ohren.<br \/>\nSein Mund f\u00fchlte sich trocken an.<br \/>\nEr konnte kaum sprechen.<br \/>\nAber du bist unverzichtbar!<br \/>\nHilde, wir brauchen dich!<br \/>\nWie sollen wir Ersatz f\u00fcr dich finden?<\/p>\n<p>Seine Stimme hatte heiser geklungen.<br \/>\nHilde lachte kurz und trocken auf.<br \/>\nIhre Stimme klang hart.<br \/>\nIhr werdet es schon schaffen.<br \/>\nUnd was Ersatz f\u00fcr mich betrifft\u2026<br \/>\nDu kannst ja deine Freundin fragen, ob sie mitmacht.<br \/>\nOb sie ihre hohen Stilettos auszieht und sich in ein Dirndl wirft.<br \/>\nKellnert und \u00fcberall dort aushilft, wo Not an der Frau ist\u2026<br \/>\nUnd das drei N\u00e4chte bis weit nach Mitternacht!<br \/>\nF\u00fcr dich tut sie es bestimmt!<br \/>\nDas Messer traf tief.<br \/>\nHilde hatte danach aufgelegt.<br \/>\nUnd er hatte sich den Kopf zermartert.<br \/>\nWoher konnte Hilde von Gerdi wissen?<br \/>\nUnd davon, dass sie Stilettos trug?<br \/>\nUnd dass Gerdi nie im Leben kellnern und f\u00fcr das Stadtfest arbeiten w\u00fcrde?<br \/>\nGerdi hatte ihr ganzes Leben nie k\u00f6rperlich gearbeitet.<br \/>\nKaufte vorzugsweise in der besten Boutique der Stadt ein.<br \/>\nWoher wusste Hilde das alles?<br \/>\nEr hatte doch alles getan, seine Beziehung geheim zu halten\u2026<br \/>\nDiesen Schock musste er erst verdauen.<br \/>\nDann erst gab er Martina Bescheid.<br \/>\nMike soll mit ihr reden.<br \/>\nIch hoffe, sie beruhigt sich.<br \/>\nSie muss es ganz  einfach\u2026<\/p>\n<p>Hilde hatte sich nicht beruhigt.<br \/>\nDas hei\u00dft:<br \/>\nSie war nicht laut geworden.<br \/>\nSie blieb aber bei ihrer Linie.<br \/>\nSie h\u00e4tte keine Zeit.<br \/>\nKeine Diskussionen mehr.<br \/>\nDie Kopfw\u00e4sche von Mike besch\u00e4ftigte ihn noch immer.<br \/>\nWar es wirklich nur seine Schuld?<br \/>\nDie Sache hatte eine Eigendynamik bekommen\u2026<br \/>\nDas hatte er nicht gewollt.<br \/>\nWer glaubte denn ernsthaft, er k\u00f6nnte Hilde lieben?<br \/>\nHilde, diese unscheinbare Person?<br \/>\nUnd auch noch \u00e4lter als er?<br \/>\nWer denn?<br \/>\nAu\u00dfer ihr selber?<br \/>\nDiese dumme Gans!<br \/>\nEr war nicht ihr Freund gewesen.<br \/>\nNur weil er ab und zu mit ihr geschlafen hatte.<br \/>\nWarum machte sie jetzt so einen Aufstand?<br \/>\nZum Teufel mit ihr!<br \/>\nEs war verdammt unfair was sie da tat.<br \/>\nHilde war schlie\u00dflich sauer auf ihn.<br \/>\nSie hatte nicht das Recht, das Stadtfest deswegen in Gefahr zu bringen.<br \/>\nHatte er nicht ein Recht auf eine Beziehung?<br \/>\nEiner Beziehung mit einer h\u00fcbschen Frau?<br \/>\nViel h\u00fcbscher als Hilde, diese graue Maus\u2026?<br \/>\nDas war doch nicht fair, oder?<br \/>\nWomit hatte er das verdient?<\/p>\n<p>Vivienne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willi orderte noch ein Kr&uuml;gel Bier. 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