{"id":1515,"date":"2010-03-10T18:16:58","date_gmt":"2010-03-10T17:16:58","guid":{"rendered":"http:\/\/bohnenzeitung.com\/wp\/?p=1515"},"modified":"2010-03-10T18:16:58","modified_gmt":"2010-03-10T17:16:58","slug":"warum-lasst-du-das-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/warum-lasst-du-das-zu\/","title":{"rendered":"Warum l\u00e4sst du das zu?"},"content":{"rendered":"<p>Georg schloss die Haust\u00fcre sorgf\u00e4ltig.<br \/>\nBed\u00e4chtig ging er ins Wohnzimmer zur\u00fcck.<br \/>\nSofie sa\u00df noch immer auf der Couch.<br \/>\nStarrte irgendwie ins Leere.<br \/>\nSchien ihn kaum zu bemerken.<br \/>\nSie schien gar nichts um sich zu registrieren.<br \/>\nGenau genommen.<br \/>\nGeorg musterte sie verhalten.<br \/>\nWie mager sie geworden war.<br \/>\nUnd das graue Haar\u2026<br \/>\nSofies Stimme riss ihn aus den Gedanken.<br \/>\nWer war denn an der T\u00fcr?<br \/>\nGeorg schreckte zusammen.<br \/>\nNichts weiter.<br \/>\nEin paar Kinder.<br \/>\nIst ja Halloween\u2026<br \/>\nIch habe sie weggeschickt.<br \/>\nSofies Blick verlor sich wieder irgendwo im Raum.<br \/>\nWas auch sonst\u2026<br \/>\nIhre Stimme klang tonlos.<br \/>\nFast verloren.<br \/>\nGeorg wandte sich ab.<br \/>\nK\u00e4mpfte mit den Tr\u00e4nen.<br \/>\nWar das fair?<br \/>\nSo wie seine Frau immer mehr verfiel?<br \/>\nWarum lie\u00df er das zu?<br \/>\nDer da oben?<br \/>\nWarum?<br \/>\nWas hatte seine Familie denn verbrochen\u2026?<\/p>\n<p>Georg ging in die K\u00fcche.<br \/>\nEr \u00f6ffnete die K\u00fchlschrankt\u00fcr.<br \/>\nObwohl er keinen Hunger hatte\u2026<br \/>\nHunger \u2013 was war das?<br \/>\nWann hatte er das letzte Mal so richtig Appetit gehabt?<br \/>\nAuf eine gro\u00dfe Portion Schweinsbraten?<br \/>\nOder ein St\u00fcck Torte?<br \/>\nEr konnte sich nicht mehr wirklich erinnern.<br \/>\nAlles war anders geworden.<br \/>\nFr\u00fchjahr vor gut dreieinhalb Jahren.<br \/>\nEr erinnerte sich fast minuti\u00f6s.<br \/>\nMichael, sein j\u00fcngster.<br \/>\nZw\u00f6lf Jahre alt.<br \/>\nEr war von der Schule nach Hause gekommen.<br \/>\nDas linke Bein tat ihm weh.<br \/>\nUnd ein gro\u00dfer blauer Fleck war zu sehen.<br \/>\nNichts dem er oder seine Frau gro\u00dfe Bedeutung beima\u00dfen.<br \/>\nWahrscheinlich beim Fu\u00dfball spielen passiert.<br \/>\nOder beim Basketball.<br \/>\nDas w\u00fcrde sich wieder geben.<br \/>\nAber die Schmerzen lie\u00dfen nicht nach.<br \/>\nUnd das H\u00e4matom verschwand auch nicht.<br \/>\nErst ein R\u00f6ntgen beim Sportarzt brachte Aufkl\u00e4rung.<br \/>\nEin gro\u00dfer Tumor\u2026<\/p>\n<p>Ein herrlicher Tag im Mai war es gewesen.<br \/>\nUnd trotzdem wurde ihm noch immer kalt.<br \/>\nWenn er zur\u00fcckdachte.<br \/>\nAn das hemmungslose Schluchzen von Sofie.<br \/>\nAn die betroffenen Gesichter der beiden \u00e4lteren S\u00f6hne.<br \/>\nMichael selber blieb noch am ruhigsten.<br \/>\nTrotz Bestrahlung.<br \/>\nTrotz Chemotherapie.<br \/>\nObwohl er alle Haare verlor.<br \/>\nSo blass war er geworden.<br \/>\nSein Gesicht war aufgedunsen.