{"id":18140,"date":"2002-01-17T13:40:35","date_gmt":"2002-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2002\/01\/neue-bohnen-zeitung-99\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:15","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:15","slug":"neue-bohnen-zeitung-99","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-99\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>               KRITISCH BETRACHTET<br \/>von <a href=\"mailto:silvia_pree@hotmail.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0               &#8211;\u00a0                September 2002<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Titus Feuerfuchs                l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen &#8211;<br \/>               Gedanken zur Intoleranz der Menschen<\/strong><\/p>\n<p>               <i>               Mit                unserem Urteil ist es wie mit unseren Uhren. Nicht zwei gehen                genau gleich, und doch glaubt jeder der seinigen<\/i>, sagt Alexander Pope und charakterisiert damit unsere                vorurteilsbehaftete Gesellschaft.                               Ich                pflegte immer schon zu sagen, dass eines der Grundprobleme der                Welt die Intoleranz ist. Man braucht nur in die Politik zu                schauen: wenn ein politischer Gegner eine gute Idee hat, wird                diese von der Regierung gleich einmal heruntergemacht, weil sie                eben von einer oppositionellen Partei kommt. Nicht selten greift                dann aber ein gewiefter Regierungschef so einen Einfall dann gern                auf, ver\u00e4ndert ihn leicht und verkauft das ganze dann als                hausgemacht. Aber wo k\u00e4me denn so einer hin, wenn er, was                eigentlich logisch w\u00e4re, diese gute Idee gleich guthei\u00dfen w\u00fcrde um                sie in Konsens mit der anderen Fraktion auszuarbeiten! Die andere                politische Couleur ist ein perfekter Vorwand, alte Vorurteile                auszugraben und statt zum Vorteil des Staates an einem Vorschlag                gemeinschaftlich zu werken, wird die Rivalit\u00e4t gef\u00f6rdert um sich                in der \u00d6ffentlichkeit zu profilieren. Solche Geschichten passieren                laufend, in \u00d6sterreich, in Deutschland \u0096 \u00fcberall in der ganzen                Welt.<\/p>\n<p>                              Vorurteile hat jeder Mensch, und sie sind durchwegs anerzogen.                Kein Mensch wird mit Vorurteilen geboren, sie sind Ergebnis der                Wirkung seines Umfeldes, seiner Freunde, seiner Familie. Auch                diese Vorurteile sind dem Wandel der Zeit und der                Wertvorstellungen der Menschen angepasst. \u00dcber Jahrhunderte war es                Usus, \u00fcber Juden zu schimpfen als die M\u00f6rder von Jesus Christus,                als Geizh\u00e4lse, als Kindsm\u00f6rder, als Ursache allen \u00dcbels \u0096 Schuld                daran war vielfach der Neid auf die meist etwas wohlhabenderen                Juden, die sich immer wieder als gute H\u00e4ndler oder auch                Geldverleiher ihr Geld verdienten. Wie hei\u00dft es so sch\u00f6n \u0096 <i>Neid                is was schiachs<\/i>! Dementsprechend arteten dieser Neid und die                daraus resultierenden Vorurteile in den furchtbaren Holocaust des                2. Weltkrieges aus&#8230;<\/p>\n<p>                              Eine                andere Gruppe, die auch in der Vergangenheit \u00fcber einen l\u00e4ngeren                Zeitraum hinweg vorzugsweise als Hexen und Menschen, die mit dem                Teufel im Bund sind, verschrien waren, sind die \u0084echten\u0093                Rothaarigen, eine Spezies, der ich selber auch angeh\u00f6re. Da hat                aber in der Zwischenzeit entschieden ein Wertewandel                stattgefunden, wenn man die von pink bis gulaschfarben in allen                Nuancen gef\u00e4rbten Sch\u00f6pfe der (vornehmlich) Frauen und M\u00e4del so in                der Stadt begutachtet. In meiner Kindheit n\u00e4mlich war \u0084Rot\u0093 noch                keine Trendfarbe, im Gegenteil: man musste sich schon manches                anh\u00f6ren von ach so liebenswerten Schulkollegen. Mir machte das                wenig aus, ich war immer stolz auf meine Haarfarbe, die mich mit                dem Gef\u00fchl erf\u00fcllte, etwas Besonderes zu sein. Trotzdem sind mir                noch etliche Episoden in Erinnerung, in der meine Geschwister                (ebenfalls durchwegs rothaarig oder br\u00fcnett) und ich uns mit den                verschrobenen Ausw\u00fcchsen dieser Vorurteile konfrontiert sahen.