{"id":16016,"date":"2014-04-22T16:00:15","date_gmt":"2014-04-22T14:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/?p=16016"},"modified":"2014-04-21T17:35:41","modified_gmt":"2014-04-21T15:35:41","slug":"das-patenkind-die-bunte-welt-von-vivienne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/das-patenkind-die-bunte-welt-von-vivienne\/","title":{"rendered":"Das Patenkind\u2026 &#8211; Die bunte Welt von Vivienne"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ich sa\u00df in der K\u00fcche der Firma und genoss meinen Kaffee. So lie\u00df es sich ein paar Momente aushalten, bis die Pause wieder vorbei war und ich wieder zur\u00fcck zur Arbeit musste. Eine Kollegin, Hella, warf eine M\u00fcnze in den Kaffeeautomaten, und setzte sich dann mit dem hei\u00dfen Getr\u00e4nk zu mir\u2026 \u201eSo nachdenklich?\u201c fragte ich sie, weil sie sonst immer ein fr\u00f6hliches Wort auf den Lippen trug. Sie l\u00e4chelte, sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNein, es ist nichts wirklich, wei\u00dft du, es nervt nur mit der Zeit\u2026\u201c Ich war ganz Ohr, fragte aber nicht, sie sollte von selbst erz\u00e4hlen \u2013 falls sie dies auch wollte. Nach einem Schluck Kaffee begann sie dann tats\u00e4chlich zu reden. Langsam zuerst, dann immer schneller\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u201eDu wei\u00dft ja, dass ich verheiratet bin und zwei S\u00f6hne habe. Mein Mann Stefan hat im Gegensatz zu mir wenig Verwandte. Seine Eltern leben nicht mehr, er hat nur mehr eine Tante und die ist selber auch kinderlos. Aber sie hat ein Patenkind, die Tochter einer Freundin. Da diese Freundin ein wenig unstet lebte, k\u00fcmmerte sich Stefans Tante darum und nahm das Patenkind zu sich.\u201c Hella seufzte, starrte gerade aus und schien mich gar nicht wahrzunehmen. Ihre linke Hand hatte den Kaffebecher umfasst, aber auf\u2019s Trinken verga\u00df sie je l\u00e4nger sie redete\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u201eDas Patenkind ist Mitte zwanzig, das M\u00e4dchen hei\u00dft Martina und ist auch ein wenig unstet wie die Mutter. Mit 18 hatte sie eine kurze Beziehung, die mit einer Schwangerschaft endete.\u201c Sie klopfte mit der rechten Hand auf den Tisch. \u201eDer Ex-Freund war l\u00e4ngst \u00fcber alle Berge und nicht auffindbar, Martina lie\u00df das Kind abtreiben. St\u00fcrzte sich in die n\u00e4chste Beziehung, die nicht viel l\u00e4nger hielt.\u201c Jetzt sah sie mich doch einmal an. \u201eWas hat das mit euch zu tun?\u201c wagte ich nun doch eine Frage einzuwerfen. Hella sah tats\u00e4chlich ein wenig genervt aus und das konnte nicht allein am lockeren Lebenswandel einer jungen Frau liegen, mit der sie doch kaum etwas zu tun hatte. \u201eStefan, mein Mann, kennt das M\u00e4dchen von klein auf. Und nun hat sich Martina in ihn verliebt. Sie ruft ihn st\u00e4ndig an, m\u00f6chte ihn treffen, besucht uns unaufgefordert und unangemeldet \u2013 kurz: sie will ihn.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Ich verstand, eine etwas seltsame Situation. Hella klopfte mit der flachen Hand auf den Tisch. \u201eStefan ist nicht verliebt, er ist auch nicht der Typ f\u00fcr so eine Aff\u00e4re, wie sie Martina vorschwebt. Er verh\u00e4lt sich h\u00f6flich aber bestimmt ihr gegen\u00fcber. L\u00e4sst keinen Zweifel aufkommen, dass da nichts ist und nie sein wird. Aber Martina l\u00e4sst sich nicht entmutigen.\u201c Hella wandte sich wieder direkt an mich. \u201eIch mache mir keinen Gedanken dar\u00fcber, dass Stefan mich betr\u00fcgen k\u00f6nnte mit ihr. Das steht au\u00dfer Frage, aber\u2026 Die st\u00e4ndigen Besuche und Anrufe\u2026 Die Art wie sie mit unseren Buben spielt und sie bemuttert, als w\u00e4ren es ihre. Das\u2026\u201c Hella ballte die Faust. \u201eIch sage dir, am liebsten m\u00f6chte ich sie manchmal aus dem Haus pr\u00fcgeln!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u201eWas sagt Stefan dazu?\u201c wollte ich an dieser Stelle wissen. Hella nickte. \u201eEr beruhigt mich, r\u00e4t mir, ich m\u00f6chte Martina nicht ernst nehmen. Sie ist ja quasi eine Verwandte f\u00fcr ihn, da sie im Grunde wie das Kind seiner Tante aufwuchs. Er macht sich nicht so viel aus ihr\u2026 Und noch etwas hat er mir erkl\u00e4rt. So scharf ist Martina ja nur deswegen auf ihn, weil er h\u00f6flich distanziert bleibt. W\u00fcrde er nachgeben, und sich auf eine Aff\u00e4re einlassen, w\u00fcrde sie schnell wieder das Interesse an ihm verlieren.\u201c Hella hob die Arme leicht resignierend, als sie mir das erz\u00e4hlte. Und sie fuhr fort. \u201eWahrscheinlich hat er recht. Lange Beziehungen hatte Martina n\u00e4mlich noch nie. Es geht ihr um das Erobern des Unerreichbaren, des Verbotenen\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Ich nickte. Klar, so etwas nervt auf Dauer. Ich dachte dar\u00fcber nach, ob man dem M\u00e4dchen nicht einfach das Haus verbieten konnte. Aber vermutlich h\u00e4tte das nichts gebracht. Es war wohl das Beste, diese Situation auszusitzen und abzuwarten, bis Martina das Interesse verlor und ihr Herz jemand anderem schenkte. Ich blickte auf die Uhr und erschrak. Meine Pause! Ich klopfte Hella auf die Schulter. \u201eDein Mann hat wohl recht, ich verstehe dich gut. An deiner Stelle h\u00e4tte ich so einer Person l\u00e4ngst die Ohren langgezogen. Da bewundere ich deine Geduld. Aber ich muss rein. Bis nachher!\u201c Hella schmunzelte ob meiner \u00c4u\u00dferung und die Angespanntheit wich ein wenig aus ihrem Gesicht.<\/p>\n<p>Lustig war so eine Geschichte sicher nicht. Und gut wenigstens, dass Hellas Mann kein Casanova war, dem das Interesse eines jungen M\u00e4dchens schmeichelte. Es g\u00e4be sicher gen\u00fcgend Ehem\u00e4nner, die solchen Avancen bestimmt nicht widerstehen wollten. Fragw\u00fcrdiges Argument: Man lebt ja schlie\u00dflich nur einmal\u2026 Ich setzte mich an meinen Computer und nahm meine Arbeit wieder auf. Die Ohren langziehen? Hatte ich das tats\u00e4chlich zu Hella gesagt? Ich holte tief Luft. Viel eher w\u00fcrde ich solch ein Nymphchen ermorden, wenn es Albert sch\u00f6ne Augen machen wollte. Aber diesen Tipp wollte ich Hella dann doch nicht geben\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Vivienne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sa&szlig; in der K&uuml;che der Firma und genoss meinen Kaffee. 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