{"id":17404,"date":"2004-01-09T19:49:31","date_gmt":"2004-01-09T18:49:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/?p=17404"},"modified":"2016-01-16T11:19:30","modified_gmt":"2016-01-16T10:19:30","slug":"columbo-ansichtssache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/columbo-ansichtssache\/","title":{"rendered":"Columbo &#8211; Ansichtssache"},"content":{"rendered":"<p>Nur wenige andere TV-Produktion haben die Zuseher \u00fcber solange Zeit gleicherma\u00dfen begeistert wie\u00a0 der Inspektor im Regenmantel. Columbo kann man kaum gleichg\u00fcltig gegen\u00fcberstehen &#8211; Columbo ist einfach Kult! Als eingefleischter Columbo-Fan bin ich davon \u00fcberzeugt, dass die Zahl derer, die den Inspektor verehren weit gr\u00f6\u00dfer ist als man vermuten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>1968 startete &#8222;Columbo&#8220; mit dem Titel &#8222;Mord nach Rezept&#8220; (Originaltitel: &#8222;Prescription: Murder&#8220;), in der Psychiater Dr. Ray Flemming, dargestellt durch Gene Barry, seine Frau ermordet und sich mit Hilfe seiner Geliebten ein fast perfektes Alibi verschafft. Der gro\u00dfe Erfolg des ersten Auftritts des Inspektors f\u00fchrte dazu, dass &#8222;Columbo&#8220; 1971 in Serie ging. &#8222;L\u00f6segeld f\u00fcr einen Toten&#8220; war der Auftakt zu 44 Folgen. 1978 wurde die Serie beendet, 10 Jahre sp\u00e4ter gab es ein Comeback f\u00fcr &#8222;Columbo&#8220;. Ein Ende ist nicht in Sicht, der heute 76j\u00e4hrige Peter Falk hat noch keine Ambitionen in den Ruhestand zu treten, wenngleich die Anzahl neuer Folgen nur mehr \u00e4u\u00dferst gering ist. Die 70te Folge wurde aber vor gar nicht so langer Zeit abgedreht.<\/p>\n<p>Worin steckt das Geheimnis, das Erfolgsrezept von &#8222;Columbo&#8220;? Kein TV-Sender w\u00fcrde sich getrauen eine andere Serie derart h\u00e4ufig zu wiederholen als dies bei Columbo der Fall ist, der im deutschsprachigen Fernsehen etwa bei ORF, RTL und Premiere laufend am Programm steht. Selbst besitze ich fast alle Folgen auf DVD und habe jede einzelne wohl auch mindestens schon 10mal mit anhaltender Begeisterung angesehen.<\/p>\n<p>70 Folgen in einem Zeitraum von 35 Jahren sind nicht wirklich viel, andere Serien haben in einer wesentlich k\u00fcrzeren Laufzeit eine Vielzahl an Folgen produziert. Ich bin aber davon \u00fcberzeugt, dass darin bereits das erste Erfolgsgeheimnis von Columbo steckt. Columbo ist einfach nicht mit inflation\u00e4ren Serien \u00e1 la &#8222;Derrick&#8220; zu vergleichen, Columbo-Fans m\u00f6gen mir vorweg diesen seltsamen Vergleich verzeihen.<\/p>\n<p>Ein stets pointiertes, gro\u00dfteils durchdachtes Drehbuch der einzelnen Folgen zeichnet wohl sicher f\u00fcr den Erfolg der Serie verantwortlich. Aber das wesentlichste an &#8222;Columbo&#8220; ist das klare Konzept der Serie, das in all den Jahrzehnten nicht wesentlich ver\u00e4ndert wurde. Ein Inspektor mit abgetragener Stangenware und Regenmantel, der vorwiegend in den S\u00e4ulenhallen der Besserverdienenden von Los Angeles herumschn\u00fcffelt. Die M\u00f6rder stammen