<\/p>\n<p>                              Besonders deutlich erinnere ich mich an eine Geschichte im                Schulbus, die vor mehr als 25 Jahren passiert ist. Beim Aussteigen                dr\u00fcckte n\u00e4mlich die Frau des Busfahrers, eine bekannte Erscheinung                bei uns, meiner j\u00fcngeren, br\u00fcnetten Schwester 5 Schilling in die                Hand und meinte dazu: \u0084Weil wenigstens du keine roten Haare hast!\u0093                Solch eine Stilbl\u00fcte w\u00e4re wohl normalerweise ein Fall f\u00fcr eine                Sitcom, wenn es nicht im Grunde genommen todtraurig ist, dass in                unserer Gesellschaft tats\u00e4chlich noch solche Leute herumlaufen,                die sich nichts dabei denken, solche \u00c4u\u00dferungen auf kleine Kinder                loszulassen. Wie schon angesprochen, Blondinen haben im 21.                Jahrhundert sicher die schlechtere Nachred\u0092 \u0096 aber im Grunde ist                das dasselbe Problem in Gr\u00fcn, wenn man vorzugsweise Frauen wegen                ihrer Haarfarbe einen durchschnittlichen Intelligenzquotienten                abspricht geschweige denn die F\u00e4higkeit einen akademischen Titel                zu erwerben zugesteht.<\/p>\n<p>                              Woher kommen solche Vorurteile? Nun, bei den Rothaarigen ist es                wohl immer dran gelegen, dass diese in der Bev\u00f6lkerung sehr selten                vorkommen \u0096 auf der Welt dominieren die Dunkelhaarigen sowie die                Blonden aller Schattierungen und wohlgemerkt \u0084echte\u0093 Rothaarige                kommen nicht oft vor. Selbst Irland, angeblich die Hochburg der                Rothaarigen, hat in Wahrheit in der Bev\u00f6lkerung auch keinen                h\u00f6heren Anteil an Rothaarigen als anderswo. Aber wo immer du zu                einer Minderheit geh\u00f6rst, bist du auch anders. Und das Schlimme                auf der Welt ist, wenn du anders bist, wirst du bl\u00f6d angeschaut                und musst dich rechtfertigen, warum du anders bist. Und besonders                \u0084intelligente\u0093 Leute sprechen dann in krasseren F\u00e4llen gern von                einem \u0084Kainsmal\u0093 mit dem Gott die \u0084Schlechten\u0093 zeichnet&#8230;<\/p>\n<p>                                             Johann Nestroy                hat sich vor etwas 160 Jahren den Vorurteilen gegen\u00fcber den                Rothaarigen angenommen.                Mit der Figur des \u0084rotschedlerden\u0093 Titus Feurfuchs schuf er auf                seine unnachahmliche Art einen jungen Mann, dem mit Per\u00fccke                pl\u00f6tzlich alle Wege offen stehen und dem auch die Frauenherzen zu                F\u00fc\u00dfen liegen. Perfekt hat er damit die feine Wiener Gesellschaft                des Biedermeier karikiert und auf die Schaufel genommen, eine                Gesellschaft, die gut und gerne auch f\u00fcr die heutige steht. Die                Menschen haben sich im Grunde nicht ver\u00e4ndert, die Vorurteile sind                dieselben geblieben. Nur die Zielgruppen, gegen die sie sich                richten, haben sich ver\u00e4ndert. Das hat Albert Einstein schon vor                vielen Jahren erkannt: \u0084<i>Es ist schwerer ein Vorurteil zu                zertr\u00fcmmern als ein Atom.<\/i>\u0093  <\/p>\n<p>                              Dem                ist nichts hinzuzuf\u00fcgen, meint<\/p>\n<p>                              Vivienne<\/p>\n<p>               \u00a0<\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>               \u00a0<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KRITISCH BETRACHTETvon Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; September 2002 Titus Feuerfuchs l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en &ndash; Gedanken zur Intoleranz der Menschen Mit unserem Urteil ist &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-99\/#more-18140\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-18140","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kritisch-betrachtet","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18140","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18140"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18140\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18140"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18140"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18140"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}