{"id":18154,"date":"2003-01-17T13:40:35","date_gmt":"2003-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2003\/01\/neue-bohnen-zeitung-113\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:15","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:15","slug":"neue-bohnen-zeitung-113","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-113\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>               DIE BUNTE WELT VON VIVIENNE<br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 November 2003<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Die Achtung vor dem Leben<\/strong><\/p>\n<p>                              \u0084<i>Ich k\u00f6nnte keiner Fliege was zu                leide tun<\/i>!\u0093 ist einer meiner Standards\u00e4tze, wenn gleich ich                mich auch in einem anderen Augenblick \u0096 man braucht es nur im\u00a0                Bohne-Forum nachlesen \u0096dar\u00fcber ausgelassen habe, wie gern ich                jemand bestimmten \u0084das Genick brechen w\u00fcrde, wenn er mir wieder                \u00fcber den Weg liefe\u0093. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich nicht, keine Frage, aber                dieses unbedachte Posting war Anlass genug f\u00fcr mich, \u00fcber die                Gewaltbereitschaft von uns Menschen nachzudenken, zu                philosophieren dar\u00fcber, wie stark die Gewaltbereitschaft schon in                unserer Sprache vertreten ist: diktiert von Gewalt- und                Brutalszenen im Fernsehen, im Kino, in Computerspielen, ja, in                allen Medien. Von Gewaltbereitschaft, die sich \u00fcber unsere Sinne                in unsere Gehirne schleicht und S\u00e4tze wie \u0084<i>Ich bring den Kerl                um<\/i>!\u0093, wenn man einfach w\u00fctend ist, zu einer                Selbstverst\u00e4ndlichkeit werden l\u00e4sst, die zumindest mir Angst                macht.<\/p>\n<p>                              Was hei\u00dft eigentlich \u0084<b>Achtung                vor dem Leben<\/b>\u0093? Nie wurde mir das sch\u00f6ner vor Augen gef\u00fchrt                als vor ein paar Jahren im Fr\u00fchsommer. Ich war bei einer Freundin,                Anita, die ich nur sehr selten sehe, und ihrem damaligen Freund in                dessen Wochenendhaus in einem Waldst\u00fcck in der N\u00e4he von Freistadt                eingeladen. Der Gesch\u00e4ftspartner von Anitas Freund war auch da,                gemeinsam mit seiner Frau und dem Kind, einem etwa zweij\u00e4hrigen                M\u00e4dchen. Es war wundersch\u00f6n dort, die Aussicht war herrlich und                ich genoss es, einfach auf der Wiese zu sitzen und die Strahlen                der Sonne aufzufangen. Die Gattin des Gesch\u00e4ftspartners spielte                ein paar Schritte von mir entfernt mit ihrer Kleinen, als diese zu                weinen begann.<\/p>\n<p>                              Und dort wurde ich Zeuge eines                Gespr\u00e4chs, in dem diese Mutter ihre Tochter liebevoll tr\u00f6stete,                weil sie sich vor einer kleinen Laus gef\u00fcrchtet hatte. Als das                M\u00e4del die Laus schlie\u00dflich verjagen wollte und sie dabei beinahe                zerdr\u00fcckt h\u00e4tte, erl\u00e4uterte die junge Frau mit einfachen wie                ber\u00fchrenden Worten ihrer Tochter, dass die kleine Laus auch Angst                h\u00e4tte und auch gern leben w\u00fcrde \u0096 so wie das M\u00e4dchen selber. Ich                werde diese Szene nie vergessen, sie brachte mich zum Nachdenken                \u00fcber mich selber, ob wirklich jede Gelse mit dem Spray bek\u00e4mpft                werden muss und jeder Schnecke im Garten \u0084Schneckenkorn\u0093 geb\u00fchrt,                weil halt die Einstellung zu solchen Kleinstlebewesen in diesen                Zeiten lautet: \u0084<i>Was dir nicht n\u00fctzt, das braucht auch nicht                leben.<\/i>\u0093<\/p>\n<p>                              Falls Sie sich denken, die gute                Vivienne wird jetzt ein bissl wunderlich, weil sie sich \u00fcber                Insekten und L\u00e4use den Kopf zerbricht, so sei Ihnen gesagt: ich                sehe nicht nur diese winzigen Tiere, ich versuche vielmehr den                Gesamtkontext zu betrachten. Der Mensch hat im Laufe der                Jahrhunderte nie wirklich einen Gedanken daran verschwendet,                welches Unheil er zum Teil in der Natur anrichtet, aus einem                bequemen Denken heraus, das nicht \u00fcber die eigene Nasenspitze                hinaus geht. Man macht sich allgemein viel zu wenig Gedanken, wie                viele Tiere seit der \u0084Weltherrschaft\u0093 der Primaten ausgestorben                sind und die noch leben k\u00f6nnten, wenn sich die Menschheit mehr                Respekt vor dem Leben bewahrt h\u00e4tte, nicht nur vor dem der eigenen                Spezies sondern auch vor dem der Tiere, die\u00a0 &#8211; so banal es                vielleicht klingen mag \u0096 ebenfall Gesch\u00f6pfe Gottes sind und ohne                die auch der Kreislauf der Natur mehr und mehr gest\u00f6rt wird und                schon gest\u00f6rt worden ist.<\/p>\n<p>                              Aber wenden wir uns in weiterer                Folge dem Homo Sapiens zu. Im Sommer konnte man in der \u0084Welt der                Frau\u0093 einen Artikel nachlesen, in dem anerkannte \u00c4rzte zum Thema                Fr\u00fcherkennung von Behinderungen beim Ungeborenen referierten.                