fast immer aus gehobenen Gesellschaftsschichten &#8211; Politiker, Prominente, Firmenbosse &#8211; wodurch die Auseinandersetzung nicht nur auf dem Level &#8222;gut gegen b\u00f6se&#8220; sondern auch &#8222;arm gegen reich&#8220; ausgetragen wird. Das Scheitern der gehobenen Kreise, hartn\u00e4ckig zelebriert durch den &#8222;kleinen Mann&#8220; ist ein Teil des Erfolgsrezeptes. Columbo ist kein Sch\u00f6nling wie &#8222;Magnum&#8220;, kein Macho wie &#8222;Kojak&#8220; und keine Vaterfigur wie Karl Malden in den &#8222;Stra\u00dfen von San Francisco&#8220;. Columbo vermittelt laufend Einblicke in sein Privatleben, gibt sich leutselig und \u00fcberschwenglich, das macht ihm zu einen von uns, das macht ihm sympathisch. Kaum eine andere TV-Figur arbeitet derart geschickt mit diesen Stilmitteln.<\/p>\n<p>Kein Vorname, eine unsichtbare Ehefrau, ein verbeultes Auto, ein lethargischer Hund, ein Regenmantel und eine Zigarre &#8211; mehr braucht Columbo nicht um seine F\u00e4lle zu l\u00f6sen. &#8222;Columbo&#8220; ist aber auch keine Polizei-Serie &#8211; der Begriff Serie isthier ohnehin nicht im herk\u00f6mmlichen Sinn anzuwenden, wie ich denke. Zahlreiche Krimiserien arbeiten in der Regel nach dem &#8222;whodunnit&#8220; (dt. &#8222;wer hat es getan&#8220;)-Strickmuster, in dem mehrere Verd\u00e4chtige angeboten werden, der Zuseher selbst mitraten darf und der M\u00f6rder erst am Ende der Episode entlarvt wird. Einen solchen Krimi m\u00f6chten nur wenige in der Wiederholung sehen, da man &#8222;eh schon alles wei\u00df&#8220;. Hier geht &#8222;Columbo&#8220; prinzipiell andere Wege, die Zuseher kennen den M\u00f6rder von Beginn an, die Spannung liegt nur mehr darin, wie Columbo den T\u00e4ter \u00fcberf\u00fchren wird, in den er sich ohnehin zumeist schon von Beginn weg verbei\u00dft.<\/p>\n<p>Der Charakter des zerstreut wirkenden Zigarrenrauchers bleibt r\u00e4tselhaft, wie auch sein Privatleben. Weder die M\u00f6rder, noch die Zuseher werden jemals wissen, ob die Geschichten aus seinem Privatleben, die unterw\u00fcrfige H\u00f6flichkeit oder die Vergesslichkeit und Umst\u00e4ndlichkeit Teil seiner Person, oder nur Teil einer klug eingesetzten und untersch\u00e4tzten Strategie sein sollen.<\/p>\n<p>Columbo ist auf seine Art und Weise auch erheiternd. Jede Folge enth\u00e4lt gelungene Dialog-Pointen und skurrilen Humor. &#8222;Moment, da w\u00e4re noch eine Kleinigkeit&#8230;&#8220;, &#8222;Wissen Sie ich brauche das f\u00fcr meinen Bericht&#8230;&#8220; sind Dialoge, die sich oftmals wieder finden. In zwei Folgen wird Columbo von der M\u00f6rderin nach seinen Vornamen gefragt. Durch die Antworten &#8222;Ja, aber den verwendet nur meine Frau&#8220; oder &#8222;Ja, Inspektor!&#8220; beh\u00e4lt er gerade jenes Geheimnis f\u00fcr sich, das manche Fans so gerne l\u00fcften w\u00fcrden. So soll ein Columbo-Fan eine Szene aus der Folge &#8222;Mord unter 6 Augen&#8220; einmal vergr\u00f6ssert haben, um auf Columbos Dienstausweis den Vornamen Frank zu entziffern. Dieser d\u00fcrfte aber nur auf einen \u00fcbereifrigen Requisiteur zur\u00fcckzuf\u00fchren gewesen sein, laut Auskunft der Produzenten hat Columbo keinen Vornamen. Das erinnert an die Aktion einer deutschen Zeitung, die in den 90ern ihre Leser zur Wahl einer Mrs.Columbo-Darstellerin aufrief. Peter Falks Kommentar damals dazu: &#8222;Niemals!