{"id":18153,"date":"2002-01-17T13:40:35","date_gmt":"2002-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2002\/01\/neue-bohnen-zeitung-112\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:15","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:15","slug":"neue-bohnen-zeitung-112","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-112\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>               KRITISCH BETRACHTET<br \/>von <a href=\"mailto:silvia_pree@hotmail.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0               &#8211;\u00a0                Mai 2002<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Das leidige Problem                mit der &#8222;Verh\u00fctung&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>               Als in den 50er                Jahren die Antibabypille entwickelt wurde und in der Folge Einzug                in unser Leben fand, preisten und r\u00fchmten Feministinnen vorerst                die \u0084Befreiung\u0093 der Frau und die M\u00f6glichkeit selbst zu bestimmen,                ob und wann frau schwanger wird. Leider hat sich dieses anfangs so                hochgelobte Produkt irgendwie doch als ein Eigentor erwiesen.                Obwohl sie zweifelsohne das wirksamste aller Verh\u00fctungsmittel ist,                bietet sie keinerlei Schutz vor Geschlechtskrankheiten wie Aids                oder Hepatitis C. Au\u00dferdem ist sie wegen ihrer Nebenwirkungen                umstritten. Auch wenn \u00c4rzte und Wissenschafter bestreiten, dass                die \u0084Pille\u0093 Krebserkrankungen von Brust oder Eierst\u00f6cken ausl\u00f6sen                oder f\u00f6rdern k\u00f6nnte, irritiert mich pers\u00f6nlich, dass viele Frauen                gerade der \u0084ersten Pillengeneration\u0093 (jene, die noch die vielfach                \u00fcberdosierten Hormonpr\u00e4parate schluckten) am Mammakarzinom                erkranken. Die gro\u00dfe Thrombosegefahr, die die Pille f\u00fcr einen                bestimmten Typ Frau darstellt, traut sich ohnedies kein Gyn\u00e4kologe                mehr unter den Tisch zu kehren.<\/p>\n<p>               In einer l\u00e4ngeren                Beziehung hat sich \u00fcblicherweise eingependelt, wer verh\u00fctet bzw.                wie verh\u00fctet wird. In den meisten F\u00e4llen ist das die Frau, die der                Einfachheit halber zur \u0084Pille\u0093 greift. Anders, wenn eine                Freundschaft zwischen zwei Menschen sch\u00f6n langsam enger wird und                sich nach einem Rendezvous oder Date auf einmal die Frage stellt:                \u0084Bei mir oder bei dir?\u0093 Frau hat da oft Hemmungen, \u0084ihn\u0093 zu                bewegen zum Kondom zu greifen. Vielfach kommt f\u00fcr M\u00e4nner das                Kondom \u0084auf\u00a0 keinen Fall in Frage, weil es nicht dasselbe ist\u0093                oder er \u0084sich dann auch gleich einen Regenmantel dr\u00fcberziehen                k\u00f6nnte\u0093. Pille hin oder her, die Verh\u00fctung bleibt damit an den                Frauen h\u00e4ngen \u0096 immerhin sind sie es, die einen m\u00f6glichen \u0084Unfall\u0093                ausbaden m\u00fcssten: mit Schwangerschaft und der Verantwortung f\u00fcr                das Kind. Den Verdruss mit dem Mann, in den man gerade frisch                verliebt ist, geht man als Frau gerne aus dem Weg. Er k\u00f6nnte ja                ernsthaft ver\u00e4rgert sein oder sich gar deswegen \u0084vertsch\u00fcssen\u0093.