Details wurden angef\u00fchrt, wie man speziell das \u0084Down-Syndrom\u0093                (Mongolismus) schon relativ fr\u00fch durch Fruchtwasseruntersuchungen                erkennen kann und wie den betroffenen Schwangeren frei nach dem                mehr als fragw\u00fcrdigen Motto \u0084<i>Keine Frau braucht ein behindertes                Kind zur Welt bringen!<\/i>\u0093 als wirkungsvolle Therapie nat\u00fcrlich                die Abtreibung nahe gelegt wurde. Ich will hier keine                Grundsatzdiskussion \u00fcber die Abtreibung selbst heraufbeschw\u00f6ren,                jede Frau soll in ihrem speziellen und einzigartigen Fall nach dem                Gewissen entscheiden, aber ich pers\u00f6nlich finde, dass derartige                \u0084Pr\u00e4ventionen\u0093 und Empfehlungen genau genommen schon ins dritte                Reich geh\u00f6ren oder sonst in einen totalit\u00e4ren Staat, in dem nur                sch\u00f6ne Menschen mit geraden Gliedern ein Recht zu leben haben.<\/p>\n<p>                              Ganz abgesehen davon, dass durch                die beschrieben Fruchtwasseruntersuchungen durchaus auch                schwerwiegendere Chromosomenanomalien oder \u00fcberhaupt andere                Behinderungen \u00fcbersehen werden k\u00f6nnen und ein Befund nie wirklich                hundertprozentig sein muss. Der Mensch spielt sich in solchen                F\u00e4llen auf geradezu menschenverachtende Weise als Herr \u00fcber Leben                und Tod auf. Und der Terminus vom \u0084<i>unwerten Leben<\/i>\u0093 liegt                f\u00fcr mich f\u00f6rmlich in der Luft. Nicht dass Sie mich missverstehen,                ich selber habe keine Kinder, Gott allein wei\u00df, ob ich je welche                haben werde, aber eine Abtreibung kann nie \u0084Therapie\u0093 sein, wie in                der \u0084Welt der Frau\u0093 angef\u00fchrt, sondern allenfalls der letzte                Ausweg in einer sehr pers\u00f6nlichen Situation. Ich werfe daher                sicher nicht den ersten Stein, aber es geht mir einfach darum zu                erl\u00e4utern, dass das Recht das Leben anderer zu bestimmen                grunds\u00e4tzlich nicht uns Menschen obliegt. Ob man nun an Gott                glaubt oder nicht.<\/p>\n<p>                              Besonders deutlich wird jedem wohl                die \u0084Achtung\u0093 des menschlichen Lebens anschaulich vor Augen                gef\u00fchrt, wenn im Fernsehen \u00fcber einen Krieg berichtet wird,                speziell wie im Fr\u00fchjahr, als die USA zum xten Mal den Irak                bek\u00e4mpften. Wenn die Sache irgendeiner gro\u00dfen und m\u00e4chtigen Nation                oder fundamentalistischen Organisation dienlich ist, erlangt eine                Auseinadersetzung schnell den Status eines \u0084Heiligen Krieges\u0093.                Jede Menge Blut wird vergossen, wobei die eigenen Verluste immer                in Medienberichten herausgestrichen werden, wie viele Gegner schon                von eigener Hand erledigt wurden, dar\u00fcber wird der Mantel des                Schweigens gebreitet oder die Verluste des Gegners werden gleich                als gerechtfertigt dargestellt. Soldaten sind wie Figuren auf                einem Spielfeld, die bereitwillig von beiden Seiten geopfert                werden um die eigenen \u0084hehren\u0093 Ziele zu erreichen.<\/p>\n<p>                              \u0084<i>T\u00f6te einen Menschen, und du                bist ein M\u00f6rder, t\u00f6te tausend, und du bist ein Held<\/i>.\u0093 Dieser                Spruch charakterisiert perfekt das Wesen des Krieges, in dem f\u00fcr                Achtung vor dem Leben kein Platz ist. Unsere Gesellschaft zeigt                auch keine Tendenzen, dass sich dieses grausige Ph\u00e4nomen je \u00e4ndern                k\u00f6nnte, zumindest nicht in absehbarer Zeit. Wie der Frieden                beginnt auch die Achtung vor dem Andern im kleinsten Kreis, wie                man mit anderen umspringt, darin liegt auch der Schl\u00fcssel zur                eigenen Bereitschaft dem Umfeld mit Achtung oder Missachtung zu                begegnen. Vom aggressiven Spruch zur aktiven Aggression f\u00fchrt nur                ein kurzer Weg, oft liegt es nur am Mangel an Gelegenheit, dass                sie nicht fr\u00fcher zutage tritt. Denken Sie doch an jene Sch\u00fcler,                die in ihren Schulen, bei uns und anderswo, schon ein Blutbad                anrichteten, oft aus dem Nichts, unvorhersehbar.                <\/p>\n<p>               <b>               Wer                sein eigenes Leben nicht achtet, dem ist auch das Leben anderer                unbedeutend<\/b>,                meint<\/p>\n<p>               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">                                             Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIE BUNTE WELT VON VIVIENNE von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; November 2003 Die Achtung vor dem Leben &#132;Ich k&ouml;nnte keiner Fliege was &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-113\/#more-18154\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-18154","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kritisch-betrachtet","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18154","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18154"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18154\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31963,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18154\/revisions\/31963"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18154"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18154"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18154"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}