{"id":17442,"date":"2005-01-09T20:38:10","date_gmt":"2005-01-09T19:38:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/?p=17442"},"modified":"2016-01-17T09:45:59","modified_gmt":"2016-01-17T08:45:59","slug":"gedanken-zu-den-heiligen-kuehen-ansichtssache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/gedanken-zu-den-heiligen-kuehen-ansichtssache\/","title":{"rendered":"Gedanken zu den heiligen K\u00fchen &#8211; Ansichtssache"},"content":{"rendered":"<p>Vivienne hat in ihrem Beitrag &#8222;Die Heiligen K\u00fche&#8220; zuletzt das oftmals sehr selektiv scheinende Eintreten der Arbeitnehmerorganisationen angeprangert. Konkret wird in dem Beitrag kritisiert, dass die Gewerkschaft bei Berufsgruppen wie Metallern, Eisenbahnern oder Beamten \u00e4u\u00dferst rasch aktiv wird, w\u00e4hrend es kaum jemanden st\u00f6rt, wenn etwa die Arbeitsbedingungen f\u00fcr Handelsangestellte mit den F\u00fcssen getreten werden. Ich m\u00f6chte in den nachfolgenden Zeilen gerne die Hintergr\u00fcnde etwas zu beleuchten versuchen.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaften machen selbst kein allzu gro\u00dfes Hehl daraus, dass sie nur in solchen Branchen etwas ausrichten k\u00f6nnten, wo sie auch gut organisiert sind. &#8222;Es gibt vieles, f\u00fcr das es sich lohnt organisiert zu sein&#8220;, lautet ein plakatierter Werbespruch des \u00d6GB zur Neugewinnung von Mitgliedern. Nun k\u00f6nnte man sagen, dass ein Rechtsanwalt\u00a0 auch nur die Interessen seiner zahlenden Mandanten vertritt. Eine zwiesp\u00e4ltige Angelegenheit: Der \u00d6GB wird meinen Vergleich nicht ganz widerspruchslos zustimmen, da damit der vielgepriesene Solidarit\u00e4tsgedanke abhanden kommen w\u00fcrde. Doch auf der anderen Seite ist der Gewerkschaftsbund als Wirtschaftsbetrieb nat\u00fcrlich an seiner Einnahmenentwicklung interessiert um seine Funktion\u00e4re finanzieren zu k\u00f6nnen. Auch wenn der legend\u00e4re Streikfonds in der Vergangenheit keine allzugro\u00dfen Abg\u00e4nge verzeichnen musste, m\u00fcssen Benefits f\u00fcr Gewerkschaftsmitarbeiter doch finanziert werden. Um die Gewerkschaft vom Vorwurf einer Profitoptimierung wieder freizuspielen, sei noch folgendes gesagt. Ich bin mir nat\u00fcrlich bewusst, dass die Gewerkschaft auch ein Mandat braucht um in Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite eintreten zu k\u00f6nnen und dieses Mandat k\u00f6nnen ihr in erster Linie nur Mitglieder verleihen.<\/p>\n<p>Meine vorangegangene Darstellung hat aber auch einen gewaltigen Hacken. Wie Vivienne in ihrem Beitrag bereits beschrieibt, geht es nicht um die unterschiedliche Behandlung von Mitgliedern und Nichtmitgliedern sondern um den Unterschied zwischen Branchen. Man muss sich wohl bewusst sein, dass die Arbeitsbedingungen nicht in allen Branchen ident sein k\u00f6nnen, dazu sind die Anforderungen und die Wertsch\u00f6pfung zu unterschiedlich. Der \u00d6GB macht sich in Branchen stark, wo er zahlreiche Mitglied hat, was dazu f\u00fchrt, dass dort auch oftmals bessere Arbeitsbedingungen vorherrschen. In Branchen mit deutlich schlechteren Kollektivvertr\u00e4gen &#8211; wie etwa dem Handel &#8211; finden sich auch weniger Gewerkschaftsmitglieder. Nun k\u00f6nnte man zum dem fatalen Schluss kommen, dass die Handelsangestellten an ihrer Lage selbst mitschuld w\u00e4ren. W\u00fcrden sie doch nur zahlreich der GPA beitreten k\u00f6nnten sich die Arbeitsbedingungen schlagartig bessern. Vielleicht ein klassischer Teufelskreis vor dem wir hier stehen: Der \u00d6GB kann oder will sich im Handel nicht mehr engagieren, weil er kein Mandat durch Mitglieder hat, die Handelsangestellten widerum treten nicht bei, weil sie sich davon nicht viel erwarten.<\/p>\n<p>So einfach ist die Welt aber leider auch nicht zu erkl\u00e4ren. Denn sehen wir uns die gewerkschaftlich stark organisierten Unternehmen doch mal n\u00e4her an. Es handelt sich entweder um Staatsbetriebe oder staatsnahe bzw. zumindest ehemals im Staatseinfluss befindliche Unternehmen, die teilweise eine ann\u00e4herende Monopolstellung in ihrem Bereich haben oder hatten. Hier waren und sind Verhandlungen mit einem m\u00f6glicherweise parteinahen, Eigent\u00fcmervertreter wesentlich einfacher zu f\u00fchren als mit dem Vertreter eines weltweit agierenden b\u00f6rsennotierten Konzern. Dass staatsnahe Betriebe einen hohen Anteil an Gewerkschaftsmitgliedern haben ist letztendlich auch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass eine Mitgliedschaft beinahe eine Voraussetzung f\u00fcr die Anstellung sein kann. Ein Umstand der in Kleinbetrieben ironischerweise gerade in umgekehrter Form besteht&#8230;<\/p>\n<p>In Zeiten der Globalisierung ist es f\u00fcr private Unternehmen am freien Markt modern geworden mit Auslagerung von Produktionsst\u00e4tten zu drohen, womit die Gewerkschaften in ihren Verhandlungen auch zunehmend konfrontiert werden. Eine Antwort auf diese Herausforderung ist aber ohnehin ein ganz anderes Thema&#8230;<\/p>\n<p>Pedro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vivienne hat in ihrem Beitrag &bdquo;Die Heiligen K&uuml;he&ldquo; zuletzt das oftmals sehr selektiv scheinende Eintreten der Arbeitnehmerorganisationen angeprangert. 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