<\/p>\n<p>               Wenn man sich so                die Produkte ansieht, die zur Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung auf dem Markt                sind, f\u00e4llt auf, dass die meisten davon so konzipiert sind, dass                das weibliche Geschlecht sie anwenden muss. Neben der                \u0084klassischen\u0093 Pille, dem \u0084Diafragma\u0093 oder der \u0084Spirale\u0093 kommen                dabei vor allem Scheidenz\u00e4pfchen und vergleichbare Pr\u00e4parate in                Frage. Wer von Ihnen erinnert sich noch an die Lachnummer \u0084Femdom\u0093,                einer Art Kondom f\u00fcr die Frauen, die vor fast zehn Jahren zum                Ladenh\u00fcter Nr. 1 avancierte? Die Temperaturmethode, die \u00fcbrigens                als einzige von der Katholischen Kirche akzeptiert wird, ist, wie                jene Frauen best\u00e4tigen k\u00f6nnen, die sich schon mit ihr                auseinandergesetzt haben, enorm aufwendig und trotzdem nicht 100 %                sicher. Ann\u00e4hernd sicher scheint sie nur in Kombination mit dem                Kondom, das als einziges Verh\u00fctungsmittel einen sicheren Schutz                vor Aids oder Geschlechtskrankheiten bietet: nicht nur f\u00fcr die                Frauen sondern auch f\u00fcr die M\u00e4nner.<\/p>\n<p>               Die Frage dr\u00e4ngt                sich einmal mehr auf: Warum ist das so ein Problem f\u00fcr die M\u00e4nner                zum Kondom zu greifen? Auch Frauen m\u00fcssen allerhand                Unannehmlichkeiten auf sich nehmen, wenn es um Schutz vor                ungewollten Schwangerschaften geht. Und der Eingriff in ihren                Hormonhaushalt ist, wie oben erw\u00e4hnt, im Falle der \u0084Pille\u0093 nicht                ohne und langfristig noch nicht wirklich absehbar, weil zuwenig                erforscht. Eine von sich selbst sehr \u00fcberzeugte \u0084M\u00e4nnerkennerin\u0093,                mit der ich einmal zutun hatte, bezeichnete mich als weltfremd,                weil ich in einer Unterhaltung auf die Bedeutung des Kondoms bei                der Verh\u00fctung hinwies. Einem Mann k\u00f6nne man so etwas nicht                zumuten, belehrte mich die \u0084gute\u0093 Frau, der habe ein Recht auf                \u0084Natur pur\u0093 und au\u00dferdem auf \u0084Abwechslung im Bett\u0093. Obwohl ich es                so genau eigentlich gar nicht wissen wollte, \u0084begl\u00fcckte\u0093 mich die                \u0084erfahrene\u0093 Frau mit Allerlei aus ihrem \u0084Fundus\u0093 und dem \u0084reichen                Schatz an Erfahrungen\u0093 im Zusammenleben mit M\u00e4nnern sprich,                \u0084Tods\u00fcnden und Tugenden\u0093 in einer Beziehung.  <\/p>\n<p>               Was mich aber                trotzdem nicht dar\u00fcber hinweg t\u00e4uschte, dass die Frau keine                l\u00e4ngeren Beziehungen zustande brachte, sondern ihr, ganz ohne                Umschweife formuliert, jeder Mann nach relativ kurzer Zeit wieder                davonlief. Die Frau bem\u00fchte sich st\u00e4ndig um Fernsehauftritte, in                denen sie als Single f\u00fcr sich Werbung machte (Ob auch bei Edith                Klingers legend\u00e4rem \u0084Wer will mich?\u0093, wei\u00df ich nicht sicher! \ud83d\ude09                ). Irgendwie hinkte also die Realit\u00e4t hinter den                \u0084Lebenserfahrungen\u0093 dieser Frau her. Und mir vermittelte es den                Eindruck, dass \u0084es\u0093 mit dem Kondom (und wohl auch mit der F\u00fclle                der Liebespraktiken) allein nicht zu tun hat, wenn eine Beziehung                nicht funktioniert. Keinesfalls m\u00f6chte ich dem m\u00e4nnlichen                Geschlecht jetzt auf die F\u00fc\u00dfe treten: so wie ich es mir nicht                vorstellen kann, je zur Antibabypille zu greifen, gestehe ich es                auch jedem Mann grunds\u00e4tzlich zu, dass er sich dem Kondom                \u0084verweigert\u0093 \u0096 aus welchen Gr\u00fcnden auch\u00a0 immer. F\u00fcr den einzelnen                muss es passen \u0096 und jeder ist anders.<\/p>\n<p>               Bleibt trotzdem                die Frage der Verh\u00fctung, die wohl nicht alleine Sache der Frau                oder des weiblichen Geschlechts sein kann. Weitere Methoden wie                die Durchtrennung der Eileiter bei der Frau oder das Durchtrennen                der Samenstr\u00e4nge beim Mann sind auch nicht der Weisheit letzter                Schrei: Die Sterilisation bringt Frauen ein erh\u00f6htes Risiko an                Geb\u00e4rmutterhalskrebs, beide Methoden kann man nicht r\u00fcckg\u00e4ngig                machen \u0096 ein Kinderwunsch ist nachtr\u00e4glich kaum mehr erf\u00fcllbar.                \u0084Was soll das?\u0093 werden sich jetzt einige fragen: \u0084Ich nehme die                Pille und so haut es auch hin!\u0093 Sch\u00f6n, aber nicht jede Frau kann                aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden die Pille nehmen und so mancher Mann                ist allergisch auf die aus Latex hergestellten Kondome. Was also                tun, wenn eine gemeinsame Kinderschar noch kein Thema ist?<\/p>\n<p>               Als Res\u00fcmee kann                man nur sagen, dass Verh\u00fctung eben <b>nicht m\u00e4nnlich oder weiblich<\/b>                ist, sondern <b>m\u00e4nnlich und weiblich<\/b> aber ganz besonders eben               <b>individuell<\/b>: <b>f\u00fcr jedes Paar, eben ganz nach den                pers\u00f6nlichen M\u00f6glichkeiten<\/b>. Eine Thematik, die ausdiskutiert                werden muss in einer Beziehung wie etwa, wer heute das Auto hat                oder wer morgen kocht oder n\u00e4chste Woche die Kinder von der Schule                abholt. Wichtig ist halt nur, dass man \u00fcber alle M\u00f6glichkeiten                informiert ist und keine Scheu hat, sich zu erkundigen. Das                betrifft mann wie frau. Seltsam erscheint mir in dem Zusammenhang                trotzdem, dass eine gro\u00dfe Kinderschar, die vor 100 Jahren noch als                ein eigenes Symbol an \u0084Reichtum\u0093 galt, als \u0084Altersversorgung\u0093,                jetzt genau das Gegenteil assoziiert: Not, leben unter der                Armutsgrenze, sozialer Abstieg \u0096 obwohl es uns heute so gut geht                wie nie und mehrere Kinder leichter zu versorgen w\u00e4ren denn je.<\/p>\n<p>               So sieht unsere                Gesellschaft aus: Wir schaffen uns ganz wenige Kinder an                (statistisch gesehen 1,4 pro Paar), f\u00fcr die wir nie Zeit haben,                weil wir alle arbeiten gehen. Kinder, die wir mit Spielzeug und                teuren Kleidern, etc. eindecken und die die halbe Zeit allein vor                dem TV-Ger\u00e4t oder dem PC sitzen. Dabei w\u00e4re das N\u00f6tigste, was                unsere Kinder von uns br\u00e4uchten, unsere Zeit: ein gemeinsamer                Nachmittag, ein Ausflug ins Gebirge oder ganz simpel eine                Haus\u00fcbung miteinander gemacht und verglichen. Ist schon eine                verr\u00fcckte Welt, in der wir leben. Wir haben so viel Geld und Luxus                wie nie, wir wollen aber auch sowenig Kinder wie nie zeugen und                geb\u00e4ren, und leben auch noch an ihnen und ihren Bed\u00fcrfnissen                vorbei. Das Problem ist nicht die \u0084Verh\u00fctung\u0093, m\u00f6chte ich sagen,                sondern wir, verh\u00fctet soll doch, streng genommen, ein                Ungl\u00fcck werden und unsere ungeborenen Kinder kann man doch nicht                vorrangig als ein solches ansehen, meint  <\/p>\n<p>               Vivienne<\/p>\n<p>               \u00a0<\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KRITISCH BETRACHTETvon Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; Mai 2002 Das leidige Problem mit der &bdquo;Verh&uuml;tung&ldquo; Als in den 50er Jahren die Antibabypille entwickelt &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-112\/#more-18153\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-18153","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kritisch-betrachtet","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18153","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18153"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18153\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31950,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18153\/revisions\/31950"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18153"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18153"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18153"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}