{"id":16097,"date":"2014-05-11T16:00:59","date_gmt":"2014-05-11T14:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/?p=16097"},"modified":"2014-05-11T16:55:40","modified_gmt":"2014-05-11T14:55:40","slug":"leo-geht-in-pension-die-bunte-welt-von-vivienne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/leo-geht-in-pension-die-bunte-welt-von-vivienne\/","title":{"rendered":"Leo geht in Pension &#8211; Die bunte Welt von Vivienne"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Albert kam gegen 19:00 Uhr nach Hause. Ein langer Arbeitstag, es hatte wieder Probleme gegeben wegen eines neuen Programms\u2026 Albert fiel mir um den Hals, dann legte er sich auf die Couch und schaltete das TV-Ger\u00e4t ein. Ich stellte ihm das Essen, Backhendel mit Pommes Frites, auf den Esstisch und drehte mich zu ihm. \u201eKomm, das Essen wird kalt. Du musst doch hungrig sein\u2026\u201c Ali g\u00e4hnte, folgte dem Lockruf des Backhenderls und setzte sich. Ich nahm neben ihm Platz und streichelte \u00fcber sein Gesicht. \u201eNa. So m\u00fcde?\u201c Ali nickte, dann nahm er das Mahl in Angriff. Das Essen machte ihn wieder munter. Zumindest schien es so\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Arbeit hat sich heute wieder endlos gezogen\u201c, begann Albert, heftig kauend, zu reden. \u201eIch dachte schon, ich gehe heute gar nicht mehr heim\u2026\u201c Rossecker, der Chef w\u00e4re au\u00dferdem wieder sehr schlechter Laune gewesen. \u201eWeil das Programm nicht so l\u00e4uft, wie es sollte?\u201c wollte ich von ihm wissen. \u201eGar nicht so sehr\u201c, antwortete mein Mann. \u201eDas sind die Kinderkrankheiten. Aber Leo geht in Pension, habe ich heute geh\u00f6rt. Das wird Rossecker nicht passen.\u201c Leo war der oberste Chef der Lagerarbeiter, er kontrollierte und organisierte sie und ihre Arbeit. Mittlerweile musste der Mann mit den stahlblauen Augen auch fast sechzig sein, vielleicht auch schon dr\u00fcber\u2026 ging mir durch den Kopf. Schlie\u00dflich hatte ich den Mann einmal gekannt, als ich selber noch in der Firma gearbeitet hatte und das war mittlerweile bald zwanzig Jahre her. Die Zeit vergeht\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Albert hatte sich auf die Pommes Frites gest\u00fcrzt. Mit Ketchup veranlassten sie ihn zu wilden Spielereien, die dann unser Tischtuch ausbaden durfte. Aber diesmal sah er mich lange an. \u201eKein Kommentar zu Leos Abgang? Bin ich nicht gewohnt von dir\u2026\u201c Ich zuckte die Achseln. \u201eKein Ex-Kollege, an den ich mich gerne erinnere. Stur, eigensinnig und falsch. Der stand neben mir im Lift und sagte kein Wort, und f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter beklagte er sich bei der Abteilungsleiterin Neumeier \u00fcber mich. Dabei schielte der Mann so sehr, dass man nie sagen h\u00e4tte k\u00f6nnen, ob er mich ansieht oder den Baum auf der anderen Seite\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Albert grinste. Er steckte sich ein Pommes Frites mit viel Ketchup in den Mund. \u201eGib zu, darum geht es dir doch gar nicht. Nat\u00fcrlich ist Leo ein sturer Eigenbr\u00f6tler, er war nie anders. Und wundern darf es niemanden, dass er so ist.\u201c Ali grinste. \u201eEr war nie verheiratet, und hatte, was ich wei\u00df, nur einmal eine Freundin. Das Ganze lief nicht lange. Gib zu, so ein Mann kann sich nicht normal entwickeln. Er wird folglich verschroben und ganz und gar nicht umg\u00e4nglich.\u201c Mein Mann schob den Teller weg, er war satt. \u201eDir geht es nur um die Sache mit der CD, obwohl es schon so lange her ist.\u201c<\/p>\n<p>Ich wandte mich ab. Nat\u00fcrlich resultierte meine Antipathie f\u00fcr Leo genau aus dieser Angelegenheit. Und nicht etwa, weil ich so schrecklich nachtragend war (was ich bis zu einem gewissen Grad tats\u00e4chlich bin), sondern weil mich Leo damit in ein etwas schiefes Licht man\u00f6vriert hatte. Und das wurmte mich \u2013 wer l\u00e4sst sich schon gerne als Diebin hinstellen? Ali konnte in meinen Gedanken lesen. Er griff nach meiner Hand und hielt sie fest. \u201eGlaub mir, Vivi. Leo ist im Grunde ein armer Teufel. \u00dcberleg nur, wie er lebt so als Mega-Single. Und er wollte sicher nicht vorrangig dich schlecht machen sondern Max \u00e4rgern\u2026\u201c Die ganze Geschichte fiel mir wieder ein, sie war auf einmal so real, als w\u00e4re sei gestern erst passiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u201eMein Mitleid h\u00e4lt sich in Grenzen\u201c, konnte ich meinen Unmut kaum verbergen. Kollege Max hatte mir eine CD von Bon Jovi geliehen. Ich war damals Fan und freute mich sehr dar\u00fcber. Wie damals so \u00fcblich kopierte ich sie mir auf Kassette. Kaum mehr vorstellbar, wenn man die heutigen M\u00f6glichkeiten bedenkt. Als ich die CD wieder zur\u00fcckgeben wollte, wurde der Kollege krank. Eine Blinddarmentz\u00fcndung. Das war \u00e4rgerlich, denn ich wollte die CD nicht so lange behalten. Da fiel mir ein, dass Leo und Max beide aus Steyr waren. Und ich nahm mir ein Herz und fragte Leo, ob er ihm nicht die CD bringen konnte\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr erfreut sah Leo nicht aus. Wie ich erst sp\u00e4ter erfuhr war er auf Max nicht gut zu sprechen. Da hatte es offenbar gr\u00f6bere Differenzen gegeben. Aber Leo versprach mir trotzdem, daf\u00fcr zu sorgen, dass die CD beim Kollegen ankam. Eine L\u00fcge, wie sich herausstellte. Seine CD bekam Max nicht mehr und er war sehr sauer auf mich. Die Optik war schlecht. Leo hatte die CD wohl einfach weggeworfen, aber ich konnte es nicht beweisen und sah wie eine Diebin aus\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4ter sa\u00dfen wir, Ali und ich, auf der Couch. Ich hatte den Kopf auf seine Schulter gelegt und er den Arm um mich. Wir sahen fern und doch auch nicht, denn mein Mann redete weiter auf mich ein. \u201eNat\u00fcrlich war das fies, das ist keine Art. Etwas versprechen und dann alles bestreiten. Kein feiner Zug, aber gebracht hat es ihm nichts. In seiner Arbeit ist er gut, aber im Grunde ist er ein verbitterter alter Mann. Im Ruhestand wird ihm die Decke auf den Kopf fallen\u2026\u201c Ich schwieg und schloss die Augen. Mochte sein, dass Albert Recht hatte, aber von Menschen wie Leo hielt ich nichts. Zu einfach all das mit seinen Lebensumst\u00e4nden zu entschuldigen\u2026<\/p>\n<p>\u00a0Vivienne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albert kam gegen 19:00 Uhr nach Hause. 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