<br \/>\nWirkte teigig.<br \/>\nUnd doch lachte er.<br \/>\nAls der Tumor schrumpfte.<br \/>\nIn einer Operation entfernt werden konnte.<br \/>\nEin Pyrrussieg.<br \/>\nDer Krebs kam wieder.<br \/>\nBis dahin schien Michael in bester Verfassung zu sein.<br \/>\nF\u00fcr ein paar Monate zumindest.<br \/>\nAuch wenn er hinkte.<br \/>\nEr lachte fast immer.<br \/>\nUnd \u00fcber seine Per\u00fccke machte er Scherze.<br \/>\nSelbst sp\u00e4ter im Rollstuhl gab er nicht auf.<br \/>\nFand Freunde \u00fcber den Computer.<br \/>\nIn Chat Rooms und Foren.<br \/>\nWo er offen \u00fcber seine Krankheit postete.<br \/>\nEs ging ihm gut.<br \/>\nTrotz allem.<br \/>\nWird schon werden!<br \/>\nWie oft hatte Michael das gesagt.<br \/>\nVoller Optimismus.<br \/>\nUnd er schien Kraft aus den Worten zu beziehen.<br \/>\nTrotz der Metastasen im R\u00fccken.<br \/>\nDie ihn schlie\u00dflich in den Rollstuhl gezwungen hatten.<\/p>\n<p>Georg presste die H\u00e4nde auf das Gesicht.<br \/>\nSie zitterten\u2026<br \/>\nSeltsam.<br \/>\nMichael schien sich tats\u00e4chlich immer wieder zu erholen.<br \/>\nNach jedem Tiefschlag.<br \/>\nTrotz all der Therapien.<br \/>\nBis vorgestern.<br \/>\nWieder war eine Kontrolluntersuchung angesetzt gewesen.<br \/>\nAber irgendetwas hatte den Arzt stutzig gemacht.<br \/>\nDiesmal.<br \/>\nEr hatte ihn, Georg, und Sofie ins Krankenhaus bestellt.<br \/>\nDie Diagnose \u00fcbertraf alle negativen Erwartungen.<br \/>\nEr hat Metastasen in den Lungen\u2026<br \/>\nDer Arzt war selber mehr als betroffen gewesen.<br \/>\nMichael war so etwas wie ein Dauergast gewesen.<br \/>\nIn diesem Spital.<br \/>\nUnd gern gesehen.<br \/>\nVor allem wegen seiner guten Laune\u2026<br \/>\nEr, Georg, und Sofie hatten nie \u00fcber den Tod gesprochen.<br \/>\nObwohl er immer im Raum gestanden war.<br \/>\nDenn Michael durfte einfach nicht sterben.<br \/>\nEr war doch noch so jung!<br \/>\nAber nun ging der Kampf dem Ende entgegen.<br \/>\nDer Gegner war \u00fcberm\u00e4chtig geworden\u2026<\/p>\n<p>Sofie hatte nach den Worten des Arztes nur still geweint.<br \/>\nUnd seither sprach sie kaum noch.<br \/>\nSa\u00df nur noch da.<br \/>\nStarrte an die Wand.<br \/>\nOder an die Decke.<br \/>\nWie verloren\u2026<br \/>\nGeorg wischte sich die Tr\u00e4nen vom Gesicht.<br \/>\nGut.<br \/>\nSie hatten noch zwei S\u00f6hne.<br \/>\nGott sei Dank gesund.<br \/>\nDer ganze Stolz ihrer Eltern.<br \/>\nUnd dennoch\u2026<br \/>\nMichaels Krankheit hatte ihr Leben zerst\u00f6rt.<br \/>\nDas von ihm und Sofie.<br \/>\nEr hatte keine Kraft mehr\u2026<br \/>\nNein.<br \/>\nWoher denn auch?<br \/>\nUnd wenn er sich Sofie so vorstellte\u2026<br \/>\nW\u00fcrde sie je dar\u00fcber hinwegkommen?<br \/>\nW\u00fcrde sie je wieder lachen?<br \/>\nGl\u00fccklich sein k\u00f6nnen?<br \/>\nWie konnte ein gerechter Gott das zulassen?<\/p>\n<p>Nach einer wahren Begebenheit<\/p>\n<p>Vivienne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Georg schloss die Haust&uuml;re sorgf&auml;ltig. 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