&#8220;<\/p>\n<p>Auch die Besetzungslisten sind eine Erw\u00e4hnung wert. Die Mitwirkung des gro\u00dfen Burgschauspielers Oskar Werner als M\u00f6rder seiner Schwiegermutter in &#8222;Playback&#8220; etwa soll Peter Falk ein besonderes Anliegen gewesen sein. Legend\u00e4r auch, als Country-Legende Johnny Cash in &#8222;Schwanengesang&#8220; einen mordenden Country-Star verk\u00f6rpert. Auch die Crew vom Raumschiff Enterprise wurde vom Inspektor des Mordes \u00fcberf\u00fchrt. Leonard &#8222;Spock&#8220; Nimoy als Arzt in &#8222;Zwei Leben an einem Faden&#8220; und William &#8222;Kirk&#8220; Shatner gleich zweimal in &#8222;Mord im Bistro&#8220; und &#8222;Todessch\u00fcsse auf dem Anrufbeantworter&#8220;. Das Morden nicht lassen konnte auch Patrik McGoohan, der in insgesamt vier Folgen von Columbo verhaftet wurde und auch in mehreren Folgen die Regie \u00fcbernommen hatte. Robert Culp und Jack Cassidi wirkten in jeweils drei Folgen in der Rolle des M\u00f6rders mit. Peter Falks Gattin Shera Danese ist gleich in f\u00fcnf Folgen zu sehen, wenngleich sie in keiner dieser als M\u00f6rderin agiert.<\/p>\n<p>Das &#8222;Columbo&#8220; mehr als einfach nur eine TV-Serie ist, zeigen auch die vielen von Fans erstellten privaten Webseiten, die sich mit dem Inspektor besch\u00e4ftigen. Auf einer meiner Lieblingsseiten, dem Columbo Guide etwa werden nicht nur alle bisherigen Folgen genauestens beschrieben und beurteilt, auch das Privatleben von Columbo wird wie ein Puzzle aus den einzelnen Folgen rekonstruiert. Weiters stehen eine Columbo-Datenbank, ein Columbo-Forum und ein Columbo-Chat zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Die Entstehung des Ph\u00e4nomens Columbo geht auf die Freundschaft zwischen Richard Levinson und William Link zur\u00fcck, die eine Begeisterung f\u00fcr Zauberei und Kriminalstories verband. Die beiden Autoren schrieben B\u00fccher f\u00fcr verschiedene Serien. Anfang der 60er Jahre schrieben sie ein Theaterst\u00fcck, das in San Francisco Premiere feierte. Es ging dabei um einen durchtriebenen Psychiater Dr. Ray Flamming, Inspektor Columbo wurde dargestellt von Thomas Mitchell, der nach der Vorstellung f\u00fcr seine Rolle immer den meisten Applaus verbuchen durfte. Levinson und Link ging der Applaus nicht aus dem Kopf, welchen Columbo als eigentliche Nebenfigur, von den Theaterbesuchern bekommen hatte. So schrieben sie das Theaterst\u00fcck um und boten es dem Fernsehen an. Universal war angetan und man zog eine Verfilmung des Theaterst\u00fccks in Betracht &#8230;<\/p>\n<p>Pedro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur wenige andere TV-Produktion haben die Zuseher &uuml;ber solange Zeit gleicherma&szlig;en begeistert wie&nbsp; der Inspektor im Regenmantel. 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