{"id":16164,"date":"2014-05-31T16:00:20","date_gmt":"2014-05-31T14:00:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/?p=16164"},"modified":"2018-09-29T10:01:34","modified_gmt":"2018-09-29T08:01:34","slug":"wo-ist-bambi-schlumpfenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wo-ist-bambi-schlumpfenland\/","title":{"rendered":"Wo ist Bambi? &#8211; Schlumpfenland ist \u00fcberall"},"content":{"rendered":"<p>Kriegsgerichts-Spruchkammer, Komando Nord, (Kundus), im Nachfolgenden Kammer genannt.<br \/>\nDie Kammer kommt nach ausf\u00fchrlicher Pr\u00fcfung der Tatsachen zu folgender Ansicht der Vorg\u00e4nge im abschlie\u00dfenden Bericht.<br \/>\nDie Kammer kommt zudem, zu abschlie\u00dfender Beurteilung im Falle des Soldaten Hauptfeldwebel Herbert F\u00f6rster:<\/p>\n<p>Bambi blickt ihn stumm an. Ja, dieser Vergleich war ihm sofort eingefallen. Waren es nicht diese Rehaugen einer Walt-Disney-Filmfigur, die ihm schon damals in seiner Kindheit, dieses Spiel, Liebe genannt, gewahr werden lie\u00df?<br \/>\nIhre H\u00e4nde, schmalgliederig, die Br\u00e4une ihres Teints wiedergebend, ber\u00fchren ihn wie beil\u00e4ufig.<br \/>\nBambis Augen spiegelten schon immer eine gewisse Leidenschaft, so versucht er es sich einzureden.<\/p>\n<p>Kammer: Die Umst\u00e4nde, in aller Tragik, wurden wie nachfolgend gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<p>\u201eHe, Hauptfeld, Du wirst es nicht glauben. Wir haben es aus ganz sicherer Quelle, f\u00fcr dich ist dieser Schei\u00dfkrieg im Sack und obendrauf gibt\u2019s noch ne dicke Bef\u00f6rderung. Du wirst den Staber einfach \u00fcberspringen und direkt zum Oberstaber ernannt. Der Airbus wird dich morgen in Kabul aufnehmen. Wir m\u00fcssen nur fingern, wie wir dich auch p\u00fcnktlich dahin schaffen.\u201c<\/p>\n<p>Aha, Oberstabsfeldwebel. Nat\u00fcrlich, er w\u00fcrde den Stabsfeldwebel einfach \u00fcberspringen d\u00fcrfen. Ja, so machten sie es immer.<\/p>\n<p>Kammer: Die Anwesenheit von Kombatanten war trotz ausf\u00fchrlicher Berichte von derTruppe Zugewandten, zum Zeitpunkt des Vorsto\u00dfes der Patrouille nicht vorhersehbar.<\/p>\n<p>Nicht vorhersehbar? Nein, nicht vorhersehbar. Aber auch nicht unvorhersehbar, das wusste man auch vorher schon.<\/p>\n<p>Leutnant Fischer, der \u201eFinger im Po\u201c, war an sein Bett getretten. Hinter seiner grinsenden Fresse konnte er Schl\u00fcter und Kofi Anan erkennen. Obwohl ihm der Leutnant mit seiner riesigen Gestalt beinahe die Sicht verstellte, waren Hauptmann Schl\u00fcter und der Sanit\u00e4ter mit der Bronzehaut und dem Ziegenbart, gar nicht zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Bambi \u00f6ffnete seine Augen und es wurde ihm sofort sehr warm ums Herz.<\/p>\n<p>Fischer, der wohl liebensw\u00fcrdigste Kerl unter all diesen, teils verkniffenen \u201eGestalten am Arsch der Welt\u201c, hatte sich damals bei ihnen vorgestellt.<br \/>\nEr war vor den Zug getreten und drei\u00dfig Augenpaare verfolgten das, was sich ihnen dann so darbot.<br \/>\nEs war da noch an Schl\u00fcter, diesen Kerl in seiner aufs feinste geb\u00fcgelten Uniform als seinen Nachfolger vorzustellen.<\/p>\n<p>Kammer: Beim Ausr\u00fccken der Patrouille in den Morgenstunden, herrschte, jahreszeitlich bedingter dichter Nebel, was unbedingt den Zweck der Operation beg\u00fcnstigt hatte. Anstelle der vorgeschriebenen Anwesenheit eines \u00dcbersetzers, wurden ausdr\u00fccklich derer Zwei verpflichtet. Die Zielorte der Operation waren vorher schon durch einen Drohneneinsatz der Allierten (hier der US-Airforce) durch Infrarot-Markierungen an den beidseitigen Bergh\u00e4ngen klar gekennzeichnet.<\/p>\n<p>Fischer, da schon zur Bef\u00f6rderung zum Oberleutnant vorgeschlagen, hatte demnach \u201eein Jahr Afgha eigheimst\u201c, bislang die wohl beste Empfehlung zum Aufstieg auf die Erfolgsleiter in den Himmel allen Milit\u00e4rischens.<\/p>\n<p>\u201eLeute, wir sind hier, beinahe von aller Welt vergessen, am Arsch der Welt. Und, was der Hauptmann hier, verzeih mir Kamerad Schl\u00fcter, gerade vergessen hat zu erw\u00e4hnen, ich f\u00fchle mich seit heute Morgen sogar, als \u201eder Finger im Arsch der Welt\u201c!\u201c<br \/>\nEr hatte in sich hineingelacht und dabei auf sein \u00fcberdimensionales Riechorgan gedeutet, was er wohl somit sprachlich zu seinem Finger umgedeutet haben wollte.<\/p>\n<p>Was wohl als m\u00f6glicherweise gut gemeinte Auflockerung der Angetretenen gedacht war, ging dabei sowas von voll in die Hose. Und die versteinerten Minen der Soldaten und der drei Soldatinnen im Zug erzeugten in ihm beinahe Brechreiz.<\/p>\n<p>Bambi nestelte da unten irgendwie und irgendwo. Er schloss die Augen. Tadschikin? Wo standen die eigentlich? Feind? Freund? Unparteiische?<\/p>\n<p>Kammer: Bei Ann\u00e4herung der Patrouille ans Zielgebiet wurde zun\u00e4chst der Gef\u00e4hrdungsstatus IED (Improvised Explosive Devices) abgekl\u00e4rt. Infolge kam es zu Kontakten zur Zivilbev\u00f6lkerung. Von beiden \u00dcbersetzern wurde der Kontakt als zun\u00e4chst noch friedlich bezeichnet.<\/p>\n<p>Wenn du glaubst, Fischer, wir sehen dich hier als Hengst im Karpfenteich, dann hast du dich aber voll geschnitten. Na, das fing ja schon gut an. Ein karrieregeiler Leutnant auf der untersten Stufe der Offiziersstiege zur Generalit\u00e4t, tritt vor dem Zug an und versucht, sich mit kumpeligem Gew\u00e4sch bei seinen Untergebenen einzuschleimen.<\/p>\n<p>Bambi, du wirst es nicht f\u00fcr m\u00f6glich halten, aber, du tust mir gut.<\/p>\n<p>Kammer: Bei Abwicklung des Kontaktes mit der einheimischen Bev\u00f6lkerung kam es zu einem Zwischenfall, der, wenn man die \u00fcberaus gespannte Lage nach Ausschaltung zweier Armee-Tanklastwagen und einer noch nicht vollends gekl\u00e4rten Anzahl von feindlichen K\u00e4mpfern durch die befreundeten Luftstreitkr\u00e4fte (hier der US-Airforce) ber\u00fccksichtigt, sich so erkl\u00e4rt:<br \/>\nForderungen wurden gestellt. Es ging um einen ganz konkreten Betrag, der aber durch die Unvergleichbarkeit der Landesw\u00e4hrungen mit dem Euro, hier der Einfachheit halber mit 2.000 Euro (in Worten zweitausend Euro) angesetzt werden kann.<\/p>\n<p>Es gab da mal einen \u00e4hnlichen Zustand f\u00fcr ihn. Seine damalige Freundin Ilona, sie kannten sich erst ein paar Tage, ber\u00fchrte seine Brust. Es war Sommer und er hatte sein Hemd lediglich um die Schultern geschlungen und sie einfach wortlos in den Arm genommen. Sie war nur ganz leicht zur\u00fcck gezuckt. Doch dann hatte sie \u00fcber seine Brustbehaarung gestreichelt.<br \/>\nNun aber, war alles ganz anders.<br \/>\nF\u00fchlt es sich so erst an, wenn man tot ist?<br \/>\nBambi, was genau f\u00fchlst du nun dabei?<\/p>\n<p>Kammer: Durch den schon vom Vortrupp eingesetzten Sprengstoff-Suchhund wurde zun\u00e4chst Alarm gegeben. Die Patrouille handelte gem\u00e4\u00df den Anweisungen des Truppf\u00fchrers, Oberleutnant Fischer. F\u00e4cherf\u00f6rmig wurde ausgeschw\u00e4rmt, dabei die Zivilisten durch einfache Ansprache zur\u00fcck gedr\u00e4ngt. Der Hauptfeldwebel Herbert F\u00f6rster n\u00e4herte sich den Dienstanweisungen gem\u00e4\u00df dem vermutlichen Sprengsatz, der sich dann aber lediglich als, von der Bev\u00f6lkerung selber zuvor verlegtes Verl\u00e4ngerungskabel zu einer entfernteren Behausung heraus stellte. Zu weiteren Forderungen von seiten der Dorf\u00e4ltesten kam es dann auch nachfolgend nicht mehr. Von beiden \u00dcbersetzern wurde zu sofortigem Abmarsch geraten. Fragen nach weiteren elektrischen Installationen, die den Verdacht auf Sprengfallen begr\u00fcndet h\u00e4tten, konnten oder wollten von der Bev\u00f6lkerung nicht beantwortet werden.<\/p>\n<p>\u201eUm dir den Abschied zu vers\u00fc\u00dfen, Herbert, haben wir uns gedacht, wir schicken dir Bambi ins Krankenbett. Vielleicht kommen ja dann endlich mal wieder ein paar Gef\u00fchle auf.\u201c<br \/>\nKofi, grinsend wie ein Honigkuchenpferd, hatte auf eine junge Frau in seinem Gefolge gedeutet.<\/p>\n<p>Oh ja, Bambi, das tut gut! Ber\u00fchre meine H\u00e4nde. Du glaubst gar nicht, wieviel mir Ber\u00fchrungen, oder sind es Liebkosungen, bedeuten k\u00f6nnen. Ist es nicht seltsam, dass ich erst jetzt dieses alles f\u00fcr mich entdecke?<\/p>\n<p>Kammer: Der f\u00fcr die Kampfmittel-Beseitigung speziell ausgebildete Hauptfeldwebel Herbert F\u00f6rster sollte weitere, durch den Gegner oder dessen Kombatanten positionierte \u201esecond IDE\u201c aufkl\u00e4ren. Seine Ma\u00dfnahmen f\u00f6rderten einen Sprengsatz mit genauer Zielrichtung Stra\u00dfenmitte zutage. Die Sprengladung kann mit etwa 200 Gramm Sempex angegeben werden. Weiterhin enthielt die Rohrbombe etwa drei Kilogramm Metallschrot. Die r\u00f6hrenf\u00f6rmige Struktur war sehr gut mit Baumrinde getarnt und es ist mehr als gewiss, dass der vom Triggermann ausgel\u00f6ste Funkausl\u00f6ser entweder streikte oder der durch den von Hfw. Herbert F\u00f6rster am Mann getragene St\u00f6rsender das Ausl\u00f6se-Signal unterdr\u00fcckte.<\/p>\n<p>Bambi, wei\u00dft du, an wen du mich erinnerst? Nein, kannst du ja gar nicht. Obwohl du ja ganz genau wei\u00dft oder wissen kannst, was mich an deinen Busen dr\u00e4ngt. Ja, meine Mutter war, wie ja bei wohl allen M\u00e4nnern, mein erster Sexueller Kontakt. Wohl so auch von der Natur genau geplant. Was sagst du denn dazu?<br \/>\nDein Geruch?<br \/>\nBet\u00f6rend!<\/p>\n<p>Kammer: Der an der Spitze des Konvoys fahrende Sp\u00fcrpanzer vom Typ Wiesel mit Bodendurchdringungsradar setzte dann in Richtung Br\u00fccke \u00fcber den Bach vor und ersp\u00fcrte auch direkt hinter dem befestigten Teil des \u00dcberganges ein verd\u00e4chtiges Echo.<\/p>\n<p>Beine, Bambi, streichle meine Beine! Du hast so zarte Finger, bitte lass nicht nach.<\/p>\n<p>Kofi Anan, alle nannten ihn so wegen seiner absoluten \u00c4hnlichkeit mit dem fr\u00fcheren UN-Boss, n\u00e4hert sich. M\u00e4nnerpranken unterbrechen seine Tr\u00e4ume. Pl\u00f6tzlich ist Bambi weg. Wo ist Bambi?<br \/>\nM\u00e4nnerf\u00e4uste packen ihn auf die Trage. Kofi Anan, woher, sagtest du, kam dein Vater? Nigeria?<\/p>\n<p>\u201eHauptfeld Schr\u00f6der, es war verdammt sch\u00f6n, dich kennen gelernt zu haben.\u201c<br \/>\nKofi, du alter Sanifritze, es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn du mich mal zuhause besuchen w\u00fcrdest. Und weisst du was, bring doch einfach Bambi mit. Sie hat so zarte, weiche Finger.<\/p>\n<p>Kammer: Die St\u00e4rke des Echos lies zweifelsfrei eine in etwa zwei Metern Sand vergrabene Sprengfalle vermuten. Die Ladung darf mit gro\u00dfer Sicherheit um die f\u00fcnfzig Kilogramm gesch\u00e4tzt werden. Hfw. Schr\u00f6der schritt, den Sp\u00fcrhund kurz haltend, die Distanz zum Sp\u00fcrpanzer neben dem Fu\u00dfweg ab und querte dabei den, jahreszeitlich bedingt, ausgetrockneten Bach. In etwa der Mitte des Flu\u00dflaufes blieb der Hfw. stehen, so \u00fcbereinstimmende Aussagen der etwas ferner Wartenden. Es ist zu vermuten, dass der Sp\u00fcrhund angeschlagen hatte. Weiterhin ist den Aussagen der befragten Bundeswehr-Angeh\u00f6rigen (Protokolle liegen in Kopien bei) zu entnehmen, dass f\u00fcr alle Beteiligten, die nachfolgende Detonation v\u00f6llig unvorhersehbar geschah. Ein Verschulden durch Vers\u00e4umnisse oder Regelwidrigkeiten oder bewusste Herbeif\u00fchrungen durch BW-Angeh\u00f6rige, sind nach Auffassung der Kammer nicht weiter nachvollziehbar. Einlassungen der Dorfbewohner hierzu, waren nicht einholbar.<\/p>\n<p>Nachtrag Kammer, nur f\u00fcr den Dienstgebrauch: Die Ladung riss dem Hfw. Herbert Schr\u00f6der beide Beine, sowie beide H\u00e4nde ab. Weiterhin zerfetzte der Sprengsatz den Unterleib des Hfw und das rechte Auge.<br \/>\nAufgrund der sehr schweren Beeintr\u00e4chtigung des Hfw. schl\u00e4gt die Kammer die vorl\u00e4ufige Versetzung in den Ruhestand vor und die umgehende Bef\u00f6rderung, unter \u00dcbergehung des n\u00e4chsth\u00f6heren Dienstranges, des Hfw. zum Oberstabsfeldwebel.<br \/>\nEine eventuell von der Einsatzleitung Dresden doch noch vorgesehene Rehabilitierung des Herbert Schr\u00f6der, wird von unserer Seite als v\u00f6llig ausgeschlossen betrachtet.<br \/>\nDie Springerzulage sowie die Auslandsverg\u00fctungen sind dar\u00fcber hinaus, mit sofortiger Wirkung zu streichen.<\/p>\n<p>Bambi? Wo ist Bambi? Woher sagtest du, kam nochmal deine Mutter? Tadschikistan?<br \/>\nFeind?<br \/>\nFreund?<br \/>\nUnparteiisch?<\/p>\n<p><b>Chefschlumpf<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kriegsgerichts-Spruchkammer, Komando Nord, (Kundus), im Nachfolgenden Kammer